Wenn Menschen zum ersten Mal von der Kirche Jesu Christi hören, taucht früher oder später oft eine Frage auf: Warum zahlen Mitglieder eigentlich den Zehnten?

Manche verbinden das Thema mit Glauben, andere mit Spenden oder mit Kritik an Religion allgemein. Für viele klingt es zunächst ungewohnt, freiwillig zehn Prozent des Einkommens an eine Kirche zu geben.

Für Mitglieder der Kirche Jesu Christi ist der Zehnte allerdings weit mehr als nur eine Geldfrage. Er gehört zu den grundlegenden Glaubenspraktiken und wird als Ausdruck von Dankbarkeit, Vertrauen und Nachfolge Jesu Christi verstanden.

In diesem Artikel erklären wir einfach und ehrlich:

  • was der Zehnte ist,
  • warum Mitglieder ihn zahlen,
  • was mit dem Geld passiert,
  • wie die Kirche damit umgeht
  • und welche Fragen oder Kritikpunkte häufig auftauchen.

Was ist der Zehnte?

Der Zehnte bedeutet, dass Mitglieder der Kirche Jesu Christi freiwillig zehn Prozent ihres Einkommens spenden.

Das Wort „Zehnte“ kommt ganz einfach daher, dass es um den zehnten Teil geht — also zehn Prozent.

Mitglieder zahlen den Zehnten, um die weltweite Arbeit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • der Bau und Unterhalt von Kapellen und Tempeln,
  • Unterrichts- und Ausbildungsprogramme,
  • Jugend- und Kinderprogramme,
  • Missionsarbeit,
  • Verwaltung und Organisation der Kirche,
  • sowie Bildungs-, Verwaltungs- und andere weltweite Aufgaben der Kirche. 

Wichtig ist dabei:
Der Zehnte wird freiwillig gezahlt. Niemand wird gezwungen, Mitglied zu bleiben oder Geld zu spenden.

Für viele Mitglieder ist der Zehnte ein persönlicher Ausdruck ihres Glaubens.

Woher kommt der Zehnte?

Die Idee des Zehnten ist viel älter als die Kirche Jesu Christi selbst. Schon in der Bibel findet man Hinweise darauf.

Im Alten Testament wird zum Beispiel berichtet, dass Abraham Gott den Zehnten gab. Später gehörte der Zehnte auch zum Gesetz Mose.

Eine bekannte Bibelstelle dazu steht im Buch Maleachi:

„Bringt den ganzen Zehnten ins Vorratshaus …“
Maleachi 3:10

Auch im Neuen Testament wird der Zehnte erwähnt, obwohl der Schwerpunkt dort stärker auf einem allgemeinen Leben der Hingabe und Nächstenliebe liegt.

Deshalb praktizieren bis heute verschiedene christliche Kirchen und Glaubensgemeinschaften Formen des Zehnten oder anderer regelmäßiger Spenden.

Mitglieder der Kirche Jesu Christi sehen den Zehnten als ein weiterhin gültiges geistiges Prinzip.

Warum zahlen Mitglieder den Zehnten?

Für Außenstehende wirkt der Zehnte manchmal zuerst wie eine finanzielle Verpflichtung. Mitglieder beschreiben ihn allerdings oft eher als Teil ihrer Beziehung zu Gott.

Dabei spielen verschiedene Gedanken eine Rolle.

Dankbarkeit gegenüber Gott

Viele Mitglieder glauben, dass letztlich alles, was sie haben, von Gott kommt — Fähigkeiten, Möglichkeiten, Arbeit, Gesundheit oder Familie.

Der Zehnte wird deshalb als Zeichen der Dankbarkeit verstanden, man gibt Gott 10% von allem, was er gibt, zurück. 

Vertrauen und Glauben

Für manche Menschen ist der Zehnte leicht. Für andere bedeutet er echtes Vertrauen.

Gerade in finanziell schwierigen Zeiten empfinden viele Mitglieder den Zehnten als bewusste Entscheidung, Gott an erste Stelle zu setzen.

Das bedeutet nicht, dass Mitglieder glauben, Gott werde automatisch reich machen oder finanzielle Probleme verschwinden lassen. Vielmehr beschreiben viele ein Gefühl von Frieden, Orientierung oder größerem Vertrauen.

Unterstützung der Kirche

Die Kirche Jesu Christi finanziert ihre weltweite Arbeit hauptsächlich durch freiwillige Spenden ihrer Mitglieder.

Lokale Führungsverantwortliche wie Bischöfe oder Gemeindepräsidenten arbeiten dabei normalerweise ehrenamtlich und erhalten kein Gehalt für ihre kirchliche Aufgabe.

Viele Mitglieder sehen den Zehnten deshalb auch als Möglichkeit, gemeinsam die Arbeit der Kirche zu tragen.

Persönliches Wachstum

Einige Mitglieder berichten, dass ihnen der Zehnte hilft,

  • bewusster mit Geld umzugehen,
  • Prioritäten zu setzen,
  • weniger materialistisch zu denken
  • oder großzügiger gegenüber anderen zu werden.

Natürlich erlebt jeder Mensch das unterschiedlich.

Muss man den Zehnten auf Brutto oder Netto zahlen?

Das ist wahrscheinlich eine der häufigsten Fragen überhaupt.

Die Kirche gibt dazu keine detaillierte Rechenvorschrift vor. Mitglieder entscheiden selbst, wie sie den Zehnten verstehen und anwenden.

Manche orientieren sich am Bruttoeinkommen, andere am Nettoeinkommen. Wieder andere berücksichtigen ihre persönliche Situation individuell.

Der Fokus liegt weniger auf mathematischen Details als auf Ehrlichkeit und persönlichem Glauben.

Mitglieder sprechen darüber normalerweise nicht öffentlich miteinander, und lokale Leiter kontrollieren keine Gehaltsabrechnungen oder Konten.

Was passiert mit dem Geld?

Viele Menschen fragen sich verständlicherweise, wohin Zehntengelder eigentlich fließen.

Mit dem Zehnten finanziert die Kirche Jesu Christi ihre weltweite Arbeit. Dazu gehören unter anderem der Bau und Unterhalt von Kapellen und Tempeln, Bildungsprogramme, Missionsarbeit sowie organisatorische und technische Aufgaben der Kirche.

Ein Punkt überrascht viele Außenstehende:
Die meisten lokalen Führungsverantwortlichen wie Bischöfe oder Gemeindepräsidenten arbeiten ehrenamtlich und erhalten kein Gehalt für ihre kirchliche Aufgabe.

Heute entscheidet außerdem nicht einfach eine einzelne Person über die Verwendung der Zehntengelder. Die Kirche Jesu Christi hat dafür einen eigenen Rat, in dem mehrere führende Kirchenvertreter gemeinsam über Budgets und größere Ausgaben entscheiden. Diese Struktur entwickelte sich über viele Jahrzehnte hinweg mit dem Wachstum der weltweiten Kirche. 

Das unterscheidet die Kirche Jesu Christi in einigen Bereichen von anderen religiösen Organisationen. 

Für viele Mitglieder ist der Zehnte deshalb nicht nur eine Spende, sondern auch eine Möglichkeit, die weltweite Arbeit ihrer Kirche gemeinsam zu unterstützen.

Können Mitglieder stattdessen an Hilfsorganisationen spenden?

Spenden an Hilfsorganisationen werden grundsätzlich als etwas Gutes angesehen.

Der Zehnte ist in der Kirche Jesu Christi allerdings eine eigene religiöse Praxis. Deshalb gelten allgemeine Spenden nicht als Zehnter.

Viele Mitglieder machen beides:
Sie zahlen den Zehnten und unterstützen zusätzlich wohltätige Organisationen oder humanitäre Projekte.

Warum zahlen auch arme Menschen den Zehnten?

Diese Frage wird oft gestellt — und manchmal auch kritisch diskutiert.

Mitglieder der Kirche Jesu Christi sehen den Zehnten nicht als Gebot nur für wohlhabende Menschen. Er wird als geistiges Prinzip verstanden, das für alle gilt.

Gleichzeitig entscheidet jedes Mitglied selbst, was als Einkommen betrachtet wird und wie der Zehnte persönlich umgesetzt wird. Menschen in schwierigen finanziellen Situationen gehen deshalb oft unterschiedlich damit um.

Manche zahlen auch während Zeiten von Arbeitslosigkeit oder Sozialleistungen den Zehnten, andere nicht oder nur teilweise. Die Kirche gibt dazu normalerweise keine detaillierten Vorgaben für einzelne Situationen.

Gerade Menschen mit wenig Geld berichten manchmal, dass ihnen der Glaube und die bewusste Hingabe Hoffnung, Frieden oder Kraft geben.

Außerdem betont die Kirche auch Hilfe und Unterstützung. Bedürftige Mitglieder können beispielsweise Unterstützung durch Fastopfer oder andere Hilfsprogramme erhalten.

Das Thema bleibt trotzdem sensibel, besonders wenn Menschen finanzielle Sorgen haben. Deshalb gehen Mitglieder individuell und sehr unterschiedlich damit um.

Ob jemand den vollen Zehnten zahlt, gilt in erster Linie als persönliche Entscheidung zwischen dem Mitglied und Gott. Möchte ein Mitglied einen Tempelschein erhalten, wird es gefragt, ob es sich selbst als voller Zehntenzahler betrachtet. Die Antwort des Mitglieds wird dabei angenommen.

Sollte man zuerst Miete und Essen bezahlen?

Auch diese Frage bewegt viele Menschen.

Die Kirche gibt keine allgemeine Liste persönlicher Prioritäten für jede einzelne Lebenssituation vor. Menschen erleben finanzielle Schwierigkeiten sehr unterschiedlich.

Viele Mitglieder sehen den Zehnten allerdings als Ausdruck ihres Glaubens und ihrer Prioritäten. Andere kämpfen zeitweise damit oder versuchen, ihren eigenen Weg zu finden.

Wichtig ist:
Menschen werden in der Kirche nicht als „wertlos“ angesehen, wenn sie finanzielle Schwierigkeiten haben oder mit dem Zehnten ringen. Ob jemand Zehnten zahlt oder nicht, wird in einer Gemeinde nicht öffentlich bekannt gemacht.

Kauft man sich mit dem Zehnten einen Platz im Himmel?

Kurz gesagt: Nein.

Mitglieder der Kirche Jesu Christi glauben nicht, dass man sich Errettung kaufen kann.

Jesus Christus steht im Mittelpunkt ihres Glaubens. Gute Werke, Gebote und Spenden werden als Ausdruck des Glaubens verstanden — nicht als Bezahlung für Gottes Liebe.

Der Zehnte soll deshalb keine „Eintrittsgebühr“ sein, sondern Teil eines religiösen Lebens. Für viele Mitglieder kommt es dabei nicht nur auf den Betrag an, sondern auf die persönliche Einstellung und die Bereitschaft, Gott an erste Stelle zu setzen.

Wie bezahlt man den Zehnten heute?

Heute zahlen viele Mitglieder den Zehnten online. Es ist normalerweise auch möglich, den Zehnten bar zu zahlen, allerdings wird das immer seltener. 

Einmal pro Jahr gibt es außerdem die sogenannte Zehntenerklärung.

Dabei treffen sich Mitglieder freiwillig kurz mit ihrem Bischof und erklären selbst, ob sie sich als voller Zehntenzahler sehen.

Wichtig dabei:

  • Mitglieder entscheiden das selbst,
  • es gibt keine Kontrolle von Einkommen oder Konten,
  • und die Gespräche sind vertraulich.

In vielen Ländern gilt der Zehnte offiziell als Spende. Das Gespräch hat deshalb teilweise auch einen organisatorischen Hintergrund, etwa um Spendenangaben oder Unterlagen gemeinsam zu überprüfen.

Hat sich die Bedeutung des Zehnten im Lauf der Zeit verändert?

Historisch wurde der Zehnte teilweise unterschiedlich erklärt oder praktisch umgesetzt.

In den Anfangsjahren der Kirche bestanden Spenden oft nicht aus Geld, sondern aus Sachwerten wie Lebensmitteln, Tieren, Werkzeugen oder Arbeitskraft. Manche Mitglieder halfen zum Beispiel regelmäßig beim Tempelbau oder anderen Projekten der Kirche mit.

Mit der Zeit und der Entwicklung moderner Wirtschaftssysteme wurde Geld als Form des Zehnten immer üblicher. Auch die praktische Berechnung wurde vereinfacht.

Heute versteht die Kirche Jesu Christi darunter allgemein den zehnten Teil des Einkommens.

Gibt es Kritik am Zehnten?

Ja. Wie bei vielen religiösen Themen gibt es auch beim Zehnten unterschiedliche Meinungen.

Einige Menschen fragen zum Beispiel:

  • Warum braucht eine Kirche Geld?
  • Sollte Religion überhaupt finanzielle Verpflichtungen haben?
  • Warum zahlen Menschen trotz finanzieller Probleme?
  • Wie transparent geht die Kirche mit Geld um?

Solche Fragen sind verständlich und werden auch innerhalb der Kirche manchmal diskutiert.

Mitglieder sehen den Zehnten jedoch meist nicht nur als finanzielle Frage, sondern als Teil ihres Glaubenslebens.

Viele betonen außerdem, dass die Kirche weltweit große organisatorische, humanitäre und religiöse Aufgaben finanziert.

Was ist der Unterschied zwischen Zehnten und Fastopfer?

Das wird oft verwechselt.

Der Zehnte bedeutet zehn Prozent des Einkommens.

Fastopfer sind zusätzliche freiwillige Spenden, die speziell dazu verwendet werden, Menschen in Not zu helfen – oft direkt in der eigenen Gemeinde oder Region.

Viele Mitglieder fasten einmal im Monat und spenden dabei ungefähr den Wert der ausgelassenen Mahlzeiten oder mehr.

Mit diesen Geldern werden Menschen unterstützt, die Hilfe bei Essen, Miete oder anderen Grundbedürfnissen benötigen.

Warum genau zehn Prozent?

Die Zahl zehn hat biblische Wurzeln und wird seit langer Zeit mit dem Zehnten verbunden.

Warum Gott genau diesen Anteil fordert, wird in der Bibel nicht ausführlich erklärt. Für Mitglieder der Kirche Jesu Christi steht deshalb meist weniger die Mathematik als vielmehr die Bereitschaft im Mittelpunkt, Gott einen festen Teil zurückzugeben.

Können Kinder oder Jugendliche den Zehnten zahlen?

Ja. Viele Kinder lernen den Zehnten schon früh kennen — zum Beispiel durch Taschengeld oder kleine Einnahmen.

Dabei geht es normalerweise weniger um große Beträge als darum, Dankbarkeit und bewusstes Geben zu lernen.

Kinder können in der Kirche Jesu Christi ab acht Jahren getauft werden. Da Mitglieder den Zehnten als Gebot verstehen, beginnen viele Kinder danach, von Taschengeld oder Geldgeschenken den Zehnten zu zahlen.

Häufig geschieht das ganz praktisch mit Bargeld in einem Spendenumschlag, der einem Mitglied der Gemeindeleitung gegeben wird. Heute nutzen allerdings auch immer mehr Familien digitale Möglichkeiten.

Was passiert, wenn jemand keinen Zehnten zahlt?

Menschen besuchen weiterhin die Kirche, auch wenn sie keinen oder nicht regelmäßig Zehnten zahlen.

Der Zehnte ist zwar ein wichtiges Gebot innerhalb der Kirche Jesu Christi, aber Menschen werden deswegen nicht ausgeschlossen.

Der Besuch im Tempel setzt allerdings voraus, dass Mitglieder sich selbst als volle Zehntenzahler betrachten.

Wie stark jemand religiöse Gebote lebt, ist oft ein persönlicher Entwicklungsprozess.

Der Zehnte als persönlicher Glaubensausdruck

Für viele Mitglieder ist der Zehnte weit mehr als eine finanzielle Gewohnheit.

Er erinnert sie daran,

  • Gott nicht zu vergessen,
  • dankbar zu sein,
  • anderen zu helfen
  • und ihren Glauben auch praktisch zu leben.

Nicht jeder erlebt den Zehnten gleich. Manche sprechen sehr positiv darüber, andere empfinden ihn zeitweise als Herausforderung.

Trotzdem gehört der Zehnte für Millionen Mitglieder weltweit zu den grundlegenden Teilen ihres Glaubens.

Fazit

Der Zehnte ist für Mitglieder der Kirche Jesu Christi ein freiwilliger Ausdruck von Glauben, Dankbarkeit und Vertrauen in Gott.

Auch wenn Menschen unterschiedliche Meinungen dazu haben oder kritische Fragen stellen, hilft der Zehnte vielen Mitgliedern dabei, ihren Glauben bewusst zu leben und die weltweite Arbeit der Kirche Jesu Christi zu unterstützen.

Für Außenstehende mag das zunächst ungewöhnlich wirken. Gleichzeitig zeigt das Thema auch, wie eng Glauben, Alltag und persönliche Entscheidungen für viele religiöse Menschen miteinander verbunden sind.

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