Ein persönlicher Moment am Rand einer öffentlichen Ansprache

Ich finde es immer wieder spannend, wenn man Generalautoritäten einmal jenseits ihrer offiziellen Aufgaben erlebt. Genau so ein Moment ergab sich gegen Ende einer BYU-Andacht von Elder Matthew Holland, dem Sohn des kürzlich verstorbenen Elder Jeffrey R. Holland.

Matthew Holland und sein Vater Jeffrey R. Holland lächeln in die Kamera.
Foto: Brigham Young University

In seiner Ansprache an der Brigham Young Universität sprach Elder Matthew Holland über eine sehr persönliche Situation: Er sagt:

„Erst letzte Woche erhielt ich eine sehr persönliche Erinnerung an diese Wahrheit [dass Jesus immer an unserer Seite ist]. Neben meiner Frau und meinen Kindern war mein Vater mein allerbester Freund auf dieser Erde. Von meiner Kindheit bis ins Erwachsenenalter war er mein größtes Vorbild – offenbar auch mein wichtigster Berater in Fragen von Haltung und Garderobe [siehe auch Titelbild]. Sein Verlust hat eine große Lücke in meinem Leben hinterlassen. Solange ich mich erinnern kann, brachte er wie kein anderer Lachen, Zuversicht und Weisheit in meinen Alltag.

Ich war auf diesen Moment nicht vorbereitet, als ich mein Handy öffnete und begriff, dass ich seinen Kontakt aus meiner Favoritenliste löschen musste. Nach zwei Wochen stoischer Fassung traf mich plötzlich das ganze Gewicht dieser Realität – und ich brach. Nie wieder würde ich einen Anruf bekommen und diese fröhliche, zuversichtliche Stimme hören. Nie wieder würde ich eine kurze liebevolle Nachricht erhalten, einen Insiderwitz oder eine sanfte Korrektur darüber, wie man ein besserer Mensch sein kann. Nie wieder würde ich einfach zum Telefon greifen und diesen kleinen, aber wichtigen Rat bekommen. Die rohen Emotionen brachen hervor. Ich war von Trauer erfüllt und zutiefst unsicher – über mich selbst und über die Welt, in der ich nun den Rest meines Lebens leben würde.“

BYU-Andacht von Elder Matthew Holland – Andacht mit persönlichem Einblick

Matthew Holland zeigt ein Foto von sich als Kind mit dem damaligen Propheten Spencer W. Kimball.
Foto: Brigham Young University

Elder Matthew Holland ist Generalautorität-Siebziger der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Vielen ist er auch als Sohn von Elder Jeffrey R. Holland bekannt, der über viele Jahre dem Kollegium der Zwölf Apostel angehörte.

Die BYU-Andacht von Elder Matthew Holland richtete sich zwar in erster Linie an Studierende, griff aber Themen auf, die weit über das Universitätsleben hinausgehen.

Die Wüste als wiederkehrendes Motiv im Buch Mormon

Das allgemeine Thema der ganzen Andacht, war das Buch Mormon. er spricht darüber. wie ihm beim Lesen im Buch Mormon immer wieder auffällt, wie häufig dort von der Wüste die Rede ist. Menschen sind unterwegs, verlassen Vertrautes und bewegen sich durch längere Phasen der Unsicherheit.

Elder Holland stellte diesen Gedanken in einen Zusammenhang mit Lebensabschnitten, in denen Orientierung fehlt oder Entscheidungen schwerfallen.

Er erinnert uns teffend: „Eure Wüsten sind Wegstationen, nicht das Ziel.“

Lesen im Buch Mormon – Alma 58

Eine Buch Mormon Sammlung von Jeffrey R. Holland und seiner Frau Patricia.
Foto: Brigham Young University

Elder Holland berichtet, dass an dem bereits erwähnten Abend, an dem ihn die Gedanken an seinen Vater besonders beschäftigten, er mehrfach den Eindruck hatte, im Buch Mormon weiterzulesen.

„An diesem Abend saß ich still in einem Stuhl und hing meinen Gedanken nach. Dabei kam immer wieder derselbe Eindruck: Geh und lies dein Buch Mormon. Schließlich nahm ich das Buch zur Hand und setzte dort fort, wo ich zuletzt aufgehört hatte – in Alma, Kapitel 58. Als ich zu lesen begann, merkte ich schnell, dass bestimmte Stellen direkt zu mir sprachen. Obwohl die Seite neu und unmarkiert war, fühlten sich die folgenden Worte an, als wären sie deutlich hervorgehoben.“

Er begann in Alma, Kapitel 58. Beim Lesen fielen ihm einzelne Verse auf, die einen direkten Bezug zu seiner Situation hatten.

„10 Darum schütteten wir unsere Seele im Gebet vor Gott aus, er möge uns stärken und uns aus den Händen unserer Feinde befreien, ja, und uns auch Kraft geben, unsere Städte und unsere Ländereien und unsere Besitztümer für den Unterhalt unseres Volkes zu behalten.

11 Ja, und es begab sich: Der Herr, unser Gott, suchte uns auf mit Zusicherungen, er werde uns befreien, ja, sodass er unserer Seele Frieden zusprach und uns großen Glauben gewährte und uns dazu brachte, dass wir die Hoffnung auf unsere Befreiung in ihn setzten.“

Über diese Stelle sagte er:

„Jedes Wort brannte sich mir in die Seele. Ich sank auf die Knie und rief den Herrn an, und in ihm fand ich – und finde bis heute – die Kraft, den Frieden und die Befreiung, die mir an diesem verwirrenden Nachmittag gefehlt hatten.“

Dabei hielt er fest:

„Das Buch Mormon war der Kanal, doch die Kraft lag in Christus. Wir halten uns an dieses Buch – sein Buch –, um uns an ihn zu halten. Ich kann nicht versprechen, dass ihr jedes Mal, wenn ihr zum Buch Mormon greift, eine Erfahrung wie diese machen werdet. Ebenso kann ich nicht sagen, dass solche Erfahrungen jede Träne oder jedes Gefühl von Verlust auslöschen. Doch eines weiß ich: Was auch immer euch gerade begegnet – Jesus Christus ist der Weg. Und das Buch Mormon offenbart diese Wahrheit deutlicher als jedes andere Buch auf dieser Erde.“

Eine Einladung

Beim Zuhören dieser Andacht musste ich an eigene Momente denken, in denen das Herz schwer war und Fragen offenblieben. Zeiten, in denen es nicht darum ging, sofort eine Antwort zu finden, sondern überhaupt einen nächsten Schritt zu machen.

Das Buch Mormon begleitet mich dabei schon lange. Manchmal finde ich darin konkrete Worte, manchmal ist es eher ein Eindruck, der bleibt, nachdem ich es geöffnet habe. Nicht jedes Mal gleich, aber oft genug, um immer wieder dorthin zurückzukehren.

Elder Matthew Holland beschreibt in seiner Ansprache einen sehr ähnlichen Zugang. Nicht als Methode, sondern als persönliche Erfahrung.

Die vollständige BYU-Andacht von Elder Matthew Holland ist in englischer Sprache auf YouTube verfügbar:

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