Seit den Anfängen der Kirche sind Richtlinien die Hauptquelle für den Abfall vom Glauben und die Auseinandersetzung innerhalb der Kirche.

Aber die gleichen Richtlinien haben in vielen Fällen auch die Kirche und ihre Mitglieder vor unerwarteten Problemen bewahrt. Die Leiter der Kirche setzen nach bestem Wissen und Gewissen Richtlinien als Schild oder Schutz um…. und auf der anderen Seite als Methode, um die Arbeit voranzubringen.

Die Herabsetzung des Missionsalters, die Fragen für den Tempelempfehlungsschein, ob ein S&I-Koordinator oder Bischof geschieden werden kann, ob gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen, dass Kinder homosexueller Eltern nicht getauft werden können, die Kirche mit dem Ausdruck „Mormonen” zu beschreiben, Jeans oder Shorts an der BYU zu tragen, Schwarze und das Priestertum, das Pfadfinderprogramm, Hohepriestergruppen, 3-stündige Kirchenblöcke, Gesichtsbehaarung, das Tragen von weißen Hemden und Krawatten, die Eröffnung einer Bar im Keller des Hotels Utah, „Heimlehren” oder „Betreuen” und seit kurzem…. die Interviews des Bischofs mit der Jugend. Im Laufe der Jahre kann die Liste länger und länger werden. Ständiger Wandel und die Anpassung an neue und abgeschaffte Kirchenrichtlinien ist die Regel, und ich sehe nicht, dass sich das jemals ändern wird. Im wahrsten Sinne des Wortes könnten für fast alles, was man sich in Bezug auf die Kirchenverwaltung vorstellen kann, abhängig von der Zeit und der Notwendigkeit Veränderungen in Betracht gezogen werden.

Volles Haus - die Konferenz der Mormonen ist restlos ausverkauft

Aber viele dieser Richtlinien werden oft mit der Lehre verwechselt. Zum Beispiel glauben viele Menschen, dass Polygamie ein himmlisches Gesetz und ein Kernstück der Lehre der ewigen Familien ist. Ich wage zu behaupten, dass selbst die Polygamie eine Richtlinie war, eine vorübergehende Ausnahme vom himmlischen Gesetz der Monogamie. Der einzige akzeptable biblische Grund für die Polygamie war, Nachkommen zu erwecken. Ansonsten war sie ein Gräuel. Die Schriften sind voll von vorübergehenden Ausnahmen vom ewigen Gesetz und der dahinter stehenden Lehre.

Selbst das Wort der Weisheit, wie wir es heute kennen, ist eine Richtlinie. Stell dir das mal vor: Wir können den Tempel nicht betreten, nur weil wir eine Tasse Eistee trinken, aber viele Menschen, darunter auch Mitglieder, hämmern sich Energy-Drinks, Opiate und Cheeseburger rein, als gäbe es kein Morgen. Um ehrlich zu sein, wie viele Tempelbesucher “essen Fleisch sparsam, nur in Zeiten des Winters oder der Hungersnot?” Wie viele sind süchtig nach Substanzen, die nie in die aktuellen Handbücher der Kirche Eingang gefunden haben? Nirgendwo in Abschnitt 89 steht geschrieben, dass die Nichteinhaltung des Wortes der Weisheit dich aus dem Tempel ausschließen wird. Es war Joseph F. Smith, der eine Sucht nach Alkohol und Tabak von seiner Mission mitbrachte und dann weise entschied, dass er das Wort der Weisheit auf eine andere Ebene bringen musste. Dann spürte Heber J. Grant selbst, dass ein komplettes Verbot bestimmter Suchtmittel zu einer Tempelempfehlungsfrage werden würde. Und wieder…. könnten sich diese Dinge ändern. Richtlinien können jederzeit geändert werden.

Die Kirche, das „Alte Schiff Zion”, gleicht mehr einem riesigen Frachter als einem wendigen Schnellboot. Das ist die Natur einer Organisation dieser Größe. Es braucht Zeit, bis Veränderungen in der Kirche stattfinden, und keiner von uns kennt wirklich den Grund für den Zeitrahmen, den es braucht, bis diese Veränderungen eintreten.

Kirche als Frachter

Interessant ist für mich, dass nur sehr wenige Menschen, welche die Kirche verlassen, Probleme mit der Kirche selbst haben oder aufgrund der Lehre einen Aufstand gegen die Kirche anzetteln. Das zeigt mir, dass die Lehre solide und kostbar ist, und wenn wir den Gründen, aus denen wir in die Kirche gekommen sind, treu geblieben wären, dann gäbe es weit weniger Streit und Kummer für diejenigen, die sich im Widerspruch zu dieser oder jener Richtlinie befinden.

Wir müssen den Führern der Kirche einen Vertrauensvorschuss geben. Ich kenne keinen führenden Leiter der Kirche persönlich, also kann ich nicht wirklich aus ihrem Herzen sprechen. Aber wenn ich mir ihre lebenslange Erfolgsbilanz als Nachfolger Jesu ansehe, kann ich mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf wetten, dass es gute Männer und Frauen sind, die wirklich versuchen das Richtige zu tun. Ich sehe bei ihnen keine andere Absicht als die, den Willen des Herrn zu tun.

Sie versuchen, diesen Frachter durch die Winde und Wellen der Zeit, in der wir leben, zu steuern. Die Turbulenzen der Welt erfordern ein tiefes und beharrliches Nachdenken derjenigen, die die Kirche leiten. Diese tiefgreifenden Gedanken können zu Inspiration oder Offenbarung führen. Diese Inspiration führt oft zu Veränderungen in der Kirche. Diese Veränderung, auch wenn sie nicht immer als solche bezeichnet wird, manifestiert sich in der Regel als Richtlinie. Und Veränderungen führen oft dazu, dass Menschen den Verstand verlieren.

Man sieht nie, dass die Kernlehren geändert oder in Frage gestellt werden. Niemand, so scheint es, bestreitet jemals die Dinge, die wirklich wichtig sind, nämlich, dass Christus auf die Erde kam, unter alles hinabstieg, für unsere Sünden gesühnt hat, am Kreuz hing und dann auferstanden ist, damit jeder von uns über das Grab hinaus leben kann. Man trifft bei der Konferenz nicht auf viele Gegenstimmen über Glaubensartikel, Abendmahl oder Taufe.

Russell M. Nelson

Können Richtlinien inspiriert sein? Natürlich können sie das, und viele sind es. Könnte ein Prophet eine Richtlinie einführen, die uninspiriert ist? Ich denke, wir haben es viele Male in den Schriften gesehen. Jona beschloss eine Richtlinie, welche der ganzen Stadt Ninive das Evangelium vorenthielt. Der Herr korrigierte sie schließlich. Petrus ignorierte die Heiden. Der Herr korrigierte das schließlich. Wenn David O. McKay sich nicht inspiriert fühlte, das zu tun, was 1978 von Spencer W. Kimball getan wurde, dann korrigierte der Herr es, wie wir sahen, schließlich.

Der Punkt ist, dass Sie einer Richtlinie zustimmen oder nicht zustimmen und trotzdem dabei bleiben können, Glauben ausüben und die Lehre lieben. Sie wissen, dass die Lehre gut ist. Nicht sehr viele Menschen würden das jemals leugnen, auch nicht außerhalb der Kirche. Der Erlösungsplan, ewige Familien, das Sühnopfer – Sie sehen nicht, dass sich diese Dinge ändern. Und doch sind zu viele von uns so sehr auf dieses oder jenes Programm oder diese und jene Richtlinie fokussiert, dass wir unsere geistige Energie inmitten von Kontroversen, Diskussionen, Streitigkeiten und Verwirrung aufbrauchen.

Wenn etwas nicht stimmt, wird der Herr es schließlich korrigieren. Und manchmal ist das, was wir für nicht richtig halten, für die Zeit, in der wir leben, dennoch richtig.

Manchmal geraten Mitglieder plötzlich in einen Rausch über eine bestimmte Richtlinie, die ihnen nicht gefällt. Dann gehen sie automatisch davon aus, dass die Führer der Kirche nichts Gutes im Sinn haben oder ignorant sind. Wenn dann diese Richtlinien nicht innerhalb eines akzeptablen Zeitrahmens geändert werden, glauben sie, dass es an ihnen ist, das Schiff zu drehen.

Sie gehen und nehmen das Schlimmste an, fordern sofortige Veränderung und tun dies, ohne alle Fakten zu kennen. Es ist so, als ob sie auf dem Schiff fahren, aus dessen Fenstern schauen und einige Trümmer sehen, auf die das Schiff stoßen wird. Sie schreien und brüllen, dass der Kapitän 45 Grad nach rechts drehen soll. Dann gehen sie davon aus, dass der Kapitän am Steuer schläft, wenn er nicht reagiert. Aber was sie vielleicht nicht wissen, ist, dass der Kapitän einen Eisberg auf 45 Grad entdeckt hat und es verheerend sein könnte, wenn das Schiff in diesem Moment gedreht wird…

Es ist in Ordnung, wenn man seine Stimme hörbar macht. In vielen Fällen ist es sogar hilfreich. Aber Streitigkeiten auf Grundlage von Vermutungen sind nicht der richtige Weg.

Veränderung sollte niemals nach Lust und Laune stattfinden, und ich bin froh, dass wir keine Führungskräfte haben, die impulsiv handeln oder voreilige Entscheidungen treffen. Aber seien Sie versichert, wenn etwas nicht stimmt, wird der Herr es in Ordnung bringen. Nicht der Mensch. Nicht irgendein Mensch.


Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich auf gregtrimble.com unter dem Titel „Why The Church Doesn’t Change Its Policies Overnight” veröffentlicht. Der Autor ist Greg Trimble. Übersetzt von Janine Windhausen.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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