Foto-Essay: Die Geschichten hinter den atemberaubenden Glasmalereien des Rom-Tempels

Als Präsident Thomas S. Monson 2008 ankündigte, dass in Rom ein Tempel gebaut werden soll, drangen die Worte Tom und Gayle Holdman tief in die Herzen, und sie spürten stark, dass sie daran beteiligt sein wollten. Sie hatten bereits Glasmalereien für historische Tempel von Palmyra über Nauvoo bis Salt Lake City entworfen und jetzt, so hofften sie, würde Rom die nächste Etappe dieser Reise sein.

Zu sehen ist Bild 1 der Glasmalereien des Rom-Tempels (Siegelungsraum).

„Dies ist die alte Stadt, in der Paulus und Petrus gepredigt haben, und jetzt werden wir dort einen Tempel bauen”, sagte Tom. „Hatten diese Apostel auf diesen Tempel gehofft, ihn sich gewünscht oder ihn in Visionen sehen können? Ich weiß es nicht. Aber als Künstler fühlten wir uns, als wären die Herzen und Seelen der ersten Christen bei uns, als wir die Glasmalerei für den Tempel planten. Unsere Gefühle ließen sich nicht in Worte fassen.”

Als Tom und Gayle am Tag der offenen Tür, der erst vor kurzem in Rom stattfand, teilnahmen, hatten sie Flyer/ Handzettel mitgebracht, die sie mit den Besuchern teilten. „Wir machen Missionsarbeit in der gleichen Stadt, in der Paulus und Petrus Missionsarbeit geleistet haben”, dachten sie.

Sie sind ein bemerkenswertes Team, das die Kunst der Glasmalerei auf Weltklasse-Niveau gehoben hat. Nur sehr wenige haben sich an Projekte wie ihre gewagt.

Zu sehen ist Bild Nummer 2 der Glasmalereien, im Inneren des Rom-Tempels, ein wunderschönes Fenster.

Da Tom manchmal stottert, wurde er von seinem Lehrer in der zweiten Klasse ermutigt, sich durch Kunst auszudrücken. Es war das gleiche Stottern, das seine Angst vor der Annahme einer Missionsberufung verstärkte. Als sein Missionspräsident ihm vorschlug, seine Berufung um einige Monate zu verlängern, war er wieder besorgt und brachte seine Sorgen vor den Herrn, der antwortete: „Wenn du bleibst, werde ich dich segnen.” Tom fragte: „Wie wirst du mich segnen?”

Tom sagt, dass der Herr zu seiner Seele, zu seinem Innersten gesprochen habe und sagte: „Du musst die Glasmalerei zu deinem Beruf machen.”

Im Anschluss an seine Mission begann er mit der Herstellung von Glasmalerei in der Garage seiner Eltern. Heute ist die Kunst von Tom und Gayle in Rom, der Heimat Michelangelos, Berninis und da Vincis, in einem Tempel der Kirche zu bewundern. Der Herr hatte eine Mission für diesen talentierten Künstler; seine Frau schloss sich ihr an, als sie heirateten. Die beiden drücken ihre Kunst auf unterschiedliche Weise aus. Sie ist Autorin und Designerin. Er ist Maler. Sie arbeiten nahtlos zusammen.

Zu sehen ist Bild Nummer 3 der Glasmalereien des Rom-Tempels. Es handelt sich um den Ausschnitt eines schmalen Fensters.

„Gott lädt uns alle zu Großartigem ein”, sagt Gayle. „Manchmal kommen die Einladungen direkt vom Propheten und manchmal sind es Einladungen, die durch den Geist direkt an unsere Seele ergehen. Du musst nur daran denken, dass diese Einladungen zu etwas Großartigem genau wie Arbeit aussehen und du denken könntest, dass du nicht alles schaffen kannst. Aber der Herr sagt: Ich lade dich ein, weil ich etwas wirklich Erstaunliches habe, das ich dir geben möchte.”

Im Falle der Holdmans war diese Einladung, die gesamte Kirche zu berühren, indem sie Buntglasfenster für achtzig Tempel mit Zehntausenden von Scheiben schufen. Allein für den Rom-Tempel waren es 804 Scheiben, jede davon ein Kunstwerk. Daran waren viele Künstler beteiligt, die unter ihrer Leitung in ihrem Atelier in Lehi, Utah, arbeiteten.

Zu sehen ist Glasmalerei Nummer 4. Schwer zu sagen, ob es sich um eine Tür, ein Fenster oder etwas anderes handelt.

Als Kirchenmitglieder sind wir es gewohnt, ihre Handwerkskunst an einigen unserer schönsten Tempel zu sehen. Wenn wir an unsere neueren Tempel denken, ob wir es nun erkennen oder nicht, sehen wir auch die Arbeit, Vision und Hingabe der Holdmans.

Was den Rom-Tempel betrifft, bedeutet das acht Jahre Arbeit. Obwohl der Payson-Utah- Tempel letztendlich mehr Buntglasscheiben hat als jeder andere, ist das Verhältnis von Buntglas zu Wand im Rom-Tempel am höchsten. Das ist ein atemberaubender Anblick für den Betrachter, der an manchen Stellen vom Boden bis zur Decke Buntglas bietet.

Zu sehen ist eine wunderschöne, in die Decke des Rom-Tempels eingelassene Glasmalerei.

Um dieses Qualitätsniveau zu erreichen, ist ein akribischer, mühsamer, nach Feierabend erfolgender Drang nach Exzellenz erforderlich. Warum? Zum Teil ist es die Vorstellungskraft und Vision von Tom und Gayle, deren Werk, so sagen sie, ihre Art ist, ihre Liebe zum Herrn auszudrücken. Wenn Sie ihr Atelier betreten, haben Sie sofort das Gefühl, dass Sie von pulsierender Kreativität umgeben sind.

Auf diesem Foto ist Tom Holdman in seinem Atelier zu sehen. Zusammen mit seiner Frau Gayle leitete er das Projekt der Glasmalereien für den Rom-Tempel.

Die 4 Wände sind mit Fotos ihrer abgeschlossenen Arbeiten bedeckt, ein Fenster hier, eine filigrane Konstruktion dort. Für die Utah Valley University haben Sie ein 4,5 Millionen Dollar teures Buntglas namens „Wurzel der Erkenntnis” (Roots of Knowledge) geschaffen, das die Entwicklung des Wissens aus den Anfängen der Menschheit darstellt und sich über eine lange Wand mit 80 Platten und 60.000 Glasscheiben erstreckt. Dies war ein Zwölfjahresprojekt mit 40 Künstlern.

Ein weiteres Projekt gleicher Größe, welches sich noch in der Planungsphase befindet, ist auch an der Wand angebracht.

Doch die künstlerische Vision ist nur ein Teil dessen, was sie antreibt, und ist besonders bei Tempeln nur der kleinere Teil. Gayle sagt: „Die Menschen gehen in den Tempel, und es ist die transzendente Schönheit, die die Menschen zuerst bemerken. Wenn sie nicht wissen, was sie fühlen, aber wissen, dass es etwas Einzigartiges ist, sagen sie, dass sie es lieben und versuchen, es zu erklären. ,Es fühlt sich friedlich an. Es fühlt sich schön an’, sagen sie, aber sie wissen nicht, wie sie es beschreiben sollen. So schreiben sie ihre Gefühle normalerweise einfach der Schönheit zu, die sie sehen. Die Fenster sind schön. Die Skulpturen sind fantastisch. Wir versuchen, unser Bestes als Künstler zu geben, aber letztendlich ist es nicht unsere Kunst, die sie fühlen. Sie ist nur ein winziger Aspekt dieses Ganzen, durch den der Geist kommunizieren kann.”

Zu sehen ist die Eingangstür des Rom-Tempels mit ihren Glasmalereien.

Zu sehen sind zwei Fenstergriffe und außen herum weitere Glasmalereien.

Tom sagt: „Als wir das Glas im Tempel und im Besucherzentrum betrachteten, wussten wir, dass die wichtigsten Künstler nicht wir waren. Der wichtigste Künstler befand sich oben im Himmel. Es war seine Handschrift und wir waren nur Werkzeuge.”

„Ein Teil davon zu sein stimmt einen wirklich demütig”, sagt Gayle.

Zu sehen ist eine weitere Glasmalerei des Tempels der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Rom.

Das Thema der Glasmalerei des Tempels ist das Olivenblatt, und interessanterweise stand auf dem Tempelgelände einst ein Olivenhain. Die meisten Tempel sind heute von der lokalen Flora und Umgebung, die den Tempelbesuchern vertraut sind, inspiriert, aber das Olivenblatt hat eine viel größere Bedeutung. Ja, der Olivenbaum ist für Italiener und andere aus dem Mittelmeerraum Stammende, die diesen Tempel besuchen werden, von Bedeutung, aber vor allem ist er direkt mit dem Sühnopfer des Erlösers verbunden.

Zu sehen ist die Glasmalerei eines Fensters des Rom-Tempels der Kirche Jesu Christi.

Getsemani, wo Christus Qualen erlitt, um für unsere Sünden zu sühnen, bedeutet „Ölpresse”. Dies war ein Garten, in dem Olivenöl hergestellt wurde, was in der Antike hieß, dass Oliven unter dem Gewicht enorm schwerer Steine zerkleinert wurden. Durch wiederholtes Zerkleinern entstand süßes Öl, das wiederum eine Quelle der Heilung, des Lichts und der Nahrung für Israel war. So war gerade der Garten, in dem Christus das Sühnopfer vollbrachte, selbst ein Symbol dessen, was er erlebte – dieses erdrückende, zermalmende Gewicht, das auf ihm lastete und das der ganzen Menschheit ein so süßes und bedeutsames Geschenk bringen sollte.

Durch dieses niederdrückende Sühnopfer werden wir geheilt, finden wir Licht, werden wir genährt. Folglich könnte das Olivenblatt kein deutlicheres Symbol für  Christus abgeben.

Auf diesem Bild ist die Glasmalerei eines kleinen Fensters, welches noch nicht eingesetzt wurde.

Das Olivenblatt ist auch ein Symbol für Frieden und den Geist. Es wurden große Anstrengungen unternommen, um das Licht zu verstärken und die Strahlen durch Abschrägen und Schnitzen des Glases zu teilen.

Die Farbpalette für die Glasmalerei im römischen Tempel ist der Regenbogen, und wenn die Sonne durchstrahlt, sind die Teile der Tempelwände selbst manchmal mit Regenbögen verziert. Gayle sagt: „Unsere Aufgabe ist es, das Licht Gottes zu reflektieren, und da alle Farben darin enthalten sind, zeigt es, dass wir alle gebraucht werden, dass wir alle einzigartig sind und dass wir alle einen Platz haben. Wir verwenden die toskanische Version des Regenbogens, die etwas dezenter ist.”

Hier ist eine Glasmalerei in einer Nahaufnahme.

Durch das viele Glas ist der Tempel besonders lichtdurchflutet und Gayle sagt: „Ich habe am Tag der offenen Tür immer wieder den Kommentar gehört: ,Es gibt hier einfach so viel Licht.’”

Als die Fenster geliefert wurden, zählte man nur 802. Irgendwie hatte man zwei vergessen, da 804 benötigt wurden. Ihr talentierter Sohn, ein jugendlicher Künstler, schuf die beiden anderen, was diese für sie zu etwas ganz Besonderem macht.


Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich auf latterdaysaintmag.com unter dem Titel „TEMPLES Photo Essay: Story Behind the Rome Temple’s Stunning Stained Glass” veröffentlicht. Die Autoren sind Scot und Maurine Proctor. Übersetzt von Janine Windhausen.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: churchofjesuschrist.org und kirche-jesu-christi.org.

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