Vor genau zwei Jahren ging ich zum ersten Mal in den Provo-Tempel, um mein Endowment zu empfangen. Ich tat das nicht, wie es oft ist, weil ich auf Mission gehen oder weil ich heiraten würde (nicht, dass das nicht beides tolle und auch wichtige Gründe sind – so lange man auch für sich selbst und aus dem richtigen Grund geht). Ich ging dorthin, weil ich es selbst so wollte. Ich ging, weil es mir persönlich sehr wichtig war. Ich ging dorthin, weil ich mich Gott näher fühlen und meine Beziehung zu ihm stärken wollte. Zwei Wochen später wurde ich als Verordnungsarbeiterin berufen. (Anm. d. Ü.: Im Tempel werden verschiedene heilige Handlungen durchgeführt, bei denen es Verordnungsarbeiter gibt, die den Teilnehmern helfen, sich zurechtzufinden.) Mal von all den Abenden abgesehen, an denen ich dort also gearbeitet habe, habe ich den Tempel auch für mich persönlich wöchentlich besucht. Ich wüsste gar nicht, wie ich ohne ihn auskommen könnte. Es gibt natürlich auch viele Menschen, die noch nie im Tempel waren und Fragen dazu haben. Hier meine Antworten.

„Was, wenn es mich nervös macht? Al, ist der Tempel beim ersten Mal nicht etwas seltsam?”

Ich möchte euch eigentlich gerne schütteln und dann laut sagen: „Nein! Ihr geht doch in das Haus des Herrn. Seid nicht nervös. Der Heilige Geist wird dort zu fühlen sein. Ich glaube, das Problem ist, dass wenn man mit jemandem darüber spricht, der noch nicht im Tempel war, man sich oft darauf konzentriert zu betonen, wie anders alles ist. Und das irritiert den anderen dann. Lasst euch nicht nervös machen. Klar ist es anders – aber nur dahingehend, dass es anders ist als was wir sonst sonntags in der Kirche tun. Ihr werdet überrascht sein, wie schön es dort ist und wie bekannt euch alles vorkommen wird. Ihr werdet fühlen können, dass es wortwörtlich das Haus des Herrn ist und dass er durch die Gänge geht und genau weiß, wann wir dort sind – du kannst es fühlen. Ist es nicht sogar ein Zeichen dafür, dass etwas von Gott kommt und nicht von Menschen, wenn nicht alles sofort von Anfang an Sinn ergibt? Lasst euch nicht irritieren oder entmutigen. Geistiges kommt direkt von Gott und nicht von anderen Menschen – es wird zwar etwas Neues sein, aber auch so spannend!

„Wie sieht es mit Garments aus?”

Kurz nachdem ich getauft worden war, spielte ich mit den Missionaren an ihrem P-Day (ihrem „freien” Tag) bei der Kirche Baseball. Ich hatte keine Ahnung, was es mit ihnen auf sich hatte, aber es fiel mir auf, dass alle, selbst die Sisters (die Missionarinnen), welche trugen. Ich wusste nicht, dass sie irgendetwas mit dem Tempel zu tun hatten, niemand hatte mir gegenüber etwas darüber erwähnt, aber als ich sie sah, wollte ich sie aus irgendeinem Grund auch. Als ich sie sah, musste ich an das Wort „Schutz” denken. Jahrelang stand der Tempelbesuch auf meiner Prioritätenliste ganz oben. Ich wollte es so sehr. Ich wollte unbedingt Garments tragen (auch wenn ich vielleicht die einzige bin). Als dann der Zeitpunkt gekommen war und ich sie anziehen durfte, war ich so glücklich, dass ich aus der Tür des Umkleideraums stürmte, und das nur in Garments, und vor drei 80-jährigen Tempelarbeiterinnen zu tanzen anfing. Das ist kein Witz. Könnt ihr euch vorstellen, wie die Tempelarbeiterinnen geschaut haben, als ich da vor ihnen stand? Sie sind nicht hässlich, nicht seltsam, nicht unbequem, und all die Versprechen, die mit ihnen einhergehen, sind meine Lieblingsversprechen im Tempel (falls man da Favoriten haben kann). Die einzigen negativen Gedanken zum Thema Garments – und das meine ich jetzt auf netteste, gar nicht beleidigende Art und Weise – hat man aus Stolz und egoistischen Gründen. Es ist nun einmal so: Garments sind das einzige Materielle, was man aus dem Tempel mitnehmen kann, und ich sehe es als Segen, dass ich so etwas immer bei mir haben kann.

„Was, wenn ich Angst davor habe, Gott noch mehr zu versprechen?”

Das ist gut so. Und das solltest du beibehalten. Dann ist dir immer bewusst, dass du richtige Entscheidungen treffen musst – aber lass dich dadurch nicht davon abhalten, in den Tempel zu gehen und diese Bündnisse zu schließen. Keines der Versprechen, die man im Tempel eingeht, kann man nicht halten, und um ehrlich zu sein ist auch nichts dabei, was du nicht auch tun würdest, wenn du vorher schon gewusst hättest, dass es dazu gehört.

„Woher weiß ich, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist?”

Um ehrlich zu sein habe ich diese Frage immer wirklich gehasst. Wäre es nach mir gegangen, wäre ich schon einen Monat nach meiner Taufe in den Tempel gegangen, um das Endowment zu bekommen. Ich habe tagtäglich über den Tempel nachgedacht, und es war meine höchste Priorität, eines Tages dorthin zu gehen. Nach etwa einem Jahr ging ich zu meinem Bischof und fragte ihn, ob es etwas gäbe, was ich vorbereitend tun könnte. Seine Antwort enttäuschte mich sehr. „Al, ich weiß, dass du bereit dazu bist und es gibt nichts, was du darüber hinaus tun könntest. Es ist einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt.” (Stich ins Herz.) Wie sehr ich es doch hasste, dass ich zwar bereit war, es aber noch nicht der richtige Zeitpunkt war! Ich glaube, ich ging jeden Monat zu meinem Bischof, um ihn zu fragen, ob der Herr nun endlich seine Meinung geändert habe und es nun nicht doch an der Zeit sei zu gehen. Und dann, einen Monat nach dem dritten Jahrestag meiner Taufe, mit 24 Jahren, änderte sich das. Obwohl mein Wunsch zu gehen so groß gewesen war, hatte ich plötzlich eines Tages, als ich darauf wartete, an den Taufen teilzunehmen, das Gefühl, dass ich irgendwie fehl am Platz sei. Nicht, dass ich im Tempel fehl am Platz sei, sondern in diesem Bereich des Tempels. Ich sprach also wieder mit meinem Bischof und bekam 1 ½ Wochen später mein Endowment. Wenn ihr wie ich für das Endowment zum Tempel wollt, ohne dass ihr bald auf Mission gehen werdet oder vorhabt, bald zu heiraten, dann ist sein Timing einfach doch am besten, auch wenn es schwer ist. Der Heilige Geist spricht oft durch wiederkehrende Gedanken zu uns. Wenn das also etwas ist, an das ihr immer und immer wieder denken müsst, dann müsst ihr diesen Gedanken wohl ernst nehmen. Lasst euch nicht durch euer Alter oder sonst etwas entmutigen. Ihr müsst mit dem Bischof und dem Herrn ausmachen, wann der beste Zeitpunkt gekommen ist. Die beste Art und Weise, sich darauf vorzub

ereiten in den Tempel zu gehen, ist meiner Meinung nach, sich darauf vorzubereiten und bereit zu sein, die ganze Erfahrung einfach zu akzeptieren.  Wenn ihr zu dem Punkt gelangt seid und wisst, dass der Tempel das Haus des Herrn ist und dass alles, was ihr tun und hören werdet, auch von Gott stammt, dann seid ihr bereit. Viele von euch werden deswegen in den Tempel gehen, weil sie es „müssen”, um auf Mission zu gehen und ihr könnt euch den Zeitpunkt dann nicht aussuchen – freut euch darauf!

„Wie bereitet man sich am besten darauf vor, in den Tempel zu gehen?”

Klar gibt es unheimlich viele Schriftstellen, die man zur Vorbereitung lesen kann, aber um ehrlich zu sein haben die Schriftstellen, die etwas mit dem Tempel zu tun haben, erst dann für mich Sinn ergeben, nachdem ich im Tempel gewesen war und sie dann noch einmal las. Selbst jetzt geht es mir noch so, dass ich, wenn ich in den Schriften lese (von der Bibel bis zu Lehre und Bündnisse) überrascht bin, wie viel sich davon auf den Tempel bezieht. Die beste Vorbereitung ist es also, an seinem Zeugnis zu arbeiten. Es ist ganz einfach: Je stärker euer Zeugnis ist, desto eher seid ihr bereit, desto besser könnt ihr die spirituellen Dinge und was von Gott kommt verstehen, annehmen und erkennen.

 

„Die Ehe und der Tempel”

Hurra: Hochzeit! Als letzte heilige Handlung folgt die Siegelung – das sagt doch einiges darüber aus, wie wichtig die Familie für Gott ist. (Das Beste zum Schluss.) Ich empfehle euch, so früh wie möglich vor der Siegelung in den Tempel zu gehen – ich glaube, das ist zwei Wochen vor dem Tag der Siegelung – so dass ihr euch auch voll und ganz auf die heiligen Handlungen und Bündnisse konzentrieren könnt, ohne von der Hochzeit abgelenkt zu werden. Und versucht, so oft wie möglich vor der Hochzeit noch einmal hinzugehen, um die Versprechen, die ihr eingeht, noch besser zu verstehen und auch, um die Erfahrung mit eurem Zukünftigen zu machen, um die Beziehung zu stärken und eine Gewohnheit daraus zu machen. Ich würde euch auch auf jeden Fall empfehlen, auch schon an stellvertretenden Siegelungen teilzunehmen. Häufig ist die erste Siegelung, an der man teilnimmt, die eigene, und in 99% der Fälle erinnert man sich dann nicht mehr an das Gesagte.  Da wird Unglaubliches versprochen, und es ist perfekt dafür zu erkennen, was du und dein Ehepartner erreichen könnt und in eurer Partnerschaft haben werdet. Falls euch das aus irgendeinem Grund nicht vorher möglich sein sollte, empfehle ich, dass ihr sofort nach euren Flitterwochen wieder hingeht – oder davor oder während.

„Tattoos und der Tempel”

Oft höre ich jemanden sagen: „Aber Al, du kannst doch nicht mit Tattoos zum Tempel gehen.” Ich hoffe, dass ich die Frage mit diesem Artikel beantworten konnte.

Die Segnungen des Tempels kann ich in jedem Bereich meines Lebens sehen. Ich weiß gar nicht, was ich ohne den Tempel tun würde. Er ist für mich mein Zuhause. Habt keine Angst. Furcht kommt nicht von Gott. Seid ganz entspannt. Ihr geht zum Haus des Herrn. Geht einfach hin. Und geht oft hin. Geht hin, einfach um zu fühlen, und macht euch keine Sorgen darüber, dass ihr anfangs nicht alles versteht. Wenn ihr Bündnisse eingeht und haltet, wird Segen über euch ausgeschüttet werden. Ihr solltet es niemals als Bürde ansehen und auch keine Angst davor haben. Strebt danach und freut euch darauf und darüber, an der großartigsten Sache, die je geschaffen wurde, teilzuhaben. Nicht nur irgendwann in der Ewigkeit, sondern im Jetzt und Hier, in der Sterblichkeit.

„Wie gewinnt man dem Tempel immer noch etwas ab, auch wenn man schon seit Jahren hingeht?”

Als ich noch in Provo lebte und dort zur Kirche ging, hörte ich einmal eine großartige Frage und eine ebenso großartige Antwort. Jemand sprach darüber, dass er schon so häufig im Tempel gewesen war, dass er das Gefühl hatte, sich dort schon fast zu wohl zu fühlen. Dann fiel ihm jedoch auf, dass es eigentlich doch etwas Großartiges sei, dass er so oft schon dort gewesen war, dass er sich dort quasi zu Hause fühlte – denn das ist es ja auch. Es ist tatsächlich ein Stück Himmel auf Erden und man sollte sich dort geliebt und wohl fühlen. Im Buch „Lehren der Proheten” heißt es über Präsident David O. McKay, der über die Tempelbündnisse sagte: „Dann sagte er: ‚Brüder, ich glaube, endlich beginne ich zu begreifen.’ Da war er, der Prophet, der über fünfzig Jahre Apostel gewesen war, und noch immer lernte er dazu.” Geht hin. Geht oft hin. Und hört zu. Geht hin und macht euch bewusst, dass es immer wieder etwas Neues dazuzulernen gibt und wir mit Sicherheit nicht alles wissen.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 2.11.14 auf alfoxshead.blogspot.com veröffentlicht. Die Autorin ist Al (Fox) Carraway. Übersetzt von Kristina Vogt.

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