Eigentlich liebe ich Schnee. Aber dieser Winter war brutal. (Anmerkung der Übersetzerin: Der Artikel stammt aus dem Frühling 2014, und die Autorin lebt in New Jersey, einem Bundesstaat an der Ostküste der USA. Dort herrschte 2013/2014 ein besonders strenger Winter.) Extreme Minustemperaturen und Schneefall-Rekorde plagten uns monatelang. Bedeckte Himmel spiegelten eine endlose Schneedecke auf dem Boden. Ich kann mich an keinen kälteren, trostloseren Winter erinnern. Es schien, als würde es ewig so weitergehen.

Aber vor einer Woche sah ich einen Hoffnungsschimmer – Rotkehlchen, Vorboten des Frühlings. Vier rundliche Vögel mit rotem Brustgefieder saßen auf unserem Garagendach. Es geschah an einem der milderen Tage zwischen zwei Stürmen, die beide mehrere Zentimeter Schnee brachten. Obwohl Mutter Natur den Winter noch festhielt, hatten die Rotkehlchen andere Pläne: Sie kamen. Und mit ihrer Ankunft kamen andere Zeichen der Erneuerung – gleichmäßiger Anstieg der Temperaturen, schmelzender Schnee und Sonnenschein, der die Luft schon so erwärmte, dass ich die Baseball-Jacke zu meinen täglichen Hundespaziergängen tragen konnte.

Der Frühling ist tatsächlich angekommen – wie konnte man jemals daran zweifeln? Er kommt jedes Jahr. Wir haben ihn alle erlebt. Außerhalb des Polarkreises gab es in der Geschichte der modernen Zivilisation niemals einen konstanten 12-Monats-Kreislauf bitterer Kälte, der den Frühling, Sommer und Herbst völlig ausgelöscht hätte. Aber wenn wir einen grausamen Winter erleben, einen, demWärme und Sonnenschein gänzlich zu fehlen scheinen, ist da ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit, das in uns die Frage aufwirft, ob der Frühling jemals kommen wird. Und doch tut er das unweigerlich. Bei den ersten Zeichen des Frühlingserwachens vergessen wir den strengen Winter, den wir in diesen kurzen Monaten durchlebt haben. Wir heißen den Frühling mit offenen Armen willkommen. Wir vergessen, dass wir je an seiner Rückkehr zweifelten. Die Jahreszeiten sind unsere Lehrer. Sie lehren uns Geduld und Glauben. Sie zeigen uns, dass Hoffnung zu Gottes Plan für uns gehört.

Die Jahreszeiten spiegeln Gottes vollkommenen Plan wider.

Ein Baum, zusammengesetzt aus vier verschiedenen Bildern, die zu den vier verschiedenen Jahreszeiten gemacht wurden, symbolisiert die verschiedenen Phasen, die auch wir hier auf Erden durchleben.

Durch das Sühnopfer Jesu Christi können wir, so wie die Natur, auferstehen und am ewigen Kreislauf des Planes Gottes teilhaben.

Wir wissen, dass unser Erretter dabei geholfen hat, diese Welt zu erschaffen. Wir erfahren davon in der Bibel, wenn wir in Johannes lesen, wie Gott und Jesus am Anfang zusammen waren und wie „alles durch das Wort geworden [ist], und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.” (Die Bibel (Einheitsübersetzung), Johannes 1:1-3) Dies schließt die Jahreszeiten, Winter, Frühling, Sommer und Herbst, ein. Wir durchlaufen sie Jahr für Jahr. Sie geben der Erde neues Leben. Und so lange wir uns als gute Verwalter der Erde erweisen und die Natur in Balance und Harmonie bewahren, lernen wir unser irdisches Heim zu erhalten. Können wir am Beispiel der Natur auch lernen, unser geistiges Zuhause zu erhalten?

Zweifle nicht, fürchte dich nicht.

Es gibt Zeiten, in denen wir lange geistige Winter durchleben, die niemals zu enden scheinen. Dies kann sich für einige als Armut äußern, für andere als gesundheitliche Probleme. Die Enttäuschung über zurückgehaltene Segnungen, die qualvollen Leiden durch Missbrauch, die Fallstricke der Sucht und die Konsequenzen davon – alles erscheint dem wie geistiger Winter, der sich mitten in diesen Prüfungen befindet. Also, weshalb sollte ein liebender Gott die Natur so gestalten, dass sie ein gesundes Wiedererwachen erlebt, uns aber zum Leiden in Einsamkeit und Kälte verurteilen? Ein liebender Vater kehrt seinen Kindern nicht den Rücken zu. Und genauso hat uns auch unser Vater im Himmel seinen Rücken nicht zugekehrt.

Wir können mit Gott sprechen.

Eine junge Frau betet zum himmlischen Vater.

Durch das Gebet haben wir die Möglichkeit, jederzeit mit unserem Vater im Himmel zu sprechen.

„Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemand einen Vorwurf.” (Die Bibel (Einheitsübersetzung), Jakobus 1:5) Früher glaubte ich, dass nur die hohen Tiere unter den Theologen Zutritt zu Gott hätten. Dies wird vielen Menschen beigebracht. Aber als ich begann, Gott als meinen himmlischen Vater anzusehen, bekam ich ein anderes Gefühl über unsere Beziehung zueinander. Er ist unser ewiger Vater – der Vater unseres Geistes. Wir lebten bei ihm, bevor wir geboren wurden. Wir hatten damals eine Beziehung zu ihm. Und wir können diese Beziehung auch heute aufrechterhalten. Der Weg, wie wir das tun können, ist das Gebet – ein persönliches Gebet direkt zu ihm. Er hört zu, denn er ist der gütigste, liebevollste Vater, den es gibt. Und er segnet uns mit Trost und Frieden durch die leise Stimme des Heiligen Geistes.

Bevor ich wusste, dass ich ein Kind Gottes bin, fühlte ich mich verlassen. Nun, da ich weiß, dass mich mein Vater im Himmel liebt, mir zuhört und mir antwortet, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich jemand Großartigem viel bedeute – jemand, der sich um mich sorgt, jemand der die Macht hat, mich zu heilen. Wenn ich mit aufrichtigem Herzen, mit wahrem Vorsatz bete, und wenn ich auf die leise Stimme des Friedens höre, fühle ich mich mit etwas viel Größerem verbunden als dem, was ich um mich herum sehe. Und wenn meine Prüfung besonders schwer ist, weiß ich, dass mein himmlischer Vater daran glaubt, dass ich sie überwinden kann.

Durch das Gebet finde ich Trost, indem ich meine Beziehung zu einem Vater erneuere, der mich besser kennt, als ich mich selbst.

Unser Erlöser Jesus Christus hat Prüfungen durchlitten.

Ein Grund dafür, dass ich meinen Erlöser so sehr liebe, ist, dass ich weiß, dass er alles gefühlt hat, was ich im Leben gefühlt habe und fühlen werde. Wir wissen, dass sein Sühnopfer (sein Leiden in Gethsemane, die Kreuzigung und Auferstehung) uns von Sünde und Tod gereinigt hat, aber es hat noch mehr als das bewirkt. „Und er wird hingehen und Schmerzen und Bedrängnisse und Versuchungen jeder Art leiden; und dies, damit sich das Wort erfülle, das da sagt, er werde die Schmerzen und die Krankheiten seines Volkes auf sich nehmen.” (Das Buch Mormon, Alma 7:11) Das heißt, wenn ich das Gefühl habe, dass ich alleine bin, wenn ich das Gefühl habe, dass mich niemand auch nur annähernd verstehen kann, dass niemand das durchgemacht hat, was ich durchmache, kann ich innehalten und mich an die Wahrheit erinnern – doch, es gibt jemanden. Dieser Jemand ist Jesus Christus. Und obwohl Jesus das alles schon mal durchgemacht hat, ist er bereit noch einmal durch die Prüfung zu gehen, mit mir. Er lässt mich das nicht alleine machen. Es ist ein unfehlbarer Trost, der sich immer dann einstellt, wenn ich mich daran erinnere, dass ich nicht alleine bin. Es ist, als ob mir eine Last von den Schultern genommen würde. Oder, treffender, als ob ein Zeichen des Frühlings sich vor meinem Fenster niedergelassen hätte.

Das Evangelium Jesu Christi ist die Verheißung Gottes auf Frühling.

„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.” (Die Bibel (Einheitsübersetzung), Johannes 3:16) Es gibt einen Grund, dass diese Schriftstelle so oft von der ganzen Christenheit zitiert wird. Sie ist zutiefst wahr und fließt über von Liebe. Und genauso, wie der Frühling unweigerlich jedes Jahr kommt, wird uns Christus, unser Erlöser, durch das Sühnopfer von all unseren geistigen Schmerzen und Bedrängnissen heilen. Wenn wir uns daran erinnern, können wir nicht versagen, weil er nicht versagen kann. Einige Prüfungen mögen länger dauern als andere, genau wie manche Winter gnadenloser und kälter sein können. Aber der Frühling kommt immer. Und der Erretter erlöst immer. Er erlöst alle. Der Frühling erreicht jeden. Niemand wird von der Liebe unseres himmlischen Vaters und von Jesus Christus ausgenommen. Die Jahreszeiten haben uns das Muster der Ewigkeit gelehrt. Der Frühling ist ein Geschenk der Erneuerung, sowohl im Hinblick auf das Erdenleben als auch auf das ewige Leben.

Auf einem Frühlingsbild ist ein Ausschnitt des Liedes "Eine Sonne mir im Herzen scheint" zu lesen: "Ja, ein Frühling mir im Herzen blüht, und Hoffnung grünet da; wenn Frieden meine Seel erfüllt, ist Gott, der Herr, mir nah."

Das Lied “Eine Sonne mir im Herzen scheint” stammt aus dem Gesangbuch der Kirche Jesu Christi. Darin wird die Freude zum Ausdruck gebracht, die man empfindet, wenn man Jesus Christus nahe ist.


Der Beitrag stammt ursprünglich von Nanette O’Neal und wurde auf Englisch auf ldsblogs.com veröffentlicht. Übersetzerin: Tanja Kraft

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