In der Karwoche richtet sich der Blick meist auf die großen Ereignisse: den Einzug in Jerusalem, das letzte Mahl, das Kreuz. Doch kurz davor geschehen zwei unscheinbare Szenen, die leicht übersehen werden. Zwei Frauen salben Jesus – einmal werden seine Füße gesalbt, einmal sein Kopf.
Auf den ersten Blick wirken diese Berichte ähnlich. Deshalb werden sie oft zusammengefasst. Liest man sie genauer, zeigt sich jedoch: Es sind zwei verschiedene Ereignisse, die zeitlich nah beieinander liegen – beide in Bethanien, beide wenige Tage vor Jesu Tod. Und genau diese Nähe ist auffällig.
Maria salbt Jesu Füße
Sechs Tage vor dem Passahfest tritt Maria von Bethanien zu Jesus und salbt seine Füße mit kostbarem Öl. Die Szene ist ruhig und persönlich, der Duft erfüllt den Raum. Am nächsten Tag zieht Jesus in Jerusalem ein. Die Menschen jubeln ihm zu und sehen in ihm einen König. Die zeitliche Nähe fällt auf.
Im Alten Testament wurde ein König nicht einfach öffentlich anerkannt, sondern zuvor gesalbt. Auch Salomo wurde gesalbt, bevor er als König auftrat. Erst die Salbung, dann der öffentliche Auftritt.
Die Szene steht genau vor diesem Moment. Noch bevor Jesus öffentlich als König gefeiert wird, wird er im Verborgenen gesalbt.
Die zweite Salbung: Jesu Kopf wird gesalbt
In den Tagen vor dem Passah berichten die Evangelien von einer weiteren Salbung, wieder in Bethanien. Diesmal werden nicht seine Füße gesalbt, sondern sein Kopf.
Die Reaktionen sind ähnlich: Einige kritisieren die Handlung als Verschwendung. Doch die Szene bleibt stehen – als hätte sie ein Gewicht, das über den Moment hinausgeht.
Die Salbung des Kopfes war die klassische Form der Einsetzung. So wurden Könige eingesetzt – und so wurden auch Priester in ihren Dienst gestellt.
Diese zweite Szene steht in den letzten Tagen vor seinem Tod. Während die erste Salbung seinem öffentlichen Auftreten vorausgeht, steht diese unmittelbar vor dem, was folgt.
Was die Salbung Jesu bedeutet
Zur Zeit Jesu war eine Salbung weit mehr als ein Zeichen von Ehre oder Hingabe. Sie war oft mit einer Einsetzung in einen Auftrag verbunden. Im Alten Testament betraf das nur bestimmte Gruppen: Könige, Priester und Propheten.
Der Titel „Messias“ oder „Christus“ bedeutet wörtlich „der Gesalbte“. Wenn man die beiden Salbungen im Zusammenhang liest, entsteht ein roter Faden: Jesus wird nicht nur begleitet, sondern vorbereitet.
Zuerst tritt er öffentlich auf. Dann wird er verworfen. Schließlich stirbt er. Die Salbungen stehen an den Übergängen dieser letzten Tage.
Warum die Salbung kurz vor seinem Tod geschieht
Beide Salbungen stehen unmittelbar vor den entscheidenden Ereignissen. Jesus tritt öffentlich auf, wird verworfen und schließlich gekreuzigt. Die Salbung markiert den Beginn dieser letzten Phase.
Im Alten Bund trat der Hohepriester stellvertretend für das Volk vor Gott, um Sühnung zu erwirken. Nicht für sich selbst, sondern für andere. Wenn man die Salbungen im Zusammenhang mit dem Kreuz liest, wird deutlich: Hier geht es nicht nur um Ehre, sondern um Auftrag.
Ein Detail, das leicht übersehen wird
Das verwendete Öl hatte einen enormen Wert – etwa 300 Denare, fast ein Jahresgehalt. Einige nennen es Verschwendung. Doch die Handlung bleibt bestehen.
Gerade weil diese Szenen so unscheinbar wirken, werden sie leicht übersehen. Doch sie stehen nicht am Rand der Karwoche, sondern gehören in ihren Zusammenhang.
Die Bedeutung der Salbung Jesu in der Karwoche
Die Karwoche zeigt nicht nur, was mit Jesus geschieht. In den Salbungen wird bereits sichtbar, wer er ist. Nicht erst am Kreuz, sondern schon in den Tagen davor: der Messias. Mehr als ein König. Mehr als ein Priester. Mehr als ein Geistlicher. Er ist der Sohn Gottes.
Was unscheinbar beginnt, erweist sich im Rückblick als Vorbereitung auf das, was folgt.
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Quelle: Holy Week, Explained