Für die, die immer noch denken, dass sie nicht errettet werden können

Wie bringt man Kindern etwas über das Sühnopfer Christi bei? Ganz einfach. Wie belehrt man einen Erwachsenen? Das ist ein bisschen schwieriger. Das sollte es aber nicht sein.

Ich wurde gebeten, eine Gruppe von Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren über das Sühnopfer Christi zu unterrichten – ein sehr schwieriges Thema für jeden, der es zu begreifen versucht. Meine Aufgabe war es, die erste Hälfte einer Schriftstelle, die wir den dritten Glaubensartikel nennen, zu vermitteln. Er beginnt: Wir glauben, dass durch das Sühnopfer Christi alle Menschen errettet werden können. Dies ist ein tiefgehender Grundsatz, den Theologen und Philosophen bis heute diskutieren. Doch hier bin ich, eine einfache Ratgeberin in der Primarvereinigung, die gebeten wurde, Kindern zu helfen etwas zu verstehen, auf das sich nicht einmal große Geister einigen können.

Ich dachte, wenn ich das tun soll, dann muss der himmlische Vater denken, dass das Sühnopfer Christi ein Grundsatz ist, den selbst die unschuldigsten Geister begreifen können. Also ist es machbar. Der Handschuh war geworfen.

Eine Klasse der Primarvereinigung: Weltweit werden Kinder in der Primarvereinigung (PV) über das Sühnopfer Christi belehrt.

Weltweit werden Kinder in der Primarvereinigung (PV) über das Sühnopfer Christi belehrt.

Ich begann die Lektion, indem ich eine Geschichte aus dem Lehrerleitfaden in meinen eigenen Worten erzählte. Heute gehen wir auf Abenteuerreise. Stellt euch vor, wir gehen alle los und schauen uns die Sterne an. Wir nehmen unsere Jacken mit, damit uns warm bleibt, und eine oder zwei Decken, auf die wir uns legen können. Als wir gerade losgehen wollen, sagen unsere Eltern: Wartet! Dürfen wir mitkommen? Wir bringen einen Imbiss mit. Also lassen wir sie mit uns mitkommen, und wir laufen die Straße hinunter. Wir sehen unseren Bischof und seine Ratgeber und auch ihre Familien. Jeder fragt, ob er mitkommen dürfe, und wir sagen Ja. Bald folgt uns die ganze Gemeinde. Wir finden ein tolles Feld, breiten unsere Decken aus und erfreuen uns am Nachthimmel.

Nach einer Weile beschließen wir nach Hause zu gehen, und unsere Klasse führt alle an. Plötzlich fallen wir 10 Meter senkrecht in eine Grube hinein. Jeder ist verletzt – gebrochene Handgelenke und Knöchel, Beulen und blaue Flecken. Wir rufen unsere Eltern, die oben sind, zu Hilfe. Als sie den Rand erreichen, fallen sie auch hinein. Wir rufen alle nach dem Bischof und seinen Ratgebern, aber sie fallen hinein. Bald ist die gesamte Gemeinde hinunter gefallen, und wir sind alle in ernster Gefahr. Wir sehen uns um und stellen fest, die ganze Grube ist voller Menschen – Freunde, Fremde, sogar Menschen von überall auf der Welt, und jeder ist verletzt. Uns wird bald klar, dass keiner mehr übrig ist, um uns zu retten. Was machen wir?

(Inzwischen waren die kleinen Kinder von der Geschichte gefesselt. Die älteren Kinder versuchten Wege zu finden, wie man aus der Grube herauskommen könnte. Aber um beim Thema zu bleiben, musste ich jede ihrer Ideen abwürgen. In dieser Geschichte gab es keinen Weg, wie sie selbst herauskommen konnten. Zurück zur Geschichte…)

Als wir alle soweit sind, jede Hoffnung aufzugeben, sehen wir die Silhouette eines Mannes, der am Rand der Grube steht. Er kennt den Grubenrand sehr genau. Er weiß, wo er aufpassen muss, damit er nicht hineinfällt. Er ruft uns beim Namen und sagt uns, wir sollen keine Angst haben. Er lässt eine Leiter hinab und klettert hinunter. Dann fragt er den ersten von uns, ob wir es die Leiter hoch schaffen. Das erste Kind sagt: Nicht mit meinem gebrochenen Knöchel. Er sagt, dass wir uns keine Sorgen machen sollen. Er hält es fest und trägt es die Leiter hoch. Dann kommt er wieder herunter und fragt das nächste Kind, das auch Hilfe braucht. Er trägt es auf dem gleichen Weg hinauf. Er wiederholt diesen Prozess – die Leiter hinab, die Leiter hinauf, wieder hinab, wieder hinauf – mit jedem Kind. Er fragt, ob sie Hilfe brauchen, trägt sie, wenn sie Hilfe brauchen, oder steigt direkt hinter ihnen die Leiter hinauf, wenn sie denken, dass sie alleine klettern können. Aber er klettert immer wieder hinab und hinauf, für jedes Kind, für eines nach dem anderen. Dann tut er das Gleiche für die Eltern, den Bischof und seine Ratgeber, die Gemeinde, eure Freunde, die Fremden, für jeden. Beharrlich erträgt er die Mühen des Kletterns. Niemand bleibt in der Grube zurück.

Irgendwo auf dem Weg die Leiter hoch heilen auf wundersame Weise unsere Wunden. Als er jeden gerettet hat, zieht er seine Leiter hoch, wendet sich uns zu und sagt: Jetzt könnt ihr nach Hause gehen.’ Wir danken ihm, und wir alle schaffen es sicher nach Hause.

Ich fragte die Kinder, was sie aus der Geschichte gelernt hätten. Nachdem wir Antworten der älteren Jungs wie Nimm’ eine Taschenlampe mit, wenn du Sterne gucken gehst ausgesiebt hatten, grenzten wir die Bedeutung der Geschichte ein auf:

Wir haben erfahren, dass jeder es mit einer Leiter und der Hilfe eines einzigen Mannes nach Hause geschafft hat.

Dallin H. Oaks über das Sühnopfer Christi - "Dank seines Sühnopfers ist der Heiland imstande, uns in jedem Schmerz und jeder Bedrängnis des Erdenlebens beizustehen." Die Augen der Kinder leuchteten auf, als sie die Verbindung zwischen der Geschichte und dem Sühnopfer herstellten. Wenn ein Kind die Botschaft des Sühnopfers Jesu Christi verstehen und dadurch Trost und Freude finden kann, warum verkomplizieren es die Erwachsenen dann? Die Schriften sind voll von zahlreichen Geschichten, die Gottes Volk davor warnen komplizierte Antworten zu suchen, anstatt einer viel einfacheren Lösung zu folgen (Mose und die Messingschlange, Naaman, der sich im Wasser des Jordan badete, Jakob, der darüber sprach, dass die Juden das Ziel verfehlten). Und trotzdem machen wir immer noch diesen Anfängerfehler – zu vergessen, dass es nicht beabsichtigt ist, eine Evangeliumsbotschaft voller Liebe nur schwer enträtseln zu können. Kinder wissen dies. Das entspricht ihrem Wesen.

Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. (Lukas 18:17)

Als ich am Thema arbeitete, bevor ich es unterrichtete, hielt ich inne bei dem Satz, der das Wesen der ganzen Geschichte des Mannes mit der Leiter definiert. Wir haben erfahren, dass jeder es mit einer Leiter und der Hilfe eines einzigen Mannes nach Hause geschafft hat.

Ich verglich ihn, Wort für Wort, mit dem dritten Glaubensartikel und erkannte, wie klar dieser Grundsatz wahrhaftig ist – nicht nur, dass ihn ein Kind verstehen kann, sondern auch so, dass wir uns vielleicht alle daran erinnern, warum wir es wert sind, errettet zu werden.

Der dritte Glaubensartikel der HLT-Kirche ist eine Aussage und ein wechselseitiger Vertrag. Er erklärt mutig: Wir glauben, dass durch das Sühnopfer Christi alle Menschen errettet werden können… Es gibt einen zweiten Teil dieser Schriftstelle, aber weil das Thema für die Kinder nur auf den ersten Teil konzentriert war, wird dieser Blog-Eintrag dasselbe tun.

Vielleicht entfacht dieser enge Brennpunkt ein neues Verständnis des Wertes, den wir in den Augen des Erlösers haben.

In der Geschichte fielen alle in die Grube außer einem Mann. Im Leben ist es das Gleiche. Wir schaffen es alle nicht, in unsere spirituelle Heimat zurückzukehren, ohne die Hilfe eines bestimmten Mannes. Es gibt in der heutigen Welt viel Verwirrung darüber, wer dieser Mann ist und welches die eigentliche Handlung ist, die die Errettung ermöglicht. Wir sprechen es klar aus: Der Mann ist Jesus Christus, und die Handlung ist das Sühnopfer – sein Leiden, sein Tod und seine Auferstehung.

Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Johannes 14:6)

Es führt kein anderer Weg zur Errettung, keiner zurück zum Vater, keiner nach Hause, außer dieser: Jesus Christus. Andere versuchen uns zu überzeugen, dass es mehr als einen Weg gibt oder dass dies nicht der wahre Weg sei. Wir erklären durch den dritten Glaubensartikel klar, dass er allein der Weg ist. Mohammed ist nicht der Weg. Buddha ist nicht der Weg. Ihr Lieblingssportler ist nicht der Weg. Ihr Lieblingspolitiker ist nicht der Weg. Keiner dieser Menschen bringt die Errettung zustande. Keiner dieser Menschen hat Tod, Sünde und Leid überwunden. Keiner dieser Menschen kann die Makel eines unreinen Lebens hinwegnehmen. Nur Jesus Christus, durch das Sühnopfer, macht das möglich.

Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht. (1. Korinther 15:22)

Ich möchte das Wort “können” (may) erläutern, ein Wort, das Vollmacht, Würde und Macht beinhaltet. Manche interpretieren können als Unsicherheit statt als Ermächtigung. Im Wörterbuch hat das Wort “können” mehrere Bedeutungen. Ich möchte mich hier auf die von “Erlaubnis erteilen” konzentrieren. Wenn Sie im Gerichtssaal sind und der Gerichtsdiener sagt: Erheben Sie sich!”, stehen Sie aus Respekt vor dem Richter auf. Der Richter sagt dann: Sie können sich setzen. Er benutzt das Wort “können”, weil er eine Erlaubnis erteilt als jemand, der dazu bevollmächtigt ist. Der Richter meint nicht Setzen Sie sich, wenn Sie wollen, oder auch nicht. Er gibt Ihnen die Erlaubnis sich zu setzen kraft seiner richterlichen Vollmacht. Folglich ist das Wort “können” ein Wort, das man achten sollte.

Im dritten Glaubensartikel heißt es zum Sühnopfer Christi: "Wir glauben, daß durch das Sühnopfer Christi alle Menschen errettet werden können, indem sie die Gesetze und Verordnungen des Evangeliums befolgen." Lassen Sie uns die erste Hälfte des dritten Glaubensartikels mit dieser Definition im Hinterkopf noch einmal lesen. Wir glauben, dass durch das Sühnopfer Christi alle Menschen errettet werden können. Er erklärt, dass Jesus Christus allein die Vollmacht hat zu erretten. Er übt diese Vollmacht durch das Sühnopfer aus, die einzige der Menschheit bekannte Handlung, die die Errettung zustande bringt. Aufgrund seines Bündnisses und durch seine Göttlichkeit, seine Liebe und Gnade dürfen wir an dieser Errettung teilhaben (können wir errettet werden). Unser Blut wurde durch ihn rein gewaschen. Der dritte Glaubensartikel kennzeichnet das Sühnopfer klar als einzige bevollmächtigte Errettungshandlung und Jesus Christus als Einzigen mit der Vollmacht, diese Errettung zu ermöglichen. Es ist, als ob Christus als der Richter im Gerichtssaal sagt: Sie können errettet werden, mit der Bedeutung Sie haben meine Erlaubnis, errettet zu sein. Und er gibt diese Erlaubnis jedem (der ganzen Menschheit). Dies ist das Bündnis, das er mit uns gemacht hat, bevor wir geboren wurden.

Ja, sie mögen vergessen, doch werde ich dich nicht vergessen, o Haus Israel. Siehe, ich habe dich auf die Flächen meiner Hände gezeichnet. (1 Nephi 21:15-16)

Christus ist an sein Bündnis gebunden, das er gemacht hat, bevor wir geboren wurden. Als der himmlische Vater fragte: Wen soll ich senden? meldete Christus sich freiwillig. Er gelobte vor der Entstehung dieser Welt, dass er unser Erlöser sein werde, dass er das Sühnopfer so vollkommen vollbringen werde, dass wir es nach Hause schaffen können. Er tat dies, weil er uns liebt – wir sind es wert, geliebt zu werden. Wir sind es wert, errettet zu werden. Anders zu denken würde bedeuten, das Sühnopfer im Nachhinein anzuzweifeln – zu meinen es besser zu wissen als er, zu denken, er habe vielleicht nicht genug gelitten, weil wir es nicht wert sind.

Wir dürfen nicht in die Falle geraten zu denken, dass Christus’ Anteil an der Errettung von Bedingungen abhängig wäre – dass er von seiner Hälfte der Abmachung zurücktreten würde. Das widerspricht völlig seiner Natur und wertet seine Rolle in dem Bündnis, das er mit uns gemacht hat, ab. Wir dürfen nicht denken, dass er einfach seine Meinung ändern würde, wie ein wankelmütiger Freund, falls wir einige Anforderungen nicht erfüllen können, denen nur er gerecht werden konnte. Dies ist eine gefährliche Denkweise, die dazu führen kann, dass sich ein Mensch fühlt, als könne er niemals gut genug sein und dass er daher der Erlösung nicht würdig sei. Es ist die Liebe Christi für uns, die uns würdig macht. Es ist sein Sühnopfer, das für unsere Freiheit bezahlt hat. Wenn er uns im Himmel willkommen heißt, wird er allein – mit der Vollmacht und der Befugnis – sagen Ihr könnt eintreten.

Es war erstaunlich diese “Glühbirnen” zu sehen, die in den Gesichtern der Kinder aufleuchteten, als sie begannen zu begreifen, was diese Geschichte bedeutet. Christus’ Sühnopfer ähnelte dem Mann mit der Leiter, der jedem von ihnen, einem nach dem anderen, aus der Grube half. Irgendwo auf unserem Weg vergessen wir Erwachsenen, dass die Leiter auch für uns da ist – jede Woche, wenn wir vom Abendmahl nehmen und wieder rein werden. Wenn ein Kind die wunderschöne Einfachheit der Gnade Christi verstehen kann, dann können wir das auch.

Der dritte Glaubensartikel gibt einen Überblick über ein Bündnis – ein wechselseitiges Versprechen. Der erste Teil ist Christus’ Versprechen.

An diesen Teil ist er gebunden. Er hat für uns gesühnt, Tod, Sünde, Trauer und Schmerz überwunden. Er wird niemals von seinem Bündnis zurücktreten. Nehmen Sie sich eine Woche lang die Zeit, über das ungeheure Ausmaß dieser Liebe nachzudenken – der Liebe, die er für Sie hat. Denken Sie ohne Zweifel, ohne Vorbehalt darüber nach. Glauben Sie daran, denn es ist wahr.

In den nächsten Wochen werden wir die Geschichte des Mannes mit der Leiter noch tiefer erforschen. Wir werden sehen was es für ihn bedeutet hat, die Leiter zu erklimmen, was von unserer Seite notwendig war, dass wir uns überhaupt an ihm festhielten, wie uns dies für immer verändert und wie es uns mit Christus durch unseren eigenen Anteil verbindet – die andere Hälfte des Bündnisses.


Autorin dieses Artikels ist Nanette O’Neal, der Artikel wurde im Original auf der Seite ldsblogs.com veröffentlicht. Übersetzerin: Tanja Kraft

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