Neulich habe ich mich mit einer Freundin unterhalten. Eigentlich ging es um Pfingsten, um die ersten Jünger und darum, wie nah oder fern uns diese Zeit heute ist. Irgendwann stellte sie eine einfache Frage: „Wie hieß Jesus wirklich – also wie haben ihn seine Freunde damals eigentlich angesprochen?“
Und ich habe erst einmal gestutzt, weil ich es eigentlich nicht wusste. Also habe ich mich damit einmal beschäftigt. Hier kannst du lesen, was ich herausgefunden habe.
Der historische Name Jesu
Wenn man verstehen möchte, wie Jesus damals wirklich genannt wurde, hilft ein Blick in seine Zeit, seine Sprache – und auch darauf, wie die biblischen Texte entstanden sind.
Jesus lebte im 1. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Israels. Im Alltag sprachen die meisten Menschen dort Aramäisch. In dieser Sprache hat Jesus gelehrt, Gespräche geführt und ist den Menschen begegnet.
Die Sprache Aramäisch
Heute gibt es Aramäisch noch, allerdings nicht mehr in seiner ursprünglichen Form. Es hat sich über die Jahrhunderte in verschiedene Dialekte weiterentwickelt und wird nur noch von kleineren Gemeinschaften gesprochen.
Einige wenige Worte aus dem Aramäischen sind sogar im Neuen Testament im Original erhalten geblieben. Zum Beispiel:
- „Talita kumi“ – „Mädchen, steh auf“
- „Eli, Eli, lama sabachthani“ – „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Solche Sätze geben einen kleinen Eindruck davon, wie die Sprache geklungen haben könnte, in der Jesus tatsächlich gesprochen hat.
Wie seine Worte aufgeschrieben wurden
Seine Worte wurden zunächst mündlich weitergegeben. Erst einige Jahre später begann man, Berichte über sein Leben und seine Lehren aufzuschreiben.
Die Evangelien, wie wir sie heute kennen, wurden schließlich auf Griechisch verfasst – genauer gesagt auf Koine-Griechisch, der damaligen Alltagssprache im östlichen Teil des Römischen Reiches. Diese griechischen Texte sind die ältesten erhaltenen Fassungen des Neuen Testaments, die wir heute haben.
Dort wird der Name Jesu im griechischen Text als Ἰησοῦς geschrieben (oft als „Iēsous“ wiedergegeben). Das ist die griechische Form eines ursprünglich hebräischen bzw. aramäischen Namens.
Manche Forscher gehen davon aus, dass einzelne Worte oder Aussprüche Jesu zunächst auf Aramäisch festgehalten wurden. Vollständige aramäische Originaltexte der Evangelien sind jedoch nicht erhalten geblieben. Deshalb arbeitet man heute mit den griechischen Texten und vergleicht sie mit bekannten hebräischen und aramäischen Namensformen aus derselben Zeit, um die Frage zu beantworten: Wie hieß Jesus wirklich.
Wenn man diesen Weg zurückverfolgt, kommt man zu dem Namen, der sehr wahrscheinlich im Alltag verwendet wurde:
Jeschua (יֵשׁוּעַ)
Dass dieser Name tatsächlich gebräuchlich war, sieht man auch an archäologischen Funden. In der Region rund um Jerusalem hat man zum Beispiel alte Grabkästen (sogenannte Ossuarien) entdeckt, auf denen Namen eingeritzt sind. Auf mehreren dieser Funde steht der Name „Jeschua“ in hebräischen Schriftzeichen.
Auch in anderen Texten aus dieser Zeit taucht dieser Name auf. Historiker und Sprachwissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass „Jeschua“ eine verbreitete Namensform war – und dass auch Jesus so genannt wurde.
Die Bedeutung des Namens Jeschua
Der Name „Jeschua“ ist eine verkürzte Form des hebräischen Namens „Jehoschua“ (יְהוֹשֻׁעַ).
Diese kürzere Form war zur Zeit Jesu im Alltag gebräuchlich – in einer Sprachwelt, die stark vom Aramäischen geprägt war.
Der Name geht auf eine Verbindung aus dem Gottesnamen und einem Verb zurück, das „retten“ oder „helfen“ bedeutet.
Deshalb lässt sich seine Bedeutung so zusammenfassen:
„Der Herr ist Rettung“ oder „Gott rettet“
Der Name „Josua“, den wir im Deutschen kennen (zum Beispiel aus dem Alten Testament), ist die eingedeutschte Form von „Jehoschua“.
Was mich dabei bewegt: Der Name, mit dem seine Freunde ihn täglich gerufen haben, bedeutet direkt „Gott rettet” – das steckt schon im Namen selbst.
Da dieser Name häufig war, hat man ihn oft ergänzt, zum Beispiel:
- „Jeschua aus Nazaret“
- „Jeschua, Sohn des Josef“
- oder „Rabbi“ (Lehrer)
Wie hieß Jesus wirklich – und warum sagen wir heute Jesus?
Vielleicht hast du dich auch schon gefragt, warum wir heute dann eigentlich „Jesus“ sagen.
Das liegt daran, dass sein Name über mehrere Sprachen weitergegeben wurde:
- Jeschua (Aramäisch/Hebräisch)
- Iēsous (Griechisch)
- Iesus (Latein)
- Jesus (Deutsch)
Das Neue Testament wurde auf Griechisch geschrieben. Deshalb taucht dort die Form „Iēsous” auf. Die griechische Sprache kennt weder den „sch”-Laut noch die Endung von „Jeschua” – der Name wurde deshalb so umgeformt, dass er sich natürlich in die griechische Grammatik einfügte.
Später wurde die Bibel ins Lateinische übersetzt. Dort wurde aus „Iēsous“ die Form „Iesus“.
Im Deutschen – und auch in anderen europäischen Sprachen – hat sich die Aussprache im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Das „I“ am Anfang wurde wie ein „J“ gesprochen.
So entstand schließlich die Form „Jesus“, die wir heute verwenden.
Welche Sprache sprach Jesus?
Jesus lebte in einer mehrsprachigen Umgebung. Im Alltag war die Sprache für ihn wohl vor allem Aramäisch – also die Sprache, in der er mit seinen Jüngern sprach und Menschen begegnete.
Daneben spielte Hebräisch eine wichtige Rolle, vor allem als Sprache der heiligen Schriften. Wenn daraus gelesen wurde, geschah das in der Regel auf Hebräisch.
Auch Griechisch war verbreitet, besonders im öffentlichen Leben. Es diente vielen Menschen als gemeinsame Verkehrssprache und und verband Menschen im gesamten östlichen Mittelmeerraum.
Das bedeutet: Jesus bewegte sich in einer Welt, in der mehrere Sprachen nebeneinander existierten – auch wenn Aramäisch seine Alltagssprache war.
War der Name Jesu damals etwas Besonderes?
Was mich überrascht hat: Der Name „Jeschua“ war zur damaligen Zeit sehr verbreitet. Gleichzeitig wird im Neuen Testament berichtet, dass dieser Name bewusst gegeben wurde – mit einer Bedeutung, die auf seine Aufgabe hinweist.
Viele Männer hießen so oder ähnlich. Das bedeutet, dass Jesus einen ganz gewöhnlichen Namen getragen hat.
Gerade das finde ich interessant. Denn obwohl sein Name alltäglich war, war seine Mission einzigartig. Vielleicht zeigt sich darin auch, dass Gott oft im Alltäglichen wirkt.
Was denkst du, hast du eine interessante Antwort auf die Frage “wie hieß Jesus wirklich” gefunden? Hast du etwas Neues gelernt?