Elder Neal A. Maxwell war ein geliebter Jünger des Herrn Jesus Christus. Er gehörte 23 Jahre dem Kollegium der Zwölf Apostel an – von 1981 bis 2004. Die geistige Kraft seiner Worte und sein Beispiel treuer Nachfolge sind den Mitgliedern der wiederhergestellten Kirche des Erlösers und den Menschen in der Welt bis heute ein großer Segen.

Im Oktober 1997 waren Elder Maxwell und seine Frau bei meiner Frau und mir an der Brigham-Young-Universität Idaho zu Gast. Elder Maxwell sollte bei einer Andacht zu Studenten, Mitarbeitern und dem Lehrkörper sprechen. Jeder auf dem Campus fieberte seinem Besuch entgegen und bereitete sich ernsthaft darauf vor, seine Botschaft zu empfangen.            

Anfang des Jahres hatte sich Elder Maxwell 46 Tage lang einer kräftezehrenden Chemotherapie gegen Leukämie unterzogen. Nicht lange nachdem er diese Behandlung abgeschlossen hatte und aus dem Krankenhaus entlassen worden war, sprach er kurz bei der Frühjahrs-Generalkonferenz der Kirche. Durch die Reha-Maßnahmen und die anhaltende Therapie machte er im Laufe des Frühjahrs und der Sommermonate Fortschritte. Dennoch stand es um seine Kraft und seine Kondition nicht zum Besten, als er nach Rexburg kam. Nachdem Susan und ich Elder Maxwell und seine Frau vom Flughafen abgeholt hatten, fuhren wir mit ihnen zu uns nach Hause, damit sie sich vor der Andacht etwas ausruhen und einen kleinen Imbiss zu sich nehmen konnten.

Neal A. Maxwell Frau

Im Laufe unserer Gespräche an diesem Tag fragte ich Elder Maxwell, was er durch seine Krankheit gelernt habe. Seine klare und eindringliche Antwort werde ich nie vergessen. „Dave“, sagte er, „ich habe gelernt, dass nicht zurückzuschrecken viel wichtiger ist als überleben.“

Seine Antwort auf meine Frage war ein Grundsatz, mit dem er während seiner Chemotherapie ausgiebig persönlich Erfahrung gemacht hatte. Als Elder Maxwell und seine Frau im Januar 1997 an dem Tag, als die erste Reihe von Behandlungen beginnen sollte, zum Krankenhaus gefahren waren und ihr Auto abgestellt hatten, verbrachten sie dort noch einen Augenblick zusammen. Elder Maxwell „seufzte tief und schaute [seine Frau] an. Er nahm ihre Hand und meinte: ‚Ich möchte nur nicht zurückschrecken.ʻ“ (Bruce C. Hafen, A Discipleʻs Life: The Biography of Neal A. Maxwell, 2002, Seite 16)

In seiner Ansprache bei der Herbst-Generalkonferenz 1997 lehrte Elder Maxwell mit großer Überzeugungskraft: „Wenn wir vor unseren … Prüfungen und Leiden stehen, können auch wir so wie Jesus den Vater anflehen, dass wir nicht zurückschrecken, also zurückweichen oder zurückschaudern. (LuB 19:18.) Nicht zurückschrecken ist viel wichtiger als überleben! Außerdem eifern wir Jesus nach, wenn wir den bitteren Kelch trinken, ohne verbittert zu werden.“ (Der Stern, Januar 1998, Seite 23)

Der Heiland schreckte weder in Getsemani noch auf Golgota zurück.

Wer den Heiligen Geist leugnen, dem wird keine Umkehr gewährt und er macht sich schuldig am Blut Jesu Christi.

Auch Elder Maxwell schreckte nicht zurück. Dieser machtvolle Apostel strebte immerzu vorwärts, und ihm wurde zusätzliche Zeit in diesem Leben gewährt, um zu lieben, zu dienen, zu lehren und Zeugnis zu geben. Die abschließenden Jahre seines Lebens setzten durch Worte ebenso wie durch Taten ein markantes Ausrufezeichen hinter sein Beispiel für gelebtes Jüngersein.

Anmerkung: Elder Bednar wurde nach Elder Maxwells Tod an dessen Stelle in das Kollegium der Zwölf Apostel berufen.

Ich glaube, die meisten unter uns erwarten von einem Mann mit der Geisteskraft und Erfahrung und vom Kaliber eines Elder Maxwell wahrscheinlich, dass er einer schweren Erkrankung und dem Tod voller Erkenntnis von Gottes Plan des Glücklichseins und mit Zuversicht, Anstand und Würde begegnet. Und dem war gewiss auch so. Aber heute möchte ich bezeugen, dass Segnungen dieser Art nicht ausschließlich Generalautoritäten oder einigen wenigen auserwählten Mitgliedern der Kirche vorbehalten sind.

Rechtschaffenheit und Glaube gehören unbedingt dazu, wenn man Berge versetzen will – vorausgesetzt, dass das Bergeversetzen Gottes Absichten entspricht und im Einklang mit seinem Willen steht. Rechtschaffenheit und Glaube gehören unbedingt dazu, wenn Kranke, Taube oder Lahme geheilt werden sollen – vorausgesetzt, dass eine solche Heilung Gottes Absichten entspricht und im Einklang mit seinem Willen steht. Doch selbst mit starkem Glauben werden viele Berge nicht versetzt. Und nicht alle Kranken und Gebrechlichen werden geheilt. Wenn jeder Widerstand ausgeräumt und jede Krankheit beseitigt werden würde, dann wären die wichtigsten Ziele im Plan des Vaters vereitelt.

Viele der Lektionen, die wir in diesem Leben lernen sollen, empfangen wir nur durch das, was uns widerfährt und was wir manchmal auch erleiden. Und Gott erwartet von uns und vertraut darauf, dass wir vorübergehendes Ungemach in diesem Leben mit seiner Hilfe bewältigen, damit wir lernen, was wir lernen müssen, und damit schließlich das aus uns wird, was wir in der Ewigkeit sein sollen.

Neal A. Maxwell Krebs Konferenz

Elder Neal A. Maxwell kurz nach seiner Chemotherapie bei einer Ansprache zur Generalkonferenz.

Ich weiß nicht, warum manche Menschen die Lektionen der Ewigkeit durch Prüfungen und Leid lernen, während andere ähnliche Lektionen durch Rettung und Heilung lernen. Doch einiges weiß ich ganz gewiss. Ich weiß, dass eine der größten Segnungen des Erdenlebens darin besteht, nicht zurückzuschrecken und zudem zuzulassen, dass unser Wille „im Willen des Vaters verschlungen“ (Mosia 15:7) wird, damit wir „Frieden im Gewissen” haben können. (Mosia 4:3)

Auch wenn ich nicht alles darüber weiß, wie und wann und wo und warum diese Segnungen eintreten, weiß ich doch und bezeuge, dass es sie wirklich gibt.

Wir alle sehnen uns nach Frieden – Frieden im Gewissen und nach einem Frieden, der unser Verständnis übersteigt. Diesen Segen können wir nicht durch weltlichen Reichtum oder durch berufliche Leistungen, Bekanntheit, Prestige oder Macht erlangen. Der Herr Jesus Christus ist die einzige Quelle dauerhaften persönlichen Friedens. Glaube und Hoffnung in ihn, Gehorsam seinen Geboten gegenüber und tapfer auf unserem Weg im Erdendasein vorwärts gehen bringen die geistige Gabe von Frieden in unser Leben. Und sein Friede stärkt uns, so dass wir Herausforderungen mit Zuversicht und einem erweiterten Blickwinkel gegenübertreten können – und hilft uns, im Glauben fest verwurzelt zu bleiben, und uns nicht von der Hoffnung des Evangeliums abbringen zu lassen (vgl. Kolosser 1,23).

Als Nachfolger Christi möchten wir mehr so wie er sein. Uns wurde das sogar geboten.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 20.8.18 auf ldsliving.com unter dem Titel „The Profound, 11-Word Lesson Elder Maxwell Learned from Chemotherapy” veröffentlicht. Der Beitrag ist ein Auszug aus David A. Bednars Buch „Power to become”. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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