Maria, die Mutter Jesu, lehrt die treuen Anhänger ihres Sohnes durch Wort und Tat die bedeutenden Tugenden eines wahren Jüngers.

Obwohl nur wenig über Marias Leben überliefert wurde, zeigt das, was aufgeschrieben wurde, ihre vorbildliche Rechtschaffenheit. Dies zeigt sich in 1.) ihrem treuen Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes, 2.) der Freude über die Segnungen Gottes, 3.) der Bereitschaft, Zeugnis von Gott und den Rat seiner Knechte zu empfangen und 4.) eine Nachkommenschaft heranzuziehen, die Gott rühmt.

Treuer Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes

Viele Propheten wussten von der bedeutenden Rolle, die Maria im Plan der Erlösung spielen würde. Ihre Mission ist in den alten heiligen Schriften niedergeschrieben (siehe Jesaja 7:14; 1. Ne. 11:13–20; Mosia 3:8; Alma 7:10).

Durch den Engel Gabriel, den Gott ihr sandte, um ihr die frohe Botschaft zu verkünden, erfuhr Maria, dass sie diejenige sei, die diese früheren Prophezeiungen erfüllen würde. Der himmlische Bote erklärte: “Sei gegrüßt, du Begnadete des Herrn. Der Herr ist mit dir, denn du bist erwählt und bist gesegnet unter den Frauen” (Joseph-Smith-Übersetzung: Lukas 1:28, nicht in der deutschen Übersetzung enthalten).

Maria und der Engel Gabriel, der ihr von ihrer besonderen Aufgabe erzählt (Lukas 1:28-38).

Nach dieser Ankündigung hatte Maria nur eine einfache Frage: “Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?” (Lukas 1:34) Marias Frage war nicht eine Frage des Vorbehalts oder Zweifels, sondern vielmehr eine von echter Neugier bezüglich dessen, wie dies denn sein könne, da sie doch eine Jungfrau war, die jemandem versprochen war. Vor dem Besuch des Engels war Maria dem Zimmermann Josef versprochen worden. Dies bedeutete jedoch nicht, dass sie die Ehe vollzogen hatten, sondern dass Maria und Josef der jüdischen Tradition gemäß an einer Vermählungszeremonie teilgenommen hatten (auch bekannt als “Verlobung” oder “Heiligung der Braut”. Dies entsprach in etwa dem verlobt sein).

Auf Marias Frage antwortete der Engel: “Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.” (Lukas 1:35)

Maria erfuhr von diesem himmlischen Boten, dass sie die Mutter des Sohnes Gottes werden würde, dem Einziggezeugten des Vaters im Fleisch. Das Kind würde die physischen, mentalen und spirituellen Eigenschaften von beiden Elternteilen erben – das eine ein verherrlichter Gott; das andere eine würdige, begnadete sterbliche Frau.

Nachdem sie die Botschaft des Engels angehört hatte, antwortete Maria mit uneingeschränktem Gehorsam: “[…] mir geschehe, wie du es gesagt hast.” (Lukas 1:38). Mit der Demut, mit der sie diese Aufgabe der Mutterschaft annahm, dient Maria als Beispiel für die Art von Gehorsam, den alle Jünger anstreben sollten.

Ausdruck ihrer Freude über Gottes Segnungen

Nachdem der Engel Maria verlassen hatte, verließ Maria Nazareth und besuchte ihre Cousine Elisabeth – die Frau, die bei ihrem ersten Aufeinandertreffen alles verstehen und sich mit ihr freuen würde.

Dieses wunderbare Treffen der beiden auserwählten Frauen ist einmalig in der Geschichtsschreibung. Als die werdende Mutter von Johannes die werdende Mutter des Erretters der Menschheit in ihrem Heim willkommen hieß, verlieh Maria ihrer Freude unverhohlen Ausdruck und sprach: “Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan; und sein Name ist heilig.” (Lukas 1:48-49)

Die Bereitschaft, Gottes Zeugnis und Rat von seinen Dienern zu empfangen

Nach dem Erscheinen des Engels ist das erste festgehaltene Zeugnis, das Maria empfing, das von Elisabeth. Als nächstes sollte nun Marias Verlobter Josef ein Zeugnis erhalten. Dieses Zeugnis – begleitet von einem Ratschlag – wurde ihm wegen des Gewissenskonflikts gegeben, in welchem Josef sich wegen Marias Schwangerschaft befand. Als er darüber nachdachte, erschien ihm im Traum ein Engel und bezeugte Marias Rechtschaffenheit. Der Engel sagte:

“Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.

Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.” (Matthäus 1:20-21)

Wie auch zuvor Maria es getan hatte, befolgte Josef den Rat und “tat […], was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.” (Matthäus 1:24). Sein edler Charakter ist beispielhaft für Tugenden wie treuer Gehorsam und Integrität, denn “er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.” (Matthäus 1:25)

Das dritte aufgezeichnete Zeugnis erhielt Maria in Bethlehem. Irgendwann nach der Hochzeit von Maria und Josef in Nazareth wurde ein Dekret von Kaiser Augustus erlassen, “alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen”. (Lukas 2:1)  Jeder Jude musste sich in seiner Heimat auf Steuerlisten eintragen, daher machten sich Maria und Josef, die vom Hause König Davids abstammten, auf den Weg in ihre Heimat – eine ländliche Kleinstadt namens Bethlehem, die etwa zehn Kilometer südwestlich von Jerusalem liegt.

Wir wissen nicht, wie bald nach Marias und Josefs Ankunft in Bethlehem die Geburt stattfand, aber wir wissen: “Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.” (Lukas 2:6-7)

Kurz darauf kamen Hirten, um das neugeborene Kind zu sehen und wurden Zeugen des Sohnes Gottes. Auf diese Weise wurden die Hirten zu ersten christlichen Missionaren, die allen Zeugnis davon gaben, was sie gesehen und gehört hatten.

Das vierte Mal, wie es in den Schriften steht, dass Maria Zeugnis und Rat in Bezug auf ihren erwählten Sohn erhielt, geschah im Tempel zu Jerusalem. Maria und Josef befolgten das mosaische Reinheitsgebot, wonach Frauen sich vierzig Tage nach der Geburt zurückziehen mussten (vgl. Levitikus 12). Nach den vierzig Tagen brachten sie und Josef Jesus zum Tempel.

Im Tempel gab es zwei Zeugen, Simeon und Hanna. Simeon war offenbart worden, “er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe” (Lukas 2:26). Als er Jesus erblickte, nahm er das Baby in seine Arme und pries den Herrn mit den Worten: “Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden, wie dein Wort es verheißen hat. Denn meine Augen haben das Heil geschaut.” (Lukas 2:29-30)

Simeon segnete sie alle und sprach besonders zu Maria, um ihr nochmals die göttliche Berufung ihres Sohnes zu bestätigen. Dieser Lobpreis beinhaltete auch Marias Mahnung an die schweren irdischen Erfahrungen, die ihr Kind haben würde. Simeon sagte auch zu ihr: “Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.” (Lukas 2:35)

Auch die Prophetin Hanna bestätigte Simeons Zeugnis. Sie “pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.” (Lukas 2:38)

Maria wurde auch von den Weisen aus dem Morgenland besucht. Die Weisen wurden von einem Stern zu einem Haus geführt, wo sie “das Kind und Maria, seine Mutter” (Matthäus 2:11) sahen. Dieser Besuch war ein weiteres Zeugnis für die göttliche Berufung ihres Sohnes.

Durch diese Berichte wissen wir, dass Maria bereitwillig den Rat und das Zeugnis der Knechte Gottes annahm. Jeder dieser Diener aus den verschiedenen sozialen Schichten beteuerte Maria ihren gesegneten Zustand in den Augen Gottes. Maria lebte so, dass sie empfänglich für ihre Botschaften war. Ihr Leben war geprägt von Treue, Gehorsam und Bereitwilligkeit. Sie ignorierte den Rat nicht, sondern “bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.” (Lukas 2:19)

Einen Nachkommen erziehen, der Gott verherrlicht

Im Neuen Testament finden sich nur knappe Berichte über das Ergebnis von Marias einfühlsamem und ehrfürchtigem Nachdenken. Doch trotz ihrer Kürze weisen diese Passagen Maria deutlich als Jüngerin Jesu aus.

Im Neuen Testament wird ausführlich darüber berichtet, wie Marias Sohn Gott verherrlicht und seiner Mutter Respekt erweist. Als Maria Jesus beispielsweise nach dem Paschafest in Jerusalem sucht, findet sie ihn im Tempel. Maria fragt: “Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.” (Lukas 2:48) Maria rügt ihn nicht oder beharrt auf dem elterlichen Recht, da sie, wie es scheint, wusste, dass ihr Sohn sie nicht weniger achtete, sondern vielmehr damit seinen himmlischen Vater ehrte.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass Jesus seiner Mutter Respekt zollte und gleichzeitig Gott verehrte, ist das Hochzeitsmahl in Kana, einem Dorf in der Nähe von Nazareth. Auf die Bitte seiner Mutter wirkte Jesus bei dem Mahl das Wunder, dass er Wasser in Wein verwandelte (vgl. Johannes 2:1-11). Ein Ergebnis dieses Wunders war: “Seine Jünger glaubten an ihn.” (Johannes 2:11)

Die Mission Christi, seinen himmlischen Vater zu verherrlichen und jedem von uns die Erlösung zu ermöglichen, hielt ihn nicht davon ab, seiner Mutter tiefe Liebe und Achtung zu zeigen. Tatsächlich wird in den Schriften ganz klar geschildert, dass er selbst während der Qualen seiner Kreuzigung in Golgota noch an das Wohl seiner Mutter dachte. Johannes berichtet, “bei dem Kreuz Jesu stand seine Mutter.” (Johannes 19:25) Als Jesus seine Mutter sah, die bei seinem Jünger Johannes stand, sagte er “Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: “Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.” (Johannes 19:26-27)

Durch sein Leben verherrlichte Jesus Gott. Er erfüllte die Prophezeiungen aus alter Zeit über sein Wirken, sein Sühnopfer, seinen Tod und seine Auferstehung. Sein Leben ist beispielhaft. Auch seine Mutter verdient Anerkennung für ihre rechtschaffene Jüngerschaft.


Von Susan Easton Black. Erschienen im Ensign 1991. Im Englischen Original hier auf lds.org. Übersetzt von Kristina Vogt.

Susan Easton Black ist außerordentliche Professorin für Geschichte und Lehre der Kirche an der Brigham Young Universität und dient als Pfahl-FHV-Leiterin im 11. Pfahl der Brigham Young Universität.