Wie ich mir als Kind vorstellte, Jesus zu begegnen.

Jesus sitzt neben einem Kind und spricht mit ihm.

Als Jugendlicher stellte ich mir manchmal vor, ich wäre sonntags in der Kirche und plötzlich würde mich der tolle Bischof Smoot aus meiner Klasse holen. Er würde dann auf sein Büro zeigen und sagen:

„Da ist jemand, der dich gerne sprechen möchte.”

Wenn wir fast an seinem Büro angekommen wären, würde er zu mir sagen:

„Es ist Jesus.”

Der Bischof würde die Türe aufmachen und ich würde dann zögerlich in die Gegenwart des Herrn des Universums stolpern.

Ich habe oft darüber nachgedacht, wie ich wohl reagiert hätte. Ich glaube, ich hätte mir einen Stuhl genommen und beschämt meinen Kopf hängen gelassen. Ich war so egoistisch und oft so lieblos! Ich schimpfte mit meinem Bruder, wenn er mich ärgerte. Ich ging gleichgültig mit den Bitten meiner Schwester um. Ich urteilte über andere und handelte eigennützig. Oft war ich unfreundlich.

Klar, das sind nur Kleinigkeiten. Ich tat nichts Illegales. Aber ich war zu den Menschen, von denen Gott wollte, dass ich sie liebte und ihnen diente, unfreundlich. 

Ich stellte mir vor, ich würde plötzlich ein Rascheln hören. Jesus würde ein langes Stück Papier ausbreiten. Er würde sich räuspern.

„Du bist ein ziemlich guter Junge, Wally.” Pause. „Aber du tust nicht das, was ich von einem Jünger erwarte. Ich erwarte, dass du zu Hause hilfst. Ich erwarte, dass du freundlich bist. Ich erwarte, dass du ein gutes Vorbild bist.”

Ich würde mich schämen.

Vielleicht hätte ich davon ausgehen sollen, dass Jesus gütiger ist. Ich kannte die Aussage:

„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.” (Johannes 3:16)

Er bietet uns das ewige Leben – unter der Bedingung, dass wir Glauben haben. Natürlich wäre ich, wenn ich wirklich Glauben hätte, ein besserer Mensch. Offensichtlich hatte ich keinen Glauben bzw. glaubte nicht auf die richtige Art und Weise.

Wenn wir Johannes 3:16 zitieren, lesen wir oft nicht den nächsten Vers. Ich wünschte, wir täten es. Als Erwachsener blieb ich bei dem Vers hängen und war beeindruckt!

„Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.” (Johannes 3:17)

Was??? Er kam nicht, um mich zu richten? Der Jesus, den ich kannte, schien mir mehr wie ein pflichtbewusster Sekretär, der über mein Versagen jedesmal genau Buch führte. Ich hatte Angst davor, ihm gegenüber zu stehen!

Aber ich lag falsch! Er kam nicht, um mich zu richten! Er kam, um mich zu retten!

Wie ich mir heute vorstelle, Jesus zu begegnen.

Jesus umarmt einen Mann, der auf dem Boden sitzt.

Ich habe in den Jahren seither viel über Jesus gelernt. Ich habe gelernt, ihm meine Sünden und Schwächen anzuvertrauen. Ich habe gelernt, trotz meines gefallenen Zustandes voller Mut vor seinen Gnadenthron zu treten. Ich habe gelernt, mich jeden Tag auf seine Gnade zu verlassen, um mein Herz zu verändern. Ich habe gelernt, ihn meinen Fürsprecher zu nennen, meinen vertrauten Freund. Ich sehe ihn heute ganz anders als damals als Jugendlicher.

Wenn unser aktueller Bischof Widman mich aus meiner Klasse holen, zu seinem Büro führen und mir sagen würde, dass Jesus gerne mit mir sprechen wolle, würde meine Reaktion heute ganz anders ausfallen. Ich würde tief einatmen und in das Büro stürmen, mich ihm zu Füßen werfen und sie mit meinen Tränen benetzen. Ich würde ihm dafür danken, dass er mich während all dieser Jahrzehnte, in denen ich so viele Fehler gemacht habe, geliebt und belehrt hat. Ich würde ihm dafür danken, dass er mir Menschen in meinem Leben zur Seite gestellt hat, die mich lieben und erbauen. Und vor allem würde ich ihm für sein unbegrenztes und ewiges Opfer danken, das allen Menschen, die viel falsch machen, eine Wiedergutmachung ermöglicht.

Ich bin mir sicher, dass er mich ausreden lassen würde. Und dann würde er mich aufrichten und mich in den Arm nehmen.

„Ich liebe dich, Sohn! Ich habe gelebt, damit du erkennen konntest wer ich bin. Ich starb, weil ich dich wieder nach Hause bringen möchte.”

Ich wäre versucht ihn zu verbessern und zu sagen, dass er für alle Menschen gelebt hätte und gestorben wäre, nicht nur für mich. Aber ich glaube, er würde darauf antworten:

„Ich lebte und starb für dich, Wally. Das ist kein allgemeingültiges Geschenk. Ich habe dich schon immer gekannt und ich wollte dich schon immer vervollkommnen und verherrlichen. Das ist ein ganz persönliches Angebot. Zusätzlich will ich auch jeden deiner Brüder und Schwestern mit all der Herrlichkeit segnen, die sie empfangen werden.”

„Darum laßt uns frohlocken, ja, wir wollen im Herrn frohlocken; ja, wir wollen uns freuen, denn unsere Freude ist voll; ja, wir wollen unseren Gott preisen immerdar. Siehe, wer könnte zuviel im Herrn frohlocken? Ja, wer könnte zuviel von seiner großen Macht sprechen und von seiner Barmherzigkeit und von seiner Langmut gegenüber den Menschenkindern? Siehe, ich sage euch, daß ich auch nicht den kleinsten Teil dessen sagen kann, was ich empfinde.” (Alma 26:16)

Ich kann es gar nicht abwarten, Jesus zu begegnen.

Wie wäre es wohl, Jesus zu begegnen? Auf diesem Bild sieht man Jesus Christus sitzend auf einer Weise, als sei er im Gespräch.


Wally Goddard

Wally Goddard ist Professor an der Universität von Arkansas. Er arbeitet im Bereich Familienforschung und entwickelt Programme zum persönlichen Wohlergehen, zum Thema Ehe und Elternschaft. Er ist Autor und Koautor mehrerer Bücher. Neue Ideen stellt er auf seinem englischsprachigen Blog www.DrWally.org vor. Er hat bereits mehrere Auszeichnungen für seine Arbeiten erhalten. Wally und seine Frau Nancy sind Eltern dreier erwachsener Kinder. Sie haben neun Enkel und haben sich in ihrer 36-jährigen Ehe um mehr als 20 Pflegekinder gekümmert. Wally beschreibt Nancy als den besten Menschen, den er jemals gekannt hat. 

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 18.2.19  auf latterdaysaintmag.com unter dem Titel „If I Could Meet with Jesus” veröffentlicht. Der Autor ist Wallace Goddard. Übersetzt von Kristina Vogt. 

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: churchofjesuschrist.org und kirche-jesu-christi.org.

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