Seit einigen Jahren bemühe ich mich nun schon darum, Menschen via Internet über das Evangelium zu erzählen. Ich hätte mir nie erträumen können, was die Leute deswegen alles zu mir sagen. Wisst ihr, ich bin irgendwo in Kalifornien aufgewachsen, wo es nicht gerade unheimlich viele Mormonen gab. Die meisten meiner Freunde waren keine Mitglieder der Kirche – und es hat sich immer wieder jemand über mich lustig gemacht. Aber ich wurde nie angefeindet. Es waren einfach Freunde, die ihren Mormonenfreund, der mit 20:1 in Unterzahl war, wie…nun ja, Freunde eben…behandelten. Und das war schon in Ordnung.

Habe ich Vorteile dadurch, dass ich Mormone bin?

Ich bin ein ganz normaler Mensch, der im Leben einfach das Richtige tun möchte. Ich versuche immer und aufrichtig dazuzulernen, mich weiter zu informieren und Fortschritt zu machen. Ich verschließe nicht bewusst meine Augen  vor der Wahrheit und lebe deswegen eine Lüge, weil ich nichts Besseres zu tun habe. Ich habe nicht im Geringsten vor, mein Leben in einer Lüge zu leben oder mein Leben damit zu verbringen, einem Schwindel aufzusitzen. Ich hätte kein Interesse daran, morgens um 4:30 Uhr aufzustehen, um eine Seminarklasse zu unterrichten oder am frühen Morgen eine Schicht im Tempel zu übernehmen, wenn alles an der Wiederherstellung nur erfunden wäre. Ich habe kein Interesse daran, 10% meines Einkommens jedes Jahr umsonst herzugeben oder meine Sonntage grundlos zu opfern. Ich habe keine zeitlichen Vorteile davon, dass ich in der Kirche bleibe. Als ich auf Mission ging, hatte ich auch keine zeitlichen Segnungen davon, zu gehen. Ich war schon 21 Jahre alt und hatte ein Stipendium für Baseball in Hawaii, ein paar Sportscouts von der Baseball-Liga waren an mir interessiert, ich hatte eine Verlobte, viele Freunde, Surfbretter und meine Eltern haben mich nie unter Druck deswegen gesetzt. Niemand kam zu mir, als ich  21-jährig im College war und sagte zu mir: „Hey, du kannst da bei diesem Betrug mitmachen. Du musst nur alles aufgeben, was du tust und musst dann herumlaufen und Menschen belügen…ach ja, und was du dafür dann bekommst ist: gar nichts.” Könnt ihr euch vorstellen, wie schnell mein 21-jähriges Ich so jemandem gesagt hätte zu verschwinden, wenn es so gelaufen wäre?

Auf dem Bild sieht man den vorderen Teil eines Surfbretts, denn dass ich Mormone bin heißt nicht, dass ich keinen Spaß habe. ;-)

Was ich damit also sagen möchte ist, dass es keinen guten oder logischen Grund dafür gegeben hätte auf Mission zu gehen und Mitglied dieser Kirche zu bleiben, außer dass ich wirklich daran glaube, dass sie wahr und gut ist.

Alles Täuschung?

Wenn mir also nun Leute schreiben (was ziemlich oft vorkommt) und mir sagen sie wüssten, dass ich weiß, dass ich lüge und dass ich absichtlich versuche, andere in die Irre zu führen, indem ich mein Zeugnis bezüglich meines eigenen Glaubens über die Wahrheit der Kirche gebe…dann frage ich mich nur: WARUM? Warum sollte ich so etwas tun, wenn ich nicht wirklich daran glauben würde? Was bekomme ich denn dafür? Was habe ich denn davon? Gibt es auch nur einen einzigen guten Grund?

Mir hat niemand etwas dafür bezahlt, dass ich auf Mission gehe. Ich habe für die beiden Jahre keinerlei Belohnung bekommen und auch nichts für die zehn darauffolgenden Jahre, die ich in der Kirche ehremamtlich diente. Es gab keinen Interessenkonflikt. Keinen geheimen Plan.
Als ich von meiner Mission nach Hause zurückkehrte, gab es keinen Grund, weshalb ich hätte lügen sollen und sagen, ich hätte meine Mission geliebt und weshalb ich darüber hätte sprechen sollen, dass es einer der Momente in meinem Leben war, der mich definierte. Es stimmt mich traurig, wenn Leute, die mich nicht einmal kennen, sagen, ich würde bezüglich meines Glaubens Lügen verbreiten. Noch einmal: Warum sollte ich? Warum sollte ich meine Zeit und Energie dafür verschwenden? Ich habe keine Hintergedanken – ich glaube einfach daran. Ich glaube wirklich daran. Wenn ich nicht glauben würde, dass es wahr ist, würde ich es doch einfach als menschengemachte Institution abtun und meines Weges gehen. Macht ihr Witze? Wenn ich dächte, alles wäre eine Täuschung, würde ich doch nicht auch nur eine Minute damit verschwenden und darüber nachdenken.

Aber es sieht nun einmal so aus, dass ich nirgendwo anders hingehen kann. Ich habe mich jahrelang mit anderen Religionen und Philosophien beschäftigt. Ich habe mich detailliert mit Agnostizismus und Atheismus beschäftigt und habe irgendetwas Logisches an beidem gesucht. Ich habe jedes Buch gelesen, das mir in die Hände fiel, das gegen die Mormonen veröffentlicht wurde. Und dennoch sind die Aussagen der Kirche für mich immer noch logisch. Ich habe überall gesucht und nichts Besseres dabei gefunden. Und – wie auch Petrus sagte – wohin sollte ich gehen? Nichts, mit dem ich mich beschäftigt habe, befriedigt meine innersten Bedürfnisse und Wünsche so, wie es die Lehre der Mormonen tut. Das war eben meine Erfahrung. Ich kann es nicht leugnen und auch nichts gegen das, was ich gefühlt und gehört habe, tun.

Ein Missionar der Mormonen beim Studium in den heiligen Schriften.

Jeder darf seine Meinung haben

Jeder glaubt an irgendetwas. Wenn ich einem Blog folgen sollte, in dem ein Lutheraner, Agnostiker oder ein Wicca-Anhänger über seine Überzeugungen spricht, hätte ich nicht im Geringsten das Bedürfnis, irgendetwas Gemeines über ihn zu schreiben. Vielleicht hätte ich eine andere Meinung als die, die da geschrieben stünde; vielleicht würde ich es als fehlgeleitet betrachten oder denken, es sei so abstrus, dass es meiner Zeit nicht wert sei…aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich so viel Zeit mit dem Versuch verbringen würde, zu beweisen, dass diese Person Unrecht hat. Ich mag doch diese Person nicht einfach deswegen nicht, weil ich bezüglich Gott anderer Meinung bin. Und schlussendlich ist doch unabhängig davon, was jemand glaubt, Liebe immer wichtiger als Hass. Positiv zu sein und Respekt zu haben ist doch immer besser als negativ zu sein und den anderen zu schmähen.

Was habt ihr davon?

Irgendwie wollen so viele Leute die Gedanken, Handlungen und Glaubensvorstellungen anderer kontrollieren. Manchmal treffe ich auf Leute, die mich spottend als „WGM” bezeichnen, was „wahrhaft gläubiger Mormone” heißen soll; und dann schreiben sie in einem Kommentar, den ich lese, dass sie vor einem Jahr oder so selbst noch so ein „WGM” waren. Und sie sind deswegen wütend auf mich, weil ich nicht die gleichen negativen Erfahrungen wie sie gemacht habe, aufgrund derer sie aufgehört haben, Glauben zu haben. Nur weil sie selbst nicht mehr glauben, wollen sie mich dazu bringen, auch nicht mehr zu glauben, indem sie sich über mich lustig machen. Und wenn ich dann nicht auf der Stelle auf sie höre, verbreite ich demnach Lügen und versuche etwas zu vertuschen – als ob ich irgendwie Zugang zu irgendwelchen ganz geheimen Informationen hätte. Atheisten behandeln Gläubige schon ewig so. „Ich glaube nicht mehr daran, also musst du auch damit aufhören – sonst bist du ein Idiot.”

Was ich aber wirklich nicht verstehen kann: Warum verbringt denn jemand, der nicht an die Kirche glaubt, so viel Zeit damit, sich über sie Gedanken zu machen? Wenn doch alles nur Betrug ist und er es doch jetzt alles hinter sich hat? Du sparst doch nun 10% deines Einkommens, hast jetzt viel mehr freie Zeit zur Verfügung und hast dich von den „Fesseln des Mormonismus” befreit – warum liest du denn überhaupt einen meiner ignoranten Blogbeiträge, kommentierst sie auf Reddit auf ganz fiese Art und Weise, schreibst irgendwelche Antworten, nimmst sogar irgendwelche Video-Gegenbeweise auf oder veröffentlichst eine ganze Podcast-Serie, nur um etwas gegen etwas zu sagen, das ich geschrieben habe, oder das FAIR geschrieben hat oder irgendein anderer Mormone?

Weil es mich glücklich macht

Ich bin mit meinem Glauben zufrieden. Ich bin dadurch ein besserer Mensch. So einfach. Ich bemühe mich deswegen, auch andere besser zu behandeln – was ja immerhin ein (wenn auch winziger) Vorteil für die Menschheit ist. Es gibt viele Mitglieder, die mir zustimmen würden, dass es sie glücklich macht, ein Mitglied der Kirche zu sein. Viele von ihnen sind Menschen, die auch wissen wie es ist, wenn die Kirche nicht Teil des Lebens ist. Sie haben den Unterschied kennengelernt und bezeugen, dass es einen großen Unterschied gibt. Das ist etwas Reales. Das soll nicht einfach nur Werbung sein. Es ist nichts Ausgedachtes. Der Grund dafür ist schlicht und einfach, dass sie ihrem Herzen folgen.

Natürlich sind wir nicht alle gleich. Auch ich habe Familienmitglieder und Freunde, die sich entschieden haben, in eine völlig andere Richtung zu gehen und die völlig andere Glaubensvorstellungen haben. Aber ich will mich sicher nicht mit ihnen streiten oder kritisiere den Lebensweg, den sie eingeschlagen haben. Ich zeige ihnen meine Liebe und bin dankbar für unsere Freundschaft. Von mir aus könnt ihr euch also deswegen über mich lustig machen, weil ich Mormone bin. Und eins müsst ihr wissen: Ich bin absolut davon überzeugt, dass es wahr ist. Von ganzem Herzen glaube ich, dass es wahr ist.


Der Beitrag wurde auf Englisch am 19.5.16 auf gregtrimble.com veröffentlicht. Der Autor ist Greg Trimble. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.