VON ROB GHIO

Von einem umstrittenen Propheten angeführt. Von den Nachbarn als Antagonisten der traditionellen Ideale der westlichen Welt wahrgenommen. Von einem ausgerufenen „verheißenen Land” zum nächsten vertrieben, bis man endlich akzeptiert, dass die einzige Hoffnung auf Frieden darin liegt, dass man sein Land um eines sichereren politischen Klimas Willen verlässt. Von einer Regierung des Eigentums beraubt, die erklärt, man sei keine wirkliche Religion. Wegen religiöser Gepflogenheiten verfolgt und verhaftet. Durch „Fundamentalisten” in Verlegenheit gebracht, die behaupten, demselben Glauben anzugehören, den sie aber in keinster Weise darstellen.

Von solcher Art ist die Geschichte der Mormonen (Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage – Anmerkung der Übersetzerin).

Fundamentalististische Mormonen

Wir haben auch unsere „fundamentalen LDS”, Abtrünnige, die den Blick von Außenstehenden auf sowohl unsere Moralvorstellungen als auch unser Modebewusstsein verzerren. Ich schätze anderen Mormonen geht es ähnlich wie mir: ich bin es Leid, den Menschen zu erklären, dass, egal wie sich die FLDS nennen, sie nicht Teil unserer Religion sind und dass sie uns nicht widerspiegeln. Und trotzdem, zu Recht oder Unrecht, sind sie Teil des Ballasts, den der Mormonismus mit sich herumträgt. Und ob es uns nun gefällt oder nicht, sie werden die Art und Weise, wie die Gesellschaft uns wahrnimmt, beeinflussen.

Fundamentalistische Islamisten

Auch der Islam hat seinen Ballast – in diesem Fall großgeschrieben in der Form von „fundamentalistisch-islamistischen Terroristen”. Unglücklicherweise sind ihre verrückten Cousins ein größerer und lauterer Prozentsatz ihres Glaubens als der, mit dem die Mormonen sich beschäftigen müssen. Aber das Ergebnis ist das gleiche: Die öffentliche Wahrnehmung wird durch die dramatischen Taten einiger weniger verzerrt und nicht die Werte der Mehrheit.

Photo Credit: mormonhub.com

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Es wäre vielleicht einfacher, wenn der Islam eine zentrale Autorität hätte, die die Verrückten rauswerfen könnte. Das hat er nicht. Die Spaltungen im Islam sind zahlreich, wie bei den Christen. Genauso wie bei den Christen gibt es einige formelle Teilungen im Glauben, und dann eine weitgefächerte Vielfalt von Glaubenssätzen und Gebräuchen unter denen, die sich selbst als Glaubensangehörige bezeichnen. Und wieder sollten die Mormonen dies verstehen, wenn man mal die Anstrengungen betrachtet, die wir machen müssen, um einige Leute davon zu überzeugen, dass wir Christen sind.

Zu behaupten, dass es einen monolithischen „Islam” gäbe, den wir sehr einfach als eine Religion der Intoleranz und des Hasses abschreiben könnten, ist theologisch und intellektuell schlicht falsch. Ich habe einen guten Teil des Koran gelesen, und trotz meiner größten Anstrengungen habe ich nie den „Werft Bomben unter die Unschuldigen”-Teil gefunden. Wohlgemerkt, es gibt viele Leute sowohl im als auch außerhalb des Islam, die darauf bestehen, dass er existiert. Es ist eine Sache der Perspektive, und nicht jedermanns Perspektive ist die gleiche.

Für den eigenen Glauben eintreten

Durch meine Arbeit als Anwalt für Einwanderer (in den USA – Anmerkung der Übersetzerin) war ich damit gesegnet, Menschen mit sehr verschiedenen Hintergründen zu vertreten, einschließlich Muslime. Ich hatte auch das Glück, bleibende Freundschaften mit Muslimen zu schließen. Ich habe ihre Frustration gesehen, wenn sie mit Terroristen in Verbindung gebracht wurden, und ich habe meine Frustration darüber ausgedrückt, dass friedliche Muslime nicht deutlicher die Taten anprangerten, die sie als wider den Islam betrachten. Glücklicherweise ist das dabei sich zu ändern. Der Widerstand der Muslime gegen das, was in Paris geschehen ist, war, in meiner eingeschränkten Sichtweise, deutlich ausgeprägter als die Reaktion auf die Anschläge des 11. September (in New York – Anmerkung der Übersetzerin). Ein Grund dafür mag sein, dass die sozialen Medien diesen Stimmen eine sichere Plattform bieten, von der aus sie gehört werden können. Ungeachtet dessen ist meine persönliche Erfahrung, dass es diese Stimmen da draußen gibt und dass sie aufrichtig sind.

Von allen Menschen sollten Mormonen diejenigen sein, die am zögerlichsten Menschen eines Glaubens verurteilen – aufgrund des Verhaltens einer Splittergruppe von angeblichen Anhängern. Ich habe über die Jahre begriffen, dass wenn jemand hört, dass ich Mormone bin, das für ihn bedeuten kann, dass ich ein „mit magischer Unterwäsche verkleideter, Schwulen hassender, frauenfeindlicher Polygamist” bin. Nichts davon stimmt, aber ich verstehe zumindest, wie sie darauf gekommen sind. Und während ich versuche, mich dieses Ballasts zu entledigen, bin ich nicht geneigt, Menschen anderen Glaubens Lasten aufzuerlegen, um die sie nicht gebeten haben.

Wir sollten willig sein, den guten Menschen des Islam im Zweifelsfall für unschuldig zu erklären, nachdem wir so lange selbst darum gebeten haben.


Autor dieses Artikels ist Rob Ghio, der Artikel wurde im Original auf der Seite lds.net veröffentlicht. Übersetzerin: Tanja Kraft.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.