Der folgende Artikel wurde zuerst auf Public Square Magazine veröffentlicht.

Dr. Satterfield ist ein Arzt und Wissenschaftler an der Mayo-Klinik in Rochester, Minnesota. Er wurde als Internist und Spezialist für molekulare Virologie mit dem Schwerpunkt auf neuartige Infektionskrankheiten ausgebildet.

Dr. Lybbert ist lizenzierte Familienmedizinerin mit Geriatrie-Abschluss. Sie arbeitet in der Intermountain Utah Valley Senior Medicine Clinic. Zuvor arbeitete sie in Einrichtungen für betreutes Wohnen, VA-Kliniken, in einer geriatrischen Notaufnahme und in einem Hospiz. 

Die im Text wiedergegebenen Meinungen sind die der Autoren.

Die mit der COVID-19-Pandemie einhergehende Angst ist ebenso schockierend wie verständlich. Mithilfe unserer Expertise und Erfahrung im Umgang mit Infektionskrankheiten und in der Geriatrie wollen wir fünf Ratschläge mit Ihnen teilen, die diejenigen ermuntern können, die von den täglich neuen Nachrichten verängstigt sind. Jeder dieser Ratschläge ist wissenschaftlich validiert und in klinischer Praxis erprobt und soll zu einer größeren Zuversicht und Hoffnung in der Öffentlichkeit beitragen.

1. Geben Sie sich nicht der Hilflosigkeit hin.

Auf diesem Bild sieht man zwei Hände, die mit Seife gewaschen werden.

Schwere Situationen können noch schwerer zu ertragen sein, wenn wir das Gefühl haben, wir könnten nichts zu unserem Schutz tun oder nichts zu der Änderung der Lage beitragen. Studien zeigen, dass Individuen, die sich passiv, hilflos und ausweglos fühlen, statistisch häufiger mit Hoffnungslosigkeit und Angstzuständen kämpfen. Die Vorstellung, wir seien im Angesicht dieses Virus hilflos, stimmt jedoch einfach nicht. Es gibt eine Vielzahl von Dingen, die jede Person und jede Familie tun kann (zusätzlich zu wichtigen Grundlagen wie regelmäßiges Händewaschen und sozialer Distanzierung).

2. Vermeiden Sie Stress.

Zu sehen ist eine weinende Frau, die verzweifelt scheint. Stress ist einer der Hauptfaktoren für das Gefühl der Hilflosigkeit.

Es ist weitläufig bekannt, dass Stress das Immunsystem schwächt – besonders chronischer Stress. Ironischerweise führen einige Beiträge über das Coronavirus in den Medien (besonders solche, die einen Zustand andauernder Panik auslösen) versehentlich dazu, dass Menschen anfälliger für Infektionskrankheiten werden.

Die gute Nachricht ist, dass wir es nicht dazu kommen lassen müssen – besonders, wenn wir uns darüber bewusst sind, wie chronischer Stress zu einer Anfälligkeit für Krankheiten führt. Mit diesem Wissen kann ein jeder von uns Schritte einleiten, die den Stresslevel in unserem Leben senken. Obwohl es stimmt, dass wir uns normalerweise den Stresslevel, dem wir ausgesetzt sind, nicht aussuchen können, haben wir doch die Kontrolle über unsere Reaktion auf diesen Stress. Aktivitäten, die dabei helfen, die Gedanken und den Körper zu beruhigen (Meditation, Yoga, Gebet und Lesen) und andere Entspannungsübungen können unsere Reaktion auf Stresssituationen gezielt trainieren – mit achtsamer Unterstützung, die nur eine App entfernt ist! (Siehe hier und hier)

Wenn wir schon einmal beim Thema Stress sind: Es ist wichtig, Gruppenpanik zu vermeiden. Seid vorsichtig im Umgang mit den sozialen Medien. Sie können während der sich rapide verändernden Bedingungen des Ausbruchs eine große Hilfe bei der Informationsgewinnung sein. Aber sie können auch zu der Verbreitung falscher Informationen, Ängste und unnötigen Stresses führen – je nachdem, wie sie verwendet werden.

Zusammen mit den klassischen Beruhigungstaktiken kann zusätzliche Vorbereitung wahre Wunder bei der Reduzierung von Stress wirken.

3. Reduzieren Sie andere Immunschwächer.

Ob man es glaubt oder nicht, auch genügend Schlaf kann Hilflosigkeit vorbeugen. Darum sieht man auf diesem Bild ein schlafendes Kind.

Stress ist nicht das Einzige, das unser Immunsystem schwächt. Viele verschiedene Aspekte unserer Lebensweise – angefangen mit einer schlechten Ernährung und körperlicher Inaktivität über unzureichenden Schlaf bis hin zu sozialer Isolation schwächen unser Immunsystem. Einem Gutachten aus dem Jahre 2014 zufolge kann eine Ernährung, die viele gesättigte Fette, Salz und Zucker beinhaltet (was einen Großteil der westlichen Ernährung ausmacht), eine negative Auswirkung auf das Immunsystem haben. Also kann etwas so Simples wie die Reduzierung des Konsums von Limonaden, verarbeiteten Lebensmitteln, kurzkettigen Kohlenhydraten und allem, was einen hohen Zuckeranteil aufweist, uns stärken. Dr. Samer Blackmon formuliert es so:

„Ob Sie es glauben oder nicht – was Sie in Ihren Mund stecken, dient als Baustein für ein starkes Immunsystem […]. Das nächste Mal, wenn Sie daran denken zum Fast Food zu greifen, denken Sie daran, dass Sie nicht nur ihrem Gewicht etwas Schlechtes tun, sondern unter anderem auch Ihrer Resistenz gegen Bakterien, Viren und Parasiten.”

Studien belegen, dass schlaflose Nächte ebenfalls unsere Abwehrkräfte verringern können und es daher wahrscheinlicher machen, sich mit einem Virus anzustecken (und es noch erschweren, einen solchen zu bekämpfen, wenn man ihn dann hat). Ein an der University of California, San Francisco, durchgeführtes Experiment zeichnete den Schlaf von gesunden Erwachsenen für eine Woche mithilfe eines Armbanduhr ähnlichen Gerätes auf. Die Versuchspersonen wurden dann in einem Labor isoliert. Es wurde ihnen eine aktive Kultur eines Erkältungsvirus in die Nase gesprüht (ja, sie haben dem zugestimmt!). Sie befanden sich dann für eine weitere Woche in dem Labor und wurden überwacht, um kontrollieren zu können, ob sie sich erkälteten. Bemerkenswerterweise gab es eine „klare, lineare Relation” zwischen der Infektionsrate und der Menge an Schlaf in der vorigen Woche. In der Gruppe mit fünf oder weniger Stunden Schlaf pro Nacht in der Woche vor der Aussetzung mit dem Virus, lag die Infektionsrate bei fast 50 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Gruppe mit sieben oder mehr Stunden pro Nacht lag die Infektionsrate bei nur 18 Prozent.

Achten Sie also auf ausreichend Schlaf! (Ja, das ist die Anweisung eines Arztes – zweier Ärzte, um genau zu sein.) Oh, und nebenbei bemerkt: Falls (und wenn) ein Impfstoff für das Coronavirus erhältlich sein wird, wird die Reaktion Ihres Immunsystems kräftiger auf diese Impfung ausfallen, wenn Sie mehr geschlafen haben – das heißt, sie werden mehr Antikörper für das Virus bilden und das echte besser bekämpfen können, wenn Sie diesem begegnen. Eine weitere Studie aus dem Jahre 2002 zeigte, dass solche Menschen mit sieben bis neun Stunden Schlaf vor einer Grippeimpfung eine kräftige Immunreaktion produziert haben, wohingegen solche mit vier bis sechs Stunden eine weniger als halb so starke Immunreaktion als die andere Gruppe hatten.

Nicht nur all diese klassischen Gesundheitsindikatoren (wie Schlaf, Ernährung, Sport und Stress) haben einen Effekt auf unsere körperliche Widerstandsfähigkeit. Einer im Jahre 2014 im Journal of Neuroimmunology veröffentlichten Studie zufolge führt ein zunehmendes Unbehagen, das auf Einsamkeit zurückgeht, ebenfalls zu einer weiteren Schwächung des Immunsystems. Das macht die jetzigen Umstände zu einer besonders guten Zeit, um unsere sozialen Kontakte zu stärken und uns mit unseren Liebsten wieder in Verbindung zu setzen – über das Telefon, E-Mail, Videoanrufe etc.

4. Priorisieren Sie Immunstärker.

Hier sind verschiedene Gemüsesorten in einem Korb zu sehen, da Vitamine unsere Abwehrkräfte stärken und so ebenfalls eine Hilfe gegen Hilflosigkeit darstellen.

Sich von Immunschwächern zu distanzieren, ist bereits großartig – aber wie können wir unseren Körper aktiv stärken? Es gibt auch hier eine Anzahl von probaten Mitteln, die die Funktionalität unseres Immunsystems graduell stärken. Anstatt bloß ,schlechte’ Lebensmittel zu meiden, können wir zum Beispiel unsere Ernährung durch mehr Früchte und Gemüse bereichern. Dr. Samer Blackmon resümiert:

„Eine ausgewogene Ernährung, die einen hohen Anteil von frischem, farbenreichen Gemüse und Früchten enthält, wird Ihren Körper mit den Vitaminen und Mineralien versorgen, die er benötigt, um Krankheiten abzuwehren.”

Das Hinzufügen von immunstärkenden Lebensmitteln wie Spinat, Kurkuma, Mandeln, Brokkoli, Knoblauch und Peperoni in die Ernährung kann ebenfalls einen Unterschied machen.

Allgemein gilt: Je mehr fettarmes Protein, gesunde Öle, frische Früchte und frisches Gemüse unsere Ernährung beinhaltet (wie das beispielsweise in der mediterranen Küche der Fall ist), desto mehr hilft unsere Nahrung bei der Verringerung von Entzündungen und Krankheiten in unserem Körper (siehe auch diese Studie).

Eine Untersuchung aus dem Jahre 2014 ist eine von vielen, die behauptet, regelmäßige, moderate körperliche Aktivität mache einen Menschen weniger empfindlich für Viren. Aerobic kann ein besonders wertvoller Weg zur Förderung des Immunsystems sein. Die natürlichen Endorphine, die dabei ausgeschüttet werden, helfen nicht nur bei der Wahrung psychischer Gesundheit in stressigen Zeiten, der Sport kann auch bei der Reinigung Ihrer Lungen helfen und die Chance verringern, sich mit einer durch die Luft übertragenen Krankheit zu infizieren – so die U.S. National Library of Medicine. Die Bewegung lässt zudem weiße Blutkörperchen schneller zirkulieren, was Ihrem Immunsystem erlaubt, Krankheiten schneller zu entdecken.

Versuchen Sie, Ihren Sport so weit wie möglich draußen bei dem schönen Frühlingswetter zu treiben. Das Vitamin D der Sonne ist ein bekannter Ladepunkt für das Immunsystem. Und ein paar Sonnenstrahlen aufzusaugen, ist der natürlichste und effizienteste Weg, den Ladeprozess zu beginnen.

Und vergessen Sie nicht die emotionalen und sozialen Wege, ihre Immunität zu stärken. Anstatt lediglich Stress zu vermeiden, können wir aktiv nach stärkenden und ermutigenden Nachrichten in der Fachliteratur, Musik und in geistigen Gewohnheiten suchen. Selbst ein wenig mehr zu lachen kann unserem Immunsystem einen absurd einfachen Schub bringen. Und während die soziale Distanz zu jenen, die krank sind, essentiell sein kann, kann eine Wiederaufnahme und Erhöhung von positiven Beziehungen unsere körperliche Gesundheit unterstützen. Eine 2015 in Psychological Science veröffentlichte Studie fand heraus, dass selbst eine einfache Umarmung einen Stress reduzierenden Effekt haben kann und die Anfälligkeit für Krankheiten verringert.

5. Unterstützen Sie besonders die Schwächsten.

Zu sehen ist eine ältere Frau, die einen Telefonhörer in der Hand hält.

Unabhängig von den individuellen Umständen ist jetzt die Zeit, Mitgefühl für die Opfer dieses problematischen Virus und ihre Familien zu zeigen. Während Sie das tun, ist es notwendig, sich etwas Wichtiges klar zu machen: Viren verursachen in der Regel schwerere Symptome in schwächeren Immunsystemen. Wir haben einige der verbreitetsten Faktoren, die das Immunsystem schwächen können, erwähnt. Das Immunsystem verliert mit zunehmendem Alter an Stärke, was auch der Grund dafür ist, dass meist ältere Menschen diesem neuartigen Coronavirus erliegen (gemeinsam mit denen, die an chronischen Krankheiten oder Übergewicht leiden). Das sollte man im Hinterkopf behalten, denn eine Infektion mit dem Virus ist nicht immer gleich fatal.

Das sollte uns zudem anspornen, der Schwächsten in unserer Gesellschaft zu gedenken und alles mögliche zu tun, um sie zu beschützen und zu unterstützen. Es ist besonders wichtig, sich um die älteren Familienmitglieder zu sorgen – indem man sie sowohl dazu ermuntert, große Menschengruppen zu meiden als auch darauf achtet, dass sie genug Unterstützung und Beistand erhalten (selbst wenn das nur durch virtuelle ,Besuche’ über Skype, Facetime, Duo etc. möglich ist).

Auf diese Krise zu reagieren, indem man sich um die Gefährdetsten kümmert, anstatt von Angst geleitet zu werden, kann dazu beitragen, Hilflosigkeit zu reduzieren und Gefühle der Beunruhigung und Verzweiflung in Schach zu halten.

Ja, die Gefahr ist real. Aber anstatt sich den stündlichen Neuigkeiten über die fremde Bedrohung anheim zu geben, lasst uns diese Zeit (und Bedrohung) als Gelegenheit nutzen, Veränderungen in unserem eigenen Leben und in unseren Familiengewohnheiten vorzunehmen, die uns alle beschützen können.

Es gibt viel, was wir tun können. Und so wichtig das Händewaschen und soziale Distanzierung auch sind, können wir nur erahnen, welche Auswirkungen es für unser aller Gesundheit haben würde, wenn diese zusätzlichen Mittel zur Stärkung unseres Immunsystems ebenfalls in den Fokus rücken würden.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 16.03.2020 auf latterdaysaintmag.com unter dem Titel „Coronavirus: Two Doctors’ Tips for Combating Helplessness” veröffentlicht. Die Autoren sind Benjamin Sutterfield und Angel Lybbert. Übersetzt von Urs Wrenger.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: kommzuchristus.org und kirche-jesu-christi.org.

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