Die zwölf Stämme Israels gehören zu den bekanntesten Bildern der hebräischen Bibel. Für Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage haben sie zusätzlich eine besondere Bedeutung, weil das Thema auch heute in unserem Glauben eine Rolle spielt. Doch was steckt hinter diesen Stämmen, woher kommen ihre Symbole – und was sagen sie uns heute?

Die Herkunft der 12 Stämme Israels

Die Bibel berichtet, dass Jakob – der Enkel Abrahams – von Gott den Namen Israel erhielt. Seine zwölf Söhne wurden die Stammväter der zwölf Stämme. Zu diesen Söhnen gehörte auch Joseph, der später in Ägypten zu großer Bedeutung gelangte. Weil Joseph selbst kein eigenes Stammesgebiet erhielt, wurden seine beiden Söhne Ephraim und Manasseh von Jakob adoptiert und stellten gemeinsam Josephs Erbteil dar. Deshalb erscheinen sie in vielen Listen anstelle ihres Vaters.

Die Leviten erhielten kein eigenes Land, weil sie dem Priestertum und dem Tempeldienst gewidmet waren. Die übrigen Stämme erhielten jeweils ein eigenes Gebiet, was das religiöse, soziale und politische Leben des alten Israel über viele Jahrhunderte hinweg prägte.

Warum die Stämme damals so wichtig waren

Für das Volk Israel waren die Stämme mehr als Familienlinien. Sie bestimmten die Zugehörigkeit zu einem Gebiet, die Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft, die Weitergabe von Verheißungen und die Ordnung im Priesterdienst. Selbst prophetische Worte bezogen sich häufig auf die einzelnen Stämme und die besonderen Segnungen, die Gott ihnen gegeben hatte.

Was ein patriarchalischer Segen ist

In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage erhalten Mitglieder einen patriarchalischen Segen – einen persönlichen und inspirierten Segen, der Orientierung gibt und Gottes Blick auf unsere Gaben, Aufgaben und Möglichkeiten zeigt. Dieser Segen beschreibt nicht den gesamten Lebensweg, sondern hilft, Gottes Plan besser zu erkennen und geistige Stärke zu finden.

In vielen dieser Segnungen wird auch erwähnt, welchem der biblischen Stämme man zugeordnet wird. Diese Zuordnung ist nicht als genealogischer Nachweis zu verstehen, sondern als ein geistiges Bild: Sie macht deutlich, dass wir Teil des Bundesvolkes Israel sind und Anteil an den Verheißungen haben, die Gott Abraham, Isaak und Jakob gegeben hat. Damit wird die alte Geschichte Israels zu etwas Lebendigem, das uns heute verbindet und uns an unsere Aufgabe im Werk des Herrn erinnert.

Symbole und Bilder aus der Bibel

Viele der bekannten Stammes-Symbole stammen aus dem Segen Jakobs (Genesis 49) und dem des Mose (Deut. 33). Andere Bilder entwickelten sich später in jüdischer Tradition oder christlicher Kunst. Einige Symbole sind also eindeutig biblisch, andere eher überliefert.

Einige der Bilder, die in den Segnungen Jakobs und Moses vorkommen, wirken für heutige Leser ungewohnt oder sogar hart. In der Sprache des Alten Testaments waren solche kraftvollen Tier- und Naturbilder jedoch ein übliches Mittel, um Charakter, Stärke und Aufgaben eines Stammes auszudrücken. Sie sollten keine Gewalt verherrlichen, sondern zeigen, welche Rolle ein Stamm in Gottes Bund spielen würde – ob als Beschützer, Anführer, Arbeiter oder Träger bestimmter Verheißungen.

StammNamensbedeutungBiblisches SymbolGeistliche Bedeutung
Reuben„Seht, ein Sohn“ (Gen 29,32)Wasser / Unbeständigkeit (Gen 49,3-4)Erinnerung daran, dass geistige Stärke durch Treue entsteht.
Simeon„Hörer“ (Gen 29,33)Werkzeuge der Gewalt (Gen 49,5–7)Mahnung, dass Gottes Volk Frieden und Gerechtigkeit suchen soll.
Levi„Anhänglicher“ (Gen 29,34)Dienst am Heiligtum (Priestertum)Zeichen für Dienst, Heiligkeit und Hingabe an Gott.
Judah„Dank“ (Gen 29,35)Löwe (Gen 49,9–10)Hinweis auf Königtum, Mut und die Linie des Messias.
Issachar„Mann des Lohnes“ (Gen 30,18)Starker Esel (Gen 49,14–15)Sinnbild für Ausdauer, Arbeit und Bereitschaft, Lasten zu tragen.
Sebulon„Ehrung“ (Gen 30,20)Nähe zum Meer (Gen 49,13)Bild für Offenheit, Zusammenarbeit und Verbindung zu anderen.
Dan„Richter“ (Gen 30,6)Schlange (Gen 49,17)Symbol für Klugheit, Urteilskraft und Schutz des Volkes.
Naphtali„Kämpfer“ (Gen 30,8)Hirschkuh (Gen 49,21)Ausdruck für Freiheit, Anmut und gute Worte.
Gad„Glück“ (Gen 30,11)Kämpfer, der zurückschlägt (Gen 49,19)Zeichen für Durchhaltevermögen und Schutzkraft.
Asher„Glücklicher“ (Gen 30,13)Reichtum, Öl, Nahrung (Deut. 33,24–25)Bild für Segen, Fülle und Wohlwollen Gottes.
Joseph„Er füge hinzu“ (Gen 30,24)Fruchtbarer Zweig (Gen 49,22)Symbol für Wachstum, Treue und Gottes Führung in Prüfungen.
Manasseh„Gott ließ mich vergessen“ (Gen 41,51)Horn des Wildochsen (Deut. 33,17)*Sinnbild für Stärke, Einfluss und Verteidigungskraft.
Ephraim„der Fruchtbare“ (Gen 41,52)Horn des Wildochsen (Deut. 33,17)*Hinweis auf Führung, Verantwortung und geistige Sammelarbeit.
Benjamin„Sohn der Rechten“ (Gen 35,18)Wolf (Gen 49,27)Symbol für Mut, Schutz und Standhaftigkeit.

* Das Bild des Wildochsen bezieht sich auf Josephs Nachkommen insgesamt; es wird traditionell auf Ephraim und Manasseh aufgeteilt.

Eine Verbindung über Jahrtausende

Wenn in einem patriarchalischen Segen ein Stamm genannt wird, erinnert uns das an die uralte Geschichte Gottes mit seinem Bundesvolk. Die Stämme Israels tragen Zeugnis davon, dass Gott seit jeher mit Familien und Gemeinschaften wirkt und sie durch Bündnisse führt. Die überlieferten Symbole helfen uns, diese Verbindung zu verstehen: Sie erinnern daran, dass wir Teil eines großen Werkes sind, das mit Abraham begann und heute weitergeht.

Was bewegt dich an der Geschichte der Stämme Israels – oder welche Fragen hast du dazu? Teile gern deine Gedanken mit uns.

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