Der Weltraum – endlose Welten. Der Schauplatz für intergalaktische Kämpfe und außerirdische Feinde. Science-Fiction-Klassiker wie „Enders Game “, „Star Wars“ und „Star Trek“ versetzen uns in andere Welten, alternative Universen, wo Ewoks, Buggers und Klingonen leben. Aber bei der Science-Fiction geht es auch darum, was etwa passiert, wenn 2 Weltensysteme aufeinanderprallen. Unterschiedliche Welten, verschiedene Kulturen, andersartige Völker und/oder Spezies, die weder die gleiche Sprache sprechen noch den gleichen Glauben vertreten. Wir mögen niemals in unserem Leben einem außerirdischen Wesen begegnen, aber wir sind alle schon einmal auf eine andere Person getroffen, die von einem komplett anderen Planeten zu kommen schien. Möglicherweise waren wir es, die sich wie ein Alien gefühlt haben, der da überhaupt nicht hineinpasste oder da gar nicht hingehörte. Der Schriftsteller Orson Scott Card – vor allem wegen seiner Science-Fiction-Romane  und auch als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (manchmal  irrtümlicherweise  Mormonenkirche genannt) wohlbekannt – sagte:

„In gewisser Hinsicht wird man als Mormone darauf vorbereitet, sich mit Science Fiction zu befassen, lebt man doch gleichzeitig in zwei völlig verschiedenen Kulturen. Das Ergebnis ist, dass wir alle wissen, was es bedeutet, Fremder in der Fremde zu sein. Es kommt nicht von ungefähr, dass es so viele erfolgreiche Science-Fiction-Autoren bei den Mormonen gibt. Wir betrachten uns nicht als Aliens mit außerirdischer Erfahrung. Es bedeutet aber auch, dass wir nicht überrascht sind, wenn Leute nicht verstehen, worüber wir sprechen oder wie wir denken. Wir können leicht falsch interpretiert werden.”

Als Heiliger der Letzten Tage liebe ich diese Perspektive. Aber irgendwie, denke ich, trifft es auf jeden zu. Irgendwann im Leben werden wir uns wie ein Außerirdischer fühlen – zu einem anderen Zeitpunkt empfinden wir so, als sei uns als Erdling ein Alien begegnet. Aus meiner persönlichen Perspektive als Erdling und Heiliger der Letzten Tage sehe ich 5 universelle Wahrheiten, die wir aus Begegnungen mit Außerirdischen lernen können – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

 

1. Heben wir nicht zu früh ab und ziehen keine voreiligen Schlüsse

Während des Countdowns zu jedem Start kann die Rakete abheben, bevor der Countdown beendet ist. Das gibt jedermann Zeit, um sich vorzubereiten. Zu viele Missverständnisse und Streitigkeiten treten auf, weil irgendwer voreilige Schlüsse zieht oder nicht bis zum Ablauf des Countdowns abwarten kann. In „Enders Game “, wird eine außerirdische insektoide Spezies fast vollständig ausgelöscht – aufgrund eines Missverständnisses. Beide Seiten hörten nicht auf, um herauszufinden, was wirklich los war.

Keine voreiligen Schlüsse ziehen. Lehren aus Sci-Fi.

In unserem eigenen Leben steht selten das Schicksal einer ganzen Spezies auf dem Spiel – jedoch geschieht es bei unseren Beziehungen zu Familie, Freunden und Fremden. Elder Dallin H. Oaks, Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel, das zusammen mit der Ersten Präsidentschaft das Leitungsgremium der Kirche Jesu Christi bildet, sagt:

„Wir sollen, wenn möglich, davon Abstand nehmen zu urteilen, bis wir entsprechende Kenntnis der Tatsachen haben. … Jemand hat gesagt, dass man Käse nicht so fein schneiden kann, dass er nicht immer noch zwei Seiten hätte.”

Elder M. Russell Ballard, ein Apostel des Herrn Jesus Christus, hat gesagt:

„Wahrnehmungen und Annahmen können sehr gefährlich und unfair sein… Selbstverständlich sollen gute Nachbarn sich bemühen, einander zu verstehen und unabhängig von Religion, Nationalität, Rasse oder Kultur, freundlich zueinander sein.”

Elder M. Russell Ballard

2. Versetzen wir uns in die Lage Anderer

Wenn wir einmal aufgehört haben, voreilige Schlüsse zu ziehen, ist es hilfreich, sich in die Lage des anderen zu versetzen. Der Handlungsstrang für den Film „Chicken Little“ (Himmel und Huhn) ist ein großartiges Beispiel hierfür. Ein kleiner Außerirdischer wird versehentlich auf der Erde zurückgelassen und jeder der ihn sieht, flippt aus. Dann begreifen Chicken Little und seine Freunde, dass dieser kleine Kerl Angst hat. Er ist ein Fremder in einem fremden Land, wo nichts vertraut ist und niemand aussieht wie er. Versuchen jetzt die Aliens die Welt zu zerstören? Sie sind eben seine Eltern, die verzweifelt versuchen, ihr verirrtes Kind zu finden. Aber mal ehrlich, selbst die aufmerksamsten Eltern geraten in diesem Moment in Panik, wenn sie begreifen, dass ihr Kind, das gerade noch direkt neben ihnen war, mit einem Mal verschwunden ist. Selbst dann, wenn ihr Kind einfach nur im nächsten Gang ist, ist es immer noch beängstigend. Ich habe auch den erschreckten Blick in den Augen meines Sohns gesehen, als er mich nicht finden konnte und umhergeirrt war. Wenn wir zurücktreten und die Dinge aus der Perspektive des andern betrachten, stellen wir manchmal fest, dass Dinge in Wirklichkeit nicht so sind, wie sie uns erscheinen.

Dieser Einblick und das Verstehen führen zu Mitleid und Einfühlungsvermögen – und erreichen diejenigen, die um uns herum sind. Präsident Thomas S. Monson, der Präsident der Kirche Jesu Christi, hat gesagt:

„Es besteht wirklich Bedarf an der Art Nächstenliebe, die einen dazu bewegt, jemandem den sonst niemand bemerkt, Aufmerksamkeit zu schenken, dem Mutlosen Hoffnung einzuflößen und dem Bedrängten beizustehen. Wahre Nächstenliebe veranlasst uns zum Handeln. Nächstenliebe wird überall gebraucht.

Gebraucht wird die Art Nächstenliebe, die es einem unerträglich macht, sich am Unglück anderer zu weiden und es auch noch fröhlich weiterzuerzählen, es sei denn, dem Leidtragenden ist damit gedient. Der amerikanische Pädagoge und Politiker Horace Mann sagte einmal: „Leid zu bedauern ist menschlich, es zu lindern ist göttlich.“

Nächstenliebe bedeutet, dass man Geduld hat mit jemandem, der einen enttäuscht hat; sie bedeutet, dass man sich nicht leicht kränken lässt. Sie bedeutet, dass man Fehler und Schwächen akzeptiert. Sie bedeutet, dass man die Menschen so nimmt, wie sie sind. Sie bedeutet, dass man hinter die Fassade blickt und auf Eigenschaften achtet, die nicht mit der Zeit verblassen. Sie bedeutet, dass man dem Drang widersteht, andere in eine bestimmte Schublade zu stecken.”

Präsident Thomas S. Monson

 

Mitgefühl und Verständnis

Jesus Christus ist der Meister des Mitgefühls. Seine tiefe Empfindlichkeit für die Gefühle und Bedürfnisse der Menschen um ihn herum, half ihm dabei, diejenigen wahrzunehmen, die seine Hilfe am meisten benötigten.

 

3. Wahre Freundschaft kann Brücken zwischen Welten bauen

In manch einer Science-Fiction-Geschichte sehen außerirdische Geschöpfe und Menschen sehr verschieden aus. Manchmal handeln sie auch unterschiedlich. Interplanetarische Besucher sind wirklich Fremde in einem fremden Land. Aber bei all dem stellen wir eben doch fest, dass wir uns ähnlicher sind, als wir denken. „Star Wars“ ist zweifellos meine Lieblings-Sci-Fi-Serie – und ein Handlungsstrang illustriert das vollkommen: Luke Skywalker ist ein Jedi-Ritter – ein guter Kerl. Sein Erzfeind ist Darth  Vader – ein dunkler Sith. Luke hasst Darth Vader und macht sich auf den Weg, ihn zu zerstören, weil ihm gesagt wurde, dass der Sith-Lord seinen Vater tötete. Er konnte keine Ähnlichkeiten zwischen ihnen finden. Aber dann sprach Vader diesen berühmten Satz: „Luke, ich bin dein Vater”. Der Handlungsablauf gibt weit mehr her als das, aber die Analogie ist dieselbe: Sogar mit unseren meistgehassten Feinden haben wir mehr Gemeinsamkeiten, als wir denken. In den Adern von Luke und Vader fließt das gleiche Blut. Und deswegen weigerte sich Luke, ihn aufzugeben. Er setzte auf die Gemeinsamkeiten zwischen ihnen. Luke blickte auf das Gute in seinem Vater, obgleich er dessen schlechte Wege erkannt hatte. Natürlich ist dies ein extremes Beispiel, aber es ist es wert, darauf einzugehen: Manchmal leuchten unsere Unterschiede so grell, dass wir die Ähnlichkeiten nicht sehen können – und manchmal sind wir so sehr auf unsere Unterschiede fokussiert, dass wir unsere grellen Ähnlichkeiten nicht sehen können.

Der Erretter lehrt eben diese Lektion im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, nämlich, über unsere Unterschiede hinwegzusehen. Darin wird ein jüdischer Mann geschlagen, ausgeraubt und halb tot am Wegesrand liegen gelassen. Zwei jüdische Geistliche gehen an ihm vorüber, ohne ihm zu helfen. Ein Samariter aber hält an und hilft dem Verletzten. (Siehe Lukas 10:25-37.) Hierzu sagte Elder Ballard:

„Jedes Mal, wenn ich diese Parabel lese, bin ich von ihrer Kraft und Einfachheit beeindruckt. Aber haben Sie sich schon jemals gewundert, warum der Erretter gerade einen Samariter zum Helden dieser Geschichte gewählt hat? Unter normalen Umständen vermieden die beiden Parteien jeglichen Umgang miteinander. Seine bewusste Verwendung von Juden und Samaritern lehrt ganz klar, dass wir alle Nachbarn sind und dass wir einander lieben, achten, respektieren und trotz allergrößter Differenzen, seien sie religiöser, politischer oder kultureller Art, dienen sollen. Wenn wir aufrichtige Jünger des Herrn Jesus Christus sind, werden wir mit Liebe und Verständnis all unseren Nachbarn, zu jeder Zeit, besonders aber in Zeiten der Not, die Hand reichen.“

Elder M. Russell Ballard

Wahre Freundschaft gründet auf den Gemeinsamkeiten, die uns verbinden, nicht auf den Unterschiedenen, die wir alle haben mögen. Präsident Dieter F. Uchtdorf (Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft der Kirche Jesu Christi) hat ein Rezept für Familienerfolg, das gerade bei Freundschaften – intergalaktisch oder einfach zwischenmenschlich – anwendbar ist. Er hat gesagt:

„In der Beziehung zur Familie wird Liebe in Wirklichkeit so buchstabiert: Z-e-i-t, also Zeit. Sich Zeit füreinander zu nehmen ist der Schlüssel zur Harmonie in der Familie. Wir sprechen lieber miteinander als übereinander. Wir lernen voneinander und schätzen sowohl unsere Unterschiede als auch unsere Gemeinsamkeiten.”

Präsident Dieter F. Uchtdorf

4. Zusammenarbeit für das Gemeinwohl hält das Universum in Bewegung

Wenn es eine Sache gibt, die wir aus der Science Fiction und den fremdartigen Begegnungen lernen können, dann ist es dies: Eine Person kann den Unterschied machen, aber alle müssen zusammenarbeiten, um das Universum zu einem besseren Raum zu machen.  Ob es darum geht, einen Planeten vor der Zerstörung oder eine andere Spezies vor der Vernichtung zu schützen – wir müssen alle zusammenarbeiten, um es zu schaffen. Manchmal erfordert es, dass wir unsere tiefsten Differenzen beiseiteschieben. In „Star Trek: The Next Generation” („Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“) ist die Mannschaft der Enterprise intergalaktisch vielfältig besetzt – mit Menschen, Klingonen, Androiden und anderen Spezies, die zusammenarbeiten, um anderen zu helfen. Die Mannschaft muss zusammenarbeiten, um ihre Aufgaben zu erledigen – jedes Individuum spielt eine entscheidende Rolle bei der Durchführung der Aufgabe.

Elder Ballard bietet ein lebensnahes Beispiel dazu:

„Honigbienen haben den natürlichen Drang, Blüten zu bestäuben, Nektar zu sammeln und den Nektar zu Honig zu verdicken. Darin besteht ihr ganzes Streben, und diesen wunderbaren Instinkt haben sie in ihrem Erbgut von unserem Schöpfer mitbekommen.

Um gerade einmal 450 Gramm Honig hervorzubringen, müssen die durchschnittlich 20.000 bis 60.000 Bienen aus dem Bienenstock Schätzungen zufolge Millionen Blumen ansteuern und eine Strecke zurücklegen, die zwei Weltumrundungen entspricht. Während ihres kurzen Lebens von nur wenigen Wochen bis zu vier Monaten steuert eine einzelne Honigbiene zum Honig ihrer Kolonie lediglich einen zwölftel Teelöffel voll bei.

Dies scheint gemessen an der Gesamtmenge bedeutungslos zu sein, doch das von jeder Biene beigetragene Zwölftel eines Teelöffels ist entscheidend für das Überleben der Kolonie. Die Bienen sind voneinander abhängig. Die Arbeit, die einige wenige Bienen schlicht überfordern würde, wird leichter, weil alle Bienen gewissenhaft ihren Teil tun.”

Dasselbe trifft auf uns Menschen zu – wenn alle ihren Teil beitragen und zusammenarbeiten, können wir viel damit erreichen.

 

5 Lehren aus Star Wars

Honigbienen sind bemerkenswert in ihrem Pflichtbewusstsein und ihrer Organisation. Wir können unglaublich viel von ihnen lernen.

 

5. Aliens und Androiden können helfen, uns daran zu erinnern, was es bedeutet, Mensch zu sein

Data ist einer meiner Lieblingscharaktere in „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“. Er ist ein Androide, der sich, ähnlich wie Pinocchio, nichts sehnlicher wünscht, als ein „echter Junge“ zu sein. Er will eine menschliche Erfahrung haben – selbst wenn er nur aus elektronischen Teilen geschaffen ist. Die Dinge durch die Linse der Arglosigkeit Datas zu betrachten, lenkt unseren Blick auf unsere menschlichen Erfahrungen. Menschen lachen. Wir lieben. Wir weinen – aus Kummer, Traurigkeit, Freude oder Schmerz. Manchmal weinen wir „einfach so“. Wir werden böse oder sind frustriert. Wir haben eine ganze Palette an Gefühlen, und häufig sehen wir durch die Linse unserer Erfahrungen. Data kennt größtenteils keine solchen Emotionen und hat oft Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Als Data analytische  Beobachtungen anbietet, können wir beobachten, wie Menschen ihre Erfahrungen mittels ihrer Gefühlswelt filtern. Es hilft uns zu erkennen, dass wir ab und zu unsere emotionalen Filter ausschalten müssen. Und manchmal müssen wir sie einfach genießen. Die größte Lektion, die Data mich gelehrt hat, ist, mich meines Menschseins zu erfreuen.

Vergnüglich die ganze Bandbreite meiner Gefühle und Erfahrungen leben; denn ohne sie würde das Leben niemals so viel Spaß machen.

Wir können Glück in den einfachen Freuden des alltäglichen Lebens finden. Wir benötigen nicht die gesamte Palette menschlicher Gefühle, um ein reiches und sinnvolles Leben führen zu können … gleichgültig, auf welchem Planeten wir leben. Elder Richard G. Scott hat gesagt:

„Von den Kindern können wir lernen, wie man trotz größter Schwierigkeiten Freude finden kann. Kinder wissen noch nicht, wie man sich durch die Gedanken an all das, was man nicht hat, niederdrücken läßt. Sie freuen sich über das, was sie haben. Ich erinnere mich an einen kleinen Jungen, der am Bach spielte. Er hatte ein Stück Angelschnur an zwei leere Limonadendosen gebunden. Er warf eine über einen Ast und füllte sie mit Wasser. Dann zog er an der zweiten Dose und ließ sie dann los. Die volle Dose fiel hinunter und zog mit ihrem Gewicht die leere nach oben. Er lachte und hüpfte vor Vergnügen.”

Elder Richard G. Scott

 

Überall um uns herum gibt es einfache, verjüngende Erlebnisse

Es ist erstaunlich, was wir von außerirdischen Begegnungen lernen können, auch wenn es sich nur um Imaginäre handelt. Lektionen für das Leben finden wir überall um uns herum – wir müssen nur nach ihnen suchen.


Dieser Artikel wurde im Original von Lisa Montague geschrieben und auf der Seite mormonchurch.com veröffentlicht. Er wurde aus dem Englischen übersetzt von Klaus Dröge.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) erfahren möchten, besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten: lds.org oder mormon.org.