1. Versuche, Dinge in Bezug zur Ewigkeit zu sehen

6 Dinge, die uns helfen mit Enttäuschungen umzugehen

Unser aller Schicksal ist es, in eine unvollkommene Welt geboren worden zu sein, die voller Enttäuschungen und unbeantworteter Fragen ist. Es ist ganz natürlich, sich unter diesen Umständen Sorgen um die Zukunft zu machen. Wir machen uns Gedanken darüber, ob Dinge für uns und unsere Lieben gut ausgehen werden.

Oft versuchen wir dabei, den Sinn des Lebens aus einer stark eingeschränkten Perspektive zu erkennen; das wäre, als ob wir versuchen würden, anhand einer ersten Seite eines Romans die ganze Geschichte zu verstehen. Eine Sichtweise, die sich darauf beschränkt, was wir sehen, spüren, fühlen und sofort erklären können, wird dazu führen, dass wir unzufrieden sind und uns nach mehr, einem tieferen Verständnis, sehnen. Eine weiterreichende, vielleicht gar ewige Perspektive zeigt uns jedoch, dass von den Enttäuschungen des Lebens auch Gutes kommen kann, dass Stärke durch Schwäche kommt und dass Freude und Leid Hand in Hand gehen.

Wir werden alle möglichen Hindernisse überwinden müssen. Dies ist jedoch notwendig, wollen wir den Zweck unseres Lebens erfüllen. Jede Herausforderung, der wir uns hier gegenüber sehen, bereitet uns auf etwas umso Größeres auf der anderen Seite vor. Das Leben ist wie ein Forschungslabor für die Ewigkeit: Wir lernen und wachsen; mit der Zeit werden wir besser, weiser und erweitern unser Verständnis.

Quälende Fragen werden letztendlich beantwortet, Ungerechtigkeiten des Lebens wiedergutgemacht und Dinge, die unmöglich erscheinen, werden Wirklichkeit.

Versuche also, das Gute hervorzuheben, und verlasse dich darauf, dass dir Gutes passieren wird. Wir können nicht aus Angst den Kopf einziehen oder die Hoffnung aufgeben.

Vor einigen Hundert Jahren schrieb ein irischer Dichter folgende Hoffnung gebende Zeilen, die über Generationen hinweg gesungen wurden. In „Steh mir vor Augen” (engl.: Be Thou My Vision) spricht der Dichter davon, Vertrauen in die Gegenwart zu haben und Hoffnung für die Zukunft – die ewige Perspektive, die uns helfen wird, sicher nach Hause zurückzukehren:

Herrscher des Himmels, Vollender der Welt,

auf dich ist all mein Vertrauen gestellt.

Trotz aller Nöte – auf dich will ich baun.

Steh mir vor Augen, Herr, dich lass mich schaun.

2. Vergesst nicht, dass es ein zweites Licht gibt

6 Dinge, an die Du denken kannst, wenn Du dich unzulänglich fühlst.

Vor langer Zeit erzählte der berühmte Erweckungsprediger Dwight Moody seiner Gemeinde eine Geschichte von einem Boot, das in einer sternenlosen Nacht in der Nähe des Hafens von Cleveland hilflos von einem Sturm auf den Wellen hin- und hergetrieben wurde. Die Seeleute konnten den Leuchtturm zwar sehen, mussten sich aber ihren Weg durch die tückischen Klippen bahnen. Normalerweise gab es ein Licht, das von der Küste aus zusammen mit dem Leuchtturm den Weg in die Sicherheit wies. Doch war das untere Licht in dieser Nacht ausgegangen.

Der verzweifelte Kapitän entschloss sich, da er keine andere Wahl hatte, den Weg in den Hafen auch ohne dieses zweite Licht zu wagen. „Mit starkem Arm und voller Mut” – aber in fast vollständiger Dunkelheit – „stand der Kapitän am Ruder.” Leider gelang es ihm nicht. Das Schiff zerbarst an den Klippen, und die Seeleute kamen ums Leben.

Moody erklärt dann, was die Lehre der Geschichte ist: Der Herr kümmert sich um den großen Leuchtturm, aber wir sind dafür verantwortlich, dass auch das zweite Licht weiter leuchtet. Philip Paul Bliss, der in der Versammlung für die Musik zuständig war, fühlte sich durch die Geschichte Moodys zu dem Lied „Hell erstrahlt die Gnade des Vaters” (engl.: https://www.lds.org/music/library/hymns/brightly-beams-our-fathers-mercy-mens-choir?lang=eng) inspiriert, das zu einem seiner bekanntesten Lieder wurde. Er komponierte auch die Melodie zu „Das untere Licht”, das 1871 zum ersten Mal veröffentlicht wurde.

Die Stürme des Lebens mögen uns in Gefahr bringen, jemand mag sich nach dem strahlenden Licht der Gnade unseres Vaters sehnen, aber weiß nicht, wie er die Hindernisse auf dem Weg dorthin überwinden kann – wir alle kennen dieses Gefühl. Wir alle waren schon einmal in diesem verlorenen Zustand.

Oft bedient sich Gott unser, um sie zu retten. Wenn wir die Flamme unseres Glaubens in unserem Herzen am Brennen halten können, wenn wir unser Licht mit dem Licht dort oben in Position bringen, können wir einem erschöpften Seemann helfen, sicher nach Hause zurückzukehren. Wir können dieses „zweite Licht sein, das seinen Schimmer über das Meer wirft. Wir können dadurch vielleicht einen erschöpften, kämpfenden Seemann retten.”

3. Ein einziger Schritt reicht aus

Kleine Schritte machen Fortschritt 6 Dinge an die Du denken kannst

Man lebt das Leben Schritt für Schritt. Wenn wir ausreichend Geduld haben, lernen wir viel dadurch, dass wir einen Schritt im Glauben gehen – und dann einen weiteren und noch einen. Als John Henry Newman 1833 von Europa zu seinem Zuhause in England reiste, erkrankte er an Malaria. Die Lage wurde noch dadurch verschlimmert, dass der Ostwind zu wehen aufhörte, Nebel aufzog und sein Schiff auf See liegen blieb. Er sehnte sich sehr nach England – seinem Zuhause – und war daher durch diesen Aufschub frustriert. Während er also dort auf hoher See gefangen war, wandte er sein Herz dem Himmel zu. In der Vergangenheit war sein Glaube durch Stolz und Egoismus geschwächt worden. Aber nun nicht mehr. Er fühlte sich niedergeschlagen und brauchte göttlichen Trost und Zusicherung. Er war in Nebel eingehüllt und brauchte das Licht des Himmels. In diesen Tagen schrieb Newman folgende Worte:

„Führ, gütges Licht, mit deinem hellen Schein, o leite mich!

Die Nacht ist dunkel und die Heimat fern, o führe mich!

Ich will nicht fragend in die Zukunft sehn, nur Schritt für Schritt von dir geleitet gehn.”

Oft genügt ein einziger Schritt. Manchmal lähmen uns Stolz oder Furcht, so dass wir nicht bereit sind, einen weiteren Schritt zu wagen, so lange wir nicht genau wissen, wo dieser uns hinführen wird. Oder wir planen bereits unseren ganzen Weg – mitsamt den Kilometermarken unterwegs. Setzen wir uns solche Ziele, kann dies dazu führen, dass unser Leben sich verbessert und wir wachsen und Fortschritt machen. Und dennoch brauchen wir, wie auch John Henry Newman erfahren musste, Geduld und müssen manchmal vielleicht auch Abstand nehmen. Ein Stillstand auf dem Meer kann genauso eine Herausforderung sein, wie von den Wellen hin- und hergeworfen zu werden. Nicht immer wird es uns gelingen, das Schiff des Lebens durch unseren eigenen Einfallsreichtum und durch unseren Willen fortzubewegen. Manchmal ist es wichtig, abzuwarten und im Moment zu leben. Dadurch können wir Inspiration erlangen und ein Auge für Schönes entwickeln; unser Glaube an Ewigwährendes kann wieder aufleben. Durch die Worte des Psalmisten können wir Trost empfangen: „Hoffe auf den Herrn und sei stark! Hab festen Mut und hoffe auf den Herrn!” (Psalm 27:14)

4. „Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.”

6 Dinge, an die Du denken kannst, wenn Du dich unzulänglich fühlst.

In der Bibel wird geschildert, dass Paulus etwas, das er „Stachel im Fleisch” (2. Korinther 12:7) nennt, hatte – eine Prüfung oder Schwierigkeit, die ihm half, demütig und standhaft zu bleiben. Dreimal bat er den Herrn, sie ihm zu nehmen, aber sie blieb. Und dennoch gelang es Paulus, einen tieferen Sinn in seinen Schwächen und Herausforderungen zu erkennen, und er sagte weise: „Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark”. (2. Korinther 12:10)

Wir alle machen die Erfahrung, dass der Lebensweg nur bergauf zu gehen und voller Hindernisse und Gefahren zu sein scheint. Wir sollen uns durch dies aber nicht aufhalten oder entmutigen lassen. All das ist dazu da, dass wir uns verändern. Wenn wir uns unseren Herausforderungen mit Mut, Geduld und Glauben stellen – und dabei sicherlich noch mehr davon entwickeln – erreichen wir den Gipfel und machen dabei eine wichtige Entdeckung: Auf unserem Lebensweg ist das Ziel weniger wichtig, als was aus uns auf dem Weg dorthin geworden ist. Zurückschauend können wir sehen, dass unsere Schwierigkeiten dazu geführt haben, dass wir uns verbessert haben und stärker wurden. Wir erreichen unser Potential oft durch ungünstige Umstände – oder gerade ihretwegen. Unsere größten Enttäuschungen können unsere besten Lernmomente werden.

Ein unbekannter Autor wurde von dieser Wahrheit zu folgenden Worten inspiriert:

Ich bat Gott um die Kraft, etwas zu erreichen.

Er machte mich schwach, damit ich lernte demütig zu gehorchen.

Ich bat um Gesundheit, um noch Größeres zu erreichen.

Er gab mir Schwächen, um Besseres zu tun.

Ich bat um Reichtum, um glücklich zu sein.

Er gab mir Armut, um Weisheit zu lernen.

Ich bat um Macht, um das Lob von Menschen zu bekommen.

Er gab mir Schwäche, damit ich merkte, dass ich ihn brauchte.

Ich bat um Dinge, um das Leben zu genießen.

Er gab mir das Leben, um die Dinge zu genießen.

Ich bekam nichts von dem, um das ich gebeten hatte – aber alles, was ich brauchte.

Trotz meiner Wünsche wurden meine Gebete beantwortet.

Ich bin reichlich gesegnet.

5. Zünde eine Kerze an

6 Dinge an die Du denken kannst, wenn Du dich unzulänglich fühlst

Es gibt eine Geschichte von einem jungen Mädchen, das eine wunderschöne Kerze geschenkt bekam. Sie war filigran und einzigartig. Die Kerze war ihr so wertvoll, dass sie sich vornahm, sie für eine besondere Gelegenheit aufzubewahren. Sie legte die Kerze, die sie so liebte, in eine Schublade, damit sie nicht kaputtginge. Sie entdeckte die Kerze erst einige Jahre später wieder. Die Kerze war inzwischen verzogen und hatte fast die Form eines Cs. Sie konnte sie nicht mehr als Kerze verwenden. Diese Entdeckung war ein entscheidender Moment für sie: Sie beschloss, von nun an Kerzen immer sofort anzuzünden und sie nicht mehr aufzubewahren, um sie irgendwann genießen zu können.

Wir müssen im Hier und Jetzt leben. Natürlich müssen wir dabei die Zukunft nicht ganz vergessen und müssen trotzdem weise und verantwortungsvoll mit unseren Mitteln umgehen. Aber statt ständig etwas auf die Zukunft zu verschieben, müssen wir das Leben in vollen Zügen genießen und von den Möglichkeiten, die sich uns bieten, Gebrauch machen. In der Bibel steht geschrieben: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.” (Psalm 118:24)

Eltern, deren Kinder bereits erwachsen und aus dem Haus sind, geben jüngeren Eltern oft den Rat, „die kleinen Momente mit den Kindern zu schätzen zu wissen; die Zeit vergeht so schnell. Bald sind sie weg.” Die Älteren machen mit den Worten Mut: „Geht raus und genießt einen Spaziergang, haltet eine Hand, solange ihr die Möglichkeit dazu habt.” Die, die erfahren haben, wie es sich anfühlt, einen geliebten Menschen zu verlieren, raten: „Liebt von ganzem Herzen; sagt euren Lieben, dass ihr sie liebt. Das Leben ist so kurz.” Aus Erfahrung wissen wir, dass es manchmal kein Morgen gibt und dass wir heute bereits leben, lieben und einander schätzen müssen.

So manches Mal legen wir etwas weg, damit es sicher ist und nichts passieren kann – und dann vergessen wir es oder es geht kaputt. Vielleicht warten wir zu lange. Manchmal sind wir vielleicht so von Versäumnissen in der Vergangenheit gefangen oder von Sorgen um die Zukunft, dass wir die Segnungen im Hier und Jetzt nicht erkennen. Vielleicht bleibt unser schönstes Porzellan jahrelang ungenutzt im Schrank. Holt das Porzellan aus dem Schrank; verwendet es. Zündet eine Kerze an, erfreut euch daran. Jeder Tag hat seinen Reiz. Schenkt Liebe und fühlt sie. Schiebt es nicht auf, die kleinen und einfachen, wertvollen Momente im Leben zu genießen.

6. Enttäuschungen sind ein wichtiger Teil unseres Entstehungsprozesses

Enttäuschungen gehören zum Leben

An einem Meisterwerk sehen wir außergewöhnliches Talent, künstlerische Fähigkeiten oder handwerkliches Können. Es ist eine große intellektuelle oder künstlerische Errungenschaft. Historisch gesehen, ist ein Meisterwerk die beste Arbeit eines Künstlers; der Nachweis, dass er oder sie nach jahrelanger Übung den Stand eines Meisters erlangt hat. Sehen oder lesen wir ein Meisterwerk, denken wir jedoch nur selten darüber nach, wie viel Zeit, Anstrengung und Fehler dazu gehörten, so weit zu kommen. Man hört manchmal, dass wir ein im Entstehen begriffenes Meisterwerk seien. Das mag vielleicht banal oder klischeehaft klingen, jedoch kann es in Zeiten schwerer Niedergeschlagenheit – in Zeiten, in denen wir uns wahrlich nicht als Meisterwerk fühlen – ein Trost sein.

Wir alle erleben solche Zeiten, auch diejenigen, die fehlerlos scheinen; in Wahrheit ist das niemand. Wir alle haben Stärken und Schwächen, positive und weniger positive Eigenschaften und Gewohnheiten. Wir alle erleben Momente, in denen wir unser bestes Selbst sind und solche, in denen wir das nicht sind. Und obwohl der Blick auf unsere Vergangenheit durch Fehler und Enttäuschungen getrübt sein mag, ist uns doch eine Zukunft mit Wachstum und Verbesserung in Aussicht gestellt.

Denkt einmal über folgenden weisen Ratschlag nach: „Gott möchte uns dabei helfen, alle unsere Schwächen zu Stärken werden zu lassen – er weiß allerdings, dass das ein langfristiges Ziel ist…Viele von euch haben so viel Geduld und Verständnis für die Schwächen anderer. Denkt daran, das auch für euch selbst zu haben.”

Kein Meisterwerk wird jemals in einem Augenblick geschaffen. Seid dankbar für die kleinen Erfolge, die einfachen Freuden, die guten Zeiten – selbst die schweren Zeiten. Alles ist ein weiterer Pinselstrich, eine neue Strophe, eine weitere Note auf dem Weg zum Endprodukt. Durch alles können wir lernen, werden wir belehrt, und alles gibt uns Kraft für Künftiges. Das Leben ist ein Prozess aus Veränderungen und Verbesserungen: Wir werden gütiger, stärker, besser. Habt dabei Geduld und behaltet im Gedächtnis, dass wir alle ein Werk im Entstehungsprozess sind – ein im Entstehen begriffenes Meisterwerk.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und auf ldsliving.com am 23.6.16 veröffentlicht. Der Autor ist Lloyd Newell. Es handelt sich um einen Auszug aus dem Buch Celebrating Music and the Spoken Word. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.