Mir geht seit einiger Zeit ein Gedanke über den Satan durch den Kopf. Es ist eine recht einfache Vorstellung, aber aus irgendeinem Grund verbleibt sie oft in den Schattenbereichen unseres Gehirns – wovon der Widersacher sehr profitiert.

Er greift uns alle an und keiner von uns kann seinen Versuchungen zu jeder Zeit widerstehen. Aber gelegentlich ertappen wir den Satan auf frischer Tat. Wir erkennen die Gefahr zu sündigen und gehen ihr sofort aus dem Weg. Das sind wunderbare Momente.

Allerdings lassen Satan und seine Anhänger dann nicht einfach den Kopf hängen und gehen weg.

Was tut der Satan, wenn er uns nicht dazu bringen kann zu sündigen?

Zu sehen ist eine erhobene Hand als Zeichen von "Stop! Bis hier hin und nicht weiter, Satan."

Du hast diese Schriftstelle sicher schon zigmal gelesen, aber schau sie dir nochmal an:

„Denn siehe, an jenem Tag wird er im Herzen der Menschenkinder wüten und sie zum Zorn aufstacheln gegen das, was gut ist.

Und andere wird er beschwichtigen und sie in fleischlicher Sicherheit wiegen, so daß sie sprechen: Alles ist wohl in Zion; ja, Zion gedeiht, alles ist wohl—und so betrügt der Teufel ihre Seele und führt sie mit Bedacht hinweg, hinab zur Hölle.”

Aus diesen Versen lernen wir, dass der Satan bei manchen Menschen Erfolg hat, indem er sie überzeugt, sich „gegen das, was gut ist” aufzulehnen. Aber wenn das nicht klappt, versucht er es mit der Strategie im nächsten Vers: Selbstgefälligkeit.

Schlussendlich muss der Satan uns nicht dazu bringen, dass wir uns offen gegen Gott auflehnen. Ihm reicht es schon, wenn er uns dazu bringt, dass wir Gott nicht beachten, ihm und unseren Umständen gegenüber gleichgültig sind. Wenn er uns nicht dazu bringen kann zu sündigen, verführt er uns immerhin zum Stillstand. Wenn er uns schon nicht zum Dieb machen kann, so doch wenigstens zum Tagedieb.

Gott ist sich dessen bewusst, dass Bequemlichkeit und Unentschlossenheit zu Satans Strategien gehören. In Offenbarung 3:15-16 sagt er:

„Ich kenne deine Taten. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß!

Daher, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien.”

Das Leben ist wie eine Bergauffahrt, aber wenn dabei im Auto der Leerlauf eingelegt ist, bringt das genauso wenig wie der Rückwärtsgang.

Wenn man einen Soldaten nicht zum Überlaufen bringen kann, ist es ebenso wirkungsvoll ihn zu überreden, die Waffe fallen zu lassen und sich locker-flockig auf den Boden zu setzen.

Wenn ein Heer im Buch Mormon eine feindliche Stadt nicht direkt einnehmen kann, ist es eine beliebte Taktik, den Gegner zu umlagern, von seinen Ressourcen abzuschneiden und darauf zu warten, dass er mürbe wird.

Satan scheint auf die gleiche Weise vorzugehen. Wenn er uns nicht zu Auflehnung aufstacheln kann, versucht er uns zu umzingeln, von den Schriften, dem Gebet, der Kirche, von Liebe, Mitleid, Gefühl, Ehrlichkeit, Nächstenliebe usw. abzuschneiden, „…und so betrügt der Teufel ihre Seele und führt sie mit Bedacht hinweg, hinab zur Hölle… ja, und er führt sie am Hals mit einem flächsernen Strick, bis er sie mit seinen starken Stricken für immer bindet.”

Das ist eine hervorragende Täuschung. Satan bringt uns dazu, dass wir Sünde durch geistige Unbeweglichkeit ersetzen, die selbst eine Art von Sünde ist. Das große Gebot steht klar in Matthäus 22:37-38:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken.

Das ist das wichtigste und erste Gebot.”

Gleichgültigkeit ist hier fehl am Platz. Gleichgültigkeit gegenüber Gott ist Ungehorsam gegenüber Gott.

Wie sieht Stillstand aus?

Auf dem Foto ist ein Verkehrsstau zu sehen. So ähnlich kann es in uns aussehen, wenn wir uns von den Einflüsterungen des Satan beeinflussen lassen.

Wenn wir das Evangelium gedankenlos und gelangweilt abspulen, sind wir auf dem Weg zum geistigen Stillstand.

Wenn wir das Gebet am Morgen und am Abend vergessen, wenn wir immer seltener in den heiligen Schriften lesen, ist das ein Zeichen für Stillstand.

Stillstand kommt auch in Form von Unterlassungssünden vor. Dabei handelt es „sich um die rücksichtsvollen, teilnahmsvollen Werke, die wir nicht tun und deren Vernachlässigung uns Schuldgefühle bereitet.”

Stillstand findet sich immer maskiert als Selbstgefälligkeit.

Stillstand kann sehr verlockend sein, denn dabei befinden wir uns innerhalb unserer Komfortzone.

Er benötigt keinerlei Anstrengung. Er ist das Gegenstück dazu, „sich voll Eifer einer guten Sache [zu] widmen” und wenn wir dem Satan zu lange in die Falle tappen, werden wir schnell „kein Gefühl mehr” haben.

Bleib in Bewegung

Jemand macht Yoga-Übungen an einem See. Wir sollen auch in geistiger Hinsicht in Bewegung bleiben, um uns vor dem Stillstand zu bewahren, der durch den Einfluss des Satan kommen entstehen kann.

Einer meiner Lieblingsfilme ist World War Z. An einer Stelle werden Gerry Lane und seine Familie in der Wohnung einer anderen Familie aufgenommen, wo sie vorübergehend Zuflucht vor der Zombie-Pandemie draußen finden. Gerry erklärt seiner Gastfamilie, dass sie nicht einfach in der Wohnung bleiben können in der Hoffnung zu überleben. Er sagt: „Movimiento es vida. – Bewegung ist Leben.”

Die Gastfamilie bleibt zurück und wird schnell Teil der Zombie-Scharen (mit Ausnahme des jungen Sohnes, der entkommt). Die Lanes bleiben in Bewegung und überleben. Movimiento es vida.

Der gleiche Grundsatz gilt für Wasser. Leben gedeiht in bewegtem Wasser. In stehendem Gewässer wachsen Bakterien und es wird schnell giftig. Fließendes Wasser ist viel sauberer und bedenkenlos genießbar. Vielleicht wird darum Christus so oft mit einer lebendigen Quelle oder Strömen lebendigen Wassers verglichen.

Für unser geistiges Überleben ist es wichtig, dass wir in Bewegung bleiben.

Wir müssen die Schriften täglich lesen und oft beten. Wir dürfen unser Zeugnis nicht vernachlässigen. Wahrscheinlich wäre es besser zu einem Zombie zu werden oder eine bakterielle Vergiftung zu erleiden als dem Willen Satans ausgeliefert zu sein.

Wir sollten alle einen Moment innehalten, uns so objektiv wie möglich betrachten und unser Leben bewerten. Gelingt es Satan uns zu Zorn aufzustacheln oder hat er eine unauffälligere Strategie entwickelt? Befinden wir uns in geistigem Stillstand? Es ist schwierig sich zu verändern und umzukehren, aber es lohnt sich – für uns selbst, für unsere Familie und unser Glücklichsein. Strengen wir uns mit aller Kraft an!


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 27.1.18 auf thirdhour.org unter dem Titel „What Satan does when he can’t get you to sin” veröffentlicht. Der Autor ist David Snell. Übersetzt von Tabea Seeborg.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

German ©2019 LDS Living, A Division of Deseret Book Company | English ©2019 LDS Living, A Division of Deseret Book Company

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