An einem sommerlichen Nachmittag, nach einer wunderbaren Jugendfahrt, sprach mich ein junger Mann an und fragte: „Was kann ich tun, damit man mich mag?” Seine mit Tränen gefüllten Augen waren der Beweis dafür, dass er sich oft einsam fühlte und keine Freunde hatte. Ich habe viel über diese Frage nachgedacht, nicht nur seinetwegen, sondern vieler junger Menschen wegen, denen es schwerfällt, sich zugehörig zu fühlen.

Nicht jeder von uns kann die Homecoming Queen (das beliebteste Mädchen in der Schule), der Klassensprecher oder der Star seiner Sportmannschaft sein. Diese Rollen ziehen scheinbar immer massenhaft Freunde an. Die Gesellschaft verherrlicht diese sozialen Positionen, und der Rest von uns, aus der Sichtweise der Welt, fällt in die Kategorie „Durchschnitt”. Wenn du diesen Artikel allerdings liest, hast du bereits gezeigt, dass du alles andere als durchschnittlich bist.

Eine der Lektionen im Leben ist, dass es Dinge gibt, die du kontrollieren und Dinge, die du nicht kontrollieren kannst. Wenn du ein Rezept brauchst, wie man sich frustriert und elend fühlt, ist es das: Konzentriere dich auf das, was du nicht kontrollieren kannst. Hier sind drei Dinge, die du tun kannst, sogar dann, wenn du keinen Freund in Aussicht hast: Du kannst neugierig, rein und christusähnlich sein.

Du kannst neugierig sein

Der beste Rat, wenn man keine Freunde hat: sei ein Freund.

Unsere Welt versinkt in einem Meer von Eigensucht. Du kannst dich selbst einzigartig machen, indem du neugierig und interessiert an anderen Leuten bist. Manche wohlmeinende Jugendlichen setzen ihre Chancen auf eine erfolgreiche Freundschaft aufs Spiel, indem sie zu viel über ihre eigenen Interessen und Aktivitäten sprechen. Vielleicht benehmen sie sich sogar unausstehlich und sind laut, mit der Absicht, andere davon zu überzeugen, dass sie glücklich mit sich selbst sind. Normalerweise ist das Gegenteil der Fall. Es erinnert mich an einen Vers in den Sprichwörtern: „Ein Tor lässt seiner Erregung freien Lauf, aber ein Weiser hält sie zurück.” (Sprichwörter 29:11)

Sei stattdessen entspannt und leise. Sei ein Zuhörer. Stelle Fragen. Zeig Interesse an anderen und andere werden Interesse an dir zeigen. Jemand sagte einmal: „Ein guter Zuhörer ist nicht nur überall beliebt, nach einer Weile weiß er auch etwas.”

Neugierige verbringen viel Zeit mit Beobachten. Beobachte die Leute in der Schule, die du am meisten respektierst. (Nicht die, die am beliebtesten sind, sondern die, die am meisten respektiert werden.) Was machen sie? Wie kümmern sie sich um sich selbst? Wie behandeln sie andere? Vielleicht kannst du versuchen, ein paar ihrer Eigenschaften anzunehmen. Wenn du das tust, wirst du irgendwann diese Art von Menschen anziehen. Denke daran, dass das Ziel nicht nur ist, mehr Freunde zu haben, sondern Freunde mit guten Wertvorstellungen. Elder Robert D. Hales sagte einmal: „Ein wahrer Freund macht es leichter nach dem Evangelium zu leben, wenn wir in seiner Gegenwart sind.” Halte Ausschau nach Freunden, die dir helfen besser zu sein und sei selbst diese Art von Freund.

Du kannst rein sein

Im Zusammenhang mit dem Evangelium gebrauchen wir das Wort rein oft, um geistige Reinheit zu beschreiben. In diesem Fall meine ich auch körperliche Reinheit damit. In meiner Schulzeit gab es einen jungen Mann, dem viele gemeine Sprüche erspart geblieben wären, wenn er sich einfach regelmäßig die Haare gewaschen hätte. Das hätte er leicht kontrollieren können! Aber er tat es nicht. Die meisten von uns können duschen und grundlegende Hygieneregeln einhalten, indem wir Deodorant benutzen, die Zähne putzen und uns die Haare kämmen. Wir können unsere Kleidung sauber und frisch halten. Man sollte sich immer bemühen, rein zu sein.

Reinlichkeit kommt gleich hinter Göttlichkeit.

Präsident Spencer W. Kimball hat uns Folgendes geraten:

„Nimm eine Inventur deiner Gewohnheiten, der Art wie du sprichst, deines Erscheinungsbilds, deines Gewichts…und deiner Verschrobenheit vor. …Sieh dir jede Eigenschaft einzeln an und analysiere sie. Was magst du an anderen? Welche Charaktereigenschaften gefallen dir an anderen? Sind deine Kleider zu lang, zu kurz, zu freizügig, zu altmodisch? Verjagt dein Gewicht mögliche Verehrer? Lachst du dröhnend? Bist du egoistisch? Bist du ausschließlich an deinen eigenen Interessen interessiert oder projizierst du dich in das Leben anderer? …Was tust du, um dich begehrenswert zu machen? Ist es zu viel oder zu wenig? Schminkst du dich zu auffällig oder gar nicht? Was sind deine Verschrobenheiten? Hast du welche? Ich denke, dass beinahe alle Leute welche haben. Wenn ja, dann mach dich an die Arbeit. Klassifiziere sie, leg sie auf die Waage, zäune sie ein und eliminiere eine nach der anderen.” (Die Lehren von Spencer W. Kimball, 295)

In der Fahrschule werden die Schüler ständig vor „toten Winkeln” gewarnt – Winkel, in denen z.B. andere Autos sind, die man nicht sehen kann, auch nicht durch die Rückspiegel! Vielleicht ist es eine gute Idee, einen Erwachsenen, dem wir vertrauen, zu fragen, welche unsere persönlichen „toten Winkel” sind. Das können deine Eltern sein, dein Bischof, einer aus deiner Junge-Männer- oder Junge-Damen-Präsidentschaft. Frag einfach: „Wenn dir jemals auffällt, dass ich etwas tue, was es schwerer für mich macht Freundschaften zu schließen, kannst du mir das bitte sagen?” Vielleicht brauchst du dazu etwas Demut, aber es kann dir dabei helfen Dinge zu sehen, die du besser machen kannst. Ich weiß die Leute sehr zu schätzen, die mich so sehr lieben, dass sie ehrlich in Bezug auf meine Fehler sind. Mit Güte und Sensibilität lassen sie mich wissen, wie ich an meinen Fehlern arbeiten kann, um ein besserer Mensch zu werden.

Du kannst christusähnlich sein

Egal wie andere dich behandeln, du kannst anderen immer mit Freundlichkeit und Würde begegnen (siehe Für eine starke Jugend). Natürlich solltest du nie deine Maßstäbe herabsetzen, um Freundschaften zu schließen oder um von einer Gruppe akzeptiert zu werden. Das führt sonst dazu, den Respekt vor dir selbst und anderen zu verlieren. Wenn es sein muss, sei eine Zeit lang allein, aber strebe danach, wie Christus zu sein. Erinnere dich an die Worte Henochs, nachdem der Herr ihn zum Propheten berufen hatte:

Wieso habe ich Gunst gefunden in deinen Augen und bin doch nur ein Knabe und alles Volk haßt mich; denn meine Sprache ist unbeholfen; warum also bin ich dein Knecht?” (Mose 6:31)

Anderen dienen

Egal wo und wer wir sind: Wir können immer an unserer Fähigkeit arbeiten, anderen Gutes zu tun.

Henoch war würdig, um Prophet zu sein, obwohl er von den Leuten nicht akzeptiert wurde. Wenn Freunde zu gewinnen bedeutet, deine Maßstäbe zu vergessen, ist das definitiv nicht was du willst. Schwester Ardeth Kapp sagte: „Niemals zuvor in der Geschichte der Kirche war der Bedarf an jungen Damen so hoch, die bereit sind, wenn es nötig ist, ihre Beliebtheit zu opfern, Einsamkeit zu ertragen, abgelehnt zu werden, um das Evangelium Jesu Christi zu verteidigen.” (Ensign, Nov. 1988, 94)

Christus ähnlich zu sein hat den garantierten Vorteil, den wichtigsten Freund von allen an deiner Seite zu haben: den Erretter. Er weiß wie es ist, missverstanden zu werden, einsam zu sein und abgewiesen zu werden. Und das bedeutet, dass er weiß wie er uns helfen kann, wenn wir uns so fühlen. Alma sagt uns, dass Jesus „Schmerzen und Bedrängnisse und Versuchungen jeder Art” erlitt, damit er weiß, wie er uns in unseren Schwächen helfen kann (siehe Alma 7:11-12). Präsident Ezra Taft Benson gab uns eine Liste mit Vorteilen, die wir haben, wenn wir unser Leben Gott zuwenden (achte auf die neunte Aufzählung):

„Männer und Frauen, die ihr Leben Gott widmen, entdecken, dass er viel mehr aus ihrem Leben macht als sie es können. Er vertieft ihre Freuden, erweitert ihre Sicht, erleuchtet ihren Verstand, stärkt ihre Muskeln, erbaut ihren Geist, vervielfacht ihre Segnungen, steigert ihre Möglichkeiten, tröstet ihre Seelen, stellt ihnen Freunde bereit und schüttet seinen Frieden über sie aus. Wer sein Leben im Dienst Gottes verliert, wird ewiges Leben finden (siehe Matthäus 10:39).”

Jesus war die selbstloseste Person, die jemals auf der Erde lebte. Und wenn wir wie er werden wollen, müssen wir diese Eigenschaft annehmen. Wenn du daran gearbeitet hast neugierig, rein und christusähnlich zu sein, dann vergiss dich selbst und denke an andere und was sie brauchen. Irgendwo da draußen wirst du dich selbst finden – und bestimmt auch ein paar Freunde.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und im Juni 1998 auf www.lds.org veröffentlicht. Der Autor ist John Bytheway. Übersetzt von Maren Leit.

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