Vor Jahren habe ich bei der Suche nach Themen, über die ich schreiben könnte, einen Google-Alarm für Nachrichten über die Kirche erstellt. Seitdem erhalte ich täglich eine Portion Medienberichterstattung über die Kirche, ein Teil davon („herzlich wenig” ist wahrscheinlich zutreffender) ist positiv, der Rest ein widerspenstiges Sammelsurium von Artikeln, die sich über die Richtlinien, die Lehre, die Führung, vermeintliche Skandale und die Kultur der Kirche auslassen.

Während ich die Schlagzeilen durchgesehen habe oder tiefer in Artikel eintauchte, von denen ich dachte, dass sie zu Diskussionen führen könnten, habe ich verstanden, warum einige Leute aufgrund der längeren Zeit im Internet vor Herausforderungen stehen.  Ich verstricke mich manchmal in das Labyrinth der Online-Informationen, bis zu dem Punkt, an dem es anfängt, mein Zeugnis zu erschüttern.

Das Internet ist eine einzigartige Quelle für Informationen und Meinungen – riesige, oft ungeprüfte Mengen. Es ist ein bemerkenswert demokratisches Forum, zu dem wissenschaftliche Denker, Durchschnittsbürger und im Keller lebende Spinner gleichermaßen Zugang haben und die gleiche Chance, etwas beizutragen.  Als solches kann das Internet die öffentliche Meinung in einer Reihe von Fragen beeinflussen, nicht nur in Fragen des Glaubens. Aber wenn es um die Kirche geht, stellt es einige echte Herausforderungen dar.

1 Es kann kleinere Probleme vergrößern und Beschwerden verstärken.

Antworten aus dem Internet. Wirklich?

Wenn in der Vergangenheit jemand wütend auf seinen Bischof war, dann war es etwas, das auf lokaler Ebene mit wenig Fanfaren und Aufmerksamkeit geregelt wurde.  Aber wenn dieser Streit in einem Blog erscheint, verwandelt er sich von „Bischof Jones nannte mich einen Verräter” in „Mormonenbischöfe beschimpfen andere”. Die Beschwerde – auch wenn sie wahr ist, und selbst wenn sie ernst ist – wird verstärkt und zu einer allgemeinen Anklage gegen Kirchenführer erhoben.  Wir fangen an zu glauben, dass die Ausnahmen die Regeln sind, weil die Ausnahmen das sind, worüber jeder spricht.

2 Es legitimiert Verschwörungstheorien.

Vor langer Zeit blieb Onkel Otto, wenn er eine verrückte Verschwörungstheorie hatte, so ziemlich nichts anderes übrig, als sie vor sich hin zu murmeln oder vielleicht Broschüren zu drucken, die die Leute wegwerfen konnten.  Nun, da Onkel Otto Facebook hat, hat er ein unbegrenztes Publikum für seine Ansichten, und die Chancen, dass er einen gleichgesinnten Kameraden findet, sind erheblich höher. Sobald die Wahrnehmung geschaffen ist, dass viele Menschen über etwas reden, wird diese Sache – sei es eine Anschuldigung oder eine Verschwörungstheorie – mit einem gewissen Grad an Legitimität bekleidet, unter der falschen Philosophie, dass dort, wo Rauch entsteht, auch Feuer ist.  Als Nächstes glaubt man, dass die Mormonen lebende Hühner im Tempel opfern. Das Internet macht alles möglich, wenn es um skurrile Geschichten oder Bilder geht.

3 Es multipliziert Fehlinformationen.

Wenn ich ein Geschichtsbuch aufschlage, das sich mit der Kirche beschäftigt, werde ich höchstwahrscheinlich mindestens einen eklatanten Fehler finden.  Normalerweise mehr. Diese befinden sich in wissenschaftlichen Publikationen, die angeblich einer rigorosen Bearbeitung und Überprüfung unterzogen werden. Stellen Sie sich also die Zuverlässigkeit von Informationen im Internet vor, wo Fakten aus der Luft gegriffen und falsche Zitate jedem in den Mund gelegt werden können und die Leser am Ende eines 10-Wort-Comics geistig erschöpft sind. Etwas zu überprüfen ist viel schwieriger als Aussagen für bare Münze zu nehmen. Die Folge ist, dass Menschen wegen falscher oder unvollständiger Informationen in „Zeugnispanik” geraten.

4 Es bringt unsere eigenen Spinner zum Vorschein.

Pornos Beziehung Suchthilfe

Wir wissen, dass wir sie haben. In jeder Gemeinde gibt es ein paar davon: Leute, die in der Sonntagsschule die Hand heben, und alle anderen durchsuchen sofort den Raum, um zu sehen, ob es irgendwelche Untersucher gibt, die gleich für immer gezeichnet sein werden.  Gute Lehrer schaffen es, einen toten Winkel für diese Menschen zu entwickeln, aber es gibt kein Halten im Internet. Sie gehen online und berichten über die ablehnende Haltung der Kirche gegenüber Verhütung, das Verbot von Suppe durch das Wort der Weisheit oder schreiben über ihre jüngste Offenbarung, bei der sie sahen, wie ihr lieber verstorbener Schnauzer einen Thron im Himmelreich ererbte.  Das Internet macht keinen Unterschied zwischen Randmeinungen (oder völligem Wahnsinn) und populären Überzeugungen. Suchmaschinen schaffen es, wilde Meinungen aus den dunklen Löchern zu graben, in denen sie eigentlich vergraben bleiben sollten.

5 Es reduziert die Höflichkeit der Konversation.

Es scheint (in meiner ungefragten, ungeprüften und ganz persönlichen Erfahrung), dass je ferner der Gesprächspartner ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Anstandsregeln eingehalten werden.  Einfach ausgedrückt, das, was wir in der Gegenwart einer Person flüstern würden, werden wir ihr im Internet fröhlich zurufen. Wir werden in Streitigkeiten mit völlig Fremden verwickelt. Wir üben heftig Kritik. Wir ziehen Linien im Sand und fordern jeden heraus, sie zu übertreten. Wir hören auf Menschen, die mit uns übereinstimmen, und bestrafen alle anderen mit Schimpf und Zurechtweisung.  Wir schießen zuerst los und kommen selten dazu, Fragen zu stellen. Nach dem, was ich im Internet gesehen habe, verhalten sich viel zu viele von uns Mitgliedern in Online-Foren schlecht und verstärken oft bestehende Vorurteile gegen uns. Einige von uns kommen einfach nicht gut mit anderen zurecht.

Das Internet, richtig genutzt, kann ein großartiges Werkzeug sein, um Informationen zu erhalten und unseren Horizont zu erweitern.  Aber das erfordert mehr Aufwand als viele von uns bereit sind in den Prozess zu investieren. Aus diesem Grund erhalten wir nur ein oberflächliches Verständnis von Fragen, die unseren Glauben beeinträchtigen könnten, und wir können uns in einer Glaubenskrise befinden, die durch unsere eigene Trägheit verursacht wird.  Wir müssen uns mehr bemühen, durch Studium und Glauben zu lernen, anstatt durch virale Comics oder fragwürdige Quellen. Unsere Zeugnisse hängen davon ab.


Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich auf thirdhour.org unter dem Titel „5 Ways the Internet Can SHRED Your Testimony” veröffentlicht. Autor ist Rob Ghio. Übersetzt von Janine Windhausen.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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