Unser Haus im Schwarzwald wird mit einer Wärmepumpe beheizt. Das ist eine nachhaltige und sparsame Methode und nur an sehr kalten Tagen müssen wir mit zusätzlichem Strom zuheizen. In den vergangenen kalten Winterwochen jedoch wurde es im ganzen Haus nicht mehr richtig warm. Wir legten für die Nacht zusätzliche Decken aufs Bett und tagsüber ging nichts ohne Strickjacke und Kuschelsocken.

Die Wärmepumpe selbst ist ein Kasten in der Größe von etwa zwei Umzugskartons. Dieser hängt bei uns im Keller und den Platz darunter nutzen wir gerne als Abstellfläche. Bei einem Gang in den Keller mussten wir feststellen, dass aus dem Kasten Wasser tropfte und eine riesige Pfütze unser Bastelmaterial und Kaninchenfutter durchweicht und unbrauchbar gemacht hatte.

Was für ein Ärger! Nun heizte die Pumpe schon nicht richtig und dann zerstörte sie auch noch Sachen. Am liebsten wäre ich das Gerät sofort losgeworden. Ich lobte mir die umwelttechnisch zwar weniger verträglichen, dafür aber wenigstens für Wärme sorgenden alten Ölheizungen, aus denen auch nicht literweise Wasser tropfte. Die moderne Heiztechnik konnte mir gestohlen bleiben!

Wassertropfen

Endlich bekamen wir einen Termin vom Kundendienst und ein Handwerker nahm sich der Problematik an. Er öffnete den Kasten und fand darin einen massiven Eisblock vor, der die Hälfte des Geräts in Anspruch nahm. Der Verdampfer, der für die Übertragung von Wärme zuständig ist, hatte eine Temperatur von minus 25°C. Normal wäre eine Temperatur um oder über 0°C. Es war also kein Wunder, dass das Gerät sich so schwer damit tat, unser Haus warmzuhalten. Die Wasserpfütze wiederum erklärte sich damit, dass das Gerät unter größten Anstrengungen bemüht war, den Eisblock durch Abtauen loszuwerden, um wieder ordentlich arbeiten zu können.

Nachdem der Monteur mehrere Stunden lang den Eisblock mithilfe eines Föns abgetaut hatte und der Verdampfer repariert war, nahm die Wärmepumpe wieder ihre Arbeit auf – und seitdem leben wir wieder in einem wohlig warmen Haus.

Mein Ärger über die Wärmepumpe ließ mich an unseren Umgang mit unseren Mitmenschen denken. Geht es uns da nicht manchmal ähnlich? Wir ärgern uns darüber, dass der andere seinen Aufgaben in Kirche oder Familie nicht anständig gerecht wird, kritisieren seine mangelnde Wärme und Zuneigung und denken, dass er sich etwas mehr anstrengen sollte, um ein angenehmerer Mensch zu sein.

Tatsächlich können wir aber nicht in den anderen hineinsehen, sehen nicht den übertragenen Eisblock von Problemen, der in ihm steckt und es ihm schwer macht, sich anders zu verhalten. Vielleicht gibt er sich schon die größte Mühe, sich zu verbessern und seinen Pflichten gerecht zu werden – und alles, was wir sehen, ist die Abwasserpfütze dieser Anstrengungen.

Eis Herz Liebe

Der Heizungsmonteur kannte sich mit der Wärmepumpe aus, erkannte dadurch schnell, wo das Problem lag und konnte dann auch helfen. Unser Herr und Heiland Jesus Christus ist in der Lage, in uns Menschen hineinzusehen und weiß, wie er uns helfen kann. Wenn wir ähnlich handeln möchten, können wir unsere Mitmenschen besser kennenlernen, ihre Sorgen und Probleme wahrnehmen und dann unsere Hilfe anbieten.

Präsident Thomas S. Monson erklärte uns, wie wir dabei vorgehen können:

„Es besteht wirklich Bedarf an der Art Nächstenliebe, die einen dazu bewegt, jemandem, den sonst niemand bemerkt, Aufmerksamkeit zu schenken, dem Mutlosen Hoffnung einzuflößen und dem Bedrängten beizustehen. Wahre Nächstenliebe veranlasst uns zum Handeln. Nächstenliebe wird überall gebraucht. …

Nächstenliebe bedeutet, dass man Geduld hat mit jemandem, der einen enttäuscht hat; sie bedeutet, dass man sich nicht leicht kränken lässt. Sie bedeutet, dass man Fehler und Schwächen akzeptiert. Sie bedeutet, dass man die Menschen so nimmt, wie sie sind. Sie bedeutet, dass man hinter die Fassade blickt und auf Eigenschaften achtet, die nicht mit der Zeit verblassen. Sie bedeutet, dass man dem Drang widersteht, andere in eine bestimmte Schublade zu stecken. …

Verurteilen und kritisieren wir einander doch nicht, sondern empfinden wir die reine Liebe Christi für diejenigen, die mit uns den Lebensweg beschreiten.” („Die Liebe hört niemals auf“, Liahona, November 2010, Seite 124f.)


Dieser Artikel wurde auf Deutsch von Tabea Seeborg verfasst und am 24.02.2019 auf treuimglauben.de veröffentlicht.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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