Ryan Raddon ist seit 20 Jahren DJ. Als Kaskade steht an achter Stelle der höchst bezahlten DJs der Welt und ist 17 Millionen Dollar wert. Aber er ist nicht wie andere DJs.

„Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, welcher Wochentag heute ist!” sagt Kaskade adrenalingeladen. Es ist 4:30 Uhr morgens, am 5. Juli, und der gefeierte DJ hat gerade im Encore Resort XS Nightclub mit einem drei Stunden langen Set für Stimmung gesorgt. Der Club ist in Las Vegas und hat eine etwa 4000 Quadratmeter große Tanzfläche. Es ist eine Mischung aus Nachtclub und Pool- Party und ist von einem Überangebot an Pyrotechnik erleuchtet.
„Es laufen 10 Partys gleichzeitig ab,” sagt er mit einem jungenhaften Grinsen im Gesicht. „Der Maßstab hier ist wirklich der Wahnsinn. Heute Abend sind 5,000 Leute hier. Es ist eher wie ein Festival. Die Bude brennt. Wenn man das hier einen Nachtclub nennt, ist es für Nachtclubs beleidigend.”
Wenn man Kaskade bei der Arbeit beobachtet, sieht er aus wie ein kleines Kind im Bonbonladen. Er lächelt über beide Wangen; wenn er nur den Arm anhebt, sendet er eine Schockwelle durch die Menge und stiftet Konfettibomben an, die von wilden Tanzausbrüchen begleitet werden. Es ist beinahe schockierend, wenn man herausfindet, dass dieser frisch aussehende, lebhafte Mann, der der am achthöchsten bezahlte DJ auf der Welt ist und 2014 auf 17 Millionen Dollar geschätzt wurde – und keinen Tag über 30 Jahre alt aussieht – ein 44-jähriger, verheirateter Familienvater von drei Töchtern ist.

Kaskade bei den Grammys
„Ich bin seit 24 Stunden wach, weil ich mit den Kindern in einer anderen Zeitzone zusammen aufgestanden bin; und die wachen natürlich im Morgengrauen auf”, sagt er in sich hineinlachend. Kaskade (Name: Ryan Raddon) teilt sich seine Zeit in seinem Heim in Los Angeles und unterwegs als DJ ein. Hin und wieder begleiten seine Frau und Kinder ihn, wenn er auf Tour ist, aber er sagt: „Meistens ist der Zeitplan zu verrückt.”
Tatsächlich klingt sein Tagesablauf sehr erschöpfend. „Ich bin eine Stunde vor der Show gelandet, zwischendurch nehme ich eine Schlaf- und Essenspause und dann habe ich eine weitere Show in Vegas. Dann fliege ich weiter nach Europa und spiele 10 Shows in neun Tagen. Die Kinder könnten das nicht bewältigen!”
Er lacht aus vollem Herzen und sagt: „Ich habe zwei Einstellungen: ‚Nachtclub- Typ’ und ‚Papa’. Ich balanciere diese Dinge und es funktioniert. Ich denke, dass es eine Frage der Prioritäten ist.”
Während die meisten seiner DJ-Genossen sich von Tequila-Shots, Groupies und Amphetaminen ernähren, ist Kaskade ein geradliniger Mormone, der nicht an den Dingen teilnimmt, die den Helden des Nachtlebens angeboten werden.
„Ich feiere überhaupt nicht!”, sagt er. „Ich trinke keinen Alkohol, ich rauche nicht. Ich bin wahrscheinlich ein Freak in meiner Branche, weil ich total anders bin als was man erwartet. Weißt du, du kannst nicht alle elektronischen Musiker oder DJs oder wie auch immer du uns nennst, in eine Schublade stecken. Viele dieser Typen leben nachts und feiern, aber ich bin verheiratet und habe drei Kinder. Ich habe ein Leben neben meinem Beruf.”

“Du kannst nicht alle elektronischen Musiker oder DJs […] in eine Schublade stecken.”

– Kaskade

Kaskade ist in Northbrook aufgewachsen, einem Dorf in Chicago. Es war früher als Shermville bekannt und diente als fiktive Stadt in vielen von John Hughes‛ Teenie-Filmen. Er ist in der Heimat der House-Musik aufgewachsen und war schon in sehr jungen Jahren daran interessiert. Er ging zum Jugend-Tanz-Club Medusa’s und kaufte Platten bei Gramaphone Records, was wohl der erste Plattenladen spezifisch für House-Musik auf der Welt war.
„Die Scene war aus vielen Gründen attraktiv für mich, aber es ging immer um die Musik”, sagt er. „In Chicago gab es viele periphere Dinge, die sich rund um die Teenie-House-Musik-Scene ereigneten. Die Leute, die diese Musik hörten, hatten eine zukunftsorientierte, fortschrittliche Denkweise. Die Tatsache, dass ich nicht mitfeierte, war ihnen egal. Es waren Freaks, Geeks und komische Leute. Es waren keine Menschen, die mich dafür verurteilt hätten, dass ich anders war. Also war die Tatsache, dass ich mit Freaks und Drogenabhängigen abhing, als kleiner Straight-Edge-Junge, kein Problem für irgendwen. Es war dieser coole Mischmasch. Wir waren am Rande.”

Kaskade in Action
Kaskade besuchte die Brigham-Young-Universität, wo er an seinen DJ-Fähigkeiten in seinem Zimmer arbeitete und gelegentlich bei einer Party spielte. Er ging für zwei Jahre auf Mormonen-Mission nach Japan. Als er zurückkam, zog er nach New York und arbeitete dort als Japanisch sprechender Reiseführer. „Ich brauchte Geld, also nahm ich diesen Job an für Teiko-Kanko, ein Reiseunternehmen”, sagt er lachend. „Normalerweise war ich in einem dieser 17-Mitfahrer-Busse, mit einem Mikrophon, und fuhr gleichzeitig den Bus. Das Unternehmen war zu geizig, um einen Fahrer UND einen Reiseführer zu bezahlen.”
Später ging er zur University of Utah, wo er seine Frau Naomi kennenlernte. 1995 begann er sein erstes DJing auf einer wöchentlichen Party. Mit dem Geld, das er dort einspielte – und in seinem eigenen Plattenladen in Salt Lake City – kaufte er Studio-Equipment. Naomi überredete ihn dazu, nach San Francisco zu ziehen. 2000 bekam er einen Job als A&R-Assistent bei dem elektronischen Musiklabel Om Records. Kurz darauf nahm er seinen Künstlernamen Kaskade an – benannt nach einem Bild von einem Wasserfall – und veröffentlichte 2001 seine erste Single „What I Say”.
Kaskade kletterte langsam den Rang hoch zum Erfolg, 2008 veröffentlichte er sein fünftes Album „Strobelite Seduction”. Seine Single „Move for Me” war der Nummer-1-Hit der Billboard Dance Charts.
Vor Kurzem veröffentlichte Kaskade einen Remix von „Where Are U Now” mit dem Stimmtalent Justin Bieber. „Ich habe schon immer Popmusik gemixt, ich sehe es als eine interessante Herausforderung – ich mache es passend”, sagt er. „Ich mag den Song. Für mich handelt er von Glauben – und von einer Person, die glaubt. Ich fühlte mich zu dem Song hingezogen und fand, dass Bieber ihn toll singt. Als Diplo und Skrillex zu mir kamen um den Song zu remixen, war die Antwort eindeutig Ja. Ein paar Leute sagten zu mir ‚Justin Bieber? Meinst du das ernst?’ Und ich dachte nur: Willkommen in der Welt der elektronischen Musik. Das ist unser Job.”
„Es ist hart – Familie, im Studio, auf Tour”, sagt er. „Ich teile mir meine Zeit gut ein. Früher sagte ich zu allem Ja und machte DJ für einen Cheeseburger, heute durchdenke ich Dinge. Ich will meinen Fans alles bieten, aber manche Dinge muss ich auch für mich behalten.” Er macht eine Pause und grinst: „Damit ich sicherstelle, dass ich nächste Woche noch lebe.”


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 26. Juli 2015 auf www.thedailybeast.com veröffentlicht. Der Autor ist Marlow Stern. Übersetzt von Maren Leit.

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