In diesem Ausschnitt aus „Precept upon Precept” untersucht Robert L. Millet die Erfahrungen des Propheten Joseph Smith und seines Schreibers Sidney Rigdon, als sie eine der bemerkenswertesten Offenbarungen von Gott empfingen – die Vision über die Grade der Herrlichkeit.

Die Vision von den drei Herrlichkeiten

Eigentlich besteht die Vision der Herrlichkeiten aus sechs Visionen. Ich werde auf jede kurz einzeln eingehen.

Vision I: Die Herrlichkeit der Sonne

Die erste Vision schafft die Voraussetzungen für das darauffolgende Erlösungswerk, indem sie Verschiedenes in die richtige Perspektive rückt, und zwar, dass die Erlösung durch Christus kommt  – durch das Vergießen seines eigenen Blutes und seine herrliche Erhöhung in ein neues Leben durch die Auferstehung.

So sahen die Übersetzer in einer Vision „die Herrlichkeit des Sohnes zur rechten Hand des Vaters und empfingen von seiner Fülle; und sahen die heiligen Engel und diejenigen, die geheiligt sind, vor seinem Thron, wie sie Gott und das Lamm anbeten und ihn anbeten für immer und immer.” (L&B 76:20-21). Ähnlich hatte Johannes der Offenbarer betreffend des Erlösers niedergeschrieben: „Ihre Zahl war vieltausendmal tausend; und sie sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob” (Offenbarung 5:11-12).

Der Prophet und sein Schreiber gaben machtvoll Zeugnis vom Erlöser:

„Und nun, nach den vielen Zeugnissen, die von ihm gegeben worden sind, ist dies, als letztes von allen, das Zeugnis, das wir von ihm geben: Daß er lebt! Denn wir haben ihn gesehen, ja, zur rechten Hand Gottes; und wir haben die Stimme Zeugnis geben hören, daß er der Einziggezeugte des Vaters ist—daß von ihm und durch ihn und aus ihm die Welten erschaffen werden und wurden, und deren Bewohner sind für Gott gezeugte Söhne und Töchter.” (L&B 76:22-24). In der Tat ist das Zeugnis von Jesus der Geist der Prophezeiung (Offenbarung 19:10), und alle heiligen Propheten haben seit Anbeginn der Zeit Zeugnis von ihm gegeben, der sie berufen und gesandt hat (Apostelgeschichte 10:43; Jakob 4:4; 7:11; Mosia 13:33).

Von Vorherdasein ins celestiale Reich.

Des Weiteren beinhaltet das Zeugnis von Sidney und Joseph wesentliche Lehren. Um nur eine zu nennen: Ihre Zeugnisse bestätigen den Hauptgedanken der Schriften – Jehova, welcher Christus ist, ist und war der Schöpfer von Welten ohne Zahl (Mose 1:33; 7:30; Epheser 3:9; Hebräer 1:1–2). Sie bestätigen auch die unendliche und ewige Natur des Sühnopfers: Was  unser Herr und Meister erschafft, erlöst er. Sein Bemühen um Erlösung reicht über die Grenzen unserer Erde hinaus (Mose 1:32-35). Im Jahre 1843 schrieb der Prophet Joseph Smith in  Form eines Gedichts einen Bericht über diese Vision. Die Verse 22-24 aus  Lehre und Bündnisse 76 wurden wie folgt vorgetragen:

„Und nun, nach all den Zeugnissen, die von ihm gegeben worden sind, durch aufrichtige Zeugen, die ihn kannten, ist dies meines, als Letztes, dass er lebt; ja er lebt! Er sitzt zur rechten Hand Gottes auf seinem Thron. Und ich hörte eine machtvolle Stimme, die vom Himmel aus bezeugte, er ist der Erretter und der Einziggezeugte Gottes – von ihm, aus ihm und durch ihn wurden alle Welten erschaffen, auch alle anderen, die sich im weiten Himmelsraum bewegen, deren Bewohner ebenfalls, vom ersten bis zum letzten, durch den nämlichen Erretter errettet werden. Natürlich sind auch sie Töchter und Söhne Gottes, durch die gleichen Wahrheiten und die gleichen Mächte.”

Oder, wie ein späterer Apostel, Präsident Russell M. Nelson, sagte: „Die Gnade des Sühnopfers erstreckt sich nicht nur auf eine unbegrenzte Anzahl von Menschen, sondern auch auf die unbegrenzte Anzahl von Welten, die er erschaffen hat.”

Vision II: Der Fall Luzifers

Der Prophet und sein Schreiber erhielten die Bestätigung eines wesentlichen Bestandteils des Plans der Errettung – das Wesen der Auflehnung durch Satan und satanische Einflüsse. Luzifer wird in der Version beschrieben als einer, „der in der Gegenwart Gottes Vollmacht hatte” (L&B 76:25), der sich beim großen Rat im Himmel gegen den Vater und den Sohn auflehnte und so als „Verderben” bekannt wurde, was Fall oder Zerstörung bedeutet. Er war in der Tat ein Geistsohn Gottes, „ein Sohn des Morgens” (L&B 76:26). Die Himmel weinten wegen seines Treuebruchs. Er begehrte den Thron des Vaters und beabsichtigte, alle Söhne und Töchter Gottes zu erretten, auf eine Weise, die im Gegensatz zum Plan des Vaters stand (Mose 4:1–4).

Beim Streit im Himmel ging es um Folgendes: Jesus sagte, es werde einige Seelen geben, die nicht errettet würden, und der Teufel sagte, er könne sie alle erretten und legte dem großen Rat seine Pläne vor; dieser aber stimmte für Jesus Christus. Der Teufel nun erhob sich in Auflehnung gegen Gott und wurde zusammen mit allen, die sich für ihn stark gemacht hatten, hinabgeworfen.“

Satan

Luzifer machte sich damit zum Feind Gottes und aller Rechtschaffenheit: „Darum führt er Krieg mit den Heiligen Gottes und schließt sie ringsum ein” (L&B 76:29).

Vision III: Die Söhne des Verderbens

Joseph und Sidney wurde es gestattet, diejenigen zu sehen, die Licht und Wahrheit empfangen und die Offenbarungen des Himmels, und die sich trotzdem und bewusst entscheiden, das Licht zu verleugnen und sich Gott und seinem Werk zu widersetzen. Dies sind die Söhne des Verderbens, „Gefäße des Grimms, dazu verdammt, in Ewigkeit mit dem Teufel und seinen Engeln den Grimm Gottes zu erleiden” (L&B 76:33). Wahrhaftig, „denn es ist unmöglich, die, so einmal erleuchtet sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe und teilhaftig geworden sind des heiligen Geistes und geschmeckt haben das gütige Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt, wo sie abfallen, wiederum zu erneuern zur Buße, als die sich selbst den Sohn Gottes wiederum kreuzigen und für Spott halten” (Hebräer 6:4–6; Vergleiche 10:26–29).

„Was muss ein Mann tun, um die unverzeihliche Sünde zu begehen?” fragte Joseph der Seher in der King-Follett-Predigt. „Er muss den Heiligen Geist empfangen, die Himmel haben sich ihm geöffnet, er kennt Gott und sündigt dann gegen ihn. Nachdem ein Mann den Heiligen Geist verleugnet hat, gibt es keine Umkehr für ihn. Er muss sagen, dass die Sonne nicht scheint, während er sie sieht; er muss Jesus Christus verleugnen, nachdem er die Himmel offen gesehen hat, und den Plan der Erlösung verleugnen, obwohl er mit offenen Augen die Wahrheit erkannt hat; und von dieser Zeit an ist er ein Feind … Solche Menschen können nicht errettet werden; du kannst sie nicht zur Umkehr aufrufen; sie führen offenen Krieg, wie der Teufel, und furchtbar sind die Konsequenzen.”

Alle Söhne und Töchter von Adam und Eva werden sich bei der Auferstehung aus ihren Gräbern erheben, auch die Söhne des Verderbens (L&B 88:32).  Die Söhne des Verderbens sind der unverzeihlichen Sünde schuldig (Alma 39:6), eine Sünde, die nicht durch das Sühnopfer Christi abgegolten werden kann, eine Sünde, deren Unrecht kein noch so großes persönliches Leiden wiedergutmachen kann. Es gibt keine Vergebung für sie, weder in diesem Leben noch danach, „denn sie haben den Heiligen Geist geleugnet, nachdem sie ihn empfangen haben, und haben den Einziggezeugten Sohn des Vaters geleugnet und haben ihn für sich selbst gekreuzigt und ihn zum offenen Gespött gemacht” (L&B 76:34–35). Sie sind schuldig am Vergießen unschuldigen Blutes, womit das unschuldige Blut Christi gemeint ist.

Wer den Heiligen Geist leugnen, dem wird keine Umkehr gewährt und er macht sich schuldig am Blut Jesu Christi.

„Die Lästerung gegen den Heiligen Geist,” bestätigt eine spätere Offenbarung, „die weder in der Welt noch außerhalb der Welt vergeben werden wird, besteht darin, daß ihr einen Mord begeht, wodurch ihr unschuldiges Blut vergießt und meinem Tod zustimmt, nachdem ihr meinen neuen und immerwährenden Bund empfangen habt, spricht der Herr, Gott” (L&B 132:27). Die Söhne des Verderbens sind die Einzigen, die den zweiten geistigen Tod erleiden werden, den endgültigen Ausschluss aus der Gegenwart Gottes. Nachdem sie auferstanden sind und vor Gott standen, um gerichtet zu werden (2 Nephi 9:15), wird ihnen kein Reich der Herrlichkeit zugewiesen.

Mitten in dieser düsteren Szene bietet der Herr eine der schönsten Definitionen des Evangeliums Jesu Christi: „Die frohe Nachricht”… „daß er in die Welt gekommen ist, nämlich Jesus, um für die Welt gekreuzigt zu werden und um die Sünden der Welt zu tragen und um die Welt zu heiligen und um sie von allem Unrecht zu säubern; daß durch ihn alle errettet werden können, die der Vater in seine Macht gegeben hat und durch ihn gemacht hat, der den Vater verherrlicht und alle Werke seiner Hände errettet, außer jene Söhne des Verderbens, die den Sohn leugnen, nachdem der Vater ihn offenbart hat” (L&B 76:40–43).

Diese dritte Vision endet mit der ernüchternden Mahnung, dass das genaue Schicksal der Söhne des Verderbens nicht offenbart ist (L&B 76:45–48). 1833 erklärte der Prophet Joseph Smith, dass „der Herr niemals [bestimmte Personen] dazu ermächtigte zu sagen, der Teufel, seine Engel oder die Söhne des Verderbens würden jemals wiedergewonnen werden; denn ihr schließliches Los ist dem Menschen nicht offenbart worden, wird ihm jetzt nicht offenbart und wird ihm auch nie offenbart werden, außer denjenigen, die davon selbst betroffen sind. Wenn daher jemand dieses Lehre predigt, so hat er sie nicht vom Geist des Herrn empfangen. Bruder Oliver hat dies zu Recht als Lehre des Teufels hingestellt” (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 26).

Vision IV: Die celestiale Herrlichkeit

Im großen Kontrast dazu studierten und erfuhren der Prophet und Bruder Rigdon jetzt etwas über die celestiale Herrlichkeit. Ihre Aufmerksamkeit wurde von denen, die keine Herrlichkeit ererben werden, auf diejenigen, die die höchste Herrlichkeit ererben, gelenkt. Sie sahen die Herrlichkeit des celestialen Reiches und schilderten umfassend den Zustand der Erben dieses Reiches. Sie sahen die Erben „der Auferstehung der Gerechten” (L&B 76:50), die wir die „Erste Auferstehung” (Mosia 15:21–25) nennen, die Auferstehung der Celestialen und Terrestrialen. Celestiale Menschen sind solche, die das Zeugnis von Jesus empfangen und die Bedingungen der Evangeliumsbündnisse akzeptieren.

Die Herrlichkeiten der Sonne, der Erde und des Mondes.

Es sind diejenigen, die „nach der Art seiner Grablegung getauft worden sind” und die Gabe des Heiligen Geistes empfangen haben, wodurch sie von „all ihren Sünden gewaschen und gesäubert werden” (L&B 76:51–52).

Die Erben der celestialen Herrlichkeit sind diejenigen,„die durch Glauben überwinden” (L&B 76:53), die gelernt haben „mit ihrem Glauben an den Herrn Jesus Christus jeder Versuchung des Teufels zu widerstehen” (Alma 37:33).

Sie überwinden die Welt, indem sie das Weltliche und „den natürlichen Menschen” hinter sich lassen und sich dem Herrn und seinem Werk widmen.  Es sind diejenigen, die „vom Heiligen Geist der Verheißung gesiegelt sind, den der Vater über alle jene ausgießt, die gerecht und treu sind” (L&B 76:53). Der Heilige Geist der Verheißung ist der Heilige Geist – der Heilige Geist, der den Heiligen versprochen wird, denn „der Tröster weiß alles” (L&B 42:17; Mose 6:61). Darum ist der Heilige Geist in der Lage, die Seelen von Personen zu sehen und festzustellen, in welchem Maße sie wirklich ihre Herzen Gott zugewandt haben, das Maß, in dem sie „gerecht und treu sind” (L&B 76:53). Durch den Heiligen Geist der Verheißung gesiegelt zu werden bedeutet also, dass der Heilige Geist unser Leben, unsere heiligen Handlungen und Bündnisse, die wir eingegangen sind, als annehmbar für Gott bestätigt. Es bedeutet, die Prüfungen der Sterblichkeit bestanden, sich für die celestiale Herrlichkeit qualifiziert zu haben. Das Gedicht geht wie folgt weiter:

„Denn diese überwinden durch Glauben und Werke die Prüfungen des Lebens als geläutertes Gold. Durch den Geist der Verheißung werden sie gesiegelt zum Leben, durch von Gott berufene Männer, wie Aaron in alter Zeit.”

Celestiale Männer und Frauen sind „die Kirche des Erstgeborenen” (L&B 76:54). Die Kirche des Erstgeborenen setzt sich zusammen aus glaubenstreuen Heiligen, die sich als treu und gläubig ihren Bündnissen gegenüber erwiesen haben. So, wie das Taufbündnis das Tor zur Mitgliedschaft in der Kirche ist, öffnet das Bündnis der celestialen Ehe die Türe zur Mitgliedschaft in der himmlischen Kirche. Die Kirche des Erstgeborenen ist die Kirche jenseits des Schleiers, eine organisierte Körperschaft von Heiligen, die Erhöhung ererben. Sie besteht aus denjenigen, die sich für die Segnungen des Erstgeborenen qualifizieren. Jesus ist der Erstgeborene des Vaters und somit steht ihm das Geburtsrecht zu. Als unübertrefflichen Akt der  Gnade unseres Erretters macht er es für uns möglich, die gleichen Segnungen zu ererben und zu besitzen wie er, so als wäre jeder von uns der Erstgeborene. Diejenigen, die in die Kirche kommen und der Begleitung durch den Heiligen Geist würdig leben, sind neu geboren; durch Adoption werden sie zu Söhnen und Töchtern von Jesus Christus (Mosia 5:1–7). Wenn sie glaubenstreu sind, die Bündnisse und Verordnungen des Tempels einschließlich des Endowments und der celestialen Ehe eingehen und diesen höheren Bündnissen treu sind, werden sie schließlich Söhne und Töchter Gottes, des Vaters. Sie werden Erben Gottes und Miterben mit Jesus Christus und haben Recht auf alles, was der Vater hat, samt ewigem Leben. „Darum, wie es geschrieben steht, sind sie Götter, nämlich die Söhne Gottes” (L&B 76:58). Präsident Brigham Young sagte darum, dass „die Verordnungen vom Haus Gottes ausdrücklich für die Kirche des Erstgeborenen sind.”

„Sie sind diejenigen, die Priester und Könige sind, die von seiner Fülle empfangen haben und von seiner Herrlichkeit” (L&B 76:56). Sie sind Könige und Königinnen, Priester und Priesterinnen; Menschen, die durch ihre Standhaftigkeit und Unverrückbarkeit im Halten ihrer Bündnisse das empfangen haben, was die Propheten „die Fülle des Priestertums” nennen (L&B 124:28). Es sind diejenigen, die den Meister, wenn er in Herrlichkeit wiederkommt, begleiten werden, die – falls sie bereits hinter dem Schleier des Todes sind – aus dem Grab hervorkommen werden in glorreicher Unsterblichkeit. Die erste Auferstehung, welche mit der Auferstehung Christi begann, wird somit fortgesetzt. Es sind diejenigen, deren Namen im Himmel stehen, in dem Buch des Lebens (L&B 88:2), „wo Gott und Christus die Richter aller sind” (L&B 76:68).

Nur schwarz und weiß?

Und dann, damit wir nicht zu der Schlussfolgerung kommen, dass so eine Person es zum höchsten Grad der Herrlichkeit allein geschafft hat, durch ihre eigenen moralischen Leistungen und Fähigkeiten oder ohne göttliche Hilfe, bestätigen die heiligen Schriften: „Das sind diejenigen, die gerechte Menschen sind, vollkommen gemacht durch Jesus, den Mittler des neuen Bundes, der mit dem Vergießen seines eigenen Blutes dieses vollkommene Sühnopfer bewirkt hat” (L&B 76:69). Sie werden perfekt gemacht – vollständig, komplett, vollendet, geistig reif – durch Schließen von Bündnissen mit dem Heiland.

Vision V: Die terrestriale Herrlichkeit

Die Vision von der ersten Auferstehung oder Auferstehung der Gerechten geht weiter. Der Prophet und sein Schreiber bezeugten den schließlichen Zustand derer, die sich zwar für Güte, Gerechtigkeit und Anstand in ihrem zweiten Stand entschieden, aber auch dafür, die Fülle des Lichts und der Macht des immerwährenden Evangeliums nicht zu empfangen und zu verinnerlichen.  Die terrestriale Herrlichkeit ist für diejenigen geschaffen, die in diesem Leben kein Zeugnis von Jesus empfangen haben – das Zeugnis, dass er der Erretter und Erlöser der Menschheit ist – aber die es später empfangen haben; also, die dieses Zeugnis in der postmortalen Geisterwelt empfangen haben (L&B 76:73–74). Die terrestriale Welt wird auch von denjenigen bewohnt, die in diesem Leben wussten, dass Jesus der Christus ist, aber nicht tapfer genug in ihrem Zeugnis waren, um die Fülle des Evangeliums zu empfangen, als es ihnen angeboten wurde. Oder, wie der Prophet es in seinem Gedicht sagte:

„Nicht tapfer in der Wahrheit, empfingen sie nicht die Krone, aber sie gehören zu einer Herrlichkeit gleich der des Mondes: Es sind diejenigen, die in die Gegenwart Christi kommen, aber nicht zur Fülle Gottes auf seinem Thron.”

Im Grunde sind es diejenigen, die die Fülle des Evangeliums Jesu Christi in unserer Zeit empfingen, die sich der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage anschließen, sich dann aber nicht als tapfer in ihrem Zeugnis erweisen. Für sie ist der terrestriale Grad der Herrlichkeit im Jenseits bestimmt.

Vision VI: Die telestiale Herrlichkeit

Mit dem Vorwissen, dass celestiale Wesen das Zeugnis von Jesus empfangen und ebenfalls den Evangeliumsbund und dass terrestriale Wesen das Zeugnis von Jesus empfangen aber nicht den Evangeliumsbund, erfahren wir nun über die Bewohner der telestialen Welt:

„Das sind diejenigen, die das Evangelium von Christus nicht empfangen haben, auch nicht das Zeugnis von Jesus” (L&B 76:82; see also 101). „Das sind diejenigen, die den Heiligen Geist nicht leugnen” (L&B 76:83). Ihre Schlechtigkeit führt nicht zum totalen Verderben; sie haben die unverzeihliche Sünde nicht begangen, aber „das sind diejenigen, die in die Hölle hinabgeworfen werden” (L&B 76:84). Wenn sie aus diesem Leben scheiden, betreten sie den Bereich der postmortalen Sphäre, den wir als Hölle oder Gefängnis in der Geisterwelt kennen. Dort werden sie mit ihrer Sündhaftigkeit konfrontiert (2 Nephi 9:10–12; Alma 40:13–14).

Bündnisse zum Fortschritt

Wie bei den anderen Reichen der Herrlichkeit, gibt es eine umfassende Unterteilung der telestialen Wesen. Sie werden erst bei der letzten Auferstehung auferstehen, am Ende des Millenniums, „dann, wenn der Herr, nämlich Christus, das Lamm, sein Werk beendet haben wird.” (L&B 76:85).

Das sind diejenigen, „die des Paulus und des Apollos und des Kephas sind. Das sind diejenigen, die sagen, sie seien einige des einen und einige des anderen—einige des Christus und einige des Johannes und einige des Mose und einige des Elias und einige des Esaias und einige des Jesaja und einige des Henoch, aber haben das Evangelium nicht empfangen, auch nicht das Zeugnis von Jesus, auch nicht die Propheten, auch nicht den immerwährenden Bund” (L&B 76:99–101).

Des Weiteren ist das telestiale Reich die endgültige Wohnstätte der Lügner, Hexenmeister, Ehebrecher, Unzüchtigen und, wie Johannes der Offenbarer erfuhr, der Mörder (L&B 76:103; Offenbarung 21:8; 22:15).

Letztlich fügt dieser Teil der Vision das Detail hinzu, dass die Bewohner der telestialen Welt „so unzählbar waren wie die Sterne am Firmament des Himmels oder wie der Sand am Ufer des Meeres”. Weiter sagt es über die Bewohner dieses Reiches: „Sie werden Knechte des Allerhöchsten sein, aber dort, wo Gott und Christus wohnen, können sie, Welten ohne Ende, nicht hinkommen.” (L&B 76:109, 112).

Welten ohne Zahl

Obwohl das telestiale Reich das niedrigste der Königreiche der Herrlichkeiten ist, werden seine Bewohner „Erben der Errettung sein” , in einer Welt, „die alles Verständnis übersteigt” (L&B 76:88–89).

Im Allgemeinen bedeutet das Wort Erlösung in den Schriften genau das Gleiche wie Erhöhung oder ewiges Leben (L&B 6:13; 14:7; Alma 11:40). Es gibt allerdings ein paar Schriftstellen, in denen Erlösung nicht Erhöhung bedeutet. Dies ist eine dieser Schriftstellen (siehe ebenfalls als Beispiel L&B 132:17). Die weitreichende Bedeutung ist, dass unser Herr danach trachtet ,dass alle seine Kinder immerwährende Erlösung haben. Und das haben sie. Außer den Söhnen des Verderbens werden alle ein Reich der Herrlichkeit ererben (L&B 76:43).

Elder Charles W. Penrose vermerkte über das telestiale Reich: „Solange auch nur eine Menschenseele existiert, die bereit ist, die Gesetze der Erlösung zu akzeptieren und ihnen zu gehorchen, egal wo und unter welchen Umständen, solange ist das Werk Christi unvollständig, bis diese Seele vom Tod und der Hölle befreit ist und in eine Lage gebracht wird, in der sie Fortschritt machen kann, vorwärts und aufwärts – in einer Herrlichkeit, in der es der Seele möglich ist Freude zu empfinden und dem großen Gott zu dienen. Die Strafe, die auferlegt wird, wird den Fehlern, die begangen wurden, angemessen sein. In gewissem Sinne wird der Sünder immer die Folgen erleiden. Wenn die Schulden beglichen sind und die Gerechtigkeit befriedigt ist, wenn Gehorsam durch Lektionen trauriger Erfahrungen erlernt wird, wenn die dankbare und unterwürfige Seele aus der immerwährenden Strafe hervorkommt, indem sie freien Willens die Gesetze erfüllt, die sie einst ablehnte – wird dort ein Verlustgefühl bleiben. Die Fülle der celestialen Herrlichkeit in der Gegenwart und Gesellschaft Gottes und des Lammes ist außer Reichweite dieser erretteten, aber unvollkommenen Seele – für immer. Die Macht der Mehrung – in der Herrschaft, Erhöhung und Kronen von unermesslicher Herrlichkeit liegen – ist nicht für die Klasse von Wesen, die in die Hölle hinabgeworfen wurden und den Zorn Gottes ausgehalten haben, für die Zeit, die ihnen vom ewigen Gericht zugewiesen wurde….

Sucht Gebet Entscheidungsfreiheit

Sie können nicht hinaufgehen in die Gesellschaft des Vaters, noch können sie von der Gegenwart des Sohnes empfangen. Sie werden die Fürsorge von Botschaftern aus der terrestrialen Welt haben. Sie werden Freude haben, die ihre Erwartungen und das Konzept des uninspirierten sterblichen Verstandes übersteigen. Sie werden ihre Knie beugen vor Christus und Gott dem Vater dienen, und eine Ewigkeit des Dienens und Glücklichseins erleben, in Harmonie mit den höheren Mächten. Sie empfangen die telestiale Herrlichkeit.” (Teile frei übersetzt)

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen, die nicht unseres Glaubens sind, den Gedanken anzweifeln, dass es „mehr Himmel als einen” gibt; es sei merkwürdig oder unbiblisch oder unnötig. Aber wie merkwürdig ist es? Wie seltsam, wie ungewöhnlich ist dieser Glauben daran, dass es unterschiedliche Grade der Belohnung im Jenseits gibt?

Augustinus von Aleppo, der womöglich den wesentlichsten Einfluss auf sowohl die römisch-katholische als auch die evangelische Theologie hatte, schrieb:

„Aber wer kann sich vorstellen oder gar beschreiben, welche Grade von Ehre und Herrlichkeit den unterschiedlichen Leistungsstufen verliehen werden? Unbestritten bleibt, dass es Grade geben wird. Jene gesegnete Stadt wird damit gesegnet sein, dass kein Untergebener einen Vorgesetzten beneiden wird, wie jetzt die Erzengel von den Engeln nicht beneidet werden, weil niemand sich wünschen wird zu sein, was man ihm nicht zugemessen hat.”

Während der ersten „Großen Erweckung” sagte der amerikanische Theologe Jonathan Edwards: „Es gibt viele Herrenhäuser im Haus Gottes, weil der Himmel für unterschiedliche Grade der Ehre und Segnungen vorgesehen ist. Manche sind dazu entworfen, an höheren Stellen zu stehen als andere; manche sind dazu geschaffen, zu höheren Graden der Ehre und Herrlichkeit fortzuschreiten als andere.” John Wesley, Mitbegründer des Methodismus, sprach von Personen, die einen „höheren Grad der Herrlichkeit” im Jenseits genießen: „Es besteht eine unvorstellbar große Vielfalt in den Graden der Belohnung in der anderen Welt . . . In weltlichen Dingen ist der Mensch bestrebt so hoch zu kommen wie er kann. Christen haben eine viel noblere Ambition. Der Unterschied zwischen dem höchsten und niedrigsten Status in dieser Welt ist nichtig, im Vergleich zu den Unterschieden zwischen den Graden der Herrlichkeit.”

Visionen der Herrlichkeiten nach der Auferstehung.

Die Vision ist ein bemerkenswertes Orakel. „Es könnte nichts geben, was den Heiligen mehr erfreut” sagte Joseph Smith, „als das Licht, das die Welt durch die obige Vision plötzlich erleuchtet”. Der Prophet beschrieb sie folgendermaßen: „Eine Niederschrift der Aufzeichnungen der ewigen Welt.  Die Erhabenheit der Konzepte, die Reinheit der Sprache, die Reichweite der Handlungen . . .gehen so weit über den Verstand des Menschen hinaus, dass jeder ehrliche Mann ausrufen muss: ‚Sie stammt von Gott.’”

Fazit

Der Prophet Joseph Smith und Sidney Rigdon empfingen diese Vision der Herrlichkeiten im Februar 1832. Gott hat sich, seinen Plan, die Lehren der Erlösung, Weisung um Weisung, in den zwölf Jahren des irdischen Dienstes des Propheten fortwährend offenbart und nachhaltig seinen Nachfolgern. Irgendwann zwischen dem Kommen des Elias und der Wiederherstellung der Siegelungsvollmächte und der Fülle des Priestertums im April 1836, stellte der Prophet den Heiligen die Lehre der celestialen Ehe vor. Er lehrte: „In der celestialen Herrlichkeit gibt es drei Himmel oder Grade, und um den höchsten zu erlangen, muß man in diese Ordnung des Priestertums [nämlich den neuen und immerwährenden Bund der Ehe] eintreten; und wenn jemand das nicht tut, so kann er ihn nicht erlangen. Er kann in einen anderen eingehen, aber das ist das Ende seines Reiches; er kann keine Vermehrung haben” (L&B 131:1–4). Oder, wie der Prophet es anders sagte: „Wenn ein Mann mit seiner Frau nicht das ewige Bündnis schließt und sich auf ewig verheiratet, während sie in dieser Probezeit sind, mit Macht und Autorität des heiligen Priestertums, werden sie aufhören sich zu mehren, wenn sie sterben; das bedeutet, sie werden keine Kinder haben nach der Auferstehung. Aber diejenigen, die durch die Macht und Autorität des Priestertums in diesem Leben verheiratet werden und ausharren, ohne gegen den Heiligen Geist zu sündigen, werden sich weiterhin vermehren und Kinder haben in der celestialen Herrlichkeit.”

Wahrhaftig gibt es viele Herrenhäuser des Vaters (Johannes 14:1–2), und der Heilige Israels  hat für sein Volk Vorsorge getroffen, den Grad der Herrlichkeit im Jenseits zu erlangen, den sie bereit sind zu empfangen.

Hier ist eine Botschaft der Hoffnung, eine Brise frischer Luft inmitten der glühenden Winde der sektiererischen Theologie. Eine Lehre, die die Gnade und Weisheit unseres göttlichen Erlösers manifestiert.


Robert L. Millet ist der Autor vonPrecept Upon Precept: Joseph Smith and the Restoration of Doctrine”. Das Buch ist erhältlich auf deseretbook.com.
Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 18. Januar 2017 auf www.ldsliving.com veröffentlicht. Der Autor ist Robert L. Millet. Übersetzt von Maren Leit.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.