Eine grundsätzliche Definition von „Religion” lässt sich beispielsweise im Oxford Dictionary finden. Demnach ist Religion „der Glaube an und das Verehren einer übernatürlichen Macht, insbesondere eines oder mehrerer Götter”. Wenn man sich nach dieser Definition richtet, könnte man alle großen Religionen und Glaubensrichtungen auf der Welt als religiöse Gemeinschaften  bezeichnen. Also auch das Mormonentum, die Lehren und Praktiken der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (oder wie sie irrtümlich von den Medien und anderen genannt werden: die Mormonen). Trotzdem gibt es einige Menschen, die das Mormonentum nicht als christliche „Religion” anerkennen, sondern eher als einen praktizierenden Kult.

Auf Merriam-Webster.com wird das Wort „Kult” als „Religion, die als unorthodox oder zweifelhaft betrachtet wird“, definiert. Eine weitere Definition des Wortes „Kult” ist „eine relativ kleine Anzahl an Menschen, deren religiöse Überzeugungen und Bräuche von anderen  als merkwürdig oder unheimlich betrachtet werden”. Beide Definitionen beschreiben treffend, wie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und ihre Mitglieder (auch bekannt als Mormonen) von vielen Menschen angesehen wird. Dabei wird die Tatsache, dass die Kirche Jesu Christi seit ihrer Gründung sowohl in der Anzahl der Mitglieder als auch in ihrer räumlichen Ausbreitung erheblich gewachsen ist, außen vor gelassen. Als die Kirche Jesu Christi 1830 gegründet wurde, gab es 6 Mitglieder. Heute gibt es weltweit über 15 Millionen Mitglieder. Interessanterweise benutzt Merriam-Webster das Wort „Religion” in der Definition für das Wort „Kult”. Genauso interessant ist, dass Synonyme des Wortes „Kult” unter anderem die Worte „Anbetung”, „Religion” und „Verehrung” sind. Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage verehren und bewundern Jesus Christus, den gleichen Jesus Christus, dessen Lehren in der Bibel gefunden werden und dessen Namen die Kirche selbst trägt. Nachdem alle Teile dieses Worte-Puzzles jetzt zusammengefügt sind, ist es vielleicht „richtiger” zu sagen, dass das Mormonentum eine Religion ist, eine Religion, die von vielen Menschen missverstanden wird.

Jesus Mormonen

Jesus Christus und seine Verdienste für die Menschheit sind der unumstrittene Mittelpunkt der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Ist das Mormonentum eine Neue Religiöse Bewegung”?

Wikipedia definiert eine Neue Religiöse Bewegung” wie folgt:

„Der Begriff Neue Religiöse Bewegung wird verwendet, um möglichst wertfrei religiöse oder religiomorphe Gruppen zu bezeichnen. Es gibt verschiedene mögliche Definitionen des Begriffs. Der Begriff wird bei manchen Bewegungen als Ausweichbegriff für den ursprünglich wertneutralen Begriff “Sekte” verwendet.

Der Gebrauch des Begriffes “Neue Religiöse Bewegung” setzt normalerweise voraus, dass die Gruppe, welche mit dem Begriff assoziiert wird, neueren Ursprungs ist und sich von bereits existierenden Religionen unterscheidet. Manche Experten haben eine eher strenge Einstellung was als „sich von bereits existierenden Religionen unterscheidet” zählt und was nicht.

Für sie besteht dieser Unterschied darin, dass eine Religion, auch wenn sie zu einem anderen Glauben gehören mag, vom ursprünglichen Glauben abgelehnt wird, weil sich Glaubensbekenntnisse unterscheiden oder weil sie selbst erklären, unabhängig vom ursprünglich „einzig wahren” Glauben zu sein

Neue Religiöse Bewegungen unterscheiden sich in Bezug auf die Führung, Autorität, Vorstellungen des Individuums über die Familie und Geschlechterrollen, Lehren, Organisation und mehr.

Nach diesen Definitionen könnte das Mormonentum als Neue Religiöse Bewegung bezeichnet werden, aber nicht unbedingt als neue Religion.

Wodurch unterscheidet sich die Kirche Jesu Christi von anderen christlichen Kirchen?

Das Mormonentum, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, ist keine „neue” Religion. Die Kirche hatte ihre Anfänge im Jahre 1830 und bestand aus nur wenigen Mitgliedern, die sich in einer kleinen Blockhütte im US-Bundesstaat New York versammelten. Joseph Smith wurde von Gott berufen, das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi in den Letzten Tagen hervorzubringen. Er war der erste Präsident und Prophet der Kirche Jesu Christi.

Die Gründung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage datiert auf den 6. April 1830 zurück.

Die Gründung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage datiert auf den 6. April 1830 zurück.

Weil einige Lehren im Mormonentum sich von dem, was allgemein als Christentum bekannt ist, unterscheiden, neigen viele dazu, das Mormonentum als nicht-christliche Glaubensrichtung zu klassifizieren. Vor allem in der Lehre der Gottheit unterscheidet sich das Mormonentum von anderen christlichen Religionen. Viele Christen, wenn auch nicht alle, glauben an die Lehre der „Dreifaltigkeit” – ein Begriff, der sich im gesamten Text der Bibel nicht finden lässt. Das Wort „Dreifaltigkeit” ist abgeleitet vom lateinischen trinitas” und bedeutet drei sind eins”. „Dreifaltigkeit” beschreibt den Glauben daran, dass Gott ein einziges Wesen ist, bestehend aus drei unterschiedlichen Persönlichkeiten – dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist – welche sowohl koexistieren als auch immerwährend verbunden sind.

Mormonen, oder wie sie eigentlich heißen Heilige der Letzten Tage”, glauben und lehren als Teil ihrer Lehre, dass Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist gewiss unterschiedliche Persönlichkeiten der Gottheit sind. Sie sind in der Tat eins, einig in ihrer Bestimmung und Mission, aber nicht ein und dieselbe Person. Stephen Edward Robinson, ein religiöser Student und Apologet und Mitglied der Kirche Jesu Christi, schrieb im Mai 1998 einen Artikel im New Era Magazine mit dem Titel: „Sind Mormonen Christen?”

Die Heiligen der Letzten Tage glauben nicht an die Lehren, die im Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) und Chalcedon (451 n. Chr.) einige Jahrhunderte nachdem Christus auf der Erde gelebt hatte, beschlossen wurden – die Lehre, dass Gott drei gleichrangige Personen eines Wesen sei. Wir glauben nicht daran, weil es nicht schriftgemäß ist.  Die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) schreibt zu diesem Thema beispielsweise: „In der Bibel findet sich keine Trinitätslehre, sondern es gibt nur triadische, dreigliedrige Formeln, die von Vater, Sohn und Geist sprechen, neben-, hinter-, aber auch ineinander (Matthäus 28,18; 1. Korinther 12, 4ff.; 2. Korinther 13,13). Die Lehre von der Trinität ist erst später entwickelt worden, weil um ca. 200 die Meinung aufkam, Jesus sei von Gott adoptiert worden und demzufolge nur ein Mensch.”

Weder Jesus noch die Apostel lehrten die Doktrin der Dreieinigkeit, wie sie in den Konzilien beschlossen wurde. Die Schreiber des Neuen Testamentes wussten offensichtlich nichts davon. Die Lehre wurde erst Jahrhunderte später festgelegt. Daher kann eigentlich niemand behaupten, dass die Mormonen keine Christen seien, nur weil sie diese Lehre nicht akzeptieren, außer sie sprechen dann auch Jesus Christus selbst, seinen Jüngern und der neutestamentliche Kirche das Christentum ab, die sie auch nicht kannten.

Ist zusätzliche heilige Schrift ein Zeichen dafür, dass das Mormonentum eine neue Religion ist?

Ein weiterer – und der vermutlich meistgenannte – Grund, warum viele Leute der Auffassung sind, dass Heilige der Letzten Tage keine Christen sind, ist, dass Heilige der Letzten Tage neben der Bibel auch andere heilige Schriften für ihr persönliches Studium benutzen. Ein Buch dieser heiligen Schriften, das für besonders viel Aufmerksamkeit und Interesse sorgt, ist das Buch Mormon. Der Gebrauch des Buches Mormon brachte den Heiligen der Letzten Tage den Spitznamen Mormonen” ein und der Kirche den Namen Mormonenkirche”. Es gibt diejenigen die behaupten, dass die Bibel alles an heiliger Schrift beinhaltet, was der Mensch braucht. Sie führen aus, dass es keine neuzeitlichen Offenbarungen gibt, weil Gott nicht mehr zu den Menschen spricht wie in alter Zeit. Solche Sichtweisen führen zu der Annahme, dass „die Himmel geschlossen” sind.

Heilige der Letzten Tage glauben aber daran, dass „die Himmel offen” sind und dass das Wort Gottes niemals aufhört. Sie glauben, dass Gott immer noch zu ihrem Herzen und zu ihrem Verstand spricht, genau wie in alter Zeit.

Bezüglich des Buches Mormon geben Heilige der Letzten Tage ihr Zeugnis, dass es eine begleitende heilige Schrift ist.

Die Heiligen Schriften der wiederhergestellten Kirche Jesu Christi

Das Buch Mormon ist ein weiterer Zeuge für Jesus Christus. Die Bibel ist für Mormonen genau so wichtig wie für andere christliche Konfessionen.

Heilige der Letzten Tage bezeugen, dass das Buch Mormon eine heilige Schrift ist, welche die Bibel unterstützt. Sie versichern weiterhin, dass das Buch Mormon keineswegs die Bibel übertrifft oder versucht, ihrem Ansehen in irgendeiner Weise zu schaden. Im Gegenteil, das Buch Mormon unterstützt und bereichert die Lehren, die in der Bibel enthalten sind, sodass dem Leser dieses heiligen Textes mehr Klarheit und Einblick ermöglicht wird. Sowohl das Buch Mormon als auch die heilige Bibel sind Zeugen des Lebens, der Liebe und des Wirkens des Erlösers und Erretters der Welt, Jesus Christus, des gleichen Jesus Christus, den Heilige der Letzten Tage verehren und lieben.

Stephen Edward Robinson geht in seinem Artikel auch auf dieses Thema ein. Er sagt: Ich habe die Kritiker immer wieder gefragt, mit genau welcher Lehre aus dem Buch Mormon sie nicht einverstanden seien. Ohne Ausnahme haben sie immer gesagt, dass es nicht die Aussagen des Buches Mormon seien, die sie anstößig finden, sondern das Buch selbst. Die meisten Gegner der Mormonen verwerfen die Schriften der Heiligen der Letzten Tage, ohne sie zu kennen, und es spielt keine Rolle, was sie tatsächlich über Christus lehren.”

Schlussfolgerung: Ist das Mormonentum eine „neue” Religion?

Es geht nicht unbedingt um die Frage, ob das Mormonentum eine „neue Religion” oder „Sekte” ist, sondern vielmehr darum, ob das etablierte Christentum das Mormonentum als Religion anerkennt. Sollte das so sein, wäre die nächste Frage, weshalb diese Religion von so vielen Christen kritisiert wird. Vielleicht ist der Grund der, den Stephen Edward Robinson in seinem Artikel anführt:

Es sind demnach nicht unbedingt die Lehren der Kirche Jesu Christi, die als anstößig empfunden werden, sondern vielmehr die Behauptungen, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes war, dass das Buch Mormon Gottes Wort ist und dass das Evangelium in diesen letzten Tagen auf Erden wiederhergestellt wurde.”

Die Schriften lehren uns: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen?” (Matthäus 7:16, vgl. 3. Nephi 14:16) Alle sind daher herzlich eingeladen selbst herauszufinden, was der Mormonismus lehrt – indem sie z.B. mit Mitgliedern einer Gemeinde in ihrer Nähe plaudern und ihren Gottesdienst besuchen, zu dem jeder gerne eingeladen ist.


Weitere Quellen:

Jesus Christus, der Sohn Gottes

Gratis-Exemplar des Buches Mormon

Sie sind herzlich zu unserem Gottesdienst eingeladen

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 30. März 2014  auf mormonhub.com veröffentlicht. Der Autor ist Keith L. Brown. Übersetzt von Maren Leit.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

Keith L. Brown

Keith L. Brown wuchs als Baptist auf und schloss sich später der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an, während seines Studiums zum Baptistenprediger. Er wurde am 10. März 1998 in Reykjavik, Island, getauft, als er dort für die Navy der Vereinigten Staaten in Keflavic diente. Er ist Gemeindemissionar im Pfahl Annapolis in Maryland.