Unzählige Male habe ich mir bereits Gedanken darüber gemacht, ob meine Zeit als Missionar sich gelohnt hat. Ich fragte mich oft, ob ich überhaupt einen Unterschied im Leben eines anderen bewirkt habe.

Leicht fühlt man sich entmutigt und hat das Gefühl, dass die ganze Zeit als Missionar eine Zeitverschwendung war. Schließlich sind fast alle, die ich belehrt habe und die getauft wurden, inzwischen nicht mehr aktiv in der Kirche; und das, obwohl ich mir Mühe gegeben habe, Kontakt zu halten und ihnen Mut zu machen, aktiv das Evangelium zu leben. Denke ich über diese Zeit nach, sehe ich außerdem, wie viele Fehler ich als Missionar gemacht habe. Ich war auf vielerlei Weise unzulänglich.

Ich fragte mich also, ob ich jemals etwas Gutes bewirkt hätte. War mein Dienen sinnvoll? Habe ich einen Unterschied gemacht?

Ich möchte mich nicht selbst beweihräuchern – wie bereits gesagt, ich habe als Missionar VIELE Fehler gemacht – aber die Antwort lautet inzwischen trotzdem „Ja”. Und das gilt auch für dich.

Wir sehen die gesäten Samen nicht

Zu sehen ist die Nahaufnahme der Samen einer Pusteblume (Löwenzahn).

Wenn ich mich frage, ob all die Stunden, die ich von Gott und seiner Liebe gepredigt habe, jemandem ein Segen waren bzw. jemanden verändert haben, fällt mir ein anderer, ehrwürdiger Missionar ein: Abinadi.

Abinadi war der unglaublichste, hingebungsvollste Missionar überhaupt. (So hingebungsvoll, dass er am frühen Morgen sicherlich nicht als Frühsport nur 30 Minuten lang Dehnübungen machte … wie ein anderer Missionar, den ich kenne … ich.) Er predigte einem Volk Umkehr, das nichts davon hören wollte, und riskierte seinen Ruf dabei. Sicherlich genoss er den Hass der anderen nicht (obwohl er wahrscheinlich nicht jedes Mal angefangen hat zu weinen, wie jemand anderes, den ich kenne … ich); er war bereit, immer und immer wieder Ablehnung zu ertragen, weil er das Evangelium liebte und den Erretter kannte.

Und obwohl er sich so sehr anstrengte, schien sich niemand wegen seiner Worte zu bekehren. Er tat alles richtig, aber er schien keinen Unterschied zu bewirken – nicht für den König, nicht für dessen Priester und nicht für sein Volk.

Und schließlich starb er für seine Überzeugungen – wahrscheinlich mit dem Gedanken, dass er keinen Unterschied bewirkt hatte.

Aber das hatte er. Einen unbegreiflich großen Unterschied – damals und heute. Wegen Abinadis Anstrengungen bekehrte sich Alma – und nach Alma Tausende weitere. Almas Sohn machte eine lebensverändernde Erfahrungen mit den Söhnen Mosias, und durch diese Erfahrung gingen die Söhne Mosias auf Mission und bekehrten Tausende; und Alma bekehrte als Missionar (mit Hilfe des Heiligen Geistes natürlich) so viele Menschen.

Und Abinadi bekam nichts davon mit – zumindest nicht während seines irdischen Lebens.

Wie Abinadi verstehen wir vielleicht niemals, welchen Einfluss unser Leben hat. Manchmal sind wir vielleicht untröstlich, weil wir nicht sehen können, wen wir berührt haben oder wenn die Menschen, die wir belehrt haben, die Kirche verlassen oder weniger aktiv werden – aber wir wissen nie, was die Zukunft bringt.

Eine ewige Perspektive

Zu sehen sind ein älterer Herr (Missionar) und ein junger Mann. Sie sitzen auf der Mauer eines Tempels und unterhalten sich.

Ein Beispiel aus meiner eigenen Familie: Alle Verwandten meines Vaters kommen aus Mississippi, einem Staat, in dem die meisten Bewohner Baptisten sind – und in den 1950er Jahren waren es sogar noch mehr als heute. Dort lernte meine Familie das Evangelium kennen – und war nur wenige Jahre später nicht mehr aktiv in der Kirche.

Mein Vater schrieb mir während meiner Mission zu Weihnachten folgenden beeindruckenden Brief (ich möchte ihn hier anführen, weil ich denke, dass er wunderbar zeigt, dass wir nie wissen, welchen Einfluss unser Dienst hat):

„Anfang der 1950er Jahre war Mississippi (und ist es auch heute noch) überwiegend baptistisch. Henrys* und Abigails* (*Namen geändert) Nachbarn waren jedoch Mormonen. Sie waren gute Menschen und sehr gute Nachbarn. Henry und Abigail lernten schließlich irgendwie die Missionare kennen und hörten sich die Lektionen der Missionare an. Nicht viele Familien sprachen überhaupt mit den Missionaren, geschweige denn ließen sie sich von ihnen unterrichten.

Nach einer Weile wurden sie und ihre Töchter getauft. Ein paar Jahre darauf starb Abigail jedoch, und die restliche Familie (die zu diesem Zeitpunkt in Chicago lebte, um Arbeit zu finden) hörte auf, in die Kirche zu gehen. Großmutter und Tante Jane* heirateten Männer, die keine Mitglieder der Kirche waren, und die ganze Familie war viele Jahre lang nicht aktiv in  der Kirche.

Ich kenne die Geschichte der Missionare, die die Familie bekehrte, nicht, aber wenn ich mir überlege, wo sie lehrten und zu welcher Zeit, so denke ich, dass die Familie Smith wahrscheinlich die einzige – oder zumindest eine der wenigen Familien – war, die sie zur Kirche brachten.

Wären die Missionare 10 Jahre nach ihrer Mission – z. B. im Jahr 1962 – zurück gekommen, hätten sie erfahren, dass Abigail gestorben war und der Rest der Familie bereits Jahre zuvor aufgehört hatte, die Kirche zu besuchen. Ich bin mir sicher, dass sie sehr enttäuscht gewesen wären und sich vielleicht gedacht hätten: ,So viel also dazu … Haben wir überhaupt etwas Gutes getan?’

Springen wir aber nur ein, zwei Jahre weiter – ins Jahr 1963-1964 – würden sie meinen Großvater vorfinden, der wieder in die Kirche ging – Dank der Bemühungen und Ermutigungen eines treuen Heimlehrers. Er wurde berufen als Pfahlmissionar zu dienen und diente in der Präsidentschaft der Sonntagsschule. Nach seinem Tod im Jahre 1965 fingen auch Großmutter und Jane wieder an, in die Kirche zu gehen. Schließlich wurde auch ich erwachsen und ging auf Mission. Ich heiratete und hatte 5 Kinder, von denen 3 auch auf Mission waren. [Meine Schwester] heiratete im Tempel und hatte 3 Kinder, von denen 2 auf Mission waren. Manche der Menschen, die wir belehrten, wurden getauft und erzählten auch anderen vom Evangelium.

Die ,kleinen Missionare’ (wie meine Großmutter sie auch heute noch nennt) dachten sich vermutlich, dass sie zwar ihre Pflicht erfüllt hatten, dass sie aber keinen richtigen Erfolg gehabt hätten. Könnten wir jedoch die Anzahl der Menschen feststellen, die das Licht des Evangeliums in ihrem Leben erfahren haben, und das auf sie zurückführen können, käme bestimmt eine beträchtliche Anzahl zusammen.

… Was sie erreichten, ist wirklich beeindruckend. Du und ich schulden ihnen so großen Dank. Wegen ihrer Bemühungen vor all den Jahren haben wir und viele, viele andere die Möglichkeit bekommen, dem Erlöser nachzufolgen. Wenn du dieses Weihnachten über die Segnungen nachdenkst, die das Evangelium in dein Leben gebracht hat, und darüber auf deinem Weg mit anderen sprichst, denk an diese ,kleinen Missionare’ und danke dem Herrn für sie.”

Meine Mission hat mich verändert

Zu sehen ist eine Frau, die in den heiligen Schriften liest.

Diese Geschichte beeindruckt mich. Es ist unmöglich zu wissen, wie viele Menschen vom Licht des Erretters durch uns berührt werden!

Was ich erkannt habe: Selbst wenn niemand, den ich belehrt habe, je wieder aktiv in der Kirche wird oder aktiv bleibt oder was auch immer – wichtig ist, dass ich es versucht habe – und wie Jeffrey R. Holland sagte:

„Das Wunderbare am Evangelium ist, dass es uns auch dann angerechnet wird, wenn wir uns nur bemühen, selbst wenn wir nicht immer erfolgreich sind.”

Und außerdem: Auch wenn meine Mission niemand anderem geholfen hat, sich zu ändern, habe ich mich durch sie geändert. Vielleicht nicht auffällig – das Evangelium war mir auch vor meiner Mission wichtig und ich lebte danach – aber mein Verständnis vom Evangelium wuchs; ich öffnete mein Herz und meinen Sinn der Macht Gottes und der Bedeutung der Wiederherstellung und des Priestertums; meine Liebe zum Erlöser wurde tiefer. Ich denke, dass ich auch vor meiner Mission ein gutes Leben führte, aber ich lernte, wie man ein besseres Leben im Sinne Christi lebt – und das ist das beste, lebensveränderndste, beeindruckendste Geschenk, um das ich hätte bitten können.

Eine Mission lehrt uns Vieles über Umkehr. Wenn wir es zulassen, wird die Liebe zum Erlöser und für seine Lehren tief in uns verwurzelt. Und das Wichtigste ist vielleicht, dass unsere Mission die Macht hat uns zu verwandeln – und wenn du das Gefühl hast, dass deine Mission dich nicht verändert hat, lass zu, dass sie das jetzt noch tut. Erinnere dich an die Erfahrungen, die du gemacht hast. Lerne aus den Fehlern, die du gemacht hast. Sei dir bewusst, dass es niemals zu spät ist, dem Erlöser die Tür zu öffnen und seine heilsame Berührung Einfluss auf dein Leben nehmen zu lassen. Er kann dir dabei helfen, deine Fehler in der Vergangenheit zu korrigieren und die Schuldgefühle, die du wegen begangener Fehler hast, loszulassen.

Deine Mission war wichtig. Sie hatte einen Einfluss auf dich und hat dich zur Umkehr gebracht (damals, heute oder sowohl als auch). Selbst wenn du die Früchte deiner Arbeit im Moment nicht sehen kannst, kannst du mir vertrauen – es gibt sie. Eines Tages werden wir erkennen, dass das, was wie ein kleiner, unbedeutender Baum aussieht, eigentlich ein prachtvoller Garten ist.

Und alles geschieht durch einen Gott, der durch uns Wunder wirkt.


Amy Keim

Amy Keim ist Site-Managerin und Lektorin für LDSBlogs.com. Sie leistete eine Vollzeitmission für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Denver, Colorado, wo sie lernte, Berge zu lieben und Schnee zu verachten. Sie mag leidenschaftlich Erdnussbutter, schlechtes Tanzen und vor allem das Evangelium.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 11.2.2019  auf thirdhour.org unter dem Titel „Did My Mission Even Matter?“ veröffentlicht. Die Autorin ist Amy Keim. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: churchofjesuschrist.org und kirche-jesu-christi.org.

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