Kürzlich wurden die Worte eines HLT-Bischofs in den sozialen Medien geteilt. Er sprach über die schädliche Gewohnheit, andere zu verurteilen. Er benutzte dazu das Beispiel, dass manche Bräute Brautkleider tragen, mit denen das Tragen des Tempel-Garments nicht zu vereinbaren ist, selbst wenn sie im Tempel heiraten.

Es ist eine machtvolle und aufrichtige Rede darüber, wie wir Christus ähnlicher werden können. Der Bischof warf so manche interessante Frage auf, unter anderem die, ob es jemals angebracht sei, jemanden zu richten und wie wir für Rechtschaffenheit einstehen können, ohne andere zu verurteilen. Die folgenden vier Punkte bringen hoffentlich etwas Klarheit zu diesen Fragen und helfen uns dabei, bereichernde und liebevolle Beziehungen zu allen Menschen in unserem Umfeld aufzubauen.

Den Drang zu urteilen verfeinern

Der Drang, andere zu richten, ist etwas ganz Natürliches. Wie es mit all unseren natürlichen Neigungen der Fall ist, muss unsere Fähigkeit, andere zu richten, verfeinert und weise gebraucht werden. Wir müssen beurteilen und unterscheiden können, was böse und gut ist. Wir müssen sogar lernen, zwischen gut, besser und am besten zu unterscheiden. Wir müssen verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten beurteilen und Entscheidungen treffen. Wir müssen in der Lage sein, beurteilen zu können, ob eine Situation oder Beziehung für uns, im geistigen Sinne, sicher ist. Das verlangt von uns, dass wir Urteile fällen, die auf den Entscheidungen und Lebensstilen anderer basieren.

Diese Urteile sind allerdings oft extrem individuell und fokussieren sich auf die innere Besinnung. Sogar wenn andere involviert sind, basiert das Urteil auf einer Entscheidung, die wir persönlich treffen.

Jemanden zu verurteilen (wie wir es hier verstehen) ist weit von einer persönlichen, geistigen Entscheidung entfernt. Wir verurteilen oft schnell, ohne groß darüber nachzudenken; die Wurzel ist der Stolz. Oft wird dabei der Wert eines Menschen anhand eines einzigen, begrenzten Aspekts bestimmt. Diese Art zu urteilen oder zu richten missbilligt der Herr.

Über Verantwortungen nachdenken

Eine Tempel-Matronin erzählte einer Gruppe von Tempelarbeitern über etwas Trauriges, was sie gesehen hatte. Im Brautraum des Tempels fand sie im Mülleimer Teile eines zerschnittenen Garments. Eine Braut hatte sich eine Schere genommen, um ihr Garment so zurechtzuschneiden, dass es unter ihr Brautkleid passte.

Hätte die Matronin die Braut dabei gesehen, dann hätte sie Stellung dazu genommen, warum das Zerschneiden des Garments nicht akzeptabel ist. Du magst dich fragen: „Inwiefern ist das anders als eine Braut außerhalb des Tempels stehen zu sehen, mit einem freizügigen Kleid, und sich zu fragen, wo ihre Garments sind?”

Es geht um Verantwortung. Gott ist der Einzige, der uns richten kann. Er hat allerdings bestimmte Rollen vergeben und bestimmte Leute dazu beauftragt, Richter zu sein. Die Matronin hat Verantwortung dafür, die heiligen Handlungen des Tempels zu schützen und andere zu belehren, so gut wie sie nur kann, damit sie den Tempel und ihre Bündnisse respektieren und in Ehren halten.

Elder Enzio Busche gab diesen Rat:

„Verurteile niemanden. Wenn du diesem Rat folgst, wirst du frei sein. Wenn es um deine eigenen Kinder oder um Menschen geht, für die du Verantwortung trägst, dann hilf ihnen zu lernen, ihr eigener Richter zu werden.”

Wenn wir den Drang verspüren zu richten, sollten wir uns die Frage stellen, ob es in unseren Verantwortungsbereich fällt. Sind wir Eltern, die ein Kind unterweisen? Sind wir ein Bischof, der die Mitglieder berät? Haben wir eine Berufung, die von uns verlangt andere zu richten? Sind wir Arbeitgeber, die eine Entscheidung über einen Arbeitnehmer treffen müssen? Wurde uns die Verantwortung zu richten aufgetragen? Wenn ja, dann ist der Rat von Elder Busche eine Erinnerung daran, dass wir sogar in diesen Situationen andere dazu anhalten sollten, sich selbst zu richten, anstatt ihnen unser Urteil mitzuteilen.

Sich vom Balken befreien: Lösungen fürs Verurteilen

Wenn wir andere verurteilen, spiegelt es die dunkelste Seite von uns selbst wider. Es gibt einen Grund, warum Jesus gesagt hat: „Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr?” (Lukas 6:41)

Es könnte hilfreich sein darüber nachzudenken, warum wir jemanden verurteilen wollen, um herauszufinden, was wir an uns verändern sollten. Mangelt es uns an Nächstenliebe? Haben wir Schuldgefühle und versuchen, uns deswegen an anderen aufzuwerten? Sind wir wütend, weil uns anscheinend eine Segnung fehlt, und verurteilen wir deswegen diejenigen, die es „leicht haben”?

Im Endeffekt gibt es zwei große Lösungsansätze für das Verurteilen: Demut und Nächstenliebe. Danach zu trachten, diese beiden christusähnlichen Eigenschaften zu erwerben, hilft uns dabei, unsere bitteren Urteile zu ersticken.

Verurteilung gibt es. Aber uns steht sie nicht zu.

Obwohl Christus uns geboten hat, andere nicht zu verurteilen, wäre es falsch zu behaupten, dass es keine falschen und richtigen Entscheidungen gäbe oder, dass sündhaftes Verhalten keine Folgen hätte. Verurteilung gibt es, aber sie steht uns nicht zu. Gott ist unser Richter. Er ist der Einzige, der all unsere Gedanken und Herzensabsichten kennt. Er hat perfektes Verständnis für unsere Entscheidungen. Er weiß, in welchem Maß wir für diese Entscheidungen verantwortlich sind.

Aufzuhören andere zu verurteilen bedeutet nicht, dass wir Schlechtigkeit billigen. Es bedeutet, dass wir das Richten einem kompetenten Richter überlassen, nämlich Gott. Wenn wir dies tun, werden sich unsere Herzen mit Nächstenliebe füllen und unsere Dankbarkeit für die Gnade Gottes wird wachsen.


ABOUT ALEAH INGRAM

Aleah ist eine Absolventin der Southern-Virginia-Universität. Sie studierte dort Englisch, Kreatives Schreiben und Tanz. Sie arbeitet jetzt in Vollzeit als Manager, Autor und Editor sozialer Medien. Aleah diente als Vollzeit-Missionarin in Kalifornien und ist süchtig nach Biomilch, Lang-Leav-Poesie, Gaynor- Minden-Schuhen und Bollywood-Filmen.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 17. Mai 2017 auf www.ldsdaily.com veröffentlicht. Die Autorin ist Aleah Ingram. Übersetzt von Maren Leit.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.