Ich fühle mich in Marokko, wo ich lebe – einem so völlig anderen Land als das, in dem ich aufgewachsen bin – oft unbehaglich. Eigentlich fast immer. Ich fühle mich unbehaglich, wenn mir jemand eine Frage stellt, die ich nicht verstehe, und ich raten muss, um die richtige Antwort zu finden. Ich fühle mich unbehaglich, wenn ich Glühbirnen kaufen möchte, aber nicht weiß, wohin ich gehen muss und deswegen von 4 Ladenbesitzern 5 Mal woanders hingeschickt werde. Und es ist definitiv außerhalb meiner Komfortzone, wenn auf meinem Nachhauseweg eine Herde Schafe weidet und ich mich an ihnen vorbeidrücken muss, um nach Hause zu kommen. 

Anfangs bedeutete dieses Gefühl des Unbehagens für mich, dass ich unglücklich war. Marokko war daher erwartungsgemäß nicht der Ort, an dem ich besonders viel Freude hatte – bis ich lernte, dass ich einen Unterschied machen konnte, zwischen sich wohl oder behaglich zu fühlen und glücklich zu sein.

Außerhalb der Komfortzone in Marokko.

Wir alle haben schon seit unserer Kindheit immer wieder gehört, dass wir davon profitieren, unsere Komfortzone zu verlassen. Es aber tatsächlich zu tun, ist eine ganz andere Geschichte. Dadurch, dass ich in Marokko ständigen Kommunikationsschwierigkeiten ausgesetzt bin und mir ziemlich häufig ziemlich dumm vorkomme, stehe ich fast permanent außerhalb meiner Komfortzone. Bevor ich hierher kam, war mir nicht bewusst, dass es wichtig für mich war, auf einfache Art und Weise mit anderen kommunizieren zu können und mir (zumindest halbwegs) intelligent vorzukommen. Nachdem ich dies feststellte, verbrachte ich anfangs viel Zeit damit, Situationen, in denen ich zu langsam oder gar unfähig war mich mitzuteilen, zu vermeiden. Und das war fast in jeder Situation der Fall.

Erst durch einen anderen Kollegen im Friedenskorps lernte ich, dass man sich in einer Situation nicht wohlfühlen muss, um auch glücklich zu sein. Eine Zeitlang ließ ich mir diesen weisen Gedanken durch den Kopf gehen und fing an, mir die Ereignisse in meinem Leben genauer anzuschauen. Ich begann, mich bewusst darum zu bemühen, mein ständiges Unbehagen keinen Einfluss darauf haben zu lassen, wie es mir ging. Ich fing also an, Glücklichsein und Wohlbehagen zu trennen. Mir war bis dahin gar nicht bewusst gewesen, dass zwischen diesen zwei Empfindungen bei mir ein Zusammenhang bestanden hatte. Wenn also ein Marokkaner in einem Gespräch nicht verstand, was ich sagte, fing ich an, anstatt aufzugeben und das Gespräch zu beenden, mich darum zu bemühen, verstanden zu werden. Ich suchte nach mehr Möglichkeiten, mit anderen Kontakt zu haben, statt diese zu umgehen, und suchte nach neuen Aktivitäten, um mich einzubringen.

Glücklichsein auch in der Wüste des Lebens.

Mich selbst davon zu überzeugen, dass ich trotz Unbehagens glücklich sein konnte, war anfangs nicht einfach. Es half mir, wenn ich mich auf positive Kleinigkeiten konzentrierte. Wenn es mir beispielsweise in einem Gespräch nicht gelungen war, mich verständlich zu machen, versuchte ich mit meinem Kommunikationspartner zusammen darüber zu lachen und dem Gespräch trotzdem eine positive, menschliche Note abzugewinnen. Vielleicht hat derjenige sich zwar über meinen Akzent lustig gemacht, aber verstand wenigstens meine positive Grundgesinnung! Wenn ich Einladungen aussprach, kam es vor, dass nur eine Person ihr folgte, aber immerhin konnte ich dann diese eine Person besser kennen lernen!

Dadurch, dass ich den kleinen positiven Dingen Freude abgewann, machte ich viele neue Bekanntschaften und kam früheren Bekannten deutlich näher. Als ich heute zu einem Laden in der Nähe ging, um Eier zu kaufen, schenkte der Besitzer mir einen Teller mit Couscous, den mein Mann und ich zum Abendessen haben sollten. Natürlich hat das auch mit der marokkanischen Gastfreundlichkeit zu tun, aber ich glaube, dass es auch das Ergebnis meiner Anstrengung war, trotz der sprachlichen Hindernisse ein längeres Gespräche mit dem Ladenbesitzer zu führen, mein Arabisch zu verbessern und meine Kommunikationsfähigkeit über das Bitten um Lebensmittel hinaus zu erweitern.

Ich habe einiges an Willenskraft aufbringen und lernen müssen, meine Urinstinkte zu ignorieren, um mich dabei wohl zu fühlen, mich unwohl zu fühlen. Aber das Ergebnis war es wert. Wir können um so viel mehr wachsen, wenn wir uns aus unserer Komfortzone hinaus bewegen. Wenn wir verstehen, dass wir trotz persönlichen Unbehagens glücklich sein können, wird es uns wesentlich leichter fallen.


Bethan

Bethan liest gerne, hört Punk der 80er Jahre, joggt gerne langsam. Sie arbeitet an ihrem Masterabschluss und dient mit ihrem Mann Caleb derzeit für das Friedenskorps in Marokko

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 6.5.17  auf rubygirl.org unter dem Titel „Learning to be comfortable feeling uncomfortable” veröffentlicht. Die Autorin ist Bethan. Übersetzt von Kristina Vogt.

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