Habt ihr schon von Tyson Gunter gehört? Vielleicht nicht. Aber er ist schon jemand ganz Besonderes.

Tyson Gunter hat Albinismus. Die meisten Leute wissen wahrscheinlich nur, dass jemandem mit Albinismus Pigmente in der Haut, den Haaren und den Augen fehlen – etwas, das man sehen kann. Weil sich Melanin (das dunkle Pigment/ der Farbstoff, der in Haut und Haaren vorkommt) jedoch  normalerweise auch in der Netzhaut und in der Iris des Auges befindet und es dort einige wichtige Funktionen beim Sehvorgang hat, können Menschen mit Albinismus auch unter Sehbeeinträchtigungen leiden.

Gunters Sehkraft liegt bei 20/100 und 20/200 und sein peripheres Sehen ist stark eingeschränkt. Räumlich sieht er fast gar nicht. „Zum Vergleich: Es ist ungefähr so, wie wenn man falsch herum durch ein Fernglas schaut”, beschreibt Gunter. Trotz der Herausforderungen ist es Gunter gelungen, athletische Fähigkeiten zu entwickeln, von denen Menschen, die perfekt sehen, nur träumen können – und er hat sich sogar für die Paralympischen Spiele (Olympia) im September dieses Jahres in Rio qualifiziert.

Tyson Gunter ein blinder Mormone bei Olympia

In der High School war Gunter ein außergewöhnlich guter Leichtathlet, der jedes Jahr Medaillen gewann und unter die Landesbesten kam. Nachdem er eine Mission für die Kirche Jesu Christi in Washington erfüllt hatte, wurde er Teil des Leichtathletik-Teams der Idaho-State-Universität. Er war für sein Team ein großer Gewinn. Er kam bei der Meisterschaft der Big-Sky-Konferenz unter die ersten acht und bekam ein Stipendium.

Nach seinem Collegeabschluss stellten sich für Gunter auch auf internationaler Ebene Erfolge ein. Seitdem er bei paralympischen Wettbewerben antritt, hat er es immer ins paralympische Team geschafft. 2013 gewann er in Lyon bei den paralympischen Weltmeisterschaften die Silbermedaille im Hochsprung. Zwei Jahre darauf gewann er bei den Parapan Amerikanischen Spielen in Toronto die Silbermedaille im Weitsprung.

Zurzeit konzentriert sich Gunter auf die Spiele in Rio de Janeiro im September. Er hat sich dafür qualifiziert, obwohl sich ihm auf seinem sowieso bereits ungewöhnlichen Lebensweg ein weiteres Hindernis in den Weg stellte: Erst vor Kurzem entschied das Internationale Paralympische Komitee, Springwettbewerbe nicht mehr für Gunters Gruppe (T13 eingeschränkte Sicht) durchzuführen. Das bedeutete, dass Gunter, wollte er bei Olympia antreten, nicht als Spinger dorthin gelangen könnte. Er musste sich stattdessen als Sprinter qualifizieren – in einer Sportart, für die er deutlich weniger Übung und Leidenschaft hat.

„Was ich am meisten an Leichtathletik liebe, ist das Springen”, sagt Gunter. Weil sich die Regeln aber nun verändert haben, muss Gunter jetzt die 100- und 400-Meter-Läufe absolvieren. Letzteren beschreibt er als „einer der meistgehassten Wettbewerbe aller Sportarten”.

Tyson Gunter ein blinder Mormone bei den Olympischen Spielen

Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, auch darin außergewöhnlich gut zu werden. Er steigerte sich schnell und schafft es, den 400-Meter-Lauf in genau 50 Sekunden zu laufen. Sein erstes Ziel für 2016 hat er bereits erreicht: in die Mannschaft für die olympischen Spiele zu kommen. Sein nächstes Ziel ist es, unter die fünf Besten in Rio zu kommen.
Das ist nicht einfach, aber Gunter stellt sich der Herausforderung. Kraft und Inspiration kommen für ihn von vielen Quellen – die wichtigsten sind aber seine Familie und das Evangelium. Seine Frau, mit der er seit 4 Jahren verheiratet ist, ist oft bei Wettbewerben dabei – und er ist ein aktives Mitglied in seiner Mormonen-Gemeinde.

„Das Evangelium beeinflusst mein ganzes Leben”, sagt Gunter. „Ich glaube, darum geht es – das Evangelium zu leben – und nicht darum, einfach nur zur Kirche zu gehen… Natürlich bin ich nicht vollkommen, aber ich versuche, meine Entscheidungen mit dem Evangelium in Einklang zu bringen.”

Ein Evangeliumsgrundsatz, der Gunter viel Kraft gibt, ist das Gleichnis von den Talenten. Statt seine Talente zu vergraben, wandelt Gunter sie in Gelegenheiten um, andere zu inspirieren und zu stärken.

Stolzes Mitglied des Team USA. Tyson Gunter. Ein Mormone bei den Paralympics.Natürlich gibt es auch einige Vorteile: „Ich liebe es, zu reisen (wenn man mal davon absieht, dass ich von meiner Frau weg bin), in Hotels zu übernachten und Essen aus anderen Ländern zu probieren” sagt er und erinnert sich dann an einen seiner Sponsoren (Dick’s Sporting Goods) und fügt hinzu: „Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass mir die kostenlose Ausrüstung nicht auch ein klein wenig gefällt.”

Und wenn diese Phase in Gunters Leben vorbei ist, wird er bereit dazu sein, den nächsten Schritt zu gehen. Er hat vor, etwas in seinem Berufsfeld (business marketing) zu arbeiten und sein eigenes Geschäft aufzubauen. Außerdem möchte er gerne Leichtathletik auf College-Niveau unterrichten. Aber was auch immer als Nächstes kommen mag, nun konzentriert er sich erst einmal auf Rio.

Elder Gary E. Stevenson zeigt am Beispiel von Olympia-Teilnehmern auf, wie wir unser kurzes, aber doch so wichtiges Leben auf Erden gestalten sollten.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 6.5.16 auf ldsliving.com veröffentlicht. Der Autor ist Jake Healey. Übersetzt von Kristina Vogt.

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