Dies ist der vierte und letzte Teil unserer Artikelserie über Pfingsten und die Apostel. Wir haben uns angeschaut, was an Pfingsten geschah, wohin die Apostel danach gingen, und wie sie starben. Pfingsten ist nicht nur ein Fest, das an etwas Vergangenes erinnert – es ist auch für uns als heutige Jünger Christi ganz aktuell, und auch wir haben dieselbe Verheißung wie die Jünger damals. Auch wir sind eingeladen, den Heiligen Geist zu empfangen und ihn wirken zu lassen. Zum Abschluss schauen wir uns an, wie Christen rund um die Welt dieses Fest begehen. Und vielleicht findest du ja Pfingstbräuche, die dir selbst sehr gut gefallen und dich inspirieren.

Zur Erinnerung: Warum Pfingsten gefeiert werden sollte

Pfingsten ist das Fest, an dem wir feiern, dass der Heilige Geist auf die Jünger herabkam – und dass er seitdem bei allen ist, die ihn empfangen wollen. Jesus hatte es versprochen: ein Beistand, der lehrt, erinnert, Zeugnis gibt und Orientierung schenkt. Nicht für eine besondere Elite, nicht für eine bestimmte Zeit. Für alle, die ihn zulassen.

Das ist der Grund, warum Pfingsten gefeiert werden sollte – nicht als Abschluss der Osterzeit, sondern als Fest einer Verheißung, die bis heute gilt.

Pfingstbräuche in Europa – Feuer, Rosen und Tauben

In vielen europäischen Kirchen – vor allem in Italien und Frankreich – werden zu Pfingsten rote Rosenblätter von der Kirchendecke gestreut. Manche Kirchen haben dafür sogar eine Öffnung in der Decke, das sogenannte Heilig-Geist-Loch. Während die Gemeinde unten sitzt, rieseln rote Blätter von oben herab – wie Feuer, das fällt. Ein Bild, das direkt an die Feuerzungen der Apostelgeschichte erinnert. In manchen Kirchen wurden im Mittelalter sogar lebende Tauben durch eine Öffnung im Kirchendach hineingelassen – als Symbol des Heiligen Geistes. Heute wird diese Tradition vereinzelt noch gepflegt, oft mit einer hölzernen Taube, die an einem Seil von der Decke herabgelassen wird.

In katholischen und protestantischen Kirchen weltweit – von Deutschland über Italien bis Brasilien und die Philippinen – ist Rot die liturgische Farbe des Pfingstsonntags. Priester tragen rote Gewänder, Kirchen werden mit roten Blumen geschmückt. Rot steht für das Feuer des Heiligen Geistes.

In der orthodoxen Kirche – Griechenland, Russland, Serbien, Rumänien – ist es anders. Dort wird Pfingsten stärker als Fest der Dreifaltigkeit gefeiert, und die liturgische Farbe ist Gold oder Weiß. Ein kleiner, aber bezeichnender Unterschied: dieselbe Geschichte, unterschiedliche Akzente.

Pfingstfeuer werden in verschiedenen Regionen entzündet – besonders in ländlichen Gebieten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Menschen versammeln sich abends darum, oft nach dem Gottesdienst, manchmal als ganzes Dorf. Das Feuer erinnert an die Feuerzungen von Pfingsten – hat aber auch tiefe Wurzeln im vorchristlichen Frühlingsbrauchtum. Beides vermischt sich hier, wie so oft bei alten Volksbräuchen. 

Pfingstbräuche in Griechenland – Pentikosti

In Griechenland heißt Pfingsten „Pentikosti” – der fünfzigste Tag. Die orthodoxe Kirche feiert es mit besonderem Gewicht, und der Pfingstmontag ist dort der „Tag des Heiligen Geistes”.

An vielen Orten finden große Volksfeste statt, besonders an Kirchen, die den Namen „Agia Triada” – Heilige Dreifaltigkeit – tragen. Musik, Tanz, Essen, Menschen, die von weit her zurückkommen: Pfingsten ist in Griechenland ein echtes Gemeinschaftsfest.

Bemerkenswert ist ein anderer Brauch: Am Tag vor Pfingsten, dem sogenannten Seelensamstag, besuchen die Menschen die Gräber ihrer Verstorbenen und gedenken ihrer. Pfingsten und das Totengedenken sind in der griechisch-orthodoxen Tradition eng miteinander verwoben – eine Verbindung, die in dieser Form kaum woanders so ausgeprägt ist. 

Österreich – Pfingstlotter, Krapfen und gestohlene Gegenstände

In ländlichen Teilen Österreichs gehören zu den typischen Pfingstbräuchen das Pfingstfeuer, Flurumritte und das sogenannte Pfingststehlen – bei dem in der Pfingstnacht bewegliche Gegenstände aus Hof und Garten entwendet und am nächsten Morgen auf dem Dorfplatz wiedergefunden werden. Ein Brauch, der heute eher zum Schmunzeln einlädt, aber einst als Abwehrzauber gegen böse Geister gedacht war.

Besonders charmant ist der Pfingstlotter: Eine Puppe aus Stroh, Holz und alten Kleidungsstücken, die junge Männer möglichst unbemerkt vor die Tür oder aufs Dach einer jungen Dame stellen – als Signal, dass sie langsam ans Heiraten denken sollte.

Und dann gibt es noch die kulinarische Seite: In manchen Regionen Österreichs werden zu Pfingsten Krapfen in Taubenform gebacken, sogenannte Heiliggeistkrapfen. Die Form des Vogels soll die sieben Gaben des Heiligen Geistes symbolisieren. Eine der schönsten Verbindungen zwischen Volksbrauch und Theologie, die es gibt.

Schweiz – der Pfingstblüttler

In der Schweiz gibt es den sogenannten Pfingstblüttler: Junge Männer ziehen in Pflanzenteile gekleidet zum Dorfbrunnen und nehmen dort ein Bad – wobei sie die umstehenden Zuschauer kräftig bespritzen.

Das klingt nach einem harmlosen Frühlingsspaß – und das ist es auch. Aber dahinter steckt eine alte Idee: der Mensch als Teil der Natur, eingehüllt in Grün, gewaschen im Quellwasser. Dieselbe Symbolik, die in der Taufe steckt, nur in volkskundlichem Gewand.

Deutschland – viele Bräuche, wenig Bedeutung

In Deutschland gibt es überraschend viele Pfingstbräuche – aber kaum jemand weiß noch, was sie bedeuten.

Der Pfingstochse: In Bayern und anderen Regionen wurde früher das kräftigste Tier der Herde mit Blumen geschmückt und feierlich auf die Weide getrieben. Pfingsten war der erste große Weidetrieb des Jahres – ein landwirtschaftlicher Moment, der religiös überhöht wurde.

Das Birkenstecken: Junge Männer stellten ihrer Liebsten in der Nacht zum Pfingstsonntag eine frische Birke vor die Tür – als Zeichen der Zuneigung. Wer verschmäht wurde, bekam manchmal ein kahles Geäst.

Das Pfingstsingen: Im Bergischen Land ziehen junge Männer bis heute von Tür zu Tür und singen Pfingstlieder – eine der ältesten lebendigen Volksmusiktraditionen Deutschlands.

Was auffällt: Die meisten deutschen Pfingstbräuche haben mehr mit Frühling, Fruchtbarkeit und Liebeswerben zu tun als mit dem Heiligen Geist. Das religiöse Fundament ist verblasst – die volkstümliche Schale blieb.

Armenien – wo ein Apostel Spuren hinterließ

Armenien ist das erste Land der Welt, das das Christentum zur Staatsreligion erklärte – um das Jahr 301 n. Chr. Und die Verbindung zu den Aposteln ist dort bis heute lebendig: Bartholomäus und Thaddäus gelten als die Gründerapostel der armenischen Kirche.

Das armenische Wort für Pfingsten lautet „Hogegalust” – zusammengesetzt aus „Surb Hogi” (Heiliger Geist) und „Galust” (Ankunft). Der Name sagt alles: Es ist das Fest der Ankunft des Heiligen Geistes.

Pfingsten gehört zu den fünf großen Hauptfesten der Armenischen Apostolischen Kirche. Am Vorabend jedes dieser Feste findet eine besondere Zeremonie statt – das sogenannte Vorfest – das bereits als Beginn des Festes gilt. Gläubige pilgern zu Wallfahrtsorten, manche verbringen die Nacht dort. Eine Tradition, die in manchen Regionen bis heute lebt.

Was Armenien besonders macht: Die Armenische Kirche hat im Kirchenkalender sogar einen eigenen Gedenktag für die Apostel Thaddäus und Bartholomäus als erste Erleuchter Armeniens. Pfingsten und die Apostelgeschichte sind in Armenien keine abstrakte Vergangenheit – sie sind Teil der nationalen Identität.

Äthiopien – eines der ältesten christlichen Länder der Welt

Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche gilt als eine der ältesten christlichen Kirchen der Welt – und ihr Glaube ist tief im Alltag verwurzelt. Pfingsten heißt dort „Paracletos” – benannt nach dem Parakletos, dem Beistand, den Jesus seinen Jüngern versprach.

Was Pfingsten in Äthiopien von westlichen Feiern unterscheidet, ist die sinnliche Wucht der Gottesdienste. Priester tragen die Tabot – eine Nachbildung der Bundeslade – in feierlichen Prozessionen unter Gesang, Tanz und den Klängen von Trommeln und Leiern durch die Gemeinde. Weiße Kleidung, Kerzen, mehrstündige Gottesdienste – Pfingsten ist dort kein Randfeiertag, sondern ein Fest, das man körperlich spürt.

Bemerkenswert ist auch die Verbindung zur Apostelgeschichte: In der äthiopischen Tradition wird auf die Stelle in Apostelgeschichte 8 verwiesen, in der Philippus einem äthiopischen Kämmerer begegnet und ihn tauft. Äthiopien sieht sich also selbst als Teil der allerersten Ausbreitung des Glaubens – direkt verbunden mit den Aposteln.

Osteuropa – Birken, Wasser und Grün

In Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei sind Pfingstbräuche lebendig, die sich deutlich von den deutschen unterscheiden.

In Polen werden bis heute etliche Häuser mit grünen Zweigen verziert – ein Symbol für Fruchtbarkeit und die Kraft der Natur. Dazu gehört ein weiterer, besonders bei der Jugend beliebter Brauch: Am Pfingstmontag wird man mit Wasserpistolen oder Eimern voll kaltem Wasser bespritzt. Die nass Gespritzten sollen damit Gesundheit und Schönheit für das kommende Jahr empfangen.

Woher dieser Wasserbrauch stammt, ist nicht ganz geklärt – aber er erinnert von ferne an die Taufe und die reinigende Kraft des Wassers, die in der christlichen Tradition seit jeher mit Pfingsten verbunden ist. Ob das die ursprüngliche Absicht war oder ob sich hier vorchristliche Frühlingsbräuche mit dem Fest vermischt haben, lässt sich heute kaum mehr trennen.

Was verbindet all diese Pfingstbräuche?

So unterschiedlich die Pfingstbräuche weltweit sind – Rosenblätter in Italien, Volksfeste in Griechenland, Birken in Niedersachsen, Gottesdienste in Kerala – sie haben alle einen gemeinsamen Ursprung. Den Morgen in Jerusalem, an dem Menschen aus Parthien, Ägypten, Rom und allen Himmelsrichtungen in ihrer eigenen Sprache hörten, was geschehen war.

Die Apostel trugen das weiter. Nicht als abstrakte Botschaft, sondern als gelebte Überzeugung – bis in die entlegensten Winkel der damals bekannten Welt. Und überall, wo sie hinkamen, hinterließen sie etwas.

Das ist vielleicht das Bemerkenswerteste an Pfingsten: Es ist kein Fest, das an ein vergangenes Ereignis erinnert. Es ist das Fest einer Kraft, die sich von Jerusalem aus in alle Welt verbreitet hat – und die bis heute, in sehr verschiedenen Formen, lebendig ist.

Das war der letzte Artikel in unserer Pfingstreihe. Kennst du eine dieser Traditionen – oder hast du vielleicht sogar selbst an einem Pfingstbrauch teilgenommen? Wir würden gerne deine Gedanken in den Kommentaren lesen.

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