Wenn ich an eine Zeit zurückdenke, als ich der Kirche den Rücken zugekehrt hatte, fällt mir auf, dass ich meinen Unglauben oft in einem halbherzigen Versuch rechtfertigte. Das soll heißen, dass ich Fragen zum Evangelium hatte und Schwierigkeiten mit der Kirchengeschichte, aber anstatt mir die Zeit zu nehmen zu beten, zu forschen und meinen Horizont zu erweitern, wiederholte ich einfach beliebte Kritik gegenüber der Kirche und ließ es darauf beruhen.

Meine oberflächliche Herangehensweise an diese wesentlichen Evangeliumsgrundlagen war unverantwortlich und schädlich – allerdings nicht für die Kirche. Ich war diejenige, die Schaden erlitt, mein Zeugnis und selbst mein Selbstwertgefühl.

Eine der größten Entschuldigungen, die sich in meinem Kopf festgesetzt hatte, lautete: „Gott ist es egal, ob ich Mormone bin.” Wie könnte es ihm denn auch wichtig sein? Ich war (und bin es auch noch) ein guter Mensch. Ich war eine hingebungsvolle Mutter, ein treuer Freund, eine zuverlässige Kollegin. Wenn es ausschlaggebend war, dass man gütig und aufrichtig war, warum war es dann wichtig, auch noch nach den mormonischen Maßstäben zu leben? Ich war gut genug, oder?

Gut genug, auch ohne in meinen Kirchenberufungen etwas zu tun oder Besuchslehren zu gehen.

Gut genug, ohne Zehnten zu zahlen.

Gut genug, dass ich nicht die Versammlungen besuchen musste.

Gemeinde Aktivität Mormonen

Drei Stunden Wiederholungen bedeuteten drei Stunden Langeweile. Ich konnte stattdessen andere Dinge tun: einkaufen, schlafen, ins Kino gehen,… schlafen. Drei Stunden voller Verpflichtungen waren nicht mehr länger ein Opfer, das ich bringen musste. Das war eine einfach anzuwendende Lüge; und ich spielte diesen Trumpf einige Jahre lang aus. Ich glaubte immer noch an Gott, aber ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass ich es beweisen musste.

In diesen Jahren war ich zufrieden, meistens. Ich fühlte mich sicher … und dann plötzlich nicht mehr.

Alles hatte mit dem Verlust meines Selbstwertgefühls zu tun. Meine Einstellung verschob sich von „Gott ist es egal, ob ich Mormone bin” nach „Ich bin Gott egal”.

Wenn ihm nicht alles egal wäre, wäre meine Ehe nicht nach 11 Jahren nicht den Bach runter gegangen. Wenn es ihm nicht egal wäre, wäre mein Leben nicht zu einem trostlosen Kreislauf an Wiederholungen geworden; ich bettelte, dass mein Leben wieder so werden würde, wie es früher gewesen war. Ich wollte nicht mehr, ich wollte einfach, was ich früher gehabt hatte. Also rief ich eines Abends, als ich alleine in meiner neuen Wohnung war, höhnend zu ihm und fragte ihn, warum ihm alles egal geworden wäre. Hörte er überhaupt zu?

Gebet für den Dienst am Nächsten

„Warum hast du aufgehört, für mich da zu sein?” „Ich, der Herr, bin verpflichtet, wenn ihr tut, was ich sage; tut ihr aber nicht, was ich sage, so habt ihr keine Verheißung.” (Lehre und Bündnisse 82:10)

(Nebenbei bemerkt: Demut ist etwas Witziges. Ich war diejenige, die einen Wutanfall hatte und behauptete, dass ihr Leben in Scherben lag, weil ER mich im Stich gelassen hatte. Und dann brauchte es nur ein paar einfache Worte und ich gab meine Sturheit auf und hatte keine weiteren Ausreden mehr.)

Ich musste also etwas tun.

Nachdem ich gebetet und versucht hatte, alles mit etwas Abstand zu betrachten, kam ich zu der Schlussfolgerung, dass es MIR nicht egal sei. MIR machte es etwas aus, ob oder ob ich nicht zur Kirche ginge; sonntags vom Abendmahl zu nehmen war eine Verpflichtung, die ich bei meiner Taufe eingegangen war. Es ging nicht nur darum, gut genug zu sein, sondern darum, die Bündnisse, die ich mit Jesus Christus geschlossen hatte, zu erneuern: immer an ihn zu denken, seine Gebote zu halten und seinen Geist bei mir zu haben.

Taufe Bündnisse Mormone

Es ist mir wichtig, einen vollen Zehnten zu zahlen – Dankbarkeit für meine irdischen Segnungen, die ich nicht für selbstverständlich halten sollte, als Opfer darzubringen. Es genügt nicht, an das Evangelium zu glauben, sondern es muss im täglichen Leben angewendet werden. Für Gott spielt es eine Rolle, ob wir Mormonen sind, weil es ihm wichtig ist, dass wir diese chaotische Welt mit Glauben anführen. Außerdem braucht er unsere Werke, die wir für andere tun.

Jakobus 2: 14-17: „Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.”

Glaube ohne Werke ist tot. Bei mir war es so, dass mein Glaube dadurch geschrumpft war, dass ich nicht bereit war, Gutes zu tun. Glaube folgt auf Gehorsam – und ich weiß, was Gott von mir möchte.

Mormone Gehorsam

Vergangene Woche war ich dabei, als mein Bruder nach elf Monaten in Afghanistan nach Hause zurückkehrte.

Sein Opfer und das Opfer seiner Familie waren wahrlich eine Demonstration ihres Glaubens. Ich sah, wie meine Schwägerin einen Schritt zur Seite ging, als die Kinder in die Arme ihres Vaters liefen – beobachtend und schützend. Das war eine Frau, die das vergangene Jahr über die drei kleinen Kinder alleine zu unabhängigen, gehorsamen und gläubigen Wesen herangezogen hatte. Während ihr Mann Tausende Kilometer weit weg Gott diente, diente sie ihm zu Hause mit ihren guten Werken, Stärke und Würde. Während sich die Menschen überall gegeneinander zu wenden scheinen – Schießereien an Schulen, Korruption, hasserfüllte Berichterstattung der Medien, die dadurch noch Öl ins Feuer gießen – und trotzdem hatte ich hier ein leuchtendes Vorbild dafür vor mir, wie zwei gehorsame Kinder Gottes ein Licht in solch einer Welt sein konnten.

Er hörte nie auf zu dienen.

Ihr war es nie “egal”.

Ich habe die Liebe Gottes gesehen, seinen Segen gespürt. Wenn ich nur so viel wie mein Bruder und meine Schwägerin geben könnte, würde ich also auch seine Verheißungen spüren. Das Versprechen ewiger Glückseligkeit; ewige Familien; einen Platz an seiner Seite.

Es ging nie darum, ob es Gott wichtig ist, dass ich Mormone bin. Es ging darum, ob es mir wichtig ist.


Megan Ann Steyskal

Megan ist in den Dreißigern und lebt als alleinerziehende Mutter in Portland, Oregon. Sie arbeitet seit ca. 15 Jahren im Pharmabereich und schreibt in ihrer Freizeit für Erziehungs-Blogs und Romane. Mehr von ihr findet man unter The Accidental Librarian. Einen historischen Roman von ihr findet man unter The Max Effect.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 8.10.2016  auf mormonhub.com unter dem Titel „Does God Really Care if I’m Mormon?” veröffentlicht. Die Autorin ist Megan Ann Steyskal. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.