Glaube ist sowohl eine sehr einfache als auch eine sehr komplizierte Sache. Wir erzeugen Glauben, indem wir den einfachen Wunsch danach haben und bereit sind, danach zu handeln. Aber was in unserem Leben passiert, wenn wir uns für den Weg des Glaubens entscheiden, ist alles andere als einfach.

Als ich nach Ideen forschte, wie ich meine Gefühle über Glauben ausdrücken kann, stieß ich auf diese Ansprache von der Oktober-Generalkonferenz 2015 von Elder Neil L. Andersen. Ich habe 10 Grundsätze des Glaubens aus seiner Ansprache gezogen.

Glaube als ein Prinzip der Macht hat die Fähigkeit, unser Leben erheblich zum Besseren zu verändern. Es ist immer eine Verbesserung, weil Glauben nur ausgeübt werden kann, wenn die Dinge, an die wir glauben, wahr sind. Dadurch wird die Menge an Licht in unserem Leben vergrößert, denn der Heilige Geist, Licht und Wahrheit sind in vielerlei Hinsicht austauschbar. Lehre und Bündnisse 84:45 sagt aus:

„Denn das Wort des Herrn ist Wahrheit, und was auch immer Wahrheit ist, das ist Licht, und was auch immer Licht ist, das ist Geist, ja, der Geist Jesu Christi.”

1. Glaube ist Materie

Glaube sendet ein geistiges Licht aus, und dieses Licht kann man erkennen.” Hast du dich jemals gewundert, wie der Erretter mit jemandem sprechen und sagen konnte, wieviel Glauben diese Person hat? Siehe L&B 84:45. Der Geist Jesu Christi ist Licht und Wahrheit. Für ihn ist er eine Materie, die gemessen werden kann, und er ist dessen Quelle. Für Christus ist unser Glaube eine wahrnehmbare Substanz. Er weiß, wie viel wir empfangen und entwickelt haben.

In Moroni 10:11 wird Glaube als geistige Gabe aufgezählt: „und einem anderen überaus großer Glaube; und einem anderen durch den gleichen Geist die Gaben des Heilens;” In Lukas 7:9 sagt der Herr zu dem Hauptmann, der Heilung für seinen Diener wollte:

„Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich zu ihm und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich solchen Glauben gefunden.”

2. Glaube ist ein Entscheidung

Glaube an Jesus Christus ist eine himmlische Gabe, die man erhält, wenn man sich dafür entscheidet, zu glauben, und sich darum bemüht und daran festhält.” Glaube entsteht, wenn wir uns zum ersten Mal dafür entscheiden, an einen Grundsatz der Wahrheit zu glauben und danach zu handeln. Es mag sein, dass wir zunächst keine Erkenntnis von diesem Grundsatz haben. Aber sogar wenn wir nur den Wunsch haben zu wissen, ob es wahr ist, ist das ausreichend, solange wir bereit sind, diesem Wunsch entsprechend zu handeln.

Glaube wie ein Senfkorn

“Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.” – Matthäus 17:20

Wie bereits erwähnt ist Glaube eine der Gaben des Geistes. Er kommt von Gott. Glaube ist nicht etwas, das wir selbst erzeugen können. Er ist eine Gabe, die unser Schöpfer uns gern geben will.

Hier ist das Muster, welches befolgt werden muss, um unseren Glauben auszuüben und zu vergrößern: Wir treffen die Entscheidung, an einen wahren Grundsatz zu glauben, wir handeln nach diesem Grundsatz, bis die Wahrheit selbst beweist, dass sie wahr ist. An diesem Punkt haben wir die Erkenntnis, dass der Grundsatz, an den wir glauben, wirklich wahr ist. Wir wissen, dass er wahr ist, weil der Herr uns mit zusätzlichem Licht, zusätzlicher Intelligenz, segnet, welche unserem Herz bezeugt, dass wir unser Vertrauen in etwas Gutes gesetzt haben. Jetzt, da wir mit mehr Licht und Erkenntnis ausgerüstet sind als vorher, sind wir bereit, Glauben an weitere Dinge auszuüben. Schritt für Schritt entwickeln wir somit unseren Glauben weiter. Jedes Mal, wenn wir unseren Glauben ausüben (nutzen), tun wir das, weil wir uns dafür entscheiden, an ein Prinzip der Wahrheit zu glauben. Und dieses Prinzip stellen wir damit auf die Probe. 1 Thessalonicher 5:21 – „Prüft alles und behaltet das Gute!”

3. Glaube fluktuiert

Entweder wird Ihr Glaube stärker oder schwächer.” In diesem Punkt ist es mit Glauben ähnlich wie mit einem Zeugnis. Entweder machen wir Fortschritte und nehmen an Erkenntnis zu, oder wir stehen still in unserer spirituellen Entwicklung und verlieren geistiges Wissen.

Wenn wir aufhören zur Kirche zu gehen und weder beten noch in den Schriften studieren, passiert Folgendes: Unser Glaube lässt nach, und unser Verständnis von Prinzipien des Evangeliums geht verloren, und sie müssen wieder neu gelernt werden.

Im 2. Nephi 28:29-30 steht:

„Weh sei dem, der sagen wird: Wir haben das Wort Gottes empfangen, und wir brauchen vom Wort Gottes nicht noch mehr, denn wir haben genug!

Denn siehe, so spricht der Herr, Gott: Ich werde den Menschenkindern Zeile um Zeile geben, Weisung um Weisung, hier ein wenig und dort ein wenig; und gesegnet sind, die auf meine Weisungen hören und meinem Rat ihr Ohr leihen, denn sie werden Weisheit lernen; denn dem, der empfängt, werde ich mehr geben; und denen, die sprechen: Wir haben genug, denen wird selbst das weggenommen, was sie haben.”

4. Glaube ist ein Entschluss

Wie groß unser Glaube in Zukunft sein wird, hängt nicht vom Zufall ab, sondern von unseren Entscheidungen.” Wenn wir einmal unseren Glauben ausgeübt und von der Wahrhaftigkeit des Evangeliums Jesu Christi Kenntnis gewonnen haben, haben wir neutralen Boden verlassen. Wir sind jetzt verantwortlich für das, was wir gelernt haben. An dieser Stelle kennen wir das Gesetz und werden für unseren Gehorsam ihm gegenüber  zur Rechenschaft gezogen.

Die Lektion, die wir hieraus lernen, ist, dass Glaube sich uns niemals aufdrängen wird. Glaube ist etwas, wonach wir ganz bewusst und mit Vorsatz suchen. Wir müssen wählen, Glauben auf die Weise des Herrn zu erlangen. Wir müssen danach streben, seine Weise nicht nur intellektuell zu erfahren, sondern auch auf einem geistigen Level zu verstehen.

5. Es ist wichtig, wie wir leben

Wie wir unser Leben führen, vergrößert oder verkleinert unseren Glauben. Gebet, Gehorsam und Aufrichtigkeit, Reinheit in Gedanken und Taten sowie Selbstlosigkeit vermehren den Glauben. Ohne diese Eigenschaften wird der Glaube schwächer.”

Beim Glauben geht es nicht nur darum, den springenden Punkt des Evangeliums zu beweisen. Wenn wir ein Prinzip des Gehorsams lernen oder verstehen, wie etwas funktioniert, müssen wir anschließend danach leben oder wir verlieren, was wir erhalten haben. Das Leben ist wie eine Bergauffahrt, und wenn wir etwas, was wir gelernt haben, gehen lassen, rollen wir wieder weiter den Berg hinunter. Wenn wir den Aufstieg begonnen haben, gibt es kein Zurück, ohne dass wir viel Zeit und Energie in dem Prozess verlieren.

6. Fragen sind wichtig

Ernstgemeinten Fragen nachzugehen, spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau des Glaubens. Dabei bedienen wir uns unseres Verstandes und unserer Empfindungen. Der Herr hat gesagt:‚Ich werde es dir in deinem Verstand und in deinem Herzen sagen.'”

Lass es nicht zu, dass andere dir das Gefühl geben, ein Verräter zu sein, wenn du Fragen oder Zweifel hast. Wir lernen keine Wahrheit, ohne Fragen zu stellen. Der Trick ist, zu lernen, die richtigen Fragen zu stellen. Den Herrn zu fragen, wie Ameisen erschaffen wurden, wird dich nicht dem Ziel näher bringen, wie der Erretter zu werden. Aber wenn du fragst, wie du Vergebung erlangen kannst oder danach, wie du die Lehre des Sabbats verstehen sollst etc., wirst du so geleitet, dass du verstehst, wie diese Prinzipien funktionieren, und sie werden dein Leben segnen. Der Sinn des Lebens besteht darin zu werden, was wir werden sollen. Wissen über die Erschaffung und Evolution usw. sind nicht relevant, um wie Christus zu werden. Solche Sachen lernen wir später. Eins nach dem anderen.  

7. Glaube gibt uns Kraft, um weiterzumachen

Der Glaube verlangt keinesfalls auf jede Frage eine Antwort, sondern strebt nach der Zusicherung und dem Mut, vorwärtszugehen, auch wenn man manchmal zugeben muss: ‚Ich weiß nicht alles, aber ich weiß genug, um auf dem Weg des Jüngers weiterzugehen.‛

Wenn man sich in hartnäckige Zweifel vertieft, angetrieben von den Antworten derer, die keinen Glauben haben oder ihm untreu geworden sind, dann schwächt man seinen Glauben an Jesus Christus und an die Wiederherstellung.”

Das Wichtige am Glauben, den wir bereits erlangt haben, ist, dass er uns helfen kann, auf dem Pfad der Rechtschaffenheit zu bleiben, wenn Zweifel sich ansammeln und unser Zeugnis bedrohen. Die Einzigartigkeit dieses Prinzips ist, dass es wichtig ist, unsere Zweifel mit dem, was wir bereits wissen, auszubalancieren.

Manchmal scheinen unsere Zweifel überwältigend. Zu diesen Zeiten können wir manche von ihnen auf die sprichwörtliche lange Bank schieben und uns zwingen, uns für eine Weile auf die Dinge zu konzentrieren, von denen wir bereits wissen, dass sie wahr sind. In den meisten Fällen finden wir heraus, dass wir genug Wahrheiten kennen und diese Dinge unsere Zweifel überwiegen.

Zum Beispiel all die Vorwürfe und Anschuldigungen gegenüber Joseph Smith und Brigham Young usw. Manche Menschen sind schlau und können ihre Beschuldigungen sehr überzeugend vertreten. Aber wenn wir uns daran erinnern, dass das Buch Mormon wahr ist, dann wissen wir auch, dass wir es durch einen Propheten Gottes empfangen haben. Wenn wir wissen, dass Joseph Smith ein Prophet war, können wir sein Verhalten ihm und Gott überlassen. Wenn der Herr mit Joseph unzufrieden war, glaubst du wirklich, er hätte Joseph Smith erlaubt, weiterhin der Prophet zu sein? Vielleicht gibt es Dinge, die wir jetzt nicht wissen. Vielleicht sollten wir Joseph oder Brigham oder über wen auch immer die Nein-Sager sich beschweren nicht so schnell richten. Schließlich wissen wir, dass es Propheten waren. Wenn wir dem Heiligen Geist erlauben uns zu leiten, wenn wir Zweifel haben, wird er die Wahrheiten bestätigen, die wir schon gelernt haben. Das wird uns Kraft geben weiterzumachen, wenn andere sagen, dass wir aufgeben sollen.

8. Glaube nimmt durch das Wort Gottes zu

„Wann haben Sie das Buch Mormon zuletzt von Anfang bis Ende durchgelesen? Lesen Sie es noch einmal. Dadurch wird Ihr Glaube zunehmen.”

Das ist an sich schon ein Macht-Prinzip. Das Wort Gottes hat Macht in sich. Wenn wir die Schriften lesen, vor allem das Buch Mormon, wird diese Macht Einfluss auf unser Leben nehmen und unsere Fähigkeit, Glauben auszuüben, steigern.

Glaube wie ein Senfkorn

Senfpflanzen gibt es von jeglicher Art. Die größten von ihnen werden zu 6-7m hohen Bäumen.

9. Worte lebender Propheten mehren den Glauben

„Eine weitere Gabe Gottes, die unseren Glauben mehrt, ist die Führung durch die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel. Die Führung durch die Erste Präsidentschaft und die Zwölf Apostel hilft Ihnen auch, Ihren Glauben zu schützen.”

Manchmal brauchen wir eine Stütze, wenn wir einen geistigen Tiefpunkt haben. Wenn wir uns dem Wort lebender Propheten Gottes zuwenden, werden diese Worte der Aufmunterung und Offenbarung eine Quelle der Kraft sein, die uns durch finstere Zeiten hilft. Vertraue ihnen, denn sie lieben den Herrn, und sie lieben uns. Sie wollen nur das Beste für uns. Studiere ihre Worte so, wie du die heiligen Schriften studierst.

10. Unser Glaube bestimmt unsere Zukunft

Präsident Thomas S. Monson hat gesagt: „Fürchten Sie sich nicht. … Die Zukunft ist so hoffnungsvoll wie Ihr Glaube.”

Lasst uns niemals unterschätzen wie wichtig es ist, Glauben zu entwickeln. Was wir auf geistiger Ebene erreichen, steht in direktem Zusammenhang damit, wie viel Glauben wir entwickeln. Wir können kein geistiger Riese werden, wenn wir nur zwergenhaften Glauben haben. Beim Glauben geht es darum, eine Beziehung zu Gott zu entwickeln. Wenn wir in die Prinzipien, die Gott ausmachen, vertrauen, lernen wir, dass diese Prinzipien und Gesetze uns glücklicher machen als wir es uns jemals hätten vorstellen können. Es sind die Wege des Herrn, die anhaltende Freude hervorrufen.

Es sind so viele Dinge, die wir noch lernen müssen, um Schritt für Schritt mehr wie Christus zu werden. Jedes Mal, wenn wir etwas mehr Licht empfangen, weil wir eine Wahrheit auf die Probe stellen, sind wir einen Schritt weiter, um mehr wie Christus zu werden. Wenn wir das große Ganze betrachten und lernen, kleine Dinge, die unwichtig sind, loszulassen, fühlen wir uns freier als jemals zuvor. Ein christusähnliches Leben zu führen wird zu einem  aufregenden Abenteuer. Wenn du daran zweifelst, sieh dir die Apostel an, wenn sie Zeit mit den Heiligen der Letzten Tage auf der ganzen Welt verbringen. Schau dir ihr Lächeln an. So ein Lächeln ist nicht gestellt. Sie sind aufrichtig glücklich.

Schlussgedanke

Da hast du es: Glaube beginnt mit dem einfachen Wunsch zu glauben, dann nach dem Wunsch zu handeln, bis du den Beweis empfangen hast, dass es wahr ist. Der Herr kann Wahrheit spüren. Er kann unseren Glauben messen, weil er an uns spüren kann, wie viel Wahrheit wir getestet und in unserem Leben umgesetzt haben. Glaube kommt durch das Hören und Vertrauen auf die Diener des Herrn. Er kommt durch das Studieren der Worte Gottes in der Heiligen Schrift. Er kann Zweifel überwinden und uns Kraft geben weiterzumachen, wenn wir von Negativität umgeben sind. Glaube ist lebendig. Wenn du ihn vernachlässigst stirbt er, wenn du ihn fütterst, wird er wachsen und gedeihen.


Über Kelly P. Merrill

Kelly Merril ist Vorruheständler und schreibt für mormonbasics.com. Er lebt mit seiner Frau auf Hawaii und, ja, macht sich seit zwei Jahrzehnten keine Sorgen zum Thema Winter. Er findet Freude daran, über das Evangelium Christi zu schreiben. Über das Evangelium zu schreiben ist sein persönlicher Weg, Missionsarbeit zu tun. Damit erreicht er sowohl Mitglieder der Kirche als auch Menschen anderen Glaubens, die gerne mehr über Christus und seine Kirche erfahren möchten.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 11. Januar 2016 auf www.ldsblogs.com veröffentlicht. Der Autor ist Kelly P. Merrill. Übersetzt von Maren Leit.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

Anmerkungen des Übersetzers: frei übersetzt.