Aller Wahrscheinlichkeit nach hattest auch du schon in deinem Leben mit Pornografie zu tun.

In Amerika schauen sich etwa 70 % der Männer und 30 % der Frauen regelmäßig Pornografie an. Tatsächlich ist es sogar so, dass 25 % aller Suchanfragen im Internet mit pornografischen Inhalten zu tun haben – das sind 68 Millionen Anfragen am Tag. Sexting, Downloads und E-Mails werden dabei nicht einmal mitgezählt.  

Viele Menschen behaupten, dass Pornografie positiv sei, dass dadurch beispielsweise die Leistung des Partners in sexuellen Bereichen verbessert werden könne, Stress abgebaut oder sogar sexuell aufgeklärt würde; sie gilt als sichere Erholungsmöglichkeit und beuge evtl. sogar sexuellen Übergriffen vor.  Sie taucht überall in den Medien auf und wird inzwischen weitläufig als Alternative zu körperlicher Intimität akzeptiert.

Pornografiegegner und wissenschaftliche Studien zu dem Thema zeichnen jedoch ein ganz anderes Bild.

Wie schadet Pornografie also und wie kommt man von der Gewohnheit los, wenn sie bereits einen negativen Einfluss auf das eigene Leben und Beziehungen hat?

Warum macht Pornografie süchtig?

Die Ärztin Dr. Valerie Voon, die Gehirne von Suchtkranken erforscht, stellt fest, dass „Gehirne von zwanghaft Pornografiesüchtigen ähnliche Strukturen aufweisen wie die von Alkoholikern, wenn diese Werbung für alkoholische Getränke ansehen.”

Das kommt daher, dass beim Betrachten von Pornografie große Mengen an Dopamin in das Gehirn ausgeschüttet werden, der Chemikalie, die Glücksgefühle auslöst. Nach einer gewissen Zeit gewöhnt sich das Gehirn jedoch an den erhöhten Dopaminspiegel. Damit die chemischen Rezeptoren in den Gehirnzellen nicht überladen, passt sich das Gehirn an, was wiederum dazu führt, dass immer stärkere Anreize benötigt werden, um das Gehirn auf dem gleichen Befriedigungsniveau zu halten.

„Viele Nutzer müssen daher immer mehr Pornografie konsumieren, häufiger darauf zurückgreifen oder extremere Versionen finden – oder alles zusammen – um so mehr Dopamin zu produzieren und sich weiterhin erregt zu fühlen … versucht man, seinen Pornografiekonsum zurückzuschrauben, kann dies zu Entzugserscheinungen ähnlich wie bei Drogen führen.”

Unglücklicherweise bedeutet das auch, dass man auch in anderen Bereichen im Leben, durch Dinge, die einen glücklich machten, wie Freundschaften, Sport, Essen oder Liebe, schwieriger ein Hochgefühl erfährt, was häufig dazu führt, dass Pornografiesüchtige unter Angstzuständen und Depressionen leiden.

Pornografie führt zu abnehmender Lust

Ist das nicht paradox? Tatsächlich ist es das aber nicht.

Die digitale Stimulation durch Pornografie führt zu einer völlig anderen sexuellen Erfahrung als Sexualität, die zwischen zwei „echten” Menschen stattfindet. Je stärker das Gehirn konditioniert wird, auf digitale Reize zu reagieren, desto stärker sehnt sich der Konsument nach diesem Fantasie-Sex, der auf dem Bildschirm stattfindet; er empfindet weniger Lust auf reale Sexpartner, die vielleicht nicht wie Pornostars aussehen oder handeln.

Individuen, die sich regelmäßig pornografische Filme ansahen, berichteten, dass sie „weniger zufrieden mit dem Aussehen, der sexuellen Leistung und der Ebene der Zuneigung des Partners waren und bringen häufiger einen Wunsch nach Sex ohne Emotionen zum Ausdruck.” 50 % der Pornografiesüchtigen geben sogar an, jegliches Interesse an „echtem” Sex verloren zu haben.

Weil die Konsumenten ihr Gehirn und ihren Körper darauf trainieren, auf ein höheres als das gewöhnliche Dopaminlevel zu reagieren, ist es vor allem für Männer schwieriger, durch eine reale Person erregt zu werden. Es kann einen negativen Einfluss auf ihre Fähigkeit haben, eine Erektion bei sexuellen Begegnungen im realen Leben zu behalten, was zu weitverbreiteten Erektionsstörungen selbst bei Teenagern und Männern unter 30 führt; oft führt dies zu einer Abnahme der Freude und sogar der Fähigkeit zu sexuellen Beziehungen.

Pornografie fördert sexuelle Aggressionen und Missbrauch

Pornografie ist ein Milliardengeschäft. Würgen, Schlagen und Gewalt verherrlichende Handlungen gegenüber vor allem Frauen, Teenagern und sogar Kindern sind keine Seltenheit.

Manche Pornografienutzer mögen versichern, sie sähen sich nur „soft porn” an und wären deswegen nicht betroffen, oder dass ihre Vorlieben bei „hard porn” keinen Einfluss auf den Umgang mit realen Partnern im Schlafzimmer hätte; aktuelle Studien über Pornografie und deren Auswirkungen zeigen anderes.

„Fight the New Drug” (eine Kampagne, die sich gegen Pornografie stark macht) fasst 33 Studien zusammen, laut derer sowohl „der Kontakt mit gewaltloser als auch gewalttätiger Pornografie bereits aggressives Verhalten – sowohl gewalttätige Fantasien als auch tatsächliche gewaltsame Übergriffe – steigern.”

„Selbst wenn ein Partner nicht aggressiver oder gewalttätiger wird, beschäftigt sich dieser trotzdem mit Darstellungen sexueller Handlungen, die unweigerlich das Verständnis von Liebe und Beziehungen verzerren.”

Pornografische Filme stellen allzu oft Handlungen dar, schildern und verherrlichen solche, die beleidigend, herabwürdigend und sogar gefährlich sind. Sie erhalten den Mythos aufrecht, dass Männer und Frauen generell solche Verhaltensweisen genießen würden und verwurzeln diese falschen sexuellen Wunschbilder, was später zu Verwirrung oder Frustration führen kann, wenn versucht wird, diese nachzuahmen. Die Nutzer werden dadurch anfälliger, sich in den eigenen Beziehungen aggressiv zu verhalten, statt eine intime Beziehung zu haben, die beide Partner erfüllt.

Pornografie schadet Beziehungen und Familien

Starke, gesunde Beziehungen romantischer Art basieren auf Vertrauen, aufrichtiger Rücksichtnahme auf das Wohlergehen des anderen und emotionaler, seelischer und körperlicher Intimität. Laut einer Veröffentlichung der American Psychology Association im „Monitor on Psychology”, „tendiert ein Partner, der sich häufig mit Pornografie beschäftigt, eher dazu, sich emotional aus einer Beziehung zurückzuziehen. Die befragten Männer berichten über ‚vermehrte Heimlichtuerei, weniger Intimität und auch mehr Depressionen.’”

Neben der Wirkung, die Pornografie auf den Nutzer hat, hat die Gewohnheit wegen unrealistischer oder missbräuchlicher Forderungen bezüglich sexueller Häufigkeit  auch einen Einfluss auf den Partner. In einer Studie stellte sich heraus, dass „weibliche Studenten, die das Konsumverhalten ihres festen Freundes als problematisch einstuften, ein geringeres Selbstwertgefühl hatten, weniger zufrieden mit der Beziehung waren und weniger sexuelle Befriedigung erfuhren.”

Pornografiekonsum steigert die Wahrscheinlichkeit ehelicher Untreue, da er das Verbundenheitsgefühl zwischen den Ehepartnern schwächt und zu sexuellen Handlungen sowohl alleine als auch außerhalb der Partnerschaft ermutigt. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass durch Pornografie und die damit einhergehende Heimlichtuerei Schuldgefühle und Täuschungsversuche im Leben der Nutzer zunehmen; sie führt zu Schmerz, Schamgefühlen, Ablehnung und Vertrauensmissbrauch derer, die sie am meisten lieben.

Von Pornografie loskommen

Wie komme ich von Pornografie los?

Wie kommt man also von der Pornografie los, wenn diese bereits ein Teil des Lebens geworden ist? Wir haben sieben der wirkungsvollsten Hilfsmittel hier zusammengestellt, mit deren Hilfe ihr gegen die Gewohnheit ankämpfen und euer Leben verbessern könnt.

Gestehe dir das Problem ein und dass dir dadurch Schaden zugefügt wird. Viele Menschen rechtfertigen ihre Sucht dadurch, dass sie glauben, dass sie keinen negativen Einfluss auf ihr Leben hätte. Erst wenn man den Einfluss erkennt und den aufrichtigen Wunsch entwickelt, damit aufzuhören, hat man die Kraft dazu.

Erzähle jemandem davon, dem du vertraust. Gegen keine Sucht kann man alleine ankommen; jemanden zu haben, der uns unterstützt, kann den Unterschied machen – ob das nun ein Ehepartner, die Freundin, der Bischof, ein Freund oder auch mehrere Personen sind, hat man so Menschen in seinem Leben, die einen lieben und dir helfen werden, wenn du dich schwach fühlst.

Finde eine Ersatzbeschäftigung. Eine negative Gewohnheit aufzugeben, hinterlässt immer ein Loch im Leben; die beste Art und Weise, der Versuchung zu widerstehen ist es, dieses Loch mit etwas Besserem zu füllen. Entwickle andere, gesündere Wege, mit Schwierigkeiten – Schmerz, Einsamkeit, Stress, Entmutigung oder Langeweile – umzugehen. Mache Sport. Gehe joggen. Telefoniere mit einem Freund. Suche dir ein neues Hobby. Lies in den Schriften. Finde etwas Gutes, mit dem du dich ablenken kannst; es wird dir dabei helfen zu genesen.

Entschließe dich dazu, komplett davon loszukommen, nicht nur ab und zu. Auch wenn pornografisches Material “nur” hin und wieder Teil deines Lebens ist, macht es eine Genesung fast unmöglich; die zugrundeliegenden Probleme werden nicht gelöst. Wenn du dir sagst, dass es in Ordnung ist, ab und zu rückfällig zu werden, wirst du in schwachen Momenten schnell in alte Gewohnheiten zurückfallen. Geh stattdessen vom Computer weg. Geh nach draußen. Suche dir einen Werbeblocker. Bleibe  nachts nicht alleine wach. Meide Pornografie um jeden Preis. Entscheide dich jetzt sofort dazu, dass du wirklich damit aufhören möchtest und dass Pornografie gar nicht erst eine Option ist.

Bete. Dein Wille allein ist nicht ausreichend. Dein Wille allein ist nicht „unfehlbar”; zum Glück kannst du dich auf eine Macht verlassen, die größer ist als du selbst. Es gibt einen himmlischen Vater, der dich liebt und dem deine Genesung stärker am Herzen liegt, als du es dir je vorstellen kannst. Der Erlöser starb für dich, für all deine Unzulänglichkeiten und Herausforderungen, so dass du zu ihm zurückkehren und vollständig geheilt werden kannst und dir vergeben wird. Er hat dich und wird

dich niemals aufgeben. Durch die Macht des Gebets musst du niemals alleine sein und du hast die volle Unterstützung des Himmels, die dir in Momenten der Schwäche zur Hilfe kommen wird.

Suche dir ein Genesungs­programm für Suchtkranke. Zusätzlich zu den Menschen, die dich unterstützen, kann es einen großen Unterschied machen, einer Selbsthilfegruppe anzugehören, die genau weiß, wie schwierig es ist, sich zu ändern und die dir helfen wird, verschiedene Schritte auf dem Weg zur vollständigen Genesung zu erfüllen. Es gibt viele gute Gruppen. Wir empfehlen addictionrecovery.lds.org, das bereits vielen Menschen dabei geholfen hat, von unterschiedlichen Süchten loszukommen. Das Programm wird von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage geleitet und ist kostenlos.

Gib niemals auf. Der Weg der Genesung ist eher ein Marathon als ein Sprint. Es dauert, seine Gewohnheiten zu ändern und letzten Endes sein ganzes Gehirn. Wenn du rückfällig wirst, ist das nicht das Ende. Versuche es wieder. Akzeptiere deinen Fehler und mache mit der Hilfe deiner Familie und Freunde und des Herrn weiter.

Es ist es wert. Du musst nicht länger deiner Sucht, Depressionen, Schuldgefühlen, Heimlichtuerei oder Selbstverachtung unterworfen sein. Du kannst dich von den entwürdigenden, zerstörerischen Einflüssen der Pornografie lösen, die deinen Selbstrespekt und deine Beziehungen schwächen. Du kannst dich wieder rein, frei und glücklich fühlen.


Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit mormonhub.com erstellt. Geschrieben von Hannah Lee. Übersetzt von Kristina Vogt. Englische Erstveröffentlichung am 15. Mai 2017.
Quellenangabe:
1 http://visual.ly/america-addicted-porn
2 http://www.huffingtonpost.com/2013/05/03/internet-porn-stats_n_3187682.html
3 http://www.apa.org/monitor/2014/04/pornography.aspx
4 http://fightthenewdrug.org/how-porn-affects-your-sexual-tastes
5 http://learn.ftnd.org
6 http://visual.ly/america-addicted-porn
7 http://learn.ftnd.org
8 http://fightthenewdrug.org/porn-taught-my-boyfriend-to-think-abuse-is-sexy
9 http://www.apa.org/monitor/2014/04/pornography.aspx
10 https://theaddictionadvisor.com/pornography-and-sex-addiction-is-there-a-link/