Jesus Christus lebt! Ich möchte euch davon erzählen, wie ich vom geistigen Tod auferstanden bin.

Unser Vertrauen in den Erlöser setzen

Meine Gemeinde war neu gegründet worden und ich wurde gebeten, die Leiterin der Organisation für die weiblichen Jugendlichen zu sein. Die Bischofschaft (so nennen wir unsere lokalen Gemeindevorsteher – ein Bischof und zwei Ratgeber) veranstaltete eine Zusammenkunft für die Jugendlichen und ihre neuen Leiter zum gegenseitigen Kennenlernen. Als der Abend dem Ende zuging, überraschte mich der Bischof damit, dass er mich zu sich bat, um ihm dabei zu helfen, das Konzept „Vertrauen” zu veranschaulichen. Er verband mir die Augen und bat mich, mich nach hinten fallen zu lassen, ohne dabei die Knie zu beugen. Er versprach, dass er mich auffangen würde. Er und die anderen Leiter fingen an, Witze zu machen. „Vielleicht solltest du den Tisch umstellen, damit sie sich nicht den Kopf anschlägt.” „Seid still, sonst hört sie noch, dass der Bischof sich davonschleicht.” „Das ist ein Plüschteppich – das sollte klappen.” Die Jugendlichen fanden das witzig – aber ich hatte wirklich große Angst.

Viele Leute, die ich kenne, haben schon an solchen vertrauensfördernden Aktivitäten teilgenommen – ich aber noch nie. Ich hatte früh gelernt, in wichtigen Dingen im Leben nur mir selbst zu vertrauen. Und selbst als ich anfing, Liebe für den Erlöser zu entwickeln und wusste, dass wir „ihm vertrauen” sollten, musste ich ihm bisher nie so sehr in einer akuten Situation vertrauen.

In der Dunkelheit war ich starr vor Angst. Mir gingen lächerliche Gedanken durch den Kopf – was, wenn der Bischof es nicht ernst meint? Was, wenn er mich nicht auffängt? Und dann fingen verrückte Gedanken zur geistigen Symbolik an, sich in meinem Kopf zu drehen – vom Glauben an den Erlöser abfallen; in eine leere Grube fallen und nie wieder gefunden werden. Die Kinder wurden ungeduldig („Jetzt mach schon!”) und mein Herz begann zu rasen. Jetzt machen sie sich über mich lustig, dachte ich.

Erlöser

Ich versuchte, mich fallen zu lassen, aber der Bischof sagte, dass es nicht zählte. Ich war in die Knie gegangen. Er überredete mich, es noch einmal zu probieren und alle anderen sprachen mir Mut zu. Ich streckte meine Beine ganz durch, breitete die Arme aus und ließ los. Ich hatte das Gefühl, dass die Zeit stillstand, es keine Geräusche mehr gab und ich den Geist aufgab. Als ich fühlte, wie er mich in seinen Arm auffing, lief die Zeit wieder weiter und er legte mich sanft auf dem Teppich ab. Ich glaube, die Leute jubelten mir zu, aber ich hörte sie nicht. Ich nahm die Augenbinde ab, schaute zu meinem strahlenden Bischof hoch und dachte über das Fallenlassen nie wieder so wie zuvor.

Niemand will verwundbar sein. Niemals. Verletzlich zu sein bedeutet schwach zu sein; zuzugeben, dass man „es” nicht alleine schafft – was auch immer dieses „es” ist. Gerade Frauen wollen nicht den Eindruck von Schwäche erwecken, weil das so aussieht, als ob sie machtlos wären und missbraucht oder kontrolliert werden könnten. Besonders, wenn man als Frau sich einmal jemandem unterlegen gefühlt hat, der dominierte, hat man Angst vor Verwundbarkeit. Ein positiver Nebeneffekt davon ist Unabhängigkeit. Ein anderer Nebeneffekt ist aber Misstrauen, was überhaupt nicht gut ist – vor allem nicht, wenn du dann demjenigen nicht vertraust, der die Macht und Autorität hat, dich zu erretten.

Diese anschauliche Lektion hat mich tief berührt, wahrscheinlich mehr als die Jugendlichen. Ich stand Auge in Auge mit einem Misstrauen, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich es hatte – ein Misstrauen gegenüber der erlösenden Macht des Erretters. Ich wusste von seiner Liebe, seinen Wundern, seinem Opfer und seiner Auferstehung, all dem, was er um der Menschheit Willen getan hatte, aber ich glaubte nicht daran, dass diese erlösende Macht für mich ausreichte. Ich dachte immer noch, dass ich „es” alleine schaffen musste. In diesem Falle stand das „es” dafür, mich selbst zu erretten.

Welche Leiter erklimmst du?

Es gibt eine Parabel von einem Mann und einer Leiter. Der Mann repräsentiert dabei Christus, die Leiter das Sühnopfer. Die beiden Holme stehen dafür, was er für uns getan hat – wie er uns von Sünde und Tod errettet hat. Die Sprossen stehen für die Dinge, die wir für ihn getan haben – das Halten der Gebote und Verordnungen des Evangeliums – damit wir aus der Grube heraus und zurück in seine Gegenwart kommen können. Als ich rückblickend noch einmal über meine Erfahrung mit der vertrauensfördernden Aktivität nachdachte, merkte ich, dass ich auf der falschen Leiter gewesen war.

Wart ihr schon einmal auf einer falschen Leiter?  Vielleicht waren es die gleichen Holme – was Christus für uns getan hat – aber die Sprossen waren falsch. Meine Sprossen bestanden aus meiner Unabhängigkeit, meinem Wunsch, mich selbst zu erretten und daraus, dass ich nicht bereit war, vor dem Herrn verwundbar zu sein. Mein Stolz, der dadurch kam, dass ich dachte, dass ich mich selbst erretten könnte, ließ keinen Raum für Demut. Mein Misstrauen anderen gegenüber, auch wenn sie sagten, dass sie für mich da wären, ließ mich alleine dastehen – sogar ohne den Heiligen Geist. Dadurch, dass ich zu unabhängig war, frei von Hilfe, wenn sie am meisten gebraucht wurde, war ich in einem hilflosen Zustand – das, wovor ich am meisten Angst hatte.

Es gibt viele Leitern mit falschen Sprossen. Die Leiter „Popularität” beispielsweise. Sollen deine guten Taten eher von den Menschen als von Gott gesehen werden? Als er die Heuchler beschrieb, die in der Öffentlichkeit beteten, warnte uns Christus hiervor.

Wie steht es mit der Leiter, einen Schein wahren zu wollen – zu denken, dass „gute Taten verrichten” bedeutet, „jede erdenkliche gute Tat zu tun, den ganzen Tag lang, jeden Tag und ohne Pause”?

Das ist eine besonders zerstörerische Leiter. Wenn man auf ihr steht, bemerkt man nicht, dass man sich selbst mit schnellem Tempo auslaugt. Ich kenne ein paar Frauen, die sich vom Glauben abgewandt haben, weil sie sich so lange auf dieser Leiter befunden haben; sie glaubten, dass sie nie den unmöglichen Anforderungen der Perfektion gerecht werden könnten.

Sie haben es falsch verstanden – sie befanden sich auch auf der falschen Leiter.

Die Sprossen der richtigen Leiter – der Leiter Christi – läutern, veredeln und bringen uns dem Erretter näher. Wenn die Sprossen, auf denen wir die Leiter erklimmen, dahin führen, dass wir vergleichen, konkurrieren oder uns belastet fühlen, befinden wir uns auf der falschen Leiter.

Ostern als Neuanfang

Dieses ungesunde Vergleichen führt zu Spaltungen in den Gemeinden, in der Familie und in einem selbst. Umkehr und die Gesetze des Evangeliums sind so konzipiert, dass sie heilen, trösten, stärken und schlussendlich helfen, auf der Leiter weiter nach oben zu steigen, bis zu unserem himmlischen Zuhause.

Jetzt ist Ostern. Die ganze christliche Welt feiert die Auferstehung Jesu Christi. Ich möchte euch einladen, euch einen Moment Zeit zu nehmen, um über das, was ihr glaubt, nachzudenken. Wenn du an Christus glaubst, daran, dass er derjenige ist, der er zu sein vorgibt, wenn du daran glaubst, dass er die Macht hat, dich zu erretten – wirst du das zulassen? Wirst du dir deine Leiter von oben ansehen und, wenn du auf der falschen Leiter stehst, ihm vertrauen, dass er dich auffängt, wenn du von der Leiter steigst und dich in seine Arme fallen lässt?

Mach Ostern in diesem Jahr zum Ausgangspunkt deiner Reise zu mehr Vertrauen in ihn.

Jesus Ostern


Nanette ONeal

Nanette liebt das Evangelium und teilt es mit Begeisterung auf LDS-Blogs. Sie hat sich erst später im Leben der Kirche angeschlossen. Sie fühlt immer noch das Brennen im Herzen durch den Geist. Sie hat einen Abschluss von der Mason-Gross-School für Künste in Musikpädagogik und unterrichtet seit mehr als 20 Jahren privat und öffentlich Kinder und Erwachsene. Nanette bildet sich weiterhin im Evangelium fort und schreibt gerne. Auf ihrem Blog schreibt sie wöchentliche Beiträge, die inspirieren sollen, und arbeitet derzeit an einer Reihe Fantasy-Romanen: A Doorway Back to Forever. Ihren Blog findet man unter NanetteONeal.blogspot.com. Nanette hat einen wundervollen Ehemann, einen sehr talentierten Sohn und drei wunderschöne Hunde.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Der Beitrag wurde ursprünglich am 5.4.15  auf ldsblogs.org unter dem Titel „Falling into His Arms” veröffentlicht. Die Autorin ist Nanette ONeal. Übersetzt von Kristina Vogt.

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