Als 12-Jährige verbrachte ich viele Stunden damit, Teenie-Magazine zu lesen, und eins war sicher: Tratsch ist einfach interessant.

Was J-Lo da anhatte! Und wusstet ihr, dass XY sich gerade hat scheiden lassen? Bescheid zu wissen und immer auf dem neuesten Stand zu sein war spannend und ich genoss es.

Ich gebe es zu: Eigentlich interessieren mich diese Themen immer noch. Ich weiß gerne Bescheid. Und um ehrlich zu sein – ich bin neugierig! Aber ich habe früh erfahren, dass Klatsch und Tratsch verletzen kann – und dass es immer jemanden gibt, hinter dessen Rücken geklatscht und getratscht wird (auch wenn es jemand so unerreichbar wie irgendeine Berühmtheit ist).

Was ist Tratsch eigentlich?

Eine Definition von Klatsch und Tratsch, die mir gut gefällt, habe ich auf Wikipedia gefunden: „Klatsch ist eine Form der gesellschaftlichen Unterhaltung, bei der absichtsvoll Informationen über nicht anwesende Personen ausgetauscht werden. Der Begriff bedeutet ein gesellschaftliches Gespräch über triviale, oft auf Gerüchten beruhende Themen.“

Auf Yoga Journal (engl.) heißt es: „Im Buddhismus und in anderen Traditionen bezeichnet verletzende Sprache alles, was wir kommunizieren, das andere unnötig und sinnlos verletzen könnte.”

Natürlich macht es einen Unterschied, ob wir auf positive, informierende Art und Weise über jemanden sprechen (z.B. „Magst du den Lehrer? Wie ist er so?” oder „Erzähl mir ein bisschen etwas über den Jungen, mit dem ich mich verabreden soll!”) oder über jemanden schimpfen und Gerüchte verbreiten; Letzteres sollten wir vermeiden.

Wenn wir diejenigen sind, die es abkriegen

Ich habe mehrere Male am eigenen Leib erfahren können, wie verletzend Tratsch sein kann; die erste und vielleicht einschneidendste Erfahrung machte ich bereits im Kindergartenalter. Meine Großmutter erzählte mir, wie ich als 6-Jährige nach der Schule schluchzend ins Haus stürmte und mir die Tränen über die Wangen liefen (selbst erinnere ich mich an dieses Erlebnis nicht mehr so gut).

„Gina (Name geändert) hat mir im Bus gesagt, dass Mama und Papa sich scheiden lassen! Das stimmt nicht, oder?”

Meine Großmutter sagt, sie war untröstlich. Es STIMMTE, aber meine Eltern hatten es uns noch nicht gebeichtet.

Jemand, der meine Eltern gut kannte, musste jemandem davon erzählt haben, der es seinen Kindern weitererzählte. Aus diesem Grund erfuhr ich es nicht von meinen Eltern, wann sie es für richtig hielten, und nicht auf die Weise, die sie für richtig hielten. Das Gerücht war wahr; derjenige, der das Gerücht verbreitete, machte sich offensichtlich keine Gedanken darüber, wie persönlich das Ganze war und welche Auswirkungen es für uns hatte.

Ich erinnere mich an ein Gerücht, von dem ich Jahre später hörte; einer Freundin von mir wurde nachgesagt,  sie hätte eine „Affäre” mit einem unserer Lehrer, der ein hingebungsvoller Ehemann und Vater war. Das Gerücht war offensichtlich unbegründet und nicht wahr, aber ich erinnere mich noch heute daran, wie es meine Freundin verletzt hat und sie sich fragte, wie irgendjemand denken könnte, dass sie etwas Derartiges tun würde.

Aus diesen Erfahrungen lernte ich: Vielleicht macht es kurz Spaß zu tratschen, aber es macht sicher keinen Spaß zu erleben, dass über einen getratscht wird.

Tratsch zerstört Beziehungen

Tratschen und Lästern

Patty Sampson von LDS Blogs schrieb einen Beitrag, der mir sehr gut gefällt (und ausschlaggebend für diesen Beitrag war). Darin schreibt sie darüber, wie sie mit ihrem liebsten Zeitvertreib aufgehört hat: dem Tratschen.

„Tratsch ist eine trügerische, vorübergehende Freude, die Beziehungen zerstört. Bei der Arbeit gab es ein paar Frauen, mit denen ich zum Mittagessen zusammensaß und tratschte. Wir saßen zusammen und zogen über andere her, und ich dachte, das würde uns einander näherbringen. Aber um ehrlich zu sein konnte ich keiner der Frauen jemals etwas über mein Leben erzählen, weil ich wusste, dass es später von ihnen zerpflückt werden würde. Obwohl wir alle nach einer Bindung suchten, zerstörten wir jede Möglichkeit, jemals Freunde zu werden – und wir bemerkten es nicht einmal.”

Wenn ich diese Sätze lese, fallen mir sofort ein paar Menschen aus meinem eigenen Leben ein, mit denen ich die gleiche Erfahrung gemacht habe – Menschen, die ich gerne habe, von denen ich aber weiß, dass ich nichts Persönliches erzählen kann, weil ich Angst habe, dass es weitererzählt wird.

Ich möchte nie, dass jemand anderes so über mich denkt.

Wie hören wir also auf zu tratschen, auch wenn es Spaß macht?

Machen wir es wie Dieter und HÖREN DAMIT AUF

Ich muss zugeben, dass ich ein bisschen stolz auf meine Unterüberschrift war, und wenn ich mir dafür einen Preis verleihen könnte, würde ich es tun.

Falls ihr das Video nicht kennt – Dieter F. Uchtdorf hat einmal eine Ansprache gegeben, in der er uns ein eindrückliches Mantra zur Hand gegeben hat: „HÖRT AUF.”

„Dieses Thema – andere richten – könnte man eigentlich mit vier Worten abhandeln. Wenn es um Hass geht, um Klatsch, Ignoranz, Spott, Groll oder den Wunsch, anderen  schaden zu wollen, tun Sie bitte eines: Hören Sie damit auf!”

Er erklärt dann weiter, dass wir „statt solcher Gedanken und Gefühle im Herzen viel Liebe für Gott und seine Kinder hegen” sollen.

Wie ersetzen wir demnach unsere natürlichen Eigenschaften (wie andere zu verurteilen) durch ein Herz voller Liebe? Wie kommen wir an den Punkt, gar nicht lästern zu WOLLEN?

Hier ein paar Ideen:

1 Ersetzen wir Negatives durch Positives

Lästern und Tratschen

Als Schülerin strengte ich mich bewusst an, nicht zu tratschen oder zu lästern. (Das klingt vielleicht ein bisschen angeberisch, aber ich bin heute nicht mehr so gut darin wie damals … ups. Aber ich bemühe mich!) Eines der schönsten Komplimente, das ich jemals erhalten habe, kam von einem guten Freund, der bemerkte, dass ich mich bemühte, nicht zu tratschen.

„Weißt du, was ich an dir wirklich mag? Wenn jemand anfängt, über einen anderen zu lästern, sagst du immer etwas Positives über diese Person. Ich glaube, dass dadurch allen der Wind aus den Segeln genommen wird und das Gespräch sich in eine andere Richtung dreht.”

Das hat mir so viel bedeutet und ich bemühe mich seither immer, alle meine Gespräche so verlaufen zu lassen.

Ein Beispiel:

Freund: „Hast du Sarahs Leggings gesehen? Die waren viel zu eng!”

Deine Antwort: „Sarah mag ich wirklich gerne. Sie ist immer nett zu mir. Wo wir gerade über Leggings sprechen – hast du gesehen, dass in der Stadt ein Ausverkauf stattfindet?”

Vielleicht ist das ein bisschen seltsam oder auch zu offensichtlich, aber ich habe nie erlebt, dass sich jemand über mich geärgert hat, weil ich so reagiert habe. Im schlimmsten Fall wird nur nicht mehr gelästert, wenn du dabei bist – und das ist doch eigentlich etwas Gutes. Auch wenn du Angst davor hast, ist es immer eine gute Idee, ein Gespräch in eine andere Richtung zu lenken – so dass niemand kritisiert oder sich über jemanden lustig gemacht wird; und du wirst mit einem besseren Gefühl aus dem Gespräch kommen als nach Lästern.

2 Schau dir die Quelle an

Eines der größten Probleme mit Tratsch ist, dass er meistens nicht einmal wahr ist (wie im Beispiel mit meiner Freundin und unserem Lehrer). Wenn ihr also ein Gerücht über jemanden hört, versucht erst einmal innezuhalten und darüber nachzudenken. Stelle das Gehörte in Frage. Gib es nicht einfach weiter, davon ausgehend, dass alles, was du hörst, wahr ist.

3 Versetze dich in ihre/seine Lage

Internet overload?

Halte inne und stelle dir vor: „Wie ginge es mir damit, wenn ein ähnliches Gerücht über mich im Umlauf wäre?” oder „Wie hätte ich in solch einer Situation reagiert?” Meiner Erfahrung nach werden wir ein Gerücht nicht weiterverbreiten, wenn wir versuchen, uns in die Lage des anderen zu versetzen; es führt dazu, dass wir vielleicht helfen wollen, statt uns daran zu beteiligen, Halbwahrheiten (wenn überhaupt!) weiterzuverbreiten.

4 Denke über deine Motive nach

Das Yoga Journal schreibt hierüber:

„Vielleicht hast du den Verdacht, dass Tratsch wie eine Sucht für dich ist. Wenn du deine Gewohnheit zu tratschen ablegen möchtest, hilft es, dich zu fragen, welchen Nutzen du daraus ziehen kannst und welche Motivation hinter dem Impuls steht. Tratsch ist auch deswegen so spannend – jeglicher Tratsch – weil man das Gefühl hat, an einem Geheimnis teilzuhaben. Negativer Klatsch und Tratsch vermitteln das Gefühl, nicht als einziger Fehler zu machen, Verlust zu erleiden, zu versagen. Irgendwie hilft es uns, uns besser mit unserer schmerzhaften Trennung zu fühlen, wenn wir wissen, dass auch Jennifer Aniston verlassen wurde.

Indem wir über andere Menschen sprechen, können wir es vermeiden, uns auf etwas Schwieriges oder Schmerzhaftes in unserem eigenen Leben zu konzentrieren. Eine Frau ertappte sich im Urlaub dabei, wie sie sich über den lockeren Erziehungsstil ihrer Schwägerin beschwerte. Erst im Nachhinein fiel ihr auf, dass sie durch den Erziehungsstil der Schwägerin an ihre eigene Unsicherheit bei der Erziehung ihrer Kinder erinnert worden war, und dass sie lästerte, um ihre eigene Unsicherheit als Mutter unter Kontrolle zu halten.

Es ist nicht immer einfach, sich einzugestehen, aber meistens steckt hinter Tratsch, vor allem wenn es um Freunde, Verwandte oder Kollegen geht, eine Art Eifersucht.”

Das traf bei mir einen Nerv; ich war schon oft in diese Falle getreten. So leicht vergleichen wir uns mit anderen; und dann, wenn wir das Gefühl haben, dass wir gewisse Erwartungen nicht erfüllen, versuchen wir, jemanden schlecht zu machen und damit auf unser „Niveau” herabzuziehen oder noch tiefer.

Ich möchte jedoch mit dem Tratschen aufhören; ich möchte, dass mein Selbstvertrauen groß genug ist, dass ich nicht Trost in den Schwächen anderer finden muss. Vor allem möchte ich andere so behandeln und so über sie sprechen, wie Christus es tun würde: ihr unendliches Potential als Söhne und Töchter Gottes anerkennend – und ich hoffe, ihr macht dabei mit.

Habt ihr Ideen, wie wir Klatsch und Tratsch aus unserem Leben verbannen können? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.


Das Titelbild stammt von freepik und ist nachträglich bearbeitet worden.

Amy Keim ist Site-Managerin und Lektorin für LDSBlogs.com. Sie leistete eine Vollzeitmission für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Denver, Colorado, wo sie lernte, Berge zu lieben und Schnee zu verachten. Sie mag leidenschaftlich Erdnussbutter, schlechtes Tanzen und vor allem das Evangelium.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 13.1.19 auf thirdhour.org unter dem Titel „How to Stop Gossiping When It’s REALLY Fun“ veröffentlicht. Die Autorin ist Amy Keim. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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