Während ich keine Mission erfüllte, lernte ich mehr über mich selbst, meinen himmlischen Vater und etwas darüber, wo er mich hinführt.

Inzwischen kehren massenweise Missionare nach Hause zurück, und es hat sich besonders in Utah und Umgebung vieles verändert: die Wohnungssituation, die Partnersuche, Einschreibungen an der Uni und auch die Ehe. Als Präsident Monson bei der Generalkonferenz 2012 verkündete, dass das Alter für Missionare herabgesetzt wurde, veränderte sich nicht nur die Anzahl der Mitglieder, die nun auf der ganzen Welt Missionen erfüllten. Für mich veränderte sich vor allem mein Gesellschaftsleben.

Wo auch immer größere Gruppen zusammen kommen, wird vor allem eine Frage gestellt:

Wo warst du auf Mission?

Viele beginnen zu strahlen und nennen ein fremdes Land. Andere erzählen stolz, dass sie in den Staaten gedient haben; es ist einfach, ins Gespräch zu kommen. Meine Antwort und die Antwort für viele andere ist aber eine andere. Wo warst du auf Mission?

Ich bin nicht gegangen.

Die Sisters - Schwestermissionare der Kirche Jesu Christi

Ich habe mich im Alleingang bemüht, Christus näher zu kommen und zu der Frau zu werden, die ich sein soll. Ich nenne es „Alleingang”, weil ich mich, während sich mehr als 20 meiner Freunde auf Mission befanden, in den vergangenen Jahren oft allein gefühlt habe. In diesen Zeiten habe ich oft Trost in den Worten von Elder John H. Groberg gefunden (Ansprache 1979, BYU, Was ist deine Mission?, nur auf Englisch). Groberg spricht darin über drei wichtige Punkte:

  • „Gott Vater hat für jeden von uns eine Mission vorgesehen, die wir hier auf der Erde erfüllen sollen.”
  • „Wir können in diesem Leben – hier und jetzt – herausfinden, worin diese Mission besteht.”
  • „Mit seiner Hilfe können wir diese Mission erfüllen und die Gewissheit haben – hier und jetzt, in diesem Leben – dass wir tun, was unserem Vater im Himmel gefällt.”

Durch die Ansprache habe ich erkannt, dass ich eine Mission habe – eine, die mir zugeteilt wurde, schon lange bevor ich auf diese Erde kam. Ein Teil dieser Mission besteht darin, dass ich mehr über meinen Vater erfahre und darüber, was er von mir erwartet.

Es ist eine ganz andere Geschichte, weshalb ich nicht auf Mission gegangen bin; sie hat aber mit viel Nachdenken und Gebet zu tun. Ich habe diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen, weil ich mir bewusst war, dass sie Einfluss auf mein restliches Leben haben würde.

Obwohl ich in den vergangenen Jahren keinen Brief von der Ersten Präsidentschaft erhalten habe, habe ich mehr über das Evangelium und über Gottes Plan für mich gelernt als jemals zuvor. Ich weiß, dass ich noch mehr durch eine Mission hätte lernen können, und ich empfinde viel Liebe für diejenigen, die die Welt zurück lassen und ihr Licht mit anderen teilen.  Jedoch habe ich auch durch mein persönliches Schriftstudium, mein Nachdenken, meine Gebete und mein eigenes Planen einiges gelernt – und das, ohne ein Namensschild zu tragen.

Mormonen Frauen sind nicht dazu verpflichtet auf Mission zu gehen.

Fünf Dinge, die ich daraus gelernt habe, dass ich keine Mission erfüllte

1. Meine Beziehung zu Gott ist nicht schlechter, weil ich kein Namensschild getragen habe. Keine Mission zu erfüllen bedeutet, dass ich auch ohne dass ein Mitarbeiter dabei war, um zu „kontrollieren”, ob ich rechtzeitig aufstehe und mein Gebet spreche, Selbstdisziplin aufbringen musste, um an meiner Beziehung zu Gott zu arbeiten  – und sie wird zu einer tollen Sache.

2. Mein Zeugnis ist genauso stark wie das eines zurückgekehrten Missionars. Das ist ein ähnlicher Punkt wie der erste. Vielleicht komme ich mir ein bisschen unzulänglich vor, wenn zurückgekehrte Missionare über Erfahrungen im Amazonasgebiet sprechen, durch die ihr Zeugnis wuchs. Trotzdem weiß ich, dass ich dafür gearbeitet habe, dass mein Zeugnis wächst und stärker wird und dass dadurch meine Erkenntnis und was ich mit dem Evangelium tue, wächst.

3. Ich muss meine Zeit sinnvoll nutzen. Ein Nickerchen zu machen ist etwas Tolles, aber wirklich produktiv zu sein fühlt sich am besten an. Ich bewundere die Missionare überall auf der Welt, weil sie sich grundlegende Alltagsfähigkeiten in der Zeiteinteilung, im Planen und im Bereich Kommunikation aneignen.

4. Ich kann trotzdem mit anderen über das Evangelium sprechen. Ich lebe in Utah, und es kommt einem so vor, als ob jeder hier Mormone sei. Aber ich habe trotzdem Möglichkeiten entdeckt, andere an meinem Zeugnis teilhaben zu lassen. Die sozialen Medien sind, auch wenn sie schädlich sein können, ein wunderbares Werkzeug.

5. Eine Mission ist schwer. Meine Freunde gehen zu lassen, war ziemlich schwer und ich werde nie wissen, was Missionare durchmachen müssen. Das bedeutet aber nicht, dass ich keine Ahnung davon habe, wie eine Mission aussieht. Mein Vater, Brüder, Onkel, Cousins und Freunde waren auf Mission und ich weiß, dass Missionieren eins der schwierigsten Dinge ist, um die jemand gebeten werden kann. Ich habe gelernt, dass ich mich, während ich vorhabe, eines Tages als Rentnerehepaar mit meinem Mann auf Mission zu gehen, schon jetzt mit dem Geist vertraut machen und bereit sein muss, zu arbeiten.

Es wird mir weder peinlich sein, dass ich nicht auf Mission war, noch werde ich diejenigen verurteilen, die auf Mission gegangen sind. Eine Mission zu erfüllen ist für Frauen eine individuelle Entscheidung und für Männer eine Priestertumspflicht.

Das bedeutet aber nicht, dass diejenigen, die frühzeitig zurückkehren oder gar nicht erst gehen, weniger spirituell sind. Das Namensschild eines Missionars und die Zeit, die du im Missionsfeld verbracht hast, stehen in keinem direkten Zusammenhang mit deinem geistlichen Stand in der Kirche. Ich kenne Missionare, die ihre vollen zwei Jahre gedient und danach ihr Zeugnis verloren haben, und ich kenne Missionare, die vorzeitig zurückkamen und geistige Riesen sind.

Ich habe dieses Jahr mein Endowment im Tempel bekommen, und es macht mir großen Spaß, mit meiner Familie und meinen von Mission zurückgekehrten Freunden zum Haus des Herrn zu gehen. Ich bereite mich darauf vor, eines Tages mit meinem Ehemann als Missionarin zu dienen, und ich schreibe meinen Freunden auf der ganzen Welt, die gerade eine Mission erfüllen.

Ich habe keine Mission erfüllt, und das ist großartig. Viele meiner Freunde haben eine Mission erfüllt, und das ist auch großartig. Ich bin durch die Zeit, die ich alleine verbrachte, gewachsen, weil ich vorher nie wirklich alleine war.

Während ich keine Mission erfüllte, lernte ich mehr über mich selbst, meinen himmlischen Vater und etwas darüber, wo er mich hinführt. Es war ein nützliches und wertvolles Erlebnis.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und auf mormoninsights.byu.edu veröffentlicht. Die Autorin ist Jenna Koford. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.