Nächstenliebe ist eines der Grundprinzipien des Evangeliums Jesu Christi. Neben dem ersten und wichtigsten Gebot, Gott zu lieben, sagte Christus, dass das zweite, „seinen Nächsten wie sich selbst” zu lieben sei. (Matth. 22:39)

Jeder von uns versteht wohl, weshalb Nächstenliebe wichtig ist und was es bedeutet, andere zu lieben. Nächstenliebe sollte jedoch auf individueller Ebene wirken, und das ist nicht immer einfach. Wir eignen uns diese Eigenschaften an, indem wir uns näher mit den Schriften befassen. Ich finde die Geschichte von dem Mann, der geheilt werden wollte und von seinen Helfern, dabei besonders hilfreich.

Durchs Dach

Je mehr Leute hörten, dass Christus Wunder wirkte, desto mehr kamen, um ihn zu sehen. Als er nach Kapernaum kam, versammelte sich eine große Menschenmenge bei dem Haus, in dem er wohnte. Es waren so viele, dass sie nicht alle hineinpassten und so blieben sie draußen und blockierten den Eingang. Für die vier Männer, die einen Mann, vielleicht einen Freund, Bruder oder Sohn, zu Christus bringen wollten, damit er geheilt würde, stellte diese Menschenmenge ein großes Problem dar. Aber davon ließen sie sich nicht abschrecken. Sowohl im Markus- als auch im Lukasevangelium wird beschrieben, was als nächstes geschieht. „Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen (die Decke) durch und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab.” (Markus 2:4)

„Weil es ihnen aber wegen der vielen Leute nicht möglich war, ihn hineinzubringen, stiegen sie aufs Dach, deckten die Ziegel ab und ließen ihn auf seiner Tragbahre in die Mitte des Raumes hinunter, genau vor Jesus hin.” (Lukas 5:19)

Wir können dies mit unserem eigenen Leben vergleichen. Was haben Nächstenliebe und die Decke durchschlagen gemeinsam?

Nächstenliebe und Unerschrockenheit

Präsident Henry B. Eyring sagte einmal, zu Priestertumsträgern sprechend: „Dennoch seid ihr durch einen Bund verpflichtet, euch eines geistig verwundeten Kindes Gottes anzunehmen. Ihr müsst tapfer und unerschrocken genug sein, euch nicht abzuwenden.”

Dieses Bündnis betrifft alle Männer und Frauen der Kirche und auch jeden, der angibt, ein Jünger Christi zu sein.

Nächstenliebe zu entwickeln sollte nicht einfach sein. In vielerlei Hinsicht widerspricht Nächstenliebe dem natürlichen Menschen. Unser Instinkt rät uns oft, Konflikte zu meiden und uns auf Selbstschutz zu konzentrieren.

Nächstenliebe kann uns verletzlich machen. Sie führt dazu, dass wir unangenehme Momente ertragen und dranbleiben, auch wenn etwas schwierig wird. Oft beinhaltet sie Opfer. Wie Präsident Eyring sagte, gehört zur Nächstenliebe sowohl Mut als auch Unerschrockenheit.

Vielleicht ist es eine Decke, die durchgeschlagen werden muss, ein Hindernis, das überwunden werden muss, um jemandem zu dienen und jemanden in unserem Leben zu lieben. Das zu tun, führt vielleicht zu unbequemen Situationen, oder wir müssen gar aus uns herausgehen, und es erfordert Anstrengung. Und vielleicht erweisen wir jemandem Liebe und es ist anders, als wir uns das vorgestellt haben.

Nächstenliebe ist Teamarbeit

Es brauchte vier Menschen, um den Freund zu Christus zu bringen. Sie hätten es nicht alleine tun können. Wenn wir auf jemanden treffen, der viel Hilfe braucht, sollten wir es nicht alleine versuchen.

Wir müssen alle zusammen halten und aufeinander achten.

Durch seine Kirche hat Gott ein großartiges Unterstützungssystem bereitet. Wir sollten all die Möglichkeiten nutzen, die uns gegeben sind – nicht nur, weil das praktischer ist, sondern auch, weil dadurch mehr Menschen die Möglichkeit bekommen zu dienen. Darunter Gemeindemitglieder, Bischöfe, andere Leiter in der Gemeinde, Familie und Freunde. Menschen zusammenzubringen, bedeutet oft ein gewisses Risiko und Verletzlichkeit. Es ist schwierig, sich zu öffnen und zuzugeben, dass wir Hilfe dabei brauchen, uns um einen anderen – oder uns selbst – zu kümmern.

Nächstenliebe kann zu Wundern führen

Sowohl in Markus als auch Lukas heißt es, dass Jesus „ihren” Glauben bemerkt, als er den Mann heilt. Das Wunder ist die Konsequenz dieses Glaubens aller fünf Männer. Manchmal mag es vielleicht scheinen, als ob unsere Nächstenliebe keine große Auswirkung hätte. Aber das kann sie doch haben – und hat sie auch. Elder Dallin H. Oaks sagte einmal: „Die Liebe ist die größte Macht der Welt.”

Indem wir diese Nächstenliebe sowohl für uns selbst als auch für andere entwickeln, machen wir es möglich, dass Wunder geschehen. Sie sind vielleicht nicht offensichtlich. Vielleicht sehen sie nicht so aus, wie wir es erwarten, oder kommen nicht genau dann, wenn wir sie uns wünschen.

Zu werden wie Christus, ist gewiss nicht einfach. Den Mantel der Nächstenliebe anzulegen, ist ein lebenslanger Prozess. Die Inspiration, die wir in den Schriften finden, hilft uns auf diesem Weg.


Aleah Ingram

Aleah hat an der Southern-Virginia-Universität Englisch, Kreatives Schreiben und Tanz studiert. Sie arbeitet nun als Social-Media-Manager, Schriftstellerin und Editorin. Aleah war als Missionarin in Kalifornien. Sie ist süchtig nach Biomilch, Lang-Leav-Gedichten, Gaynor-Minden-Schuhen und Bollywood-Filmen.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 22.2.17  auf ldsdaily.com unter dem Titel „What Breaking Through a Roof Teaches Us About Charity” veröffentlicht. Die Autorin ist Aleah Ingram. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.