Hast du dich schon einmal gefragt, wie der Tagesablauf eines Mitglieds der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage so aussieht? Wie zeitaufwendig und intensiv ist es, nach dem Evangelium und den Richtlinien der Kirche zu leben? Der Name der Kirche ist schon recht sperrig auszusprechen – ist dann auch das Leben der Mitglieder kompliziert?

In diesem Artikel stelle ich dir fünf Verhaltensweisen und Gewohnheiten vor, die den Alltag eines Mitglieds prägen. Bist du bereit? Dann geht’s los:

1 Beten

Ein Ehepaar betet zusammen Wertschätzung

Heilige der Letzten Tage beginnen und beenden ihren Tagesablauf mit einem Gebet. Diese Gebete haben keinen festgelegten Inhalt, beginnen aber damit, dass der Vater im Himmel angesprochen wird, und werden beendet mit den Worten „Im Namen Jesu Christi. Amen.“ Der Text dazwischen ist freigestellt und stellt eine Verbindung zu Gott her. Dabei werden Worte des Dankes und Bittens geäußert, die sich auf die aktuelle Lebenssituation beziehen.

Elder David A. Bednar, ein Apostel der Neuzeit, hat erklärt, dass mit dem Beenden des Gebets noch nicht alles getan ist. Stattdessen „streben [wir] vorwärts und setzen nach dem „Amen“ die hingebungsvolle Arbeit des Betens beharrlich fort, indem wir das, was wir dem himmlischen Vater gesagt haben, in die Tat umsetzen.“ (Generalkonferenz, Frühjahr 2008)

Das Gebet gibt sozusagen den Ton an für die Zeit, die darauf folgt. Und da jeder Tag seine besonderen Herausforderungen und Überraschungen mit sich bringt, nutzen die Heiligen auch im weiteren Verlauf des Tages die Macht des Gebets. In besonders herausfordernden Zeiten voll Krankheit und Tod ist das Gebet zuweilen die Hauptzuflucht des Tages – aber auch wenn das Herz vor Dankbarkeit überfließen mag, kann ein Gebet einiges an Zeit in Anspruch nehmen.

2 Schriftstudium

Beim Schriftenstudium

Die Heiligen der Letzten Tage sehen sowohl die Bibel als auch das Buch Mormon sowie die Bücher „Lehre und Bündnisse“ und „Die köstliche Perle“ als Heilige Schrift an. In den Schriften findet sich das Wort Gottes, durch das er den Menschen auf ihrem Weg durchs Erdenleben Führung und Trost gibt. Um jeden Tag auf diese liebevollen Weisungen zugreifen zu können, wappnen sich die Mitglieder, indem sie sich in die heiligen Schriften vertiefen.

Die Propheten und Apostel der Kirche fordern die Mitglieder immer wieder dazu auf, das Schriftstudium zu einer täglichen Gewohnheit zu machen. Es gibt aber keine genauen Vorschriften zur Dauer oder Seitenzahl, die dabei bewältigt werden soll.

3 An den Herrn denken

Das Vorbild, die Lehren und das Sühnopfer des Herrn Jesus Christus sind der Dreh- und Angelpunkt des Glaubens der Heiligen der Letzten Tage. Bei der heiligen Handlung des Abendmahls versprechen die Mitglieder jeden Sonntag, dass sie immer an den Herrn denken.

Beim Gebet und Schriftstudium denkt man automatisch an den Herrn, jedoch auch, wenn man eine Entscheidung in seinem Sinne treffen möchte, seinem Vorbild nacheifert und andere liebt und ihnen dient. Zuweilen sieht oder hört man etwas, das an ein Gleichnis oder eine Begebenheit im Leben Jesu erinnert. Wenn es eine Zeit der Muße und Stille gibt, kann man genauso an den Herrn denken wie wenn es laut und unruhig ist und man im Herrn nach Frieden sucht.

4 Dienen

Als Mitglieder der Kirche haben wir vor allem anderen die Verantwortung unseren Mitmenschen zu dienen.

Da die Mitglieder dem Herrn Jesus Christus nachfolgen möchten, stellen sie sich gerne wie er in den Dienst am Mitmenschen. Dieser Dienst kann aus einem Lächeln oder einem aufmunternden Wort bestehen, einem offenen Ohr für Kummer und Sorgen, aber auch aus tatkräftiger Unterstützung für Menschen, die Hilfe benötigen.

Thomas S. Monson, ein verstorbener Prophet und Präsident der Kirche, belehrte seine Tochter Ann M. Dibbs, dass es wichtig ist, so zu leben, dass man Ende eines Tages sagen kann: „Ich glaube, ich habe heute etwas Gutes getan.“

5 Das Leben leben

Es kommt wahrscheinlich nicht überraschend, dass Heilige der Letzten Tage ganz normale Menschen sind, die eine Familie, Freunde und Hobbys haben, essen und trinken sowie einer Arbeit nachgehen. Es gibt Freude und Lustiges parallel zu Trauer, Kummer und Sorgen. Vieles muss hart erkämpft werden, das Leben hält aber auch für jeden Talente und Segnungen bereit, die ermuntern und Wohlbehagen auslösen.

Dies alles ist vom Vater im Himmel so gewollt und das Erdenleben stellt eine Zeit der Gegensätze, des Lernens und Fortschritts dar. Die täglichen Gewohnheiten helfen dabei, dieser Zeitspanne voller Hoffnung und Zuversicht entgegenzutreten – und der Zeitaufwand, der dafür benötigt wird, ist geringfügig gegenüber dem Nutzen und Segen, der darauf folgt.


Dieser Artikel wurde auf Deutsch von Tabea Seeborg verfasst und am 07.03.2019 auf treuimglauben.de veröffentlicht.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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