Als Präsident Monson in der Samstagvormittag-Versammlung der Generalkonferenz verkündete: „Ich freue mich, heute bekanntgeben zu dürfen, dass fähige, würdige junge Frauen, die auf Mission gehen möchten, ab dem Alter von 19 Jahren anstatt ab 21 Jahren für eine Mission empfohlen werden können” war ich 18 Jahre alt und in meinem letzten Schuljahr.

An dem Tag war ich damit beschäftigt gewesen, an einem Querfeldeinlauf teilzunehmen. Ich jubelte nicht, rannte nicht weinend zum Telefon, um sobald ich davon gehört hatte, den Bischof anzurufen. Ich war zu verschwitzt, zu müde und zu sehr damit beschäftigt, mich von einem schwierigen Rennen zu erholen, als die Neuigkeit mit mehr als einem „Das ist cool” zu würdigen.

Ich hatte nie daran gedacht, auf Mission gehen zu wollen. 21 schien so alt – ein bisschen schäme ich mich für den Gedanken, nun da ich über 21 bin – und ich bewarb mich zu dem Zeitpunkt gerade bei Colleges und um Stipendien für das nächste Jahr. Und nun musste ich mich auch noch mit dieser Änderung des Alters beschäftigen, weil sie Einfluss auf meine Zukunft hatte.

Schriftenstudium: Soll ich auf Mission gehen?

Als meine Klassenkameraden damit begannen, ihre Papiere auszufüllen, und jüngere Freunde darüber sprachen, wie sehr sie sich darauf freuten, loszugehen und zu dienen, tat ich nichts. Ich hatte, als ich jünger war, nie den starken Wunsch gehabt, eine Mission zu erfüllen, und auch durch die Bekanntmachung änderte sich das nicht. Ich wollte dem Plan, den der Herr für mich hatte, Folge leisten. Aber ich hatte meine Pläne so geschmiedet, wie ich dachte, dass sie  dem entsprächen.

Schlussendlich – etwa innerhalb einer Woche – dachte ich darüber nach. Ich betete. Und ich beschloss, nicht auf Mission zu gehen.

Auch Jahre später bereue ich diese Entscheidung nicht. Das College hat mir gutgetan. Ich habe gute Freunde gefunden, Schweres durchgemacht und herausgefunden, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Ich bin von zu Hause weggezogen, habe Schulen gewechselt und herausgefunden, wie man ein Erwachsener ist. Ich wurde erwachsen.

Von den sieben Mädchen meiner Mannschaft, mit der ich damals ein Rennen lief, als die Änderung der Altersgrenze bekanntgegeben wurde, war ich eine von zweien, die nicht auf Mission ging.

Mir war nicht bewusst, dass ich mit meiner Entscheidung eine Ausnahme sein würde.

Für junge Frauen, die 19 Jahre alt werden, ist der Druck, auf Mission zu gehen, überraschend groß. Es ist sozusagen der „nächste Schritt”: Besuche die High School (und das Seminar), Mission, College, Ehe. Mach eine Schleife drum, und das ist dein Leben. Diese Erwartung führt jedoch für die Frauen, die nicht diesen üblichen Weg gehen, zu Schwierigkeiten. Mädchen, die nicht auf Mission gehen möchten, sollten sich nicht dazu verpflichtet fühlen.

Ich möchte einmal auf Mission gehen

Versteht mich nicht falsch – eine Mission ist etwas Gutes! Nur muss nicht jeder eine erfüllen.

An jenem Tag im Oktober 2012 sagte Präsident Monson: „Ich freue mich, heute bekanntgeben zu dürfen, dass fähige, würdige junge Frauen, die auf Mission gehen möchten, ab dem Alter von 19 Jahren anstatt ab 21 Jahren für eine Mission empfohlen werden können.”

– Dazu fähig zu sein bedeutet, dass man den harten emotionalen und physikalischen Herausforderungen, die eine Mission mit sich bringt, gewachsen ist. Manche Menschen, sowohl Männer als auch Frauen, sind das nicht. 2 Jahre oder 18 Monate als Missionare zu dienen, wäre zu viel für sie. Wenn sie das nicht schaffen, ist das in Ordnung.

Würdig zu sein schließt mit ein, dass man in den Tempel gehen und sein Endowment bekommen kann. Das ist eine große Verpflichtung. Diejenigen, die dessen nicht würdig sind, davon abzuhalten, ist ein Schutz und dient nicht dazu, sie auszuschließen. Wenn du nicht würdig bist, wird es der Seele mehr Schaden zufügen als nutzen, in den Tempel zu gehen und die entsprechenden Bündnisse zu schließen. Man braucht die Segnungen des Endowments definitiv für eine Mission.

– Und zu guter Letzt: „die auf Mission gehen möchten”. Bei jungen Männern ist es ein Gebot. Aber für junge Frauen hängt es vom persönlichen Wunsch ab, ob sie dem Herrn durch eine Mission dienen möchten. Eine Mission kann einflussreich und lebensverändernd sein und ich bin ein großer Fan all der Missionarinnen, die bereits im Missionsfeld gedient haben und noch dienen werden. Es ist ihr Wunsch.

Der Wunsch, dem Herrn zu dienen.

Vergesst nicht, dass persönliche Offenbarung nun einmal persönlich ist. Ob oder ob eine junge Frau nicht auf Mission geht, ist eine Sache zwischen ihr und dem Herrn. Wir müssen davon wegkommen zu glauben, dass die Antwort auf die Frage „Soll ich auf Mission gehen?” immer ein „Ja” ist. Vielleicht ist es ein „Nein”. Vielleicht ist die Antwort eher „Das ist deine Entscheidung.”

Der Herr hat seine eigene Art, uns etwas beizubringen und uns dabei zu helfen zu wachsen, egal wo wir uns befinden. Eine junge Frau kann zu kämpfen haben, dazulernen, versagen oder Erfolg haben, ob sie nun ein College besucht, humanitäre Arbeit leistet oder die Welt bereist und das auf ähnliche Weise, wie sie es als Missionarin tun würde. Die Erfahrungen sind anders. Für manchen ist eine Mission nicht der nächste Schritt, sondern eine Möglichkeit.

Eine Mission garantiert nicht, dass man in der Zukunft Erfolg hat.

Einige zurückgekehrte Missionare kritisieren Kirchenlehre oder Kirchenführer und entfernen sich von der Kirche. Viele Menschen, die nie auf Mission waren, werden zu großartigen geistigen Führern (z. B. Präsident Monson). Eine Mission zu erfüllen garantiert tatsächlich nicht einmal, dass jemand eine spirituelle Person oder ein Mitglied der Kirche Jesu Christi sein oder bleiben wird. Spiritualität lässt sich nicht an einem Namensschild festmachen.

Am Ende liegt die Entscheidung, ob man auf Mission geht, bei einem selbst und dem Herrn. Wichtig ist, dass man dem Rat des Herrn Folge leistet und sich darauf vorbereitet, Bündnisse im Tempel einzugehen.


Jenna Crowther

ist stolz darauf, in Nordkorea und im Westjordanland gewesen zu sein und nur mit einem schlimmen Sonnenbrand und verrückten Bildern zurückgekehrt zu sein. Liebt Musik. Und Schokolade. Büchersüchtig. Professionelle Schriftstellerin. Mormonin.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 16.3.17  auf mormonhub.com unter dem Titel „I Didn’t Serve a Mission, and It’s OK” veröffentlicht. Die Autorin ist Jenna Crowther. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.