Vor kurzem besuchte ich eine Freundin in einer Pflegeeinrichtung. Dort wurde ich Zeuge von etwas, das ich als vollkommene christliche Gemeinschaft zwischen zwei Personen bezeichnen möchte. Bevor ich zum Zimmer der Freundin ging, fiel mir ein älteres Ehepaar im Foyer auf. Die Frau saß in einem Rollstuhl und ihr Mann beugte sich über sie. „Würdest du gerne in die Kantine gehen?” fragte er. Mir fehlen wahrlich die Worte, um die Liebe und Zärtlichkeit in seiner Stimme angemessen zu beschreiben. „Das hat dir gestern ja richtig Spaß gemacht. Sollen wir? Das wird bestimmt nett.”

Sie nickte, und voller Enthusiasmus sagte er dann: „In Ordnung. Lass uns das tun! Das wird wunderbar!” Fast konnte man meinen, er hätte sie ein ganzes Jahr lang nicht gesehen. Tatsächlich aber war er jeden Tag dort, um seinen Schatz durch die Flure zu begleiten, mit ihr ins Speisezimmer zu gehen und dann wieder zurück zu ihrem Zimmer – was gerade notwendig war. Und für ihn klang es wie das beste Date seines Lebens, als ob er der glücklichste Mann auf Erden war, der die Ehre hatte, ihr Gesellschaft leisten zu dürfen. Wegen ihres fortgeschrittenen Alzheimers sprach sie nicht mehr. Aber sie konnte noch hören, und er stellte sicher, dass sie wusste, dass sie mehr geliebt wurde als sie sich vorstellen konnte. Tag für Tag. Wow.

Wahre Engel

Eine wahre christliche Gemeinschaft spiegelt sich oft in älteren Ehepaaren, die sich trotz Krankheit oder anderer Beschwerden, unermüdlich zur Seite stehen und einander unterstützen. Hier zu sehen ist daher ein älteres Ehepaar, das Arm in Arm spazieren geht.

Vielleicht gibt es für diese christliche Gemeinschaft, dieses Zusammensein, eine Bezeichnung. Jeffrey R. Holland sagte einmal:

„In der Tat scheint der Himmel nie näher zu sein als dann, wenn sich die Liebe Gottes in der Güte und dem Einsatz von Menschen äußert, die so gut und rein sind, dass Engel das einzige Wort ist, das einem in den Sinn kommt.”

Ich fühlte mich unglaublich dankbar, dass ich diesen kurzen Blick auf Perfektion werfen durfte, diesen Schnappschuss eines Engels, dessen Hingabe aus seiner Ehe etwas Großartiges machte. Solcher Respekt, solcher Fokus darauf, den Partner glücklich zu machen. Genau so möchte ich sein.

Letzte Woche erzählte mir eine Freundin dann von einem anderen Mann, der seine Frau auf genau die gleiche Art und Weise zur FHV bringt. Er sorgt dafür, dass jemand bei ihr in der ersten Reihe sitzt, umarmt sie, sagt ihr, dass sie eine gute Zeit haben wird, während er an der Priestertumsversammlung teilnimmt, und dass er sie dann wieder abholen kommen wird.

Wir haben alle sicherlich ähnliche Beispiele dieser Art des Mitgefühls gesehen – Beispiele für christusähnliches Verhalten. Es kann die Ehefrau sein, ein Sohn oder eine Tochter, sogar ein fürsorglicher Freund. Es bringt uns dazu innezuhalten und zu staunen. So etwas ist mehr als Geduld, mehr als Dienen. Es ist wahre, reine Nächstenliebe, die uns definiert und läutert; völlige Konzentration darauf, wie wir die Bedürfnisse eines geliebten Menschen befriedigen können. Dabei muss es kein Ehepartner sein; vielleicht nicht einmal jemand, der uns nahe steht; nur jemand, der in diesem Moment unsere Aufmerksamkeit und Hilfe braucht. So zu sein ist genau das, was der Erretter von uns wollte: eine wahre christliche Gemeinschaft. Und die Menschen, die das tun und entsprechend leben, leuchten förmlich. Es scheint, als könne nichts und niemand dieses christusähnliche Leuchten auf ihrem Antlitz verhindern.

Eine wahre christliche Gemeinschaft – wie wir uns das Gefühl bewahren

Zu sehen sind eine Mutter und ihr Sohn, die beide vor Freude strahlen.

 

Manchmal bemerkt man dieses Leuchten an Menschen in den Flitterwochen oder in der Zeit ihres ersten Kennenlernens und Verliebtseins. Sie sehen einander an mit grenzenloser Liebe. Wie wäre es wohl, wenn wir das immer tun könnten? Ist das unmöglich? Mit Sicherheit ist es nicht einfach.

In jeder Familie gibt es früher oder später Schwächen, und Konflikte kommen auf. Hier wird unsere Geduld erprobt. Und dann ist es umso wichtiger, sich noch mehr zu bemühen. Joseph B. Wirthlin sagte einmal:

„In der Familie gibt es natürlich Meinungsverschiedenheiten, die Spannungen erzeugen, aber wir müssen die größte Zuneigung denen vorbehalten, die uns am nächsten sind: dem Ehepartner, den Eltern, den Geschwistern. Die wahre Größe eines Menschen kommt meiner Meinung nach darin zum Ausdruck, wie er seine Mitmenschen dort behandelt, wo Höflichkeit und Freundlichkeit nicht unbedingt verlangt werden.”

Ich beobachtete einmal, wie eine Frau mit einem Fremden zusammenstieß und sich sofort umdrehte, um sich zu entschuldigen. Plötzlich bemerkte sie, dass es sich nicht um einen Fremden, sondern ihren erwachsenen Sohn handelte. „Ach, du bist es nur”, murmelte sie, als ob sie niemals so höflich gewesen wäre, wäre ihr bewusst gewesen, dass es sich „nur” um ein Familienmitglied handelte. Auch die Menschen, mit denen wir täglich Umgang pflegen, verdienen es, so behandelt zu werden, wie wir es uns in der christlichen Gemeinschaft vorstellen.

Schließen wir uns dem „Team Gottes” an

Eine christliche Gemeinschaft, sollte sich der Armen, Kranken und Bedrängten annehmen, wie Jesus Christus es vorlebte. Hier zu sehen sind daher zwei Obdachlose, auf einer Bank sitzend.

Behandeln wir andere wie Gold, so hilft uns das. Wir werden geheiligt, werden wie unser himmlischer Vater. Die scharfen Kanten unserer Probleme erscheinen weicher, Stress und Sorge lassen nach. Unsere Schritte sind leichter, unser Lächeln strahlender. Das Leben ist einfach besser, wenn wir wie der Mann im ersten Beispiel sein können.

Und nicht nur das! Könnte es sein, dass unsere Gebete merklich öfter erhört werden? Joseph B. Wirthlin sagte auch:

„Wenn Sie das Gefühl haben, der himmlische Vater höre nicht auf Ihre Bitten, dann fragen Sie sich, ob Sie auf die Rufe der Armen, Kranken, Hungrigen und Bedrängten in Ihrem Umfeld hören.” Vielleicht geht es darum, uns dem „Team Gottes” anzuschließen. Wenn wir ihm bei den Dingen, die ihm wichtig sind, behilflich sind, wird er eher dazu tendieren, uns bei dem zu helfen, was uns wichtig ist. Wunder folgen oft dieser Art von Glauben, dieser Art der Nächstenliebe. Und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich könnte definitiv ein paar Wunder gebrauchen.


Joni Hilton ist Autorin und derzeit Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung ihrer Gemeinde. Sie ist Buchautorin. Sie arbeitet derzeit als Interreligiöse Spezialistin für öffentliche Angelegenheiten. 

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 4.9.19  auf latterdaysaintmag.com unter dem Titel „Why We Should Each Strive to Be “That Guy”” veröffentlicht. Die Autorin ist Joni Hilton. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: churchofjesuschrist.org und kirche-jesu-christi.org.

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