Die Leiter von oben (Teil 2)

“Eine Leiter genügt – ein Gleichnis über das Sühnopfer”

Letzte Woche berichtete ich von einer Geschichte, die ich einer Gruppe von Kindern während der Kirche erzählt hatte. In der Geschichte fiel unsere kleine Gruppe von Kindern sowie ihre Eltern, die Kirchenführer und alle Gemeindemitglieder in eine tiefe Grube. Wir erlitten Verletzungen und konnten nicht allein herauskommen. Ein einziger Mann konnte uns von oben helfen. Er ließ eine Leiter hinunter, kletterte hinab und half jedem Einzelnen, einem nach dem anderen, an die Oberfläche hinauf.


Ich wies auf die Symbolik hin, dass der Mann Christus und die Leiter das Sühnopfer sei. Christus allein hat die richtigen Mittel und Wege, um uns von der Sünde, von Trauer und vom Tod zu befreien. Und er macht das freiwillig, weil er uns liebt, nicht weil wir irgendetwas getan hätten, um diese Liebe zu verdienen. Wir mussten das gar nicht. Es war die reine und bedingungslose Liebe unseres Erretters, die ihn dazu befähigte, das Sühnopfer zu vollenden und uns zu retten, alle miteinander.

Erretter - Jesus Christus - die rettende Leiter

Aber was ist mit der Leiter ? Die Kinder hatten viele Fragen, als ich die Geschichte erzählte. Bevor wir zu der Stelle mit dem Mann kamen, dachten sie sich die verschiedensten Möglichkeiten aus, wie man aus der Grube herauskäme. Aber um nicht von der Geschichte abzuschweifen, musste ich ihnen manchmal sagen: “Nein, das funktioniert nicht.” Wisst ihr, in der Fantasie-Geschichte von dem Mann und der Leiter gab es nur eine Lösung. Die Grube war mit Menschen gefüllt – Freunde, Fremde, Menschen von überall auf der Welt. Jeder, der jemals auf der Erde gelebt hat, war in diese Grube gefallen. Manche Leute versuchten ihre eigenen Leitern zu bauen, aber die waren nicht lang genug. Einige Menschen versuchten einen anderen Weg zu finden, aber sie verliefen sich in der Dunkelheit. Nein, es gab wirklich nur einen Weg hinauf, und der Mann mit der Leiter von oben war der Einzige, der diesen Weg anbieten konnte.

Eine Geschichte als Lehrmethode

Eine Geschichte ist eine Lehrmethode, wie eine Fabel oder ein Gleichnis. Als solche könnte also das Gleichnis von dem Mann und der Leiter verstanden werden. Ich möchte mich auf die Leiter konzentrieren, wo sie herkommt und warum sie so wichtig für unsere Errettung ist.

In unserer Geschichte war nur eine Leiter dazu geeignet, die Gefangenen dort unten zu erreichen. Die rettende Leiter kam von oben. Unser Erretter Jesus Christus kam auch von oben. Wir lesen im ersten Kapitel des Johannes-Evangeliums, wie Jesus das Wort war, und das Wort war Gott, und das Wort war bei Gott, und das Wort kam auf die Erde herunter, um bei den Menschen zu wohnen.

Jesus war beim himmlischen Vater, bevor die Erde erschaffen wurde. Er kam vom Himmel herab, um unser Erretter zu werden. Wir wissen auch aus der Bibel und dem Buch Mormon, dass Christus der einziggezeugte Sohn von unserem himmlischen Vater ist, mit Maria, einer sterblichen Frau, als seine Mutter. Er ist der Einzige mit einer solchen Abstammung. Sein geistiger Vater und sein buchstäblicher Vater ist ein und derselbe.

Wir sind alle Geistkinder unseres himmlischen Vaters, aber wenn wir geboren werden, haben wir einen physischen Vater auf der Erde. Wenn wir unsere körperliche Abstammung zurückverfolgen, geht diese von einer Generation zur nächsten über unsere Großväter und Urgroßväter immer weiter zurück. Aber wenn wir unsere geistige Abstammung zurückverfolgen, gibt es nur eine einzige Linie –  zurück zu unserem himmlischen Vater.

Bei Jesus Christus führen beide Abstammungslinien geradewegs zurück zum himmlischen Vater. Deshalb hat Christus eine geistige und eine physische Verbindung zum himmlischen Vater, die es ihm ermöglichte, unser Erretter zu werden, im Gegensatz zu jedem anderen Menschen, der je auf dieser Erde geboren wurde. Seine irdische Mutter gab ihm eine irdische Existenz. Von seinem himmlischen Vater erhielt er Göttlichkeit, um Sünde und Tod zu überwinden, oder, wie in diesem Gleichnis, die Leiter hinunter zu lassen und den Abstieg zu machen, um uns zu retten.

Warum keine andere Leiter gut genug ist

Einige Menschen in der Grube versuchten, ihre eigenen Leitern zu machen. Keine von ihnen war gut genug. Wir sehen das in der heutigen Welt, wo Menschen falsche Götter verehren. Ich hörte am Wochenende des Super Bowl (größtes Sportereignis Amerikas) Radio, und es machte mich traurig zu hören, dass ein Restaurant Werbung für den “Super-Bowl-Sonntag“ machte und seine Version “der Dreieinigkeit” als “scharfe Hähnchenflügel, Bier und Football” beschrieb.

Wie traurig, dass die heilige Natur der Dreieinigkeit, oder der Gottheit, wie Heilige der Letzten Tage sie nennen, in dieser Werbung banalisiert wurde. Mein Geist wanderte natürlich direkt zum ersten der Zehn Gebote – “Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.” Und trotzdem war hier eine Werbung für den Gott der NFL (Nationale Football Liga Amerikas). Ich schüttelte den Kopf und wechselte den Sender.

Erretter - Jesus Christus - die rettende Leiter

Wieder andere Leute erkennen zu Lebzeiten nicht einmal die Grube, in der wir stecken. Sie fühlen sich in der Dunkelheit wohl und begreifen nicht, wo sie sich eigentlich befinden. Ihnen genügt es, verwirrt oder in einem Geisteszustand ohne Klarheit, Sinn und Ziel umherzuwandern. Doch eines Tages, am Ende ihres Lebens, werden sie den Wunsch nach etwas Größerem haben. Und die Leiter wird auch für sie da sein und auch jener einzelne Mann, der geduldig darauf wartet, ihnen nach oben zu helfen.

Eines Tages werden die Menschen, die andere Götter verehren, begreifen, dass keiner von denen sie aus der Grube herausholen kann. Die NFL wird sie im Stich lassen. Ihre Politiker werden sie im Stich lassen. Ihre Lieblings-Entertainer, andere religiöse Führer, Superhelden, jeder andere im Rampenlicht der Welt wird sie im Stich lassen. Nur Jesus Christus wird sie retten. Wir wollen uns jetzt diese Leiter von Christus ansehen.

Die Leiter zur Errettung

Es muss eine Leiter sein, die besser ist als alle anderen Leitern. Schließlich muss diese Leiter einen Ort erreichen, der mit menschlichen Mitteln nicht erreichbar ist, und sie muss sicherstellen, dass die Kletterer vor allem würdig sind, das Königreich zu erreichen. Wir wissen, dass nichts Unreines das Himmelreich betreten kann, also muss diese Leiter reinigend sein. Und da wir an diesem herrlichen Ort leben wollen, muss diese Leiter ein Mittel sein, den Tod zu überwinden. Die Leiter von Christus trägt beidem Rechnung.

Jede Leiter hat zwei vertikale Latten und einige horizontale Sprossen. In unserer Geschichte sind die Latten lang genug, um in die tiefsten Höhlen der Grube zu reichen. Sie sind robust genug, um das Gewicht der ganzen Menschheit zu tragen. Sie sind gerade genug, um damit den ganzen Weg bis in den Himmel zu schaffen. Sie sind die Säulen der Erlösung. Sie stellen dar, was Christus für uns überwinden musste, damit wir überhaupt auf die Leiter steigen können. Sie stellen die Sünde und den Tod dar.

Jesus Christus - die rettende Leiter - die Rolle des ErrettersSünde sind in diesem Fall nicht nur die Fehler, die wir machen, oder gebrochene Bündnisse. Sie beinhaltet alle Trauer und allen Schmerz, den wir auf dieser Erde erleben. Als Christus im Garten Gethsemane zu seinem Vater betete, bat er ihn, diesen Kelch an ihm vorübergehen zu lassen. Mit anderen Worten, er zermarterte sich den Kopf über den qualvollen Schmerz, den er fühlen würde, während er die Sünden und den Kummer der Welt auf sich nahm.

Nichtsdestotrotz sagte er zu seinem Vater: “Dein Wille geschehe”, was bedeutete, dass er das Leiden und die Kreuzigung durchstehen würde. Warum? Weil er das Prinzip der Leiter versteht. Er wusste, dass die Leiter nicht auf einem Holm stehen kann. Er musste sowohl leiden als auch sterben. Beides war notwendig. Beide Teile ergaben eine robuste Leiter. Beide machten es für uns möglich, in den Himmel einzugehen, rein und sauber, mit einem Körper ohne Makel und ohne Schmerz. Er tat dies gern, weil er uns kannte, bevor wir geboren wurden. Er liebte uns mit seinem ganzen Herzen, und er wollte, dass wir wieder bei ihm sein können. Er wollte nicht, dass irgendjemand in der Grube zurückbliebe.

Also fühlt euch sicher. Die Grube mag dunkel sein, aber wir haben eine Leiter und den einen Mann, der uns helfen kann. Findet Trost in dieser Tatsache.

Aber was nützt eine Leiter, wenn du nicht den ersten Schritt machst um sie zu besteigen? Nächste Woche untersuchen wir die Sprossen.


Der erste Artikel dieser Serie erschien auf deutsch auf wirsindmormonen.de am 04. Juni 2016 und kann hier nachgelesen werden.

Der englische Original-Artikel wurde von Nanette O’Neal verfasst und am 01. März 2015 auf ldsblogs.com veröffentlicht. Er wurde von Tanja Kraft übersetzt.

Über Nanette O’Neal

Nanette O’Neal liebt das Evangelium und ist sehr glücklich, ihr Zeugnis über LDS Blogs zu geben. Sie ist eine zur Kirche Bekehrte und fühlt immer noch den Geist stark in ihrem Herzen brennen. Sie schloss die Mason Gross School of the Arts mit einem Abschluss in Musik-Erziehung ab und hat über zwanzig Jahre lang Kinder und Erwachsene im privaten und öffentlichen Bereich unterrichtet. Nanette studiert weiterhin das Evangelium und die Kunst des Schreibens. Sie schreibt wöchentlich inspirierende Artikel in ihrem Blog und arbeitet momentan an einer HLT-Fantasy-Bücher-Reihe, A Doorway Back to Forever (Eine Tür zurück zur Ewigkeit). Sie finden sie über NanetteONeal.blogspot.com. Nanette hat einen wunderbaren Ehemann, einen talentierten Sohn und drei wunderschöne Hunde.

Wenn Sie offizielle Informationen über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wünschen, dann besuchen Sie einfach die offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.