Wenn die Sonne untergeht und die ersten Sterne erscheinen, sieht man nur ein paar wenige Lichter. Sobald die Augen aber anfangen sich an die Umgebung zu gewöhnen und die Nacht immer dunkler wird, erscheinen plötzlich tausende Sterne. Und ehe man sich versieht, ist man umgeben von Licht und Schönheit.

Bei Offenbarungen funktioniert das ähnlich, und ich denke, dass es uns hilft, über dieses Prinzip nachzudenken – und dabei den Sternenhimmel nicht zu vergessen – mit dem Gedanken einer wechselnden Führerschaft im Hinterkopf.

Stellt euch Offenbarung wie den Sternenhimmel vor – etwas, das aus verschiedenen Teilen besteht, den einzelnen Sternen. Eine große Offenbarung setzt sich zusammen aus mehreren kleinen Offenbarungen, wunderbaren Informationsteilen, die zusammengesetzt werden, nach denen man handelt und deren Prinzipien man verherrlicht. In unserem persönlichen Leben ist das oft alles, was wir benötigen, um weiter zu machen. In größeren Gruppen ist es jedoch häufig so, dass Gott diese Aspekte von einer großen Offenbarung an verschiedene Menschen verteilt. Wenn sie zusammenkommen, offenbart sich eine brillante, erleuchtete Szene.

Stellt euch zum Beispiel eine Familie vor, in der die Ehefrau, der Ehemann und die Kinder jeder einen Teil  – ihre „verteilten” Offenbarungen – zur „Gesamt-Offenbarung” beiträgt, um ein Problem in der Familie zu lösen.

Stellt euch eine Versammlung der Frauenhilfsvereinigung vor, bei der alle Anwesenden ihre Ideen – Offenbarungen – dazu beitragen, wie man einem Bedürftigen voller Liebe dienen kann.

Stellt euch die Bischofschaft vor, die jede Woche zusammenkommt, um darüber zu beraten, wie man den Gemeindemitgliedern helfen kann, Christus näher zu kommen. Auch sie erhalten Offenbarungen, jeder einzelne.

Denkt an das Kollegium der Zwölf Apostel und die Erste Präsidentschaft. Fünfzehn Männer, die alle eine unterschiedliche Persönlichkeit haben und über verschiedene Erfahrungen verfügen, die von Gott dazu berufen werden, durch Offenbarung seine Kirche zu leiten. Jeder als ganz individueller, besonderer Zeuge für Christus.

Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, müssen wir zugeben, dass wir nicht immer mit Veränderungen in der Führerschaft zufrieden sind. Und das ist verständlich. Wir gewöhnen uns viele Jahre lang an bestimmte Führer und daran, wie sie sind. Sie sind uns wichtig und wir lernen schätzen, was sie zu sagen haben und wie sie uns helfen.

Das Prinzip der „verteilten” Offenbarungen ist jedoch ein wichtiges. Mit diesem Prinzip im Hinterkopf können wir verstehen, warum der Herr so unterschiedliche Führer beruft, um seine Kirche zu führen.

Der Optimismus und die Tatkraft von Präsident Nelson; die Liebe und Güte von Elder Uchtdorf; der sachliche Fokus auf die Lehre Christi, wie Präsident Oaks sie lehrt; die Leidenschaft von Elder Holland. Es gibt viele Beispiele.

Wenn diese Menschen ihre unterschiedlichen Meinungen – ihre unterschiedlichen Teil-Offenbarungen, die zu einer großen Offenbarung werden – beitragen, sehen wir die vollständige Vision, die Gott sie haben lassen möchte. Sie handeln in Übereinstimmung im Namen des Herrn, um uns anzuleiten.

Keiner unserer Führer wird jemals vollkommen sein. Vielleicht haben wir persönlich nicht einmal das Gefühl, dass uns ihre Art zu uns zu sprechen anspricht; vielleicht stimmen wir nicht mit ihrer persönlichen Meinung zu Kirchenlehren und Vorgehensweisen in der Kirche überein. In einer Pressekonferenz sagte Präsident Dallin H. Oaks, der erste Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft einmal:

„Wir glauben nicht daran, dass unsere Kirchenführer unfehlbar sind.”

Eigentlich ist es aber wunderschön, wie Gott sich so unterschiedlicher Menschen bedient, um sie zusammenzubringen, um die Kirche durch das Zusammensetzen dieser Teile zu einer großen Offenbarung zu führen. Und für uns geht es nicht nur darum, gläubig an der Seite unserer Kirchenführer vorwärts zu gehen. Es geht darum, Tag für Tag selbst Glauben auszuüben und unsere eigenen, ganz persönlichen Offenbarungen zu bekommen und gemeinsam daran zu arbeiten, den Plan des Glücklichseins zu verwirklichen.

Und nur dann – wenn wir zu einem Zionsvolk werden, das eines Herzens ist, werden wir eines Tages eine Herrlichkeit erreichen können, die die der Sterne weit übersteigt.


Aleah Ingram

Aleah hat an der Southern-Virginia-Universität Englisch, Kreatives Schreiben und Tanz studiert. Sie arbeitet nun als Social-Media-Manager, Schriftstellerin und Editorin. Aleah war als Missionarin in Kalifornien. Sie ist süchtig nach Biomilch, Lang-Leav-Gedichten, Gaynor- Minden-Schuhen und Bollywood-Filmen.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und teilweise angepasst. Der ursprüngliche Artikel wurde kurz nachdem Präsident Nelson als Prophet eingesetzt wurde veröffentlicht und war eine Reaktion auf kritische Stimmen den Veränderungen gegenüber. Er wurde ursprünglich am 19.1.18  auf ldsdaily.com unter dem Titel „Church Leadership & The Principle of Scattered Revelation” veröffentlicht. Die Autorin ist Aleah Ingram. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: churchofjesuschrist.org und kirche-jesu-christi.org.

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