Wer sich zum ersten Mal mit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beschäftigt, stößt früher oder später auf eine häufig gestellte Frage: Ist die Kirche Jesu Christi eine Sekte? Diese Frage wird besonders von Menschen gestellt, die die Kirche noch nicht kennen oder zum ersten Mal von ihr hören.
Der Begriff „Sekte“ wird oft verwendet, wenn eine Religionsgemeinschaft wenig bekannt ist oder sich in einigen Glaubenslehren von anderen Kirchen unterscheidet. Doch was bedeutet dieser Begriff eigentlich – und trifft er auf die Kirche Jesu Christi zu?
Was ist eine Sekte?
Eine allgemein anerkannte Definition des Begriffs „Sekte“ gibt es nicht. Früher wurde das Wort häufig für religiöse Gruppen verwendet, die sich von einer größeren Glaubensgemeinschaft abgespalten hatten.
Heute verbinden viele Menschen mit einer Sekte eher Gruppen, die ihre Mitglieder stark kontrollieren, sie von Familie und Freunden isolieren oder Druck ausüben, damit niemand die Gemeinschaft verlässt.
Deshalb lohnt es sich, bei der Frage „Ist die Kirche Jesu Christi eine Sekte?“ genauer hinzuschauen und nicht nur auf ein Etikett zu vertrauen.
Warum wird die Kirche Jesu Christi als Sekte bezeichnet?
Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wurde im Jahr 1830 gegründet und ist im Vergleich zu vielen anderen christlichen Kirchen noch relativ jung. Außerdem vertritt sie einige Glaubenslehren, die sich von denen anderer christlicher Kirchen unterscheiden.
Dazu gehören beispielsweise der Glaube an moderne Propheten, zusätzliche heilige Schriften neben der Bibel sowie die Überzeugung, dass Gott auch heute noch Menschen durch Offenbarung führt.
Nicht jede Religionsgemeinschaft mit besonderen Glaubensvorstellungen ist jedoch automatisch eine Sekte. Viele heute etablierte Religionen wurden in ihrer Anfangszeit von Kritikern als Randgruppen oder Sekten bezeichnet.

Sind die Gottesdienste öffentlich?
Ja. Die sonntäglichen Gottesdienste der Kirche Jesu Christi stehen allen Interessierten offen. Besucher sind willkommen, unabhängig davon, ob sie Mitglied sind oder nicht.
Wer möchte, kann einen Gottesdienst besuchen, Fragen stellen oder mit Mitgliedern ins Gespräch kommen. Es gibt keine Verpflichtung, Mitglied zu werden oder an weiteren Veranstaltungen teilzunehmen.
Können Mitglieder die Kirche verlassen?
Die Mitgliedschaft in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist freiwillig. Menschen entscheiden selbst, ob sie Mitglied werden möchten, und sie können ihre Mitgliedschaft auch wieder beenden.
Wie in vielen religiösen Gemeinschaften kann ein Glaubenswechsel persönliche Auswirkungen auf Freundschaften oder familiäre Beziehungen haben. Die Entscheidung über den eigenen Glauben bleibt jedoch jedem Menschen selbst überlassen.
Es gibt in der Kirche keine Regel, nur Freundschaften mit Mitgliedern zu pflegen oder Menschen anderer Glaubensrichtungen zu meiden. Mitglieder leben in ganz normalen sozialen, beruflichen und familiären Beziehungen mit Menschen unterschiedlichster Überzeugungen. Auch wenn die Kirche empfiehlt, bei wichtigen Lebensentscheidungen – etwa einer Ehe – gemeinsame Glaubenswerte zu berücksichtigen, entscheiden letztlich die Betroffenen selbst, wen sie heiraten oder mit wem sie ihr Leben teilen möchten.
Welche Rolle spielen Gebote und Verpflichtungen?
Die Kirche Jesu Christi lehrt verschiedene Gebote und Glaubensgrundsätze, die den Mitgliedern helfen sollen, Jesus Christus nachzufolgen. Dazu gehören beispielsweise das Gebet, der Dienst am Nächsten, ein gesundheitsbewusster Lebensstil und der Zehnte.
Die Kirche lehrt den Zehnten als Gebot Gottes. Darunter versteht sie die Spende von zehn Prozent des Einkommens. Mitglieder entscheiden selbst, ob und in welchem Maß sie dieses Gebot befolgen möchten.
Ob jemand einen vollen Zehnten zahlt, beurteilt jedes Mitglied selbst. Die Kirche kontrolliert keine Kontoauszüge oder persönlichen Finanzunterlagen. In bestimmten Situationen, etwa wenn ein Mitglied einen Tempelschein erhalten möchte oder beim jährlichen Gespräch über den Zehnten, kann gefragt werden, ob der Zehnte vollständig gezahlt wurde. Dabei verlässt sich die Kirche auf die ehrliche Auskunft des einzelnen Mitglieds. Es findet keine finanzielle Kontrolle statt.
Viele Mitglieder sehen in diesen Geboten keine Einschränkung, sondern eine Möglichkeit, ihren Glauben im Alltag bewusst zu leben. Auch eine Beichte im Sinne einer regelmäßigen Offenlegung persönlicher oder finanzieller Angelegenheiten gegenüber kirchlichen Leitern gehört nicht zur Glaubenspraxis der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.
Warum sind Tempel nicht öffentlich zugänglich?
Eine häufige Frage betrifft die Tempel der Kirche Jesu Christi.
Die sonntäglichen Gottesdienste finden in öffentlich zugänglichen Gemeindehäusern statt. Tempel erfüllen hingegen einen besonderen religiösen Zweck. Dort finden heilige Zeremonien statt, die für Mitglieder bestimmt sind, die sich auf bestimmte Glaubensgrundsätze vorbereitet und verpflichtet haben.
Vor der Weihung eines neuen Tempels werden Interessierte in der Regel eingeladen, das Gebäude zu besichtigen. Nach der Weihung dienen Tempel ausschließlich religiösen Zwecken.
Glauben Mitglieder an Jesus Christus?
Ja. Jesus Christus steht im Mittelpunkt des Glaubens der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.
Mitglieder glauben, dass Jesus Christus der Sohn Gottes und der Erlöser der Welt ist. Sie glauben an sein Leben, sein Sühnopfer, seinen Tod und seine Auferstehung und bemühen sich, seinem Beispiel zu folgen.
Aus diesem Grund verstehen sich die Mitglieder der Kirche als Christen.

Welche Kritik wird manchmal geäußert?
Wie bei vielen Religionsgemeinschaften gibt es auch Menschen, die negative Erfahrungen mit der Kirche Jesu Christi gemacht haben. Manche ehemalige Mitglieder berichten von sozialem Druck innerhalb ihres Umfelds, Schwierigkeiten im Umgang mit unterschiedlichen Glaubensansichten oder dem Gefühl, hohen Erwartungen gerecht werden zu müssen.
Andere kritisieren die Bedeutung bestimmter Gebote, die Voraussetzungen für den Tempelbesuch oder den Umgang mit Menschen, die die Kirche verlassen haben.
Gleichzeitig erleben viele Mitglieder die Kirche als unterstützende Glaubensgemeinschaft, die ihnen Orientierung, Freundschaften, Gemeinschaft und spirituelle Kraft gibt.
Wenn Menschen darüber diskutieren, ob die Kirche Jesu Christi eine Sekte ist, spielen oft persönliche Erfahrungen, Erwartungen und individuelle Begegnungen eine wichtige Rolle. Deshalb können die Ansichten über die Kirche Jesu Christi unterschiedlich ausfallen.
Ist die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage eine Sekte?
Ob eine Religionsgemeinschaft als Sekte bezeichnet wird, hängt oft davon ab, wie dieser Begriff definiert wird.
Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist eine christliche Glaubensgemeinschaft mit einer weltweiten Mitgliedschaft. Ihre Gottesdienste sind öffentlich, die Mitgliedschaft ist freiwillig, und Menschen können die Kirche verlassen, wenn sie dies möchten.
Aus Sicht der Kirche und ihrer Mitglieder beschreibt der Begriff „Sekte“ die Kirche nicht zutreffend. Wer sich fragt, ob die Kirche Jesu Christi eine Sekte ist, sollte die Lehren der Kirche kennenlernen, einen Gottesdienst besuchen und mit Mitgliedern über ihre Erfahrungen sprechen.
Letztlich ist die beste Antwort auf die Frage, ob die Kirche Jesu Christi eine Sekte ist, oft die eigene Auseinandersetzung mit ihrem Glauben, ihren Lehren und den Menschen, die ihn leben.
Häufige Fragen
Ist die Kirche Jesu Christi in Deutschland als Kirche anerkannt?
Ja. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist in Deutschland als Religionsgemeinschaft tätig und weltweit in vielen Ländern vertreten.
Darf man die Kirche Jesu Christi verlassen?
Ja. Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Menschen können ihre Mitgliedschaft beenden, wenn sie dies möchten.
Müssen Mitglieder der Kirche Jesu Christi den Zehnten zahlen?
Die Kirche lehrt den Zehnten als religiöses Gebot. Ob und wie jemand dieses Gebot lebt, liegt in der persönlichen Verantwortung des einzelnen Mitglieds.
Warum dürfen nicht alle Menschen die Tempel betreten?
Tempel haben einen anderen Zweck als die regulären Sonntagsgottesdienste. Dort finden besondere religiöse Zeremonien statt, die für vorbereitete Mitglieder vorgesehen sind.
Glauben Mitglieder der Kirche Jesu Christi an Jesus Christus?
Ja. Jesus Christus steht im Mittelpunkt ihres Glaubens. Mitglieder betrachten ihn als den Sohn Gottes und den Erlöser der Welt.