In den Medien wurde zuletzt viel darüber gesprochen, wessen Leben von Bedeutung ist und wessen Leben nicht. In der Kirche ist es eine ziemlich große Sache Bündnisse zu schließen und diese Bündnisse zu halten. Also habe ich mich gefragt, warum Bündnisse von Bedeutung sind. Nach einigen Nachforschungen zu dem Thema ist das hier zunächst meine Antwort. Ich würde mich freuen, eure eigenen Vorstellungen und Gedanken zu dem Thema in den Kommentaren unten zu lesen.

Verfügbarkeit eines Bündnisses

Außer anderweitig angegeben, stammen alle Zitate aus der Konferenz-Ansprache von 2011 „Bündnisse” von Russel M. Nelson.

Was tun wir in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, das ewige Konsequenzen hat, aber nicht direkt mit einem Bündnis in Verbindung gebracht wird? Ich könnte diese Frage nicht beantworten. So ziemlich alles, woran ich denken kann, was von größtem Wert ist und ewig anhält, steht in Verbindung mit einem Bündnis. Normalerweise ist es direkt mit einem Bündnis gekoppelt.

Wo in der christlichen Gemeinschaft hörst du Leute darüber reden, heilige Bündnisse mit Gott einzugehen und zu halten, außer im HLT-Glauben? Wenn es nichts mit Taufe oder Heirat zu tun hat, wo es üblicherweise als Sakrament bezeichnet wird, hört man eigentlich nichts über Bündnisse.

Jesus Bündnis

In unserer Kirche und unserem Glauben wird reichlich über Bündnisse gesprochen. Wenn jemand das Evangelium neu kennenlernt, erzählen wir ihm in den Lektionen über die Grundsätze des Evangeliums von Bündnissen. Das Gespräch über Bündnisse hört nie auf: Wir treffen in unserer Kirche an jeder Ecke auf ein weiteres Bündnis. Am nennenswertesten ist unsere Teilnahme am Abendmahl, jeden Sonntag, welches der Erneuerung des Taufbündnisses dient und unserer Wiederverpflichtung, das Taufbündnis einzuhalten.

Von dem Tag an dem wir getauft werden, bis hin zu dem Tag, an dem wir durch den Tempel gehen, hören wir unaufhörlich etwas über den Tempel – Tempel dies und Tempel das und all die Bündnisse, die wir im Tempel eingehen. All unsere höchsten Formen der Gottesverehrung drehen sich darum, Bündnisse mit Gott, unserem Vater, zu schließen. Warum ist das so?

Was sind Bündnisse?

Wenn der Herr Bedingungen festlegt, um uns zu segnen, koppelt er diese Bedingungen an bereits bestehende Gesetze. Wenn wir diese Gesetze halten, werden uns die damit gekoppelten Segnungen verheißen. Die Segnungen, die Gott seinen Kindern verheißt, basieren auf dem Gehorsam gegenüber den dazugehörigen Gesetzen. So folgen alle Segnungen messbarem und nachweisbarem Verhalten. Es steht außer Frage für ihn, ob wir eine Segnung verdient haben oder nicht, denn entweder haben wir seine Bedingungen in Ehren gehalten und sind dem Gesetz gefolgt oder nicht. Wenn wir die Bedingungen, denen wir zugestimmt haben, nicht halten, kann er uns segnen oder nicht. Das basiert darauf, wie sehr wir uns bemüht haben, was unsere Intentionen und unsere Motive hinter unserem Verhalten waren. Ja, er ist in der Lage solche Dinge zu messen.

Bündnisse sind legale und bindende Verträge, die in den ewigen Welten genutzt  werden. Gott stellt die Bedingungen, und wir akzeptieren sie entweder oder lehnen sie ab, abhängig davon, wie wir unsere Entscheidungsfreiheit nutzen.

In der Religion kommt einem Bündnis jedoch noch weitaus größere Bedeutung zu. Es ist eine heilige Vereinbarung mit Gott. Er legt die Bedingungen fest. Man kann selbst entscheiden, ob man diese Bedingungen akzeptiert. Wenn man die Bedingungen des Bündnisses akzeptiert und Gottes Gesetz gehorcht, empfängt man die Segnungen, die mit dem Bündnis einhergehen. Wir wissen: ‚Wenn wir irgendeine Segnung von Gott erlangen, dann nur, indem wir das Gesetz befolgen, auf dem sie beruht’ (Lehre und Bündnisse 130:21).”

Bündnisse sind also die himmlische Version von bindenden Verträgen. Bündnisse sind fast immer verbal. Manchmal akzeptieren wir Bündnisse durch eine körperliche Geste. Wie auch immer, wir müssen immer körperlich demonstrieren, dass wir willens, sind an dem Bündnis teilzunehmen. Wenn wir das Taufbündnis annehmen, gehen wir  ins Wasser und treten körperlich zu der Handlung der Taufe an. Um dieses Bündnis zu erneuern, essen und trinken wir symbolisch das Fleisch und Blut Christi in Form von Wasser und Brot.

Warum Bündnisse?

Sogar im vorirdischen Dasein waren wir an Bündnissen beteiligt. Das Evangelium Jesu Christi, welches einen Erretter und Heiland vorsieht, wurde uns in Form eines Bündnisses gegeben, bevor wir auf die Erde kamen.

Beispielsweise verhieß Gott, seinen Kindern einen Erlöser zu schicken, und verlangte dafür Gehorsam gegenüber seinem Gesetz.”

Bevor wir auf die Erde kommen konnten, stimmten wir alle dem Plan, der uns durch unseren himmlischen Vater gegeben wurde, zu. Er wurde uns durch ein Bündnis gegeben. So hielten” wir unseren ersten Stand; wir akzeptierten den Plan unseres himmlischen Vaters für unsere Erhöhung, durch Gebrauch unserer Entscheidungsfreiheit. Den Weg dazu bereitete unser Erretter, Jesus Christus.

Elder D. Todd Christofferson sagte in seiner Ansprache Warum heiraten? Warum eine Familie gründen?” das Folgende über die Bündnisse, die wir mit Gott, unserem Vater, eingehen, bevor wir zur Erde kommen:

„Sofern wir in der vorirdischen Geisterwelt bei Gott bereit waren, uns an seinem Plan zu beteiligen – oder anders gesagt, uns unseren „ersten Stand [zu] bewahren“ – sollten wir „hinzugefügt bekommen“, indem wir einen physischen Körper erhielten, sobald wir auf die Erde kamen, die er für uns erschaffen hatte.

Entschieden wir uns dann im Erdenleben dafür, „alles [zu tun], was auch immer der Herr, [unser Gott, uns gebot]“, sollten wir uns unseren „zweiten Stand“ bewahren.”

Der Grund dafür sind Bündnisse.

Bündnisse zum Fortschritt

Alles, was zwischen der Menschheit und Christus passiert, geschieht aufgrund von Bündnissen, welche bereits geschlossen wurden. Als Jesus die Nephiten in 3 Nephi 20:26 besucht, lehrt er sie, dass der Vater ihn gesandt hat, weil sie Kinder des Bundes Gottes waren. Der Sinn darin bestand, den Bund zwischen Gott und seinem Volk in Ehren zu halten und sie von ihren Sünden abzuwenden. Elder Nelson beschreibt es wie folgt:

„Der Erlöser erklärte, von welcher Tragweite ihre Identität als Kinder des Bundes war. Er sagte: ‚Der Vater hat nun mich zuerst für euch erweckt und mich gesandt, euch zu segnen, indem ich einen jeden von euch von seinen Übeltaten abwende; und dies, weil ihr die Kinder des Bundes seid.’”

Der Erlöser sagte einen interessanten Satz. Er nannte das Volk die Kinder des Bundes. Welcher Bund ist gemeint? Gemeint ist der Bund mit Abraham. Als Gott Abraham offenbarte, dass Abraham einer der Edlen und Großen war, eines seiner treuesten Kinder, machte er Abraham Versprechen, welche darauf beruhen, dass Abraham den Bündnissen, die der Herr ihm bot, treu bleibt. Die Verheißungen dieses Versprechens sind die Bündnisse der Gottheit, welche ewige Vermehrung, ewige Ehe, Macht im Priestertum und Erhöhung in der Ewigkeit mit einem celestialen Körper beinhalten.

Diese Verheißungen, diese Bündnisse, sind nur für diejenigen erreichbar, die willens sind nach den Geboten zu leben, die uns von Christus durch die Propheten gegeben wurden. Jeder, der bereit ist nach diesen Geboten zu leben, darf das Bündnis empfangen, aber nur diejenigen, die das Bündnis auch eingehen und ihm gegenüber treu sind bis ans Ende ihres Lebens, werden mit den großen Verheißungen entlohnt, welche wir den neuen und immerwährenden Bund der Ehe nennen.

Siegelungsraum Tempel Mormonen

Die Propheten in alter Zeit wussten, dass nicht alle Menschen auf der Erde die Möglichkeit haben werden, diese Segnungen zu ihrer Zeit zu empfangen. Sie wussten vom Herrn, dass die Welt als Ganzes nicht diese Bündnisse empfangen kann bis zu den letzten Tagen. Diesen Propheten wurde verheißen, dass jedem in den letzten Tagen diese Segnungen angeboten würden.

Damit sich diese Verheißung erfüllen könne, erschien der Herr in diesen Letzten Tagen und erneuerte den Bund, den er mit Abraham geschlossen hatte. Der Meister verkündete dem Propheten Joseph Smith:

„Abraham empfing Verheißungen in Bezug auf seine Nachkommen und die Frucht seiner Lenden – aus dessen Lenden du, mein Knecht Joseph, bist. …Diese Verheißung gilt auch für euch, weil ihr von Abraham seid.“

Dank dieser Erneuerung haben wir wie diejenigen vor alters das heilige Priestertum und das immerwährende Evangelium erhalten. Wir haben das Recht, die Fülle des Evangeliums zu empfangen, die Segnungen des Priestertums zu genießen und uns für die größte Segnung Gottes würdig und bereit zu machen – das ewige Leben.

Bis zu der Zeit als Jesus zur Erde kam, waren die Segnungen des Bundes auf die Nachkommen Abrahams beschränkt, insbesondere die Nachkommenschaft seines Enkelsohns Jakob (Israel). Heutzutage werden diejenigen, die nicht genetisch von Israel abstammen, in die Linie Abrahams adoptiert, sobald sie den Bund Abrahams akzeptieren. So oder so sind die Segnungen und die Verheißungen dieselben.

Abraham betet zu Gott

Der Herr gab das Versprechen, dass das zerstreute Israel gesammelt werden wird in den letzten Tagen und dass das Bündnis mit Abraham, Isaak und Jakob ihrer Nachkommenschaft erneut angeboten wird.

„Das Buch Mormon ist ein handfester Beweis dafür, dass der Herr damit begonnen hat, seine Kinder, die zum Bundesvolk Israel gehören, zu sammeln. In diesem Buch, das für unsere Zeit geschrieben wurde, lesen wir, es diene unter anderem dem Zweck, dass wir wissen können, „dass der Bund, den der Vater mit den Kindern Israel … gemacht hat, bereits anfängt, erfüllt zu werden. … Denn siehe, der Herr wird seines Bundes gedenken, den er für sein Volk des Hauses Israel gemacht hat.“”

Die Segnungen der Bündnisse

In seiner Ansprache sagte Elder Nelson:

„Das größte Kompliment, das man sich in diesem Leben verdienen kann, besteht darin, als bündnistreu zu gelten.”

Warum? Weil es nur ein Set an Bündnissen gibt, welches der himmlische Vater uns bietet, und das ist der Bund mit Abraham. Diejenigen, die diesen Bund annehmen, ihm treu bleiben und bis ans Ende ihres sterblichen Lebens halten, werden mit dem Recht auf Gottwerdung und auf eine ewige Familie gesegnet. Es sind die Menschen, die in der Ewigkeit in der Gegenwart des Vaters und des Sohnes leben werden.

Diejenigen, die ihren ersten Stand bewahren, werden mit einem auferstandenen Körper und – entsprechend dem Maß an Rechtschaffenheit, mit welchem sie sich wohlfühlten – mit einem Reich der Herrlichkeit belohnt. Jeder wird sehr glücklich sein über die Großzügigkeit des Herrn.

Schlussgedanken

Bündnisse werden denjenigen angeboten, die nach Erhöhung nach diesem Leben trachten. Der Prozess, Bündnisse zu halten, hat lange vor diesem Leben begonnen und wird noch lange nach diesem Leben bestehen. Die Bündnisse, die uns in diesem Leben angeboten werden, wurden geschaffen, bevor diese Welt geformt wurde. Diejenigen, die den neuen und immerwährenden Bund der Ehe und die Tempel-Bündnisse schließen und diese Bündnisse heilig halten, werden ewiges Leben in der Gegenwart Gottes empfangen.

Ja, wir sind ein Bundesvolk. Kannst du dir irgendein Privileg vorstellen, das großartiger ist, als was uns durch die Taufe in der Kirche des Herrn angeboten wird? Diese Bündnisse werden durch das Melchisedekische Priestertum geschlossen, welches nur in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage existiert. Darum sind Bündnisse wichtig.


Über Kelly P. Merrill

Kelly Merril befindet sich im Vorruhestand und schreibt für mormonbasics.com. Er lebt mit seiner Frau auf Hawaii, und ja, er macht sich seit zwei Jahrzehnten keine Sorgen zum Thema Winter. Er findet Freude daran, über das Evangelium Christi zu schreiben. Über das Evangelium zu schreiben ist sein persönlicher Weg, Missionsarbeit zu tun. Damit erreicht er sowohl Mitglieder der Kirche als auch Menschen anderen Glaubens, die gerne mehr über Christus und seine Kirche erfahren möchten.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 21. September 2015 auf www.ldsblogs.com veröffentlicht. Der Autor ist Kelly P. Merrill. Übersetzt von Maren Leit.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.