Ein weltweiter Blick auf die bekannteste Glaubensfigur der Geschichte

Jesus Christus ist wohl die bekannteste religiöse Persönlichkeit der Weltgeschichte. Das Christentum ist die größte Weltreligion. Für uns als Christinnen und Christen ist er der Sohn Gottes, unser Erlöser und der Mittelpunkt unseres Glaubens. Doch immer wieder höre ich auch Menschen anderer Religionen von Jesus sprechen. Deshalb habe ich mich näher damit beschäftigt, wie die größten Weltreligionen eigentlich über Jesus denken. Schließlich ist er nicht nur für uns als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage von zentraler Bedeutung, sondern spielt auch in vielen anderen religiösen Traditionen eine Rolle – wenn auch ganz anders als bei uns.

Bei meinen Recherchen war ich manchmal überrascht, wie oft Jesus in anderen Glaubensrichtungen vorkommt – aber oft ganz anders, als wir ihn kennen. Wer Jesus nun wirklich war, und welche Rolle er wirklich spielte – nun, das liegt an dir selbst, das herauszufinden. Und während du dich näher mit Jesus beschäftigst, überlege dir, was sich für dich persönlich richtig anfühlt und was du selbst eigentlich glaubst – und wie du ihn selbst vielleicht noch besser kennenlernen kannst. 

Jesus im Islam: Der verehrte Prophet ohne Kreuz

    Der Islam ist die zweitgrößte Weltreligion mit über zwei Milliarden Anhängern. Er entstand im 7. Jahrhundert n. Chr. auf der Arabischen Halbinsel und gründet sich auf die Offenbarungen des Propheten Mohammed.

    Im Islam ist Jesus, dort Isa genannt, eine hoch angesehene Persönlichkeit. Muslime glauben, dass er von der Jungfrau Maria geboren wurde und viele Wunder gewirkt hat. Allerdings sehen sie ihn nicht als Sohn Gottes, sondern als einen der wichtigsten Propheten. Nach islamischem Glauben ist Jesus nicht am Kreuz gestorben. Stattdessen glauben Muslime, dass Gott ihn lebendig in den Himmel aufgenommen hat. Nach islamischer Überlieferung wird Jesus am Ende der Zeit zurückkehren und als gerechter Richter auftreten. Für Muslime bleibt Jesus jedoch immer ein Mensch — niemals göttlich.

    Jesus im Hinduismus: Verehrt, aber nicht einzigartig

      Der Hinduismus ist die drittgrößte Religion der Welt und eine der ältesten religiösen Traditionen überhaupt. Er entwickelte sich über Jahrtausende auf dem indischen Subkontinent und umfasst viele Glaubensrichtungen und Göttervorstellungen.

      Er hat keine einheitliche Lehre über Jesus Christus, aber in vielen hinduistischen Strömungen wird Jesus dennoch geachtet.

      Manche sehen ihn als großen Lehrer oder Weisen, vergleichbar mit einem Guru. Andere deuten ihn als Avatar, also als göttliche Erscheinung – ähnlich wie Krishna oder Rama. Besonders in neuzeitlichen Bewegungen wie der Hare-Krishna-Bewegung oder der Ramakrishna-Mission taucht Jesus immer wieder als „heiliges Vorbild“ auf.

      Doch in all diesen Deutungen bleibt Jesus einer von vielen. Hindus glauben an viele Wege zu Gott, und Jesus wird oft einfach in die lange Reihe spiritueller Persönlichkeiten eingeordnet – nicht als Sohn Gottes oder einziger Erlöser.

      Jesus im Buddhismus: Ein Weiser, aber kein Retter

        Der Buddhismus entstand im 5. Jahrhundert v. Chr. in Indien. Er basiert auf den Lehren Siddhartha Gautamas (Buddha) und verbreitete sich später über ganz Asien. Im Zentrum steht der Weg zur Erleuchtung durch Selbsterkenntnis und Mitgefühl.

        Im klassischen Buddhismus taucht Jesus gar nicht auf – schließlich lebte Buddha mehrere Jahrhunderte vor Jesus, und ihre Lehren haben ganz unterschiedliche Ursprünge. Trotzdem wird Jesus in vielen modernen buddhistischen Schulen mit Respekt erwähnt.

        Manche betrachten ihn als Bodhisattva, also als mitfühlendes Wesen, das anderen auf dem Weg zur Erleuchtung hilft. Andere sehen in ihm ein Vorbild für Gewaltlosigkeit, Mitgefühl und Hingabe – zentrale buddhistische Werte.

        Doch auch hier gilt: Jesus ist kein Erlöser. Im Buddhismus geht es nicht um Sündenvergebung durch ein Opfer, sondern um Selbsterkenntnis, Disziplin und den Weg zur inneren Befreiung. Jesus wird also geachtet, aber nicht gebraucht, um Erlösung zu erlangen.

        Jesus im Judentum: Kein Messias, kein Gott

          Das Judentum ist die älteste der drei abrahamitischen Religionen. Es entstand vor über 3000 Jahren im Nahen Osten und bildet die religiöse Wurzel sowohl des Christentums als auch des Islam.

          Im Judentum gilt Jesus meist als jüdischer Lehrer oder Wanderprediger, aber nicht als Messias und schon gar nicht als Sohn Gottes. Nach jüdischer Überzeugung ist der verheißene Messias noch nicht gekommen. Die Vorstellung, dass Jesus durch seinen Tod die Menschheit erlöst hat, gehört nicht zum jüdischen Glauben. Stattdessen bleibt Jesus für viele Juden ein Mensch, der eine neue Bewegung gegründet hat, die sich später vom Judentum abgespalten hat.

          Messianische Juden: Jesus als Messias im jüdischen Gewand

            Neben dem klassischen jüdischen Glauben gibt es heute auch eine wachsende Bewegung von Menschen jüdischer Herkunft, die Jesus als Messias anerkennen. Diese Gruppen nennen sich „messianische Juden“. Sie glauben, dass Jesus — oder auf Hebräisch: Jeschua — tatsächlich der verheißene Messias Israels ist und der Sohn Gottes, der für die Sünden der Menschheit gestorben und auferstanden ist.

            Messianische Juden halten oft an vielen jüdischen Traditionen fest: Sie feiern Feste wie das Passah oder Jom Kippur, lesen die hebräische Bibel und leben ihre jüdische Identität bewusst. Gleichzeitig akzeptieren sie das Neue Testament und sehen Jesus als die Erfüllung der alttestamentlichen Prophetien.

            Für das offizielle Judentum ist dieser Glaube ein Widerspruch. Viele jüdische Gemeinden lehnen messianische Juden ab und betrachten sie nicht mehr als Teil des Judentums, da der Glaube an die Göttlichkeit Jesu aus jüdischer Sicht mit dem Monotheismus unvereinbar ist. Dennoch verstehen sich messianische Juden selbst nicht als Christen im klassischen Sinne, sondern als Juden, die an den Messias glauben — und glauben, dass er bereits gekommen ist.

            Dieser besondere Zugang zu Jesus zeigt, dass der Glaube an ihn nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb jüdischer Herkunft auf eine sehr persönliche Weise gelebt werden kann. Er erinnert uns daran, dass Jesu Einladung, ihm zu folgen, Menschen aller Völker — auch seines eigenen Volkes — gilt. 

            Jesus im Sikhismus: Hoch geachtet, aber nicht göttlich

              Der Sikhismus entstand im 15. Jahrhundert in Nordindien und vereint Elemente aus Hinduismus und Islam. Er lehrt die Verehrung eines einzigen, formlosen Gottes und betont Gleichheit, Dienst am Nächsten und inneres Wachstum.

              Jesus wird oft als heiliger Mensch oder Prophet gesehen, der Gottes Willen verkündet hat. Seine Lehre über Liebe, Demut und Gerechtigkeit passt gut zur Ethik des Sikhismus.

              Aber: Jesus ist im Sikhismus nicht der Sohn Gottes, nicht der einzige Weg zu Gott, und nicht der Erlöser der Menschheit. Nach sikhischem Verständnis führt Hingabe, Gebet und selbstloses Leben zur Vereinigung mit Gott – ganz ohne Mittler.

              Jesus bei den Baháʼí: Einer unter vielen

                Die Baháʼí-Religion ist eine vergleichsweise junge Weltreligion, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Persien entstand. Sie wurde von Bahá’u’lláh gegründet, der von seinen Anhängern als neuer Offenbarer Gottes angesehen wird – vergleichbar mit Moses, Jesus oder Mohammed.

                Die Baháʼí glauben an die Einheit aller Religionen, die Gleichwertigkeit aller Menschen und die fortschreitende Offenbarung Gottes durch verschiedene Boten in der Geschichte der Menschheit. Für ihre Anhänger ist Jesus eine „Manifestation Gottes“, ein göttlicher Lehrer, der eine wichtige Botschaft für seine Zeit hatte. Allerdings ist er nur eine von vielen Manifestationen — neben Moses, Buddha, Mohammed oder Bahá’u’lláh, dem Gründer der Baháʼí-Religion.

                Während wir glauben, dass Jesus der einzige Weg zum Vater ist, sehen die Baháʼí in ihm nur einen Teil eines großen, stufenweisen Offenbarungsplans. Seine Einzigartigkeit wird dadurch relativiert.

                Jesus bei den Mandeäern: Der abgelehnte Prophet

                  Die Mandeäer sind eine kleine religiöse Gemeinschaft mit sehr alten Wurzeln im Nahen Osten. Ihr Ursprung reicht vermutlich bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. zurück. Sie verehren Johannes den Täufer als ihre zentrale Figur. Obwohl sie zahlenmäßig sehr klein sind, (weltweit etwa 50-100.000 Anhänger) verdienen sie in diesem Überblick Erwähnung, weil ihr Blick auf Jesus besonders ungewöhnlich und kontrastreich ist.

                  Ihre Religion ist eng mit dem frühen Nahen Osten verbunden, hat aber weder mit Judentum noch mit Christentum direkt zu tun.

                  Im Mittelpunkt ihres Glaubens steht Johannes der Täufer, der als größter Prophet verehrt wird. Jesus hingegen wird von den Mandeäern abgelehnt. Sie sehen ihn nicht als Retter oder Sohn Gottes, sondern als jemanden, der Menschen vom wahren Weg — dem Weg Johannes’ — abgebracht hat.

                  Diese Ablehnung Jesu unterscheidet die Mandeäer deutlich von anderen Religionen, die Jesus zumindest als Propheten oder Lehrer achten. Für Christen wirkt das fast unvorstellbar — und macht deutlich, wie unterschiedlich die religiöse Deutung ein und derselben historischen Figur sein kann.

                  Gnostische Ideen: Alte Bewegung, moderne Spuren

                  Die Gnosis war eine spirituell-philosophische Bewegung, die vor allem in den ersten Jahrhunderten nach Christus verbreitet war. Sie beeinflusste frühchristliche Diskussionen stark, wurde aber später von der Kirche als Irrlehre abgelehnt.

                  Zwar gibt es heute keine Gnostiker mehr im klassischen Sinne, doch die gnostische Bewegung der ersten Jahrhunderte nach Christus hatte einen großen Einfluss auf die Frage, wie Menschen Jesus sehen. Gnostiker lehnten die Vorstellung ab, dass Jesus durch sein Opfer am Kreuz die Menschheit erlöst hat. Stattdessen betrachteten sie ihn als Lehrer von verborgenem Wissen, das den Menschen helfen sollte, sich selbst zu erkennen und aus der materiellen Welt „zu entkommen“.

                  Diese Lehre war stark spirituell und betonte die persönliche Selbsterkenntnis über jede Form von Gnade oder Erlösung durch Christus. Die ursprünglichen Gnostiker verschwanden spätestens im 4. Jahrhundert, doch viele ihrer Ideen leben bis heute in moderner Esoterik, Selbsthilfephilosophie und spirituellen Bewegungen weiter.

                  Vorstellungen wie „Jesus als spiritueller Coach“, „inneres Licht entdecken“ oder „Erkenntnis statt Glauben“ klingen für viele heute vertraut — besonders in Social Media, Podcasts oder populären Sachbüchern. Auch wenn diese Gedanken selten direkt als gnostisch bezeichnet werden, tragen sie einen ähnlichen Kern in sich: Jesus wird entmythisiert, entgöttlicht und auf eine innere Erfahrung reduziert.

                  Wer Jesus für uns ist: Der Sohn Gottes und Erlöser

                  Für uns als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist Jesus der Sohn Gottes, der Schöpfer der Erde und unser persönlicher Erlöser. Er hat nicht nur gelehrt, sondern durch sein Opfer am Kreuz die Sünden aller Menschen auf sich genommen. Durch seine Auferstehung hat er den Tod überwunden und jedem von uns den Weg zurück zu unserem Himmlischen Vater geöffnet. Und er hat nicht nur vor 2000 Jahren gelebt. Er ist auch heute unser Fürsprecher beim Vater und jemand, zu dem wir eine wirkliche Beziehung aufbauen können.

                  Wir glauben, dass Jesus der einzige Weg zur wahren Freude und zur Errettung ist. Während andere Religionen ihn als Lehrer, Propheten oder moralisches Vorbild sehen, glauben wir, dass er der lebendige Christus ist, der jeden Menschen persönlich kennt und liebt.

                  Am Ende bleibt die wichtigste und persönlichste Frage: Wer ist Jesus für dich? Siehst du in ihm nur einen Lehrer oder einen guten Menschen? Oder glaubst du, dass er wirklich der Sohn Gottes ist, der dein Leben verändern kann?

                  Diese Frage entscheidet nicht nur darüber, wie wir über Jesus denken, sondern prägt unser ganzes Leben. Sie gibt uns Mut, Klarheit, Frieden und Hoffnung — genau das, wonach so viele Menschen in unserer Zeit suchen.

                  Jesus ist nicht nur eine Figur der Geschichte. Er lebt. Und er lädt dich ein, ihm nachzufolgen, ihn kennenzulernen und zu erfahren, wie sehr er dich liebt. Das ist die größte Botschaft, die wir teilen können — und sie verändert alles.

                  Quellen:

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