Vor ein paar Jahren erlebte ich etwas, was für mich eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür war, welche Macht eine positive Einstellung doch hat.

Mein 40. Geburtstag stand drohend bevor. Der Wunsch, mich in Form zu bringen, lebte erneut auf, weshalb ich anfing, mehrmals pro Woche joggen zu gehen. Einen Monat vor meinem Geburtstag verletzte ich dann meinen kleinen Zeh am Wohnzimmertisch. Ich ignorierte, dass er gebrochen sein könnte und machte mit meinem Alltag weiter.

Einige Tage nach dem Angriff des Wohnzimmertisches auf meinen Zeh ging ich joggen und fühlte einen stechenden Schmerz in meinem Fuß. Ein paar Tage lang litt ich weiter und wollte die Wahrheit nicht anerkennen, erlitt dann aber einen Zusammenbruch und ging zu einem Arzt. Ich ließ den Fuß röntgen und ein CT machen. Dort fand ich dann heraus, dass sowohl mein Zeh als auch mein Fuß gebrochen waren – ein zweifacher Bruch, was natürlich zweimal so große Freude bedeutete. Damit meine Knochen schneller heilen würden, empfahl mein Fußarzt, dass ich eine medizinische Orthese trüge, um den Fuß zu stabilisieren. Die Fußstütze reichte bis zur Mitte der Wade und war sehr unbequem, schränkte mich ein und brachte mich beim Laufen aus dem Gleichgewicht.

Die Gehhilfe störte mich gewaltig.

Die Orthese gefiel mir nicht. Ich gab ihr die Schuld für fast alle meine Probleme: meine Rückenschmerzen, dass meine Hüfte weh tat, meine Knie und dass ich keinen Sport machen konnte und deswegen zunahm. Selbst die Ringe unter meinen Augen und meine grauen Haare kamen von der Stütze. Es war ein Fluch und ich das Opfer.

Ich sollte die Fußstütze einen Monat lang tragen. Allerdings trug ich sie wegen meiner schlimmen Einstellung und Rebellion nur halb so lange, wie ich sollte. Bei meinem nächsten Besuch beim Arzt sagte mir der Doktor, dass alles nicht gut verheilte und ich die Stütze mindestens einen ganzen weiteren Monat den ganzen Tag lang tragen müsse.

Für immer verändert

Eines Morgens – ich stand gerade an der Kasse im Supermarkt, hatte Schmerzen und viel Selbstmitleid – fragte mich ein älterer, lebhafter Angestellter nach meiner Orthese. Ich erwiderte mürrisch, dass ich gegen meinen Couchtisch gelaufen sei. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht sagte er, dass das eine dürftige Erklärung sei und ich mir schon was Besseres einfallen lassen müsste, um ihn zu beeindrucken. Seine Antwort traf mich unvorbereitet. Ich musterte ihn von Kopf bis Fuß, um einen Eindruck davon zu bekommen, was für eine Art Mensch so etwas zu einer verkrüppelten Frau sagen würde.

Da bemerkte ich, dass an der Stelle, an der seine rechte Hand sein sollte, ein Metallhaken war. Ich zeigte in Richtung seiner Hand und fragte ihn nach seiner Geschichte. Mit noch größerem Grinsen sagte er: „18. Oktober 1968. Fleischwolf.” Er erzählte mir, dass er 18 gewesen war, zwei Jobs hatte und studierte. Er war müde geworden und hatte einen Fehler begangen, wodurch sein Handschuh sich in dem großen, metallenen Fleischwolf verfangen hatte.

Dann sagte er zu mir, dass das die beeindruckendste Erfahrung seines Lebens gewesen sei.

„Auf keinen Fall”, sagte ich. Das konnte nicht wahr sein.

„Doch!”, sagte er. „Ich war bereits nach vier Tagen schon wieder aus dem Krankenhaus entlassen und wieder am arbeiten.”

Er strahlte immer noch, als er mir erklärte, dass das Timing nicht hätte besser sein können; er war jung und kräftig, so dass sein Körper sich schnell erholen konnte. „Ist das nicht erstaunlich?” sagte er strahlend.

Ist das nicht erstaunlich?

Das war es. Aber was noch erstaunlicher war, war die Einstellung des Mannes. Er war wirklich glücklich. Er konnte den Haken nicht daheim entfernen und stattdessen seine Hand wieder anschrauben – es war etwas Dauerhaftes. Aber weil er eine so positive Einstellung hatte, war er dadurch glücklicher. Ich fühlte mich nur wenige Zentimeter groß. Ich versteckte meinen Fuß mit der Orthese hinter dem anderen.

Er erzählte mir, was für ein tolles Gesprächsthema es in den Jahren abgegeben hätte, wie viele großartige Erfahrungen er gemacht hatte und wie viele großartige Leute er dadurch kennengelernt hatte – Menschen wie mich. Dann lächelte er wieder und sagte mir, dass ich mir eine bessere Geschichte für meinen Fuß überlegen sollte, wünschte mir Glück und drehte sich weg, um einen anderen Kunden zu bedienen.

Als ich den Laden verließ, blieb ich mit meinen Gedanken bei dem einhändigen Mann und unserem Gespräch. Ich hatte dort gestanden und hatte über das Ding an meinem Fuß gejammert, das diesem ein Schutz war, während er heilte; und er hatte fröhlich mit seinem glänzenden Haken gewunken – nicht einmal mit einer Prothese, sondern einem Haken – als ob es das Beste sei, was es gäbe. Und für ihn war es das, weil er das Gute sah, das ihm dadurch widerfuhr. Seine Einstellung ließ für Selbstmitleid und Traurigkeit kaum Raum.

Ich wusste, dass ich meine Einstellung ändern musste.

Und als ich das tat, sah ich die Orthese mit anderen Augen. Ich sah sie als Hilfsmittel, damit alles heilte, nicht mehr als etwas, was mich einschränkte.

Und als sich meine Einstellung änderte, bemerkte ich eine weitere Veränderung: das Level meiner Dankbarkeit. Ich war für all das Positive dankbar, das durch die Orthese geschehen war – darunter, dass meine Knochen heilten und ich das Gespräch mit dem fröhlichen Mann gehabt hatte. Es brauchte eine Einkaufstour, um von einem unglücklichen Opfer zu einem glücklichen und dankbaren Sieger zu werden.

Die Macht einer positiven Einstellung

Wie alles, was mit unserer ewigen Errettung zu tun hat, liegt auch die Macht der Einstellung in unseren eigenen Händen. Uns wird geraten: „Darum erhebt euer Herz und denkt daran, daß ihr frei seid, für euch selbst zu handeln.” (2. Nephi 10:23)

In einem Brief, den Joseph Smith aus einer schwach beleuchteten, überfüllten Zelle des Gefängnisses von Liberty schrieb, erhielten die verfolgten und ausgestoßenen Heiligen den Rat: „Laßt uns frohgemut alles tun, was in unserer Macht liegt, und dann mögen wir mit größter Zuversicht ruhig stehen, um die Errettung Gottes zu sehen.” (LuB 123:17)

Dankbar in jeder Lebenslage

Auf der anderen Seite haben ständige Negativität, egal wie geringfügig sie auch sei, die Macht, die stabilste Perspektive, Zeugnis und Glück zu vertreiben.

Unterdessen kann ein positiver Blickwinkel die Türen zu größerer Freude, Verständnis, Möglichkeiten und Versprechen öffnen. Nehmen wir Negativität als Krücke und werden dadurch unglückliche Opfer eines unfairen Lebens? Oder entscheiden wir uns für eine positive Einstellung, wodurch uns Hoffnung und Liebe, Vergebung, Akzeptanz, Verständnis und Freude aufrecht halten?

Es ist nicht immer einfach, positiv zu bleiben, vor allem dann nicht, wenn wir verletzt sind, frustriert oder enttäuscht. Zugegeben, es hat Zeiten gegeben, in denen ich geradezu wütend auf Gott war, weil er zugelassen hatte, dass ich so litt, wie ich litt. Manchmal schien das Leben einfach so … ungerecht.

Warum musste ich diese Prüfung erleben, wo es so vielen anderen doch so gut ging?

Dann erinnere ich mich an die Worte, die ich zu meinem kleinen Sohn sage, wenn er darüber jammert, wie unfair das Leben ist: „Wenn das Leben gerecht wäre, würdest du die Unterwäsche deiner Schwester tragen.” Das ist nicht besonders tiefgründig, aber wahr. Wenn das Leben gerecht wäre – in dem Sinne, dass alles für alle gleich wäre – hätten wir keine auf uns speziell zugeschnittenen Erfahrungen, die wir brauchen, um unser für uns persönlich größtes Potential auszuschöpfen. Gerechtigkeit in den Augen Gottes lässt sich nicht vergleichen. Wirklich ungerecht wird es, wenn wir uns um die Segnungen bringen, die er uns zu geben versucht.

Wenn wir geprüft werden – und das passiert mit Sicherheit jedem – wäre es vielleicht besser, uns nicht so sehr auf die jeweilige Prüfung zu konzentrieren, sondern auf unsere liebende Beziehung zu Gott.

Er liebt uns und möchte, dass wir diese Liebe fühlen und ihn im Gegenzug dafür lieben. Er möchte uns helfen, uns stärken, trösten, führen, aber er kann das nur, wenn wir uns dazu entscheiden, uns ihm zuzuwenden.

Die Hand Gottes ist da. Sie verändert uns.

Gott gibt uns das, was wir in diesem Leben brauchen, und wird das auch weiterhin tun. Er wird uns jedoch nicht dazu zwingen, sein Angebot anzunehmen oder ihn zu lieben. Er wird uns auch nicht dazu zwingen, eine positive Haltung anzunehmen. Er sagt: „Ich, der Herr, Gott, mache euch frei, darum seid ihr wirklich frei.” (LuB 98:8)

Wir sind frei – wir können uns zwischen Positiv oder Negativ, Stillstand oder Wachstum, Verbittern oder Verbessern entscheiden.

Präsident Thomas S. Monson, der für sein frohes Gemüt bekannt ist, sagte über die Stürme des Lebens: „Wir bestimmen zwar nicht, wohin der Wind weht, aber wir können die Segel richtig setzen. Um größtmögliches Glück, Frieden und Zufriedenheit zu erreichen, sollten wir uns zu einer positiven Einstellung entschließen.”

Wir haben die Möglichkeit, unser Leben zu ändern, indem wir unsere Einstellung ändern. Jeder erfährt in diesem Leben schwere Zeiten, Kummer und Verlust. Glücklicherweise bestimmt unsere Haltung, wie uns das Leben gefällt.

Ja, das Leben birgt gewisse Herausforderungen, aber das, was noch vor uns liegt, ist größer, als wir uns vorstellen können. Der Erretter selbst hat gesagt, dass wenn wir „mit fröhlichem Herzen und Angesicht” leben, dienen und lieben, die Fülle der Erde uns gehört. (LuB 59:15-16)

Ich hoffe, dass ich diesen freundlichen Mann, den ich damals in dem Laden traf, niemals vergessen werde. Und, was viel wichtiger ist: Ich hoffe, dass ich die Lektion, die ich von ihm gelernt habe, niemals vergessen werde – alles, was uns im Leben widerfährt, kann, wenn wir es im rechten Licht einer positiven Erwartung betrachten, eine Möglichkeit nicht nur für etwas Gutes, sondern etwas Erstaunliches sein. Es hängt davon ab, wie wir es sehen möchten.

Mehr dazu, wie  man Freude im Leben findet, kann man in Michelle Wilsons Buch The Beautiful Balance: Claiming Personal Control and Giving the Rest to God lesen. Das Buch ist auf Englisch erhältlich über deseretbook.com.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich auf ldsliving.com unter dem Titel „How a Trip to the Grocery Store Changed My Life” veröffentlicht. Die Autorin ist Michelle Wilson. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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