Der Historiker Daniel J. Boorstin sagte einmal:

„Das größte Hindernis für Erkenntnis ist nicht Unwissenheit – es ist die Illusion von Wissen.”

Dies lässt sich  wunderbar auf die gewisse Bequemlichkeit beziehen, die wir als Mitglieder der wiederhergestellten Kirche manchmal an den Tag legen.

„Wir haben die Wahrheit”, freuen wir uns. Haben wir ein Zeugnis bekommen und hat der Geist uns bezeugt, dass die Wiederherstellung eine Tatsache ist, dass Joseph Smith wirklich von Gott Vater und seinem Sohn Jesus Christus besucht wurde, atmen viele von uns erleichtert auf. Und dieses Zeugnis ist auch wirklich etwas Aufregendes. Aber manchmal sind wir versucht, diesen „Punkt” damit abzuhaken. Zumindest habe ich mich selbst dabei schon oft ertappt.

Dieses Gefühl, „es” ja zu wissen, ist gefährlich. Statt zu erkennen, dass unser Weg damit erst begonnen hat und noch unzählige Wahrheiten darauf warten, von uns entdeckt zu werden, bleiben wir stehen und konzentrieren uns auf etwas anderes.

Albert Einstein sagte einmal sinngemäß:

„Je mehr ich weiß, umso mehr erkenne ich, dass ich nicht(s) weiß”. 

Wir haben die Wahrheit – doch der Satan kann uns davon abbringen, weiter nach Antworten zu trachten

Satan ist gerissen, nicht dumm. Als Menschen streben wir nach Wahrheit. Er weiß, dass er uns nicht von unserer Suche nach Wahrheit abbringen kann, aber er kann viele von uns davon überzeugen, dass sobald wir das mit dem Zeugnis „abgehakt” haben, wir uns auf der sicheren Seite befinden. Wir haben alles getan, was wir tun müssen. Wir werden dann bequem und vielleicht sogar gleichgültig.

Präsident David O. McKay nannte Gleichgültigkeit die „Gefahr des Jahrhunderts”. Der Satan lässt uns glauben, wir hätten genug Wissen und ein Zeugnis, das groß genug ist – und jetzt könnten wir uns auf unseren Lorbeeren ausruhen. Wie viele schlechte Menschen im Buch Mormon haben die gleiche Botschaft verbreitet; sie bestätigten die Nephiten in ihrem Stolz und führten sie so in den vollständigen Abfall vom Glauben.

Die Täuschung, über genügend Wissen zu verfügen, führt dazu, dass wir weniger treu in den Tempel gehen, weniger in den Schriften lesen, weniger beten usw. Warum sollten wir uns auch weiter um ein Zeugnis bemühen, wenn wir bereits eins haben?

Dieses Gefühl hält uns davon ab, zu wachsen und dazuzulernen. Und das geschieht schleichend und wirkt wie der flächserne Strick, von dem Nephi in 2 Nephi 26:22 spricht, der uns bindet, ohne dass wir es merken – bis es zu spät ist. Und Satan gewinnt.

Präsident Ezra Taft Benson sagte:

„Zu oft sonnen wir uns in unserer bequemen Selbstgefälligkeit und reden uns damit heraus, bei uns könne der Krieg nicht wüten, bei uns könne es keinen wirtschaftlichen Zusammenbruch, keine Hungersnot, kein Erdbeben geben. Wer das meint, kennt entweder nicht die Offenbarungen des Herrn, oder er glaubt nicht daran. Wer selbstgefällig meint, solches Unheil werde es nicht geben oder dass es dank der Rechtschaffenheit der Heiligen abgewendet werde, täuscht sich sehr und wird noch bereuen, dass er sich so ein Trugbild aufrechterhalten hat.”

Wir haben die Wahrheit  – doch Bequemlichkeit kann unser Zeugnis schwächen

Genauso verhält es sich mit unserem Zeugnis. Wir wähnen uns in Sicherheit und werden unachtsam. Das geschieht ganz langsam. Wir hören auf, nach mehr Nähe zum himmlischen Vater zu streben. Wir rechtfertigen uns dafür, dass wir leichtsinniger im Halten der Gebote werden. Schnell werden die geistigen Eingebungen des Heiligen Geistes weniger. Dinge, die wir einst täglich taten, werden zu monatlichen Gewohnheiten und bleiben schließlich ganz weg.

Eine wahre Bekehrung ist aber etwas Aktives, Dynamisches. Sie verändert unsere Motivation und selbst unser Herz. Wahre Bekehrung bedeutet auch, nie aufzuhören, nach Wahrheiten zu suchen.

Dabei fällt mir Nephi ein, der flehte:

„O daß ihr erwachtet, erwachtet aus einem tiefen Schlaf, ja, nämlich aus dem Schlaf der Hölle, und die furchtbaren Ketten abschütteltet, womit ihr gebunden seid, sind es doch die Ketten, womit die Menschenkinder gebunden sind, so daß sie gefangen hinweggeführt werden, hinab in den ewigen Abgrund des Elends und Wehs.” (2 Nephi 1:13)

Wir haben die Wahrheit  – doch wie bleiben wir am Ball?

Ich habe hier ein paar Vorschläge, wie wir unsere Bequemlichkeit überwinden können. Kleine Geschenke, die wir uns selbst machen können. Es geht dabei nicht darum, wie wir uns den Weg zurück in den Himmel „verdienen” können. Es sind Möglichkeiten, Inspiration und Freude zu finden. Indem wir unsere Bequemlichkeit überwinden, finden wir größeren Trost und Frieden.

Verdoppeln wir unser Engagement, anderen in unserer Gemeinde und unserer Nachbarschaft zu dienen.

Indem wir unseren Nächsten lieben – statt voreilig über einander zu urteilen – folgen wir dem Rat Christi. Wer seine Kinder dabei mit einbezieht, legt Samen für geistige Empfindsamkeit und Dienstbereitschaft, wodurch ihr Leben gesegnet wird. Wenn wir in den Dienst an unseren Nächsten voll und ganz eintauchen, fragen wir uns seltener am Morgen, wenn wir aufstehen, ob das Leben lebenswert ist bzw. ob wir wertvoll sind.

Sprechen wir aufrichtige Gebete

…indem wir bspw. nicht bis zum Ende eines anstrengende Tages damit warten; wir können darin bestimmte Personen namentlich erwähnen und eine konkrete Idee, wie wir jemandem helfen wollen. Wir können einen Missionsplan aufstellen, ihn dem himmlischen Vater vorlegen und ihn dafür um Hilfe bitten. Gebete werden so interessanter und dynamischer und nicht zur Routine.

Reservieren wir jede Woche eine bestimmte Zeit für die Beschäftigung mit Ahnenforschung.

Das lässt sich ganz leicht von zu Hause aus am Computer machen, sogar zusammen mit den Kindern. 

Bleiben wir mit unserer Umkehr auf dem Laufenden.

Konzentrieren wir uns auf das Gebet beim Abendmahl, denken wir über unser Leben nach und verbessern wir es mit Gottes Hilfe. Manchmal kann ein Sonntag ganz schön anstrengend sein. Hilfreich wäre etwa, den Wecker einfach ein bisschen früher zu stellen.

Gehen wir in den Tempel.

Wir können dort die Welt hinter uns lassen. 

Bete, wenn du Zweifel hast.

Bitte um die Bestätigung, dass Präsident Nelson wirklich der Prophet ist. Oder dass das Buch Mormon wahr ist. Oder dass Gott dich liebt. Oder … Und lass nicht zu, dass sich Sorgen verfestigen – wir können Antworten auf unsere Gebete bekommen.

Sei für dein Zeugnis dankbar.

Bringe deine Dankbarkeit für die Dinge, die du weißt, und den Segen, den dieses Wissen in dein Leben trägt, zum Ausdruck. Dies ist dein wertvollster Besitz und verdient es, auch entsprechend behandelt zu werden.

Wir haben die Wahrheit. Haben wir die Wahrheit? Finde es für dich selbst heraus. Gott will dir Antworten geben. Und höre nie auf, selbst Fragen zu stellen.


Joni Hilton ist Autorin und derzeit Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung ihrer Gemeinde. Sie ist Buchautorin. Sie arbeitet derzeit als Interreligiöse Spezialistin für öffentliche Angelegenheiten. 

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und teilweise gekürzt. Er wurde ursprünglich am 14.8.19  auf latterdaysaintmag.com unter dem Titel „We Have the Truth, We Know it, and We’re Good. Right?” veröffentlicht. Die Autorin ist Joni Hilton. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: kommzuchristus.org und kirche-jesu-christi.org.

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